Gefährliches Spiel

Zwei Spieler und ein Betreuer des 1. FC Köln sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Seit dem 6. April wurde in Köln wieder trainiert – und damit ist eigentlich alles gesagt, was man zu erfolgreichen Hygienekonzepten im deutschen Profifußball wissen muss.

„Die bisherigen Maßnahmen sowie die Strategie regelmäßiger Tests haben sich dahingehend bewährt, dass wir jetzt mit individuellen Lösungen reagieren können“, sagt Kölns Geschäftsführer Horst Heldt. Und der Kölner medizinische Sachverständige Tim Meyer meint: „Wir sind überzeugt, dass wir den Spielern mit unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz ermöglichen können.“ Also munter weiter so?

Natürlich ist noch unklar, unter welchen Bedingungen das geschehen ist und ob sie sich gegenseitig angesteckt haben oder unabhängig alle drei woanders. Problematisch ist in jedem Fall, dass ihre Kontaktpersonen, die anderen Spieler, nicht vorsorglich 14 Tage zu Hause bleiben, sondern weiter trainieren.

Der FC Köln beruft sich auf zwei Experten: jenen Sportmediziner Tim Meyer und die Epidemiologin Barbara Gärtner. Erster gehört zum Ärzteteam der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, letztere ist Mitglied der „Task Force Sportmedizin“ der DFL. In der Politik würde man bezweifeln, ob das wirklich die unabhängigsten Experten sind, wenn auf ihren Rat hin eine Entscheidung fiele.

Zwar soll alle drei Tage getestet werden – aber auch wenn die Ansteckungsgefahr am fünften Tag am höchsten ist, ist eine Ansteckung nach drei Tagen nicht ausgeschlossen. Dabei ist es ein gefährlicher Irrglaube zu meinen, Fußballspieler seien ja „jung“ und „fit“ und gehörten darum zu keiner Risikogruppe. Doch auch in jungen Jahren besteht eine Wahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent oder etwas höher (je nach Schätzung), an der Erkrankung zu sterben. Davon abgesehen besteht noch die wesentlich höhere Gefahr, schwer zu erkranken oder Lungenschäden davon zu tragen. Was das für einen jungen Mann bedeutet, der sein Leben darauf aufgebaut hat, Spitzensport zu treiben, kann sich jeder  selbst ausdenken. Von einem vielleicht gänzlich versauten Leben aufgrund von Spätfolgen einmal ganz zu schweigen.

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