Jedes Maß verloren

Man könne doch nicht einen Fußball-Funktionär beleidigen, meint Sportvorstand Jochen Schneider. Beleidigt aber ein Funktionär die Bevölkerung einen ganzen Kontinents, hat er keine besonderen Probleme.

„Ein Transparent – Spielabbruch“, hat er gegenüber Medien verkündet. Und geht damit noch weit über den Dreistufenplan des DFB hinaus. Gebe es Schmähplakate gegen Hopp, „wird unsere Mannschaft den Platz verlassen – ungeachtet der Spieldauer, des Resultats oder etwaiger Konsequenzen“.

Nach der Aktion genau dieser Fans, die in Drochtersen Rassismus und Clemens Tönnies die rote Karte gezeigt hatten, war er aber derjenige, der schnell relativierte. Da betonte er Tönnies‘ Verdienste um den Club. Hopp beleidigen – geht wohl gar nicht. Einen ganzen Kontinent und sich bis heute nicht entschuldigen – bitte schnell zur Tagesordnung übergehen. Der S04 hat jedes Maß verloren.

7 Gedanken zu „Jedes Maß verloren

  • 2. März 2020 um 12:49
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    In der Tat: Was für eine Heuchelei vor dem Hintergrund wie sich unsere Vorstandsmitglieder in der Causa Tönnies verhalten haben.

    Mit dieser vereinsinternen Ankündigung/Regelung macht sich unser Verein (besser: Vorstand) auch noch in vorauseilendem Gehorsam zum Vorreiter für Kollektivstrafen, bei denen auch alle die bestraft werden, die mit Beleidigungen oder gar Rassismus überhaupt nichts zu tun haben und/oder sich dagegen einsetzen (ich zähle mich dazu und bin entsetzt!).
     
    Übrigens, an „ganz dunkle Zeiten“ fühlt sich Dietmar Hopp durch die Fanbanner und -proteste vom Samstag erinnert. Das hat er wirklich so gesagt gegenüber seinem Hofberichterstattungssender Sport 1 (der darin natürlich nichts Problematisches erkannt hat). Damit hat Hopp die Nazi-Zeit und den Holocaust in unerträglicher Weise verharmlost.
    Zu allem passt leider auch noch, dass Dietmar Hopp wohl immer noch versucht, seinen Vater Emil Hopp als Opfer darzustellen, und dabei Fakten wegredet, wie man in der jüdischen Allgemeinen nachlesen kann:
    https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/die-legende-vom-unschuldigen-nazi/
     
    Von der (imho eindeutig rechtswidrigen!) Zweiklassen-Mitgliedschaft (mit und ohne Stimmrechte) bei 1899 Hoffenheim (Lex Hoffenheim des DFB), von dem Skandal um die Schallkanone im Gästefanbereich („Sohn einer Hupe“), von der Ver- und Behinderung von Mitbestimmung bei SAP durch Hopp u.a. will ich gar nicht erst anfangen. Aber die Tatsache, dass das alles inzwischen zumindest von der Sportjournalisten totgeschwiegen wird, zeigt, dass Protest (nicht Schmähung wie teilweise leider auch passiert!!) angebracht und angesagt ist gegen Hopp und sein Spielzeug 18,99 € Hoppenheim.
     
    Ausgerechnet bei diesem Thema sollen die Schalker Fans auf diese Art und Weise nun mundtot gemacht werden!? Unfassbar!
     
    Wie auch immer, sollte Schalke 04 (sc. der dafür verantwortliche Vorstand) ohne Mandat der Vereinsmitglieder und entgegen den Verbandsstatuten/Dreistufenplan die Mannschaft früher als nötig vom Platz schicken (und damit automatisch vereinsintern die Kollektivstrafe einführen) und dem Verein dadurch ein Schaden entstehen, so werden die Vorstandsmitglieder dafür zivil- und vereinsrechtlich in die Haftung zu nehmen sein.

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    • 2. März 2020 um 15:20
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      Bisher habe ich mich als S04-Anhängerin gar nicht so um Dietmar Hopp gekümmert, auch nicht um die dunkle Vergangenheit seiner Familie, von der ich bisher nichts wusste.

      Sein 18,99 Euro Hoppenheim war mir zwar auch schon bisher suspekt, weil es letztendlich der Bundesliga einen Traditionsverein wegnimmt und mit seinem Klatschpappen-Publikum natürlich auch viel positive Emotionen. Außerdem verringert es enorm die Wirtschaftskraft, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze, weil natürlich Traditionsvereine mehr Zuschauer locken und so in der jeweiligen Region und auch auswärts weit mehr Steuereinnahmen in den Steuersäckel fließen lassen.

      Weil Dietmar Hopp sich aber so mimosenhaft gibt und mit Kanonen auf Spatzen schießt und gleichzeitig offenkundig, wie oben in dem Link eindrucksvoll zu lesen, seine Familienvergangenheit immer noch beschönigt, werde ich mir am Samstag nicht den Mund nicht verbieten lassen und z.B. in Anlehnung an die oben erwähnte Schallkanone (das wusste ich bisher auch noch nicht: danke an all die Hopp-Hofberichterstatter!) bei „Dietmar Hopp, du Sohn einer Hupe“ definitiv lautstark miteinstimmen.

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      • 2. März 2020 um 18:00
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        Es kommt ja noch hinzu, dass Hopp wahrscheinlich nicht einmal Schenkungssteuer gezahlt hat, als er seinem Verein zig Millionen hat zukommen lassen und ihn aufgebaut hat. Man stelle sich mal vor, was man mit den zig Millionen alles Positives und wirklich Soziales in der Region hätte machen können, anstatt so viel Geld in den Profifußball und letztendlich in die Fußball-Millionarios zu pumpen. Suppenküchen für die Ärmsten der Armen in der Region müssten bestimmt nicht mehr um Geld/Spenden betteln und auch die Missionaries of Charity (Nachfolgerinnen von Mutter Teresa) hätten nicht eine Anlaufstelle (bewusst!) in Mannheim. Ob bei den wirklich Armen in seiner Region wirklich so viel angekommen ist, das wage ich jedenfalls zu bezweifeln.
         
        Stattdessen sieht man überall (ich übertreibe jetzt, aber von Mannheim über Hoffenheim nach Sinsheim habe ich selbst mehrere Objekte gesehen) in der Region (auch schon in der Region Mannheim) Straßen/Plätze und Gebäude schon zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden: So viel zu seiner angeblichen Uneitelkeit. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber wie gerne er sich mit den Großen der Branche, insbes. der Bayern-Verantwortlichen, sehen und ablichten lässt, seine dunkle Familiengeschichte wegreden will (s.o.), das spricht schon ein paar Bände für mich. Außerdem schätzen auch Leute, die mit ihm mehr zu tun hatten, ihn als eitel ein, wie man dieser WDR-Doku entnehmen kann:
        https://www.youtube.com/watch?v=HKHVL_3uhrw

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    • 3. März 2020 um 05:56
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      Schaut euch doch mal diese WDR-Dokumentation bei an bei 4 min 45 sek (Interview mit Christian Heidel):
      https://www.youtube.com/watch?v=HKHVL_3uhrw
      Schon damals hat er vom DFB verlangt, dass einfachste (zulässige) Kritik an ihm verbandsrechtlich wie rassistische Beleidigungen bestraft werden soll. Da sieht man doch wie und wo der Hase läuft schon seit Jahren!

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  • 2. März 2020 um 14:01
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    Die S04-Verantwortlichen wollen sich wohl nun mit ungerechten Kollektivstrafen (trifft auch die, die gegen Diskriminierung und Rassismus kämpfen) als harte Hunde profilieren, nachdem sie bei Tönnies verharmlost und Milde haben walten lassen! Man darf gespannt sein, was passiert wenn ein Transparent mit der Aufschrift „Dann hören die in Afrika auf, die Bäume zu fällen, hören auf, wenn’s dunkel ist, wenn wir sie nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren.“ ausgerollt wird.

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  • 2. März 2020 um 22:51
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    Es ist schon unglaublich, dass Menschen immer wieder mit den unterschiedlichsten Gründen versuchen, öffentlichen Hass und öffentliche Beleidigungen zu rechtfertigen. Dieses Ausmaß in den Stadien ist widerlich. Würden sich die Transparentverantwortlichen öffentlich zeigen, gäbe es auch keine Kollektivstrafen. Sie könnten ja jetzt noch zu ihren Vereinen gehen, sich offenbaren und damit den anderen Kollegen die Kollektivstrafe ersparen.

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  • 3. März 2020 um 02:29
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    „Dietmar Hopp, Du Sohn eines Nazis“ müsste gesungen werden. Das wäre keine Beleidigung sondern eine historisch erwiesene Tatsache. Die kann nach m.E. zu keiner Strafverfolgung führen und die Medien können das auch nicht aufblasen, weil man dann die dunkle Vergangenheit dieser Familie ans Licht befördern müsste!

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