Nummer 18 - 1998/04

Auszüge aus dieser Ausgabe:

“Der liebe Gott vergibt mir meine acht gelben Karten, aber der DFB nicht.” - Interview mit Andreas Müller
Die Arbeitsgruppe Stadionneubau fordert…
Wunder wiederholen sich nicht - schon wieder Inter Mailand
Hi-Ha-Höre - Schalker Amateure
Montags live im DSF… gibt’s “Auf Schalke”



“Der liebe Gott vergibt mir meine acht gelben Karten, aber der DFB nicht.”

(mb/cr) Es sollte ein Interview von Fans mit dem Veteranen Andi Müller werden, der zehn Jahre auf Schalke überstand und es fertigbringt, immer noch so auszusehen wie früher. Stattdessen entspann sich ein lockeres Gespräch mit einem bekennenden SCHALKE UNSER-Verehrer. Ein Eintauchen in unsere Vereinsgeschichte, nach dem vieles in neuem Licht erscheint.

SCHALKE UNSER:

Du kamst 1988 aus Hannover zum Zweitligaverein Schalke, der gerade abgestiegen war…

ANDREAS MÜLLER:

Ja, aber der abgebende Verein war der VfB Stuttgart, nach Hannover war ich nur ausgeliehen. Hannover hatte mir einen Vertrag für die erste Liga angeboten, aber dort wollte ich unter keinen Umständen bleiben. Mir und meiner Frau hat es dort überhaupt nicht gefallen. Ich hatte für den Verein auch keine große Zukunft gesehen, der mir in seinen ganzen Strukturen total brüchig erschien. Die alteingesessenen Spieler, die den Aufstieg geschafft hatten, hielten alle zusammen und die neuen Spieler wurden ausgegrenzt. Ich habe damals schon gewußt, daß die abgehen.

SCHALKE UNSER:

Mit Stuttgart bist du 1984 Meister geworden. Hast du oft gespielt?

ANDREAS MÜLLER:

In meiner ersten Saison war ich 19, wurde 20. Von 34 Spielen habe ich 20 Spiele gemacht, etwa zehn Spiele von Anfang an, sonst eingewechselt - und fünf Tore gemacht. Danach habe ich noch drei Jahre dort gespielt und war fester Stammspieler. In meinem vierten Jahr kam dann der Egon Coordes, und es gab Probleme. Er hat meine ganze Einstellung kritisiert, dabei habe ich damals für den Fußball alles gegeben, trainiert wie ein Schwein.

Er meinte aber, ich sei nicht aggressiv genug und im Zweikampf nicht so stark. Damit hatte er zu der Zeit auch nicht ganz unrecht, außerdem ist es immer ein Problem, sich als Eigengewächs dort durchzusetzen, wo man herkommt. Ich hätte schon nach zwei Jahren woanders hingehen sollen, mit dem Schwung, den ich am Anfang hatte.

Es gab dann Angebote vom Club und von Homburg, nach Homburg wäre ich aber nie gegangen. Außerdem stand ich mit meinen 24 Jahren auf der berühmten “Schwarzen Liste”, die den Multiplikator der Ablösesummen um ein bis drei Punkte erhöhte. Der VfB hatte ohnehin Faktor fünf, ich noch zwei oder drei Punkte drauf, da waren es dann 1,3 Millionen, und das 87/88, da entsprach das den Kosten für einen Nationalspieler. Dadurch stand ich im Sommer da und hatte überhaupt nichts.

Stuttgart hätte mich noch zwei Jahre verpflichtet, aber unter Coordes… das wäre zwar irgendwie gegangen, ich habe ja trotzdem unter ihm 30 Spiele gemacht. Doch ich habe gemerkt, wenn ich weiter kommen will, dann muß ich weg. Hannover war als Aufsteiger in der ersten Liga, hatte bereits in der zweiten Liga über 40000 Zuschauer, und der Trainer machte im Gespräch auf mich einen sehr vernünftigen Eindruck. Ich sah eine Chance und wollte es ein Jahr probieren. Gut, das hat nicht geklappt, aber in diesem Jahr habe ich am meisten gelernt. Der Sprung von zuhause weg, ‘mal auf eigenen Füßen stehen, und die Erkenntnis, es gibt nicht nur Leute im Fußball, die dir helfen…

Dann kam ich zu Schalke, Horst Franz stand noch unter Vertrag. Das schlimmste war, ich hatte mich auf Siebert verlassen, daß gestandene Spieler entweder kommen oder bleiben, aber da gingen ja fast 15 Spieler weg. Ich stand zwischen 18-, 19jährigen, ich dachte, ich bin im Kindergarten, als ältester Feldspieler mit 27 Jahren, das kann doch nicht sein. Das war das Problem, und da habe ich schon gewußt, was auf uns zukommt. Da wurde schon vom Aufstieg geredet, aber die 2. Liga ist oft schwerer als die erste. Junge Spieler denken, sie könnten spielerisch da durchkommen, aber da geht es richtig hart zur Sache.

Sie holten Didi Ferner, klasse Typ, aber in dieser Phase wohl nicht der Richtige, der die Mannschaft mal wachrüttelt. Es lief kurz und ging dann schnell bergab, dazu kam das Theater mit Eichberg, Übergangspräsidenten… hatte ich mich falsch entschieden? Aber die zweite Liga war mit die schönste Zeit, weil man sich trotz dieser ganzen Unruhe als Mannschaft zusammenreißen mußte. Langsam entstand ein Zusammenhalt, die Frauen lernten sich kennen, und ich fühlte mich wohl im Verein, man ging offen miteinander um.

Wir standen auf dem 19. Platz, aber ich habe meinen Schritt nie bereut, denn ich wußte, wir schaffen es schon. Neue Spieler stärkten das Potential, und Neururer war die richtige Wahl. Im letzten Spiel gegen BW 90 Berlin den Klassenerhalt zu schaffen, war wie ein Europapokal und wurde keinen Deut weniger gefeiert. Das unterscheidet Schalke auch von anderen Vereinen: Wenn es richtig hart auf hart kommt, stehen alle zusammen, einzigartig. Ein “schlafender Riese”, es dauerte nur viel zu lang, ihn zu wecken.

SCHALKE UNSER:

Zehn Jahre “auf Schalke” in dieser schnellebigen Zeit - wolltest oder konntest du nicht wechseln?

ANDREAS MÜLLER:

Ich bin mit Schalke verwachsen, verbunden, bin inzwischen mehr absoluter Schalkefan als ich je VfB-Fan war. Ich komme von dort, habe in der Jugend gespielt, mich wohlgefühlt. Aber die Wärme, die Herzlichkeit, die mir hier entgegengebracht wurde, die habe ich in Stuttgart nicht gespürt. Auch das Zusammenhalten, die Fans, wenn man sieht, was hier im Stadion abgeht und dann nach Stuttgart schaut… dann lebt hier der Fußball. Es gibt für einen Spieler nichts Schöneres, als in einem Stadion zu spielen, das lebt, wo Action ist.

Man läßt sich auch immer was Tolles einfallen, opfert den letzten Pfennig, um Schalke auswärts zu sehen. Man merkt, daß der Verein den Leuten total am Herzen liegt, und auch die Spieler werden wirklich gepackt vom Schalke-Fieber, wie die Fans auch. Noch zur Zweitligazeit hatte ich ein Angebot von Gladbach, und Eichberg sagte, ich laß’ dich nicht weg. Er war eigentlich ein richtiger Fan von mir… ich sah das als Bestätigung, daß die Leute im Verein total hinter mir stehen, das ist das beste Gefühl, das du als Fußballer haben kannst: Du wirst gebraucht, und die wollten sogar 1,5 Millionen Mark bezahlen, aber man läßt dich nicht raus. Toll, da macht man sich auch keine großen Gedanken, obwohl Gladbach damals erstklassig war. Man überlegt schon, ob es besser ist, zu wechseln. In zehn Jahren sehen die Leute auch deine Schwächen, deine Durchhänger. Als Neuer hat man erstmal eine Schonzeit und wird positiv gesehen, aber jeder Spieler hat Schwächen.

SCHALKE UNSER:

Du hattest Ärger mit Eichberg, hast den Verein auf Zahlung von Urlaubsgeld verklagt…

ANDREAS MÜLLER:

Ich hatte keine andere Wahl. Die wahren Hintergründe konnte ich damals nicht nennen, und Eichberg hat virtuos Politik über die Medien gemacht, mich über die Bildzeitung an den Pranger gestellt, und ich konnte mich nicht so einfach rechtfertigen. Im Dezember ´90 wurde Peter Neururer entlassen, ich hatte aber gerade meinen Vertrag verlängert. Peter war sauer, aber ich sagte, auch als Kapitän kann ich dich nicht halten, Eichberg ist hier im Moment der große Messias und entscheidet. Ich habe keine Chance, wenn ich mich querlege, fliege ich auch noch raus. So ist das Geschäft, ob das richtig ist oder nicht, ich fand das damals ja nicht richtig.

Um die Wogen zu glätten, wollte Eichberg nach draußen Zeichen setzen, damit die Leute sich beruhigen. Die Verträge von Ingo, mir und einigen anderen wurden verlängert, mir wurde ein Vierjahresvertrag für die erste Liga angeboten. Der Verein stand finanziell schlecht da und hatte Auflagen vom DFB, also mußte er andere Zahlungswege finden, daher gab es zusätzlich einen Privatvertrag; es gab noch das Angebot von Gladbach, aber Eichberg bot zusätzliche Zahlungen zu dem Betrag, den Schalke als Verein offiziell bezahlen durfte. Herr Ristic wurde Trainer… beim Freundschaftsspiel in Siegen habe ich mich dann schwer am Knie verletzt.

Nach der ärztlichen Untersuchung war für Eichberg schon abgemacht, daß er nicht ab 1.7. zahlen wollte wie besprochen. Ich habe zwei Monate gewartet und ihn dann angesprochen, wie es mit unserer Vereinbarung stehe. Er sagte: “Du glaubst doch nicht, das ich dir etwas bezahle, wenn du so verletzt bist”. Da haben mir schon die Ohren geklingelt. Ich habe ihn dann nochmal angesprochen: “Wenn Sie Ihre schriftliche Verpflichtung nicht einhalten, werde ich klagen”.

Er sagte, das solle ich ruhig tun. Im Vertrag stand zwar nichts davon, daß ich spielen mußte. Er hatte sich aber erkundigt, mit einem schweren Knorpelschaden sah es natürlich schlecht aus, also wollte er nicht zahlen. Ich wollte die Privatzahlung nicht an die Öffentlichkeit bringen und kam auf die Idee, auf Urlaubsgeld zu klagen. Ich habe ihm noch fünf-, sechsmal angeboten, sofort die Klage zurückzuziehen, wenn ich das zugesicherte Geld bekomme, es ging mir ja eigentlich nie ums Urlaubsgeld. Als ich dann wieder fit war, habe ich ein paarmal gespielt, aber Ristic hat das Spiel mitgemacht und mich dann auf die Tribüne gesetzt. Im Trainingslager in Gran Canaria drohte Eichberg, wenn ich die Klage nicht zurückziehe, schmeißt er mich raus. Ich sagte, das solle er ruhig machen.

Er wollte mich noch richtig einschüchtern, “du ziehst nie wieder das Trikot von Schalke 04 an!”, Bruchhagen und Höffken saßen auch dabei, hielten sich aber ziemlich raus. Zum Spiel in Gladbach sollte ich dann wieder mitfahren. Eichberg ließ mich rufen und sagte: “Du weißt, ich rede nicht mehr mit dir, ich rege mich zu sehr auf. Sprich mit Brinkmann und Höffken.” Mit denen habe ich dann vereinbart, die Klage zurückzuziehen, gleichzeitig sollten die Zahlungen von Eichberg erfolgen. Im Spiel danach wurde ich eingewechselt und mache noch das Tor - in der 90. Minute. Kein Happy-End: Alle Positionen, auf denen ich spielen kann, waren inzwischen besetzt, und als alle zwei, drei Wochen später fit waren, saß ich wieder auf der Tribüne - die Retourkutsche.

SCHALKE UNSER:

Wie lange ist dir diese Geschichte hinterhergelaufen?

ANDREAS MÜLLER:

Gute zwei Jahre. Klaus Fischer wurde Trainer, und ich fragte: “Klaus, habe ich eine faire Chance bei dir?”. Er antwortete: “Ich lege dir keine Steine in den Weg, wenn du weg willst.” Es war klar, Eichberg hatte ihn zum Cheftrainer gemacht und solange er Präsident war, hatte ich keine Chance. Jörg Berger wollte mich nach Köln holen, aber just zu dem Zeitpunkt, als Ristic ‘rausflog, gab es plötzlich kein Angebot mehr von Köln. Netzer war auch noch da, ich erzählte ihm alles. “Wärst du gleich zu mir gekommen, wäre die Sache erledigt. Aber ich spreche mit Eichberg, ich regle das.” Zwei Tage später war der Netzer weg vom Verein.

Udo Lattek hat mich dann erstmal sehr kritisch beäugt, ist ja auch normal. Nach acht Wochen kam er zu mir, das fand ich sehr stark von ihm: “Junge, Hut ab. Ich habe dich jetzt eine Weile beobachtet, du hängst dich hier rein, im Training, du bekommst bei mir eine faire Chance und spielst demnächst.” So war es dann auch, ich war zwar nicht immer dabei, aber ich habe wieder gespielt.

Dann war Höffken der starke Mann im Verein und hat den Schulte geholt. Der war auch nicht von Anfang an auf meiner Seite, muß er auch nicht sein, aber er hat mich immer öfter attackiert, auch nicht spielen lassen. Da habe ich ihn mir irgendwann geschnappt nach dem Motto “Hopp oder top” und ihm meine Meinung gegeigt. Das muß ihm wohl so imponiert haben, daß ich danach wieder eingesetzt wurde, und die ganze Sache war für mich endgültig erledigt.

Bei mir muß es ehrlich laufen, so hintenrum, das kann ich nicht. Wenn man sein Wort gibt, gerade im Fußball, muß man es auch einhalten. Assauer ist so einer, da kannst du dich hundertprozentig darauf verlassen. Damit allein war Schalke noch nicht über den Berg, die Spieler hatten außer vielleicht dem Trainer überhaupt keine Ansprechpersonen. Bruchhagen, Netzer, die waren nie da. Das Interesse von Helmut Kremers, immer da zu sein, auch für die Spieler, das war auch nicht so groß. Da war es für uns schwierig, sich zurechtzufinden, Hilfe zu kriegen. Wenn dauernd die Führung wechselt, kommen immer andere Trainer, und die wollen immer andere Spieler. Die Mannschaft konnte sich nie finden. Heute wären Spieler wie Mihajlovic oder Christensen für den Verein besser zu akzeptieren als damals, das waren sehr gute Spieler. Aber es ging alles drunter und drüber, da haben die nicht gepaßt.

SCHALKE UNSER:

War es richtig, Jörg Berger auszutauschen?

ANDREAS MÜLLER:

Jörg Berger war genau der richtige Trainer zu dem Zeitpunkt, als wir da unten standen. Er hat die Begeisterung mitgebracht und den Teamgeist wiederbelebt. Vielleicht ist es hart, das zu sagen, aber es gibt bei ihm nach Erfolgen eine gewisse Zufriedenheit.

Wir wußten, daß wir große Defizite haben. Wir haben Vorschläge gemacht, wollten an Tagen trainieren, wo der Trainer uns freigegeben hat! Wir wollten mehr, und er hat uns das nicht gegeben. Die Ersatzspieler hatten Frust, haben gesehen, da spielen immer dieselben und die Kluft zu den Stammspielern wird größer. Gespräche gab es immer, aber ich war zu der Zeit nicht im Mannschaftsrat. Nach dem Pokalspiel gegen Bochum gingen Olaf, Jens, Ingo und Youri nochmal rüber. Der Manager hat das schon ein halbes Jahr lang verfolgt, und es war immer dasselbe Thema: Wir trainieren zuwenig, oft beim Training kam Berger nicht ‘mal mit raus, hat nur Taktik gemacht. Wenn man kein Feuer drin hat, muß es der Trainer schüren. Aber wir sind fast eingeschlafen.

Früher haben wir am Dienstag richtig rangeklotzt, aber dann schlich sich das so ein - auf einmal waren nur noch acht Mann mittags beim Training. Hinterher haben wir dienstags nur noch einmal trainiert. Wir sind ja noch Dritter geworden, aber auf einmal, nach der Pause, ging es ja ganz schlecht los: kein Heimspiel gewonnen, im Pokal ausgeschieden, da waren schon die Alarmzeichen da.

Okay, wir sind im Europapokal gegen Kerkrade eine Runde weitergekommen, aber wir haben gespürt: Wenn wir so weitermachen, sind wir bald ganz unten, wo wir herkamen. Wir hätten uns auch einen Lenz machen können und sagen, gut, wir haben ein schönes Leben, aber das haben wir nicht getan. Und das finde ich charakterstark. Huub Stevens gibt Gas.

SCHALKE UNSER:

Wie geht es weiter, hängst du eine Saison dran, vielleicht als Stand-by-Profi?

ANDREAS MÜLLER:

Die Entscheidung steht an, Rudi sagt, “Ich und der Trainer möchten, daß du noch ein Jahr als Spieler machst, du bist ja auch noch fit.” Das konnte ich ihm bestätigen, aber es ist eine Kopfsache für mich. Ich war in den letzten Jahren Stammspieler, kann aber auch damit leben, daß ich nicht alle 30 Spiele mache, die Hälfte wäre auch okay. Aber das sollte schon sein, es ist für mich und die Mannschaft nicht gut, wenn ich mich auf die Bank setze, mich für die letzten fünf Minuten warmmache und dann reinkomme. Das ist für mich nicht zufriedenstellend, ich weiß nicht, ob ich das für eine ganze Saison machen sollte.

Der Trainer betont, daß ich auch außerhalb des Spielfeldes für die Mannschaft sehr wichtig bin. Das macht mir auch Spaß, als Ansprechpartner für jüngere Spieler meine Erfahrungen weiterzugeben, aber meine Rolle muß schon geklärt sein bevor ich noch ein Jahr dranhänge. Die andere Möglichkeit wäre, Assistent des Managers zu werden, eine sehr interessante Aufgabe für vielleicht zwei Jahre. Das hängt aber auch von der Familie ab, meine Frau kommt auch aus Stuttgart, und wir können uns gut vorstellen, zurückzugehen.

Außer Fußball habe ich nach dem Abitur aber nichts gelernt, wenn ich nach zwei, drei Jahren nicht klargekommen wäre, hätte ich das eben nachgeholt. Aber was würde mir jetzt eine Lehre nützen, die ich vor 15 Jahren gemacht hätte? Rudi Assauer hat alle Hände voll zu tun, würde mich aber nicht holen, um nur Briefe zu öffnen. Es gäbe jede Menge Arbeit, aber das war für mich nie ein Problem. Ich kann mich reinknien und habe immer mehr getan als ich mußte. Ich würde zum Beispiel Spieler beobachten, Freundschaftsspiele arrangieren, wichtige Erfahrungen sammeln. Unerfahren bin ich ja nicht, ich habe keinen Berater, habe meine Verträge immer selbst ausgehandelt.

SCHALKE UNSER:

Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Spielern? Die könnte man ja einladen, bei einem Abschiedsspiel mitzumachen?

ANDREAS MÜLLER:

Ich brauche kein Abschiedsspiel, jedenfalls bin ich keiner, der sowas fordert. Ein schöner Blumenstrauß, eine Party hinterher, das reicht mir. Der Michael Prus läßt sich ab und zu nochmal sehen, Peter Sendscheid. Mit dem Waldemar Ksienzyk habe ich zuletzt öfters telefoniert, auch mit dem Frank Schön. Karsten Marquardt habe ich jetzt beim Hallenturnier wiedergesehen. Mit dem Werner Vollack habe ich ganz guten Kontakt, der hat sein Reisebüro in Krefeld, der sagt: “Du bist der einzige, der sich bei mir meldet, bei mir seine Reisen bucht und so.” Aber das ist doch Ehrensache, wir haben zusammen gespielt und uns gut verstanden. Er hat Probleme mit seinem Knie, kann kaum richtig laufen. Mit Mihajlovic hatte ich noch längere Zeit Kontakt, aber der spielt jetzt in Korea, glaube ich, das ist für mich am anderen Ende der Welt. Das wäre nichts für mich. USA, da kann man mal drüber nachdenken (lacht), das Land interessiert mich auch, das hätte sicher ‘n Reiz, ich habe auch viel Verwandtschaft dort, aber Japan oder sowas….

SCHALKE UNSER:

Warum bist du Mormone, das ist doch ziemlich ungewöhnlich?

ANDREAS MÜLLER:

Von meinen Eltern her. Man geht als Kind immer mit in die Kirche, und irgendwann stehst du vor der Entscheidung. Und ich habe mich dafür entschieden. Ich bin kein Vorzeige-Mormone, aber ich bin sehr gläubig. Meine Frau und meine Kinder treffen ihre freie Entscheidung selbst, ich gebe meinen Kindern wohl Ratschläge, aber die müssen sie nicht annehmen. Meine Eltern haben mich auch nie zu irgendwas gezwungen. Das Religiöse ist für mich persönlich schon wichtig, aber ich überfalle niemanden damit. Wenn einer etwas wissen will - gern. Wenn man sowas aber als Profi in die Öffentlichkeit trägt, nicht nur Kirche, auch andere Themen, wird man so als scheinheilig hingestellt. Es ist auch nicht gut, damit öffentlich zu kokettieren, oder sogar zu sagen, man tut was oder spendet was. Dann kommen so die Sprüche “Ja, der ist bibelfest, aber der haut den von hinten um.” Aber das ist halt mein Beruf, bei dem sowas vorkommt. Bei ranissimo habe ich so eine Frage gekontert “Ich glaube, der liebe Gott vergibt mir meine acht gelben Karten, aber der DFB nicht.”

SCHALKE UNSER:

Bist Du im Rückblick mit Deiner Karriere zufrieden?

ANDREAS MÜLLER:

In den Situationen mit der Erfahrung, die ich damals hatte, wäre jede Entscheidung genauso ausgefallen. Auch mit dem, was man dazugelernt hat, weiß man nicht, ob es anders besser gelaufen wäre. Es war jedenfalls richtig, von Stuttgart wegzugehen. Das hätte ich sogar eher machen sollen, aber die haben schnell geschaltet und mir einen ordentlichen Dreijahresvertrag angeboten. Heute, gerade nach Bosman, würde ich einem jungen Spieler raten, nur für ein Jahr zu unterschreiben, da steht dir alles offen. So konnte der VfB das Angebot von Nürnberg ablehnen, die wollten mich lieber in Homburg sehen. Sie haben mir Steine in den Weg gelegt, das ist Politik, angeblich war die Ablöse zu niedrig, die von Homburg war aber auch nicht so hoch. Hier war ich doch schon oft dran, den Bettel hinzuschmeißen, gerade wegen der Geschichte mit Eichberg. Aber ich habe mir immer wieder gesagt “Nee, den überleb’ ich. Der macht mich nicht fertig, dem zeig’ ich’s.” Aber ich bin nicht nachtragend, ich würde ihm heute die Hand geben, auch wenn er bis zum heutigen Tage seine Zahlungen nicht eingehalten hat. Jetzt ist das Geschichte, das interessiert mich nicht mehr. Es hat mir sehr weh getan zu der Zeit und ich habe auch sportlich einiges versäumt - auf der Bank, bei Ristic -, aber geprägt hat mich’s. Normal müßte ich ihm dankbar sein, mir macht jetzt so leicht keiner mehr was vor, auch im späteren Berufsleben. Die Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen, aber gut, so richtig dankbar bin ich ihm dann doch nicht. Ich könnte ihm aber die Hand geben, ich glaube nur nicht, daß er mir heute in die Augen schauen kann… ich ihm schon.

SCHALKE UNSER:

Vielen Dank für das Interview. Glückauf und alles Gute, Andi.


Die Arbeitsgruppe Stadionneubau fordert…

Zu Beginn dieses Jahres hat sich aufgrund eines Beschlusses der Hauptversammlung des Schalker Fan-Club Verbandes e.V. eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern verschiedener Fan-Clubs gebildet, um die Vorstellungen und Forderungen der Fans an das neue Stadion zu formulieren und den Mitgliedern, dem FC Schalke 04 und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei ging es uns darum, ausschließlich die Sicht der Fans aufzuzeigen.

Naturgemäß sind die Fan-Interessen nicht immer deckungsgleich mit denen des Vereins. Der Verein wird die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit über sein Konzept unterrichten. Die Meinung der Fans soll durch diese Arbeitsgruppe zum Ausdruck gebracht werden. Die Ergebnisse der Gruppe spiegeln nicht nur die persönlichen Meinungen der Mitglieder wieder, sondern sind auch Resultat vieler Gespräche mit anderen Fans Hieraus ergeben sich folgende Forderungen:

Gestaltung der Fanblöcke
Stehplatzkapazität

Es wird eindeutig die Meinung vertreten, daß 10000 Stehplätze (wie allgemein diskutiert wird) bei weitem zu wenig sind. Aufgrund des deutlich höheren Stehplatzanteils im Parkstadion würde zukünftig vielen Besuchern die Möglichkeit genommen, zu moderaten Eintrittspreisen ins Stadion zu kommen. Die heutigen Stehplatzbesucher sind die Sitzplatzinhaber von morgen. Eine frühzeitige Bindung an den Verein schafft eine breite Zuschauerbasis für die Zukunft. Gerade die jüngeren Besucher werden sich die hohen Sitzplatzpreise nicht leisten können. Wenn man bedenkt, daß z.B. Borussia Dortmund plant, die Südtribüne deutlich aufzustocken, um noch mehr Stehplätze anbieten zu können, dann zeigt dies, daß der Trend nicht zum reinen Sitzplatzstadion geht. Vielmehr beginnt man zu erkennen, daß den Stehplätzen, z.B. für Stimmung im Stadion oder für eine frühzeitige Zuschauerbindung, eine wesentliche Bedeutung zukommt. Das sollte auch Schalke berücksichtigen. Wir fordern deshalb 20000 Stehplätze.

Blockaufteilung

Da wahrscheinlich zuwenig Stehplätze zur Verfügung stehen werden, sollten an den Stehplatzbereich angrenzende Blöcke zu “Stimmungsbereichen” (singing sections) erklärt werden. Dadurch wird jedem Besucher deutlich gemacht, daß die Fans hier durchaus des öfteren aufstehen können, so daß es zu Sichtbehinderungen kommen kann. Diese Blöcke werden besonders bei Europapokalspielen bedeutsam sein. Erfahrungsgemäß lassen sich Stehplatzbesucher nicht dauerhaft dazu bewegen, während des Spiels zu sitzen. Es wird also auch auf den Sitzplätzen gestanden werden. Konflikte mit Besuchern, die sitzen möchten, sind so vorprogrammiert. Dies kann vermieden werden durch die Kennzeichnung bestimmter Blöcke. Es darf vor allem nicht dazu kommen, daß Besuchern, die nicht ständig sitzen, die Dauerkarte entzogen wird (wie in England schon geschehen).

Blockgestaltung

Zusätzlich zu einer deutlichen Kennzeichnung mit Buchstaben und/oder Zahlen könnten die Blöcke mit Namen (z.B. berühmter Schalker Spieler) versehen werden. Dies würde die Identifikation mit dem Verein und seiner Geschichte verstärken. Darüberhinaus sollten die Sitzschalen mit den Vereinsfarben sowie mit dem Logo und der Aufschrift “FC Schalke 04″ versehen werden. Die Sitze im Stehplatzbereich müssen vollständig demontierbar sein. Alles andere würde zu erheblichen Behinderungen führen. Zur Sicherheit müssen moderne Wellenbrecher (bei Druck nachgebend) installiert werden. Die unterste Tribünenstufe (sowohl im Sitzplatz- als auch im Stehplatzbereich) sollte nicht ebenerdig mit dem Platz sein (Sichtbehinderung durch Betreuer, Presse etc.). Allerdings darf die Brüstung zum Rasen hin nicht zu hoch sein. Der Platz ist der beste Fluchtbereich im Gefahrenfall. Deshalb sollten weder Zäune noch Gräben errichtet werden. Schalke sollte mit den Behinderten über die Einrichtung und Verteilung der Behindertenplätze Gespräche führen.

Ein wesentlicher Punkt der Identifikation der Fans mit dem Verein ist die Fanclubfahne. Hier müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die Fahnen im Stadion anzubringen. Um dauerhafte Sichtbehinderungen zu vermeiden, dürfen die Blöcke nicht durch Kunstoffscheiben getrennt werden. Weiterhin sollte auf Hintertornetze verzichtet werden. Außerhalb der Blöcke müssen sich die Besucher frei innerhalb ihrer Tribünen bewegen dürfen. Eine Abtrennung würde den Fans die Möglichkeit nehmen, sich mit anderen vor oder während des Spiels zu treffen.

Sicherheit

Schwenkfahnen tragen wesentlich zu Stimmungsbild im Stadion bei. Dazu gehören auch größere Fahnen (siehe Kaiserslautern). Hier müssen Wege gefunden werden (z.B. über Fahnenpässe), die ein Mitbringen größerer Schwenkfahnen ermöglichen. Schalke sollte definieren, welche Fanutensilien (Tröten, Trommeln, Fahnen etc.) mitgebracht werden dürfen. Es darf nicht den Launen des Ordnungsdienstes überlassen bleiben. Auch das Abbrennen von “Bengalischen Feuern” wird u.a. in TV-Berichten immer wieder als Zeichen toller Stimmung gewertet. Dies sollte, unter Kontrolle und vorheriger Beantragung, auch auf Schalke möglich sein. Aus- und Aufgänge müssen ausreichend breit sein. Möglicherweise sind V-förmige Aufgänge (siehe Paris) eine Lösung. Abgelehnt wird der Einsatz von “schwarzen Sheriffs” im Ordnungsdienst. Der Ordnungsdienst (auch private Sicherheitsdienste) darf keinerlei Gewalt anwenden dürfen. Dies muß allein der Polizei vorbehalten sein.

Mobile Gepäckaufbewahrung

Vorgeschlagen wird eine mobile Gepäckaufbewahrung außerhalb des Stadions. So können die Besucher Kleidung (z.B. bei Motorradfahrern) oder anderes Gepäck gegen eine Gebühr abgeben.

Eintrittskarten

Aufgrund des Fassungsvermögens des Parkstadions werden zur Zeit nur etwa 18.000 Dauerkarten verkauft. Dies zeigt sich vor allem im Bereich der Stehplätze. Bis auf zwei Spiele pro Saison ist es fast immer möglich, Karten am Spieltag zu erwerben. In dem neuen Stadion ist geplant, vor allem die Zahl der Stehplätze deutlich zu reduzieren. Dies wird dazu führen, daß der Dauerkartenanteil deutlich steigen wird. Da die Stehplätze bei Europapokalspielen in Sitzplätze umgewandelt werden, kommt es zu einer weiteren Reduzierung des Stehplatzdauerkartenangebots. Das bedeutet, daß nur für ca. 50% der Stehplätze Dauerkarten verkauft werden können. Die Nachfrage wird das Angebot deutlich übersteigen.

Aufgrund des verbesserten Komforts ist damit zu rechnen, daß auch im Sitzplatzbereich der Dauerkartenanteil steigen wird. Es gibt Gründe, nicht alle Eintrittskarten als Dauerkarten anzubieten. Neu hinzukommende Anhänger, Zuschauer, die nicht an jedem Spieltag Zeit haben und sonstige Besucher sollten auch die Möglichkeit bekommen, Spiele im neuen Stadion zu erleben. Deshalb sollten 20% jeder Preiskategorie in den freien Verkauf kommen. Im Stehplatzbereich wird der Anteil durch die durch Umwandlung in Sitzplätze entfallende Zahl vorgegeben. Der zu erwartende Nachfrageüberhang (vor allem bei Stehplätzen) erfordert ein durchdachtes Verteilungssystem für Dauerkarten. Dabei sollten folgende Kriterien, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Zeitdauer, herangezogen werden:

  • 1. Bisheriger Dauerkartenbesitz
  • 2. Vereinsmitgliedschaft
  • 3. Dachverbandsmitgliedschaft
  • Auch Nicht-Mitglieder sollen aber weiter Dauerkarten erwerben können. Bei Europapokalspielen muß es weiterhin ein Vorkaufsrecht für Dauerkartenbesitzer geben. Die Stehplatzdauerkarteninhaber müssen ein Vorkaufsrecht für die umgewandelten Sitzplätze bekommen. Beim Verkauf der freien Karten von Europapokalspielen sollten Mitglieder des Dachverbandes, die keine Dauerkarte besitzen, bevorrechtigt behandelt werden.

    Generell sollte bei den Eintrittspreisen die soziale Struktur der Region berücksichtigt werden. Übermäßige Preiserhöhungen sind nicht angebracht. Vor allem ist darauf zu achten, daß preiswerte Plätze in ausreichender Zahl angeboten werden. Neben Stehplätzen sind das günstige Preise im Sitzplatzbereich, um auch Besuchern der bisherigen Gegengerade entgegenzukommen. Weiterhin müssen Ermäßigungen für Schüler, Studenten, Wehr-/Zivildienstleistende etc. angeboten werden. Rabatte für Vereinsmitglieder müssen bleiben. Andernfalls käme es für die treuen und langjährigen Besucher zu kräftigen, aber versteckten Preiserhöhungen.

    Die VRR-Berechtigung muß aus verkehrspolitischen Gründen erhalten bleiben. Außerdem würde ohne diese Berechtigung die An- und Abfahrt für viele Zuschauer erheblich teurer werden. Personen, die zusammen sitzen wollen, muß die Möglichkeit zu Sammelbestellungen eingeräumt werden.

    Name des Stadions

    Eine zur Zeit in Mode gekommene Benennung wie Schalke-Arena sollte vermieden werden. Gerade Schalke ist ein Verein mit Tradition und Geschichte, die bei allen Anhängern von großer Bedeutung ist und wesentlich zur Identifikation mit dem Verein beiträgt. Dies muß im Namen Berücksichtigung finden.

    Angesichts der Tatsache, daß Ernst Kuzorra die Schalker Legende ist, drängt sich geradezu auf, das Stadion “Ernst-Kuzorra-Stadion” oder ähnlich zu nennen. Mit dem Namen Kuzorra verbindet jeder Fußball-Anhänger (und nicht nur Schalke-Fan) den berühmten Schalker Kreisel und die Anfänge des Fußballs im Revier. Dieser Name repräsentiert den Beginn des FC Schalke, seine ruhmreichste Zeit, seine Verwurzelung mit der Region, und vor allem Vereinstreue; kurzum das Phänomen Schalke. Jeder andere Name wäre zweite Wahl. Eine Zuschauerumfrage dazu kann und sollte dies bestätigen.

    Fanräume im Stadion

    Bisher haben die Fans keine Möglichkeit, im Stadionbereich Veranstaltungen, Versammlungen oder sonstige Treffen zu organisieren. Das neue Stadion sollte deshalb auch den Fanorganisationen Büroräume anbieten, die zusätzlich an den Spieltagen als Anlaufstelle für die Fans dienen können. Ferner können durch Bereitstellung geeigneter Veranstaltungsräume/-säle zum Beispiel Versammlungen des Dachverbandes oder anderer Fanclubs vor oder nach dem Spiel durchgeführt werden.

    An- und Abreise

    Da für das neue Stadion im wesentlichen die bisher für das Parkstadion vorhandene Infrastruktur genutzt werden wird, werden die jetzigen Unzulänglichkeiten auch die zukünftige Situation bestimmen.

    An-/Abreise mit PKW

    Die Anreise mit dem PKW ist durch die zeitliche Verteilung weitgehend unproblematisch. Zu ganz erheblichen Problemen kommt es jedoch nach dem Spiel. Durch den enormen Verkehrsstrom innerhalb kurzer Zeit kommt es naturgemäß zu Verzögerungen. Die derzeitige Situation ist jedoch völlig inakzeptabel, da sie durch ein fehlendes Verkehrskonzept verursacht wird. Durch vollkommen ungeordnetes Zufahren auf die Parkplatzausfahrten kommt es hier zu langen Rückstaus. Die Beleuchtung der Parkplätze ist bei Abendspielen vollkommen unzureichend und stellt ein Sicherheitsrisiko für die Besucher dar. Die Kennzeichnung der Parkplätze ist ebenfalls unzureichend. Es gibt keine Unterteilung in Zonen. Eine Beschilderung ist nicht zu erkennen. Schalke 04 sollte sich mit der Stadt Gelsenkirchen zusammensetzen, um ein Verkehrskonzept zu erarbeiten (bauliche und/oder organisatorische Maßnahmen), das einen besseren Abfluß von den Parkplätzen ermöglicht. Weiterhin müssen die Mängel bezüglich Beleuchtung und Beschilderung beseitigt werden.

    An-/Abreise mit Zweirädern

    Viele Besucher kommen mit dem Fahrrad zum Stadion. Bisher gibt es nur die Möglichkeit, die Fahrräder an Zäunen oder Masten festzuschließen. Beim Bau des Stadions sollten sichere Fahrradständer in ausreichender Zahl rund um das Stadion vorhanden sein. In der Nähe der Motorradparkplätze sollten Schließfächer zur Deponierung von Motorradbekleidung aufgestellt werden.

    An-/Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

    Die Befestigung und Beleuchtung der Wege Parkstadion - Straßenbahnhaltestelle ist absolut unzureichend. Die Sicherheit beim massenhaften Verlassen des Stadions auf mit Schlaglöchern übersäten Schotterwegen ist nicht gegeben. Bei Bau des neuen Stadions sind befestigte Wege notwendig. Außerdem muß die Beleuchtung deutlich gegenüber der Situation um das Parkstadion verbessert werden. Die derzeitige Situation an der Straßenbahnhaltestelle Parkstadion ist katastrophal. Während die Anreise durch die zeitliche Entzerrung ohne große Probleme verläuft, sieht es nach Spielschluß vollkommen anders aus. Die extrem steile Treppe mit zudem unzureichender Beleuchtung stellt ein hohes Gefahrenpotential dar. Es ist fast ein Wunder, daß es noch nicht zu schweren Unfällen gekommen ist. Durch den Einsatz von Kurzzügen, die in viel zu langen Takten eintreffen, kommt es auf der Treppe und davor zu einem Rückstau. Durch ständigen Druck von nachfolgenden Besuchern ist die Sicherheit auf der Treppe und auf dem Bahnsteig stark gefährdet.

    Schalke ist aufgefordert, mit der BOGESTRA an einer deutlichen Verbesserung der jetzigen Situation zu arbeiten. Sollte für das neue Stadion dieselbe Haltestelle genutzt werden, ist darauf hinzuwirken, daß der Druck auf den Treppenabgang kontrolliert wird, z.B. durch Vorbau von Puffern. Weiterhin muß die Treppenbeleuchtung verbessert werden. Der Abtransport muß durch längere Bahnen und/oder kürzere Taktzeiten beschleunigt werden. Auch das Problem des behindertengerechten Zugangs zur Straßenbahn muß geklärt werden.

    Da die Europapokalspiele immer häufiger auf Termine nach 20 Uhr gelegt werden, vergrößern sich die Probleme mit Bundesbahnanschlüssen. Hier sollte der öffentliche Nahverkehr von Straßenbahn und S-Bahn koordiniert werden. Reisen zu Europapokalauswärtsspielen in Nachbarländer werden verstärkt mit Buskonvois durchgeführt. Bei der Rückkehr zum Parkstadion fehlen derzeit geeignete Fahrtmöglichkeiten zum Hauptbahnhof. Auch hier ist eine Koordinierung mit dem öffentlichen Nahverkehr notwendig.

    Sonstiges

    Um eine bessere Orientierung rund um das Stadion zu erreichen, sollten an zentralen Punkten Orientierungspläne aufgestellt werden, die auch als Treffpunkte dienen für Personen, die sich verloren haben. Mit Auskunftspersonen besetzte Infopunkte sind vor allem in der Anfangszeit nach Stadionfertigstellung sinnvolle Einrichtungen.

    Stadiongastronomie

    Folgende Anforderungen an die Stadiongastronomie halten wir für wichtig:

    Neben einer ausreichenden Zahl von Getränke- und Imbißständen im Stadion sind auch Verzehrmöglichkeiten außerhalb des Stadions, z.B. Biergärten (mit Sitzplätzen), erwünscht. Eine reine “McDonald`s”-Gastronomie ist nicht erwünscht. Vielmehr sollte neben traditionellen Speisen, wie Bratwurst und Erbsensuppe, das Angebot erweitert werden, z.B. um Pommes Frites, vegetarische Gerichte usw. Weiterhin sollten Kioske für Süßigkeiten, Zigaretten etc. vorhanden sein. Da viele Besucher schon frühzeitig vor dem Spiel anreisen, sollte die Stadiongastronomie ebenfalls rechtzeitig geöffnet haben. Auch nach dem Spiel müssen die Verzehrmöglichkeiten noch eine gewisse Zeit gegeben sein. Dies würde auch zu einer zeitlichen Entzerrung der Abreise und damit zu weniger Verkehrsproblemen führen.

    Allgemeine Stadiongestaltung

    Vorherrschende Farbe sowohl an der Außenseite wie auch in den Innenbereichen des Stadions sollte Blau und Weiß sein. Auch die Sitzschalen könnten in blau-weiß mit dem Namenszug Schalkes gehalten sein. Die Stadioninnengänge könnten mit künstlerischen Darstellungen rund um Schalke gestaltet werden. Möglich wären Fliesen, Graffiti etc.

    Die akustische Gestaltung des Stadions muß gewährleisten, daß Fangesänge nicht gedämpft werden und daß der Schall auf den Platz gerichtet wird. Die Lautsprecherinstallation muß sicherstellen, daß Durchsagen auf allen Tribünenplätzen und in den Stadioninnenräumen/-gängen gehört werden können.

    Anzeigetafeln/Video-Leinwände müssen von allen Plätzen gesehen werden können. Dadurch darf jedoch keine Sichtbehinderung entstehen, etwa daß gegenüberliegende Tribünen nicht mehr gesehen werden können.

    Innerhalb des Stadionbereichs sollte sich der Besucher an Infoschaltern über Aktivitäten der einzelnen Fan-Organisationen (Dachverband, Fan-Initiative, Fanprojekt etc.) informieren können. Diese Räume sollten ausschließlich den jeweiligen Gruppen zur Verfügung stehen. Die einzelnen Fan-Organisationen sollten Zugang zu gesicherten Info-Vitrinen bekommen. In diesen Schautafeln können Informationen ausgehängt werden. Weiterhin sollten Pinwände/Plakatwände für jedermann aufgebaut werden, wo jeder Fan unzensiert Mitteilungen etc. anbringen kann.

    Abgelehnt wird die Einführung von Chipkarten oder Stadiongeld. Alle Leistungen und Waren müssen mit der gesetzlichen Währung (DM/Euro) bezahlt werden können. Unsere traditionsreiche Geschichte sollte endlich durch Einrichtung eines Schalke-Museums seine entsprechende Würdigung erfahren. Ein allgemeines Fußballmuseum wird dem nicht gerecht.

    VIP-Logen sollten nicht im Stehplatzbereich eingerichtet werden.

    Außerdem wünschen wir eine Kinderbetreuungsstätte, die von jedem Tribünenbereich aus zugänglich ist.

    - Wickelräume

    - Öffentliche Telefone

    - Geldautomaten

    Die Redaktion des SCHALKE UNSER unterstützt diese Forderungen vorbehaltlos.


    Wunder wiederholen sich nicht - schon wieder Inter Mailand

    (kh) Das hätte im Mai letzten Jahres wohl auch keiner erwartet - daß die “Glücksfee” (oder war’s etwa ein greiser UEFA-Funktionär?) uns nur zehn Monate nach dem “Spiel der Spiele” schon wieder eine Reise nach Mailand bescheren würde. Nach erster Enttäuschung (”Ach nee, da waren wir doch schon”, “Scheiße, nochmal schaffen wir das nicht”) und daraus resultierender Fahr-Unwilligkeit fanden sich dann doch nach und nach immer mehr Schalker bereit, die eine Erinnerungs-Tour an den Ort des Triumphes unternehmen wollten.

    Erinnerungen hatten dann aber anscheinend auch die Verantwortlichen des “großen” (warum wird das bei denen eigentlich immer so betont?) FC Inter Mailand, die - eine blau-weiße Fan-Lawine vor Augen - die Frechheit besaßen, zunächst nur 3000 Karten nach Gelsenkirchen zu schicken.

    Schon machte sich erste Panik breit - bei den Verantwortlichen des Fanclub-Verbands, die schon wieder mehrere Tausend Kartenbestellungen vorliegen hatten, und bei vielen, die auf eigene Faust nach Mailand fahren wollten. Also wurden wieder alle möglichen Kanäle aktiviert: Reisebüros, Kartenhaie und Pizzabäcker-Connections sollten für die heißbegehrten Tickets sorgen, selbst im Internet wurden AC Milan-Fans aufgefordert, für Schalker Karten zu kaufen.

    Drei Wochen vor dem Spiel dann die Erlösung - Inter hatte ein Einsehen und stockte das “offizielle” Kartenkontingent auf 6800 auf, und alle Wünsche konnten befriedigt werden. Eher armselig hingegen das Interesse der Interisti am Rückspiel im Pott - Inter wollte nicht mehr als 1000 Karten haben.

    Also ging es dann wieder via Bus über die Alpen, oder besser durch den Gotthard unter den Alpen her und beinahe erwartungsgemäß (man ist ja schließlich in Italien) waren in Mailand Regen, Schnee und Kälte vergessen und die Piazza del Duomo empfing die Schalker Massen mit leicht diesigem Sonnenschein und knapp 20 Grad.

    Irgendwie kam beim Schlendern über den Platz so ein bißchen das Gefühl einer Zeitreise auf: Es waren wirklich kaum weniger Leute da als im vergangenen Jahr, die Stimmung war fast genauso gut wie im vergangenen Jahr (wenn natürlich auch der letzte “Final-Kitzel” fehlte) und die Bierdosenpreise waren auch nicht gerade gefallen.

    Also ging es wieder (man will ja als abergläubischer Fan nichts falsch machen) in den Dom, auf den Dom, zum Dauersingen in die Einkaufspassage, in ein typisches, stilvolles italienisches Restaurant (Macko Donaldo’s oder so ähnlich) und schließlich mit der schunkelnden und total überfüllten Straßenbahn zum San Siro­Stadion.

    Dort war allerdings deutlich weniger als im Vorjahr los, und daß in Italien scheinbar nur die Meisterschaft zählt, zeigte sich dann ja auch in der Zuschauerzahl von nur 48000. War also nichts mit der Argumentation der Inter-Verantwortlichen: “Wir haben schließlich 72000 Dauerkarten, da können wir Euch nur wenige Karten geben”.

    Für Heiterkeit sorgten dann auch noch die italienischen Fan-Artikel-Verkäufer, die offenbar in Massenauflage einen Schal “Super-Schalke - der Pott ist im Pott” auf den Markt gebracht hatten, der wirklich an jedem Stand wie Sauerbier liegenblieb. Mensch - daß man solche Schals auch bei uns schon kaufen konnte, hättet Ihr Euch nun wirklich denken können. Aber diesen Verlust dürften die Jungs und Mädels mit ihrem exzessiven Verkauf von Ronaldo-Trikots wohl kompensiert haben.

    Im Stadion zeigte sich dann schnell, daß wieder über zehntausend Schalker den Weg über die Alpen gefunden hatten, so daß es akustisch diesmal ein Duell gleichstarker Fangruppen war. Das Spiel begann, wie wohl jeder weiß, nicht so toll für uns, da Johan schon nach Sekunden die Gelbe Karte sah und zu allem Überfluß das glatzköpfige Wunderbaby nach einer guten Viertelstunde das 1:0 erzielt.

    Ronaldo schien den Inter-Fans überhaupt das einzig interessante zu sein - jede noch so banale Aktion wurde frenetisch bejubelt, und selbst die ansonsten schweigenden Tribünen-Zuschauer rasteten bei jedem sinnlosen Haken ihres Idols aus. Ich weiß nicht, wie die ganzen anderen wirklich guten Spieler bei Inter damit umgehen, aber da gefällt mir der Schalker Ansatz (”wir machen alles zusammen”, “Alles, was mir machen, tun wir für Schalke”) irgendwie besser… .

    Und hätte der arme Martin Max Mitte der ersten Halbzeit nicht ganz so gut gezielt und der Ball wäre nicht so unglücklich an den Innenpfosten geklatscht, wer weiß… Die zweite Halbzeit brachte dann ein ganz anderes Bild als die erste: Schalke war pausenlos dabei, das Spiel anzukurbeln, doch irgendwie kamen bei der Dauer-Überlegenheit zu wenig richtig gefährliche Aktionen vor dem Inter-Tor zustande.

    So bleibt es dann beim 1:0-Sieg von Inter, obwohl ein 1:1 durchaus angebracht gewesen wäre. Nach dem Spiel wieder das übliche Bild: Man wurde endlos lange im Block festgehalten, so daß schon einige “meisterlichen” Beistand erflehten: Mit dem Augen zum Himmel gerichtet wurde gefleht: “Mensch, Guildo, hol’ uns hier raus!”, doch auch ohne Guildo ging es dann zwar nicht nach Birmingham (und Aston Villa im Hinterkopf), sondern erstmal zurück nach Hause ins Ruhrgebiet, doch die Stimmung war keineswegs übermäßig gedrückt.

    “Mensch, letztes Jahr haben wir hier doch auch 1:0 verloren, wenn man die normale Spielzeit betrachtet. Die machen wir im Parkstadion im Elfmeterschießen wieder platt!”, war der einhellige Tenor, und so wurde bei einigen Getränken des Hauptsponsors das alte Lied wieder aufgenommen: “Wir schlugen Hajduk, wir schlugen Anderlecht, wir schlugen Braga sowieso - Inter Mailand, Aston Villa und auch Ajax, das wär ‘ne Show.”… nicht ahnend, daß zumindest Ajax Amsterdam sich schon im Hinspiel gegen Spartak Moskau weitgehend aller Chancen auf ein Spiel gegen den Titelverteidiger beraubt hatte.


    Hi-Ha-Höre - Schalker Amateure

    (raz) Als Aufsteiger im vorderen Drittel der Oberliga Westfalen zu stehen, damit hätte zu Saisonbeginn wohl kaum einer gerechnet. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten besann sich die Mannschaft auf ihre Stärken und arbeitete sich kontinuierlich nach vorne. Schon heute kann man sagen, daß sie die erfolgreichste Amateurmannschaft in der Geschichte des FC Schalke 04 ist.

    Aber nicht nur deswegen verdient das Team von Trainer Klaus “Boxer” Täuber unsere Unterstützung, vielmehr, weil man guten und ehrlichen Fußball geboten bekommt. Dazu kommt das intakte Umfeld, das Flair der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn und die Dankbarkeit der Mannschaft für unsere Unterstützung.

    Der FC Schalke 04 Supporters Club hat das zuerst erkannt und seine Begeisterung für die Amateure auch auf die Schalker Fan-Initiative übertragen. Zusammen organisieren wir den Support bei Heim- und Auswärtsspielen, erstellen Ankündigungsplakate und Choreographien mit dem Ziel, mehr Fans für unsere Amateure zu begeistern. Schließlich bilden sie als sogenannte zweite Mannschaft das Rückgrat der Profis.

    Der Erfolg und die positive Resonanz unserer Aktionen spiegeln sich in den langsam, aber stetig steigenden Zuschauerzahlen wieder. Beim Spiel in Wattenscheid (Hallo Halde!) sahen 150 Schalker den 2:1-Sieg (zweimal Markus Köthe) der Amateure. Laut Aussage eines Wattenscheider Spielers hätte man zu Hause noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt. Unser stimmgewaltiger Support hat also auch unseren Gegner schwer beeindruckt. Beim darauffolgenden Spiel gegen den Hasper SV besuchten 350 Zuschauer (sonst 150 - 200) die Glückauf-Kampfbahn. Einige Fanclubs brachten ihre Fahnen mit und sorgten somit für etwas Bundesliga-Atmosphäre. Die diszipliniert spielenden Schalker gewannen die Partie durch Tore von Miguel Pereira und Sascha Wolf mit 2:0.

    Für das nächste Spiel in der verbotenen Stadt gegen die schwarz-gelben Leuchtkäfer wurden zwei Linienbusse gechartert. Viele reisten auch mit dem PKW an, und so war der Ground mit 250 Fans fest in Schalker Hand. Die Choreographie, bestehend aus S04-Amateuremblem, Papptafeln, Luftballons, Unterhosen (einige hatten ihre mit Nutella beschmiert), Rauchbomben und Bengalos, wäre beinahe ins Wasser gefallen. Denn pünktlich zum Spielbeginn fing es an zu schütten. Doch davon ließen wir uns nicht beeindrucken, und so wurde das ganze Spiel über gesungen und getanzt. Auch das 1:0 der Klein-Lüdenscheider konnte uns nicht ruhigstellen. Sascha Wolf belohnte uns für unsere Ausdauer mit dem Ausgleich.

    Von da an bestimmte Schalke das Spiel und ging in der zweiten Hälfte sogar in Führung. Grenzenloser Jubel beim Schalker Anhang, der nur kurz (nach einem geschenkten Handelfmeter für Fortuna Doofmund) verstummte. Immer wieder peitschten wir unsere Mannschaft nach vorn, Spiel auf ein Tor. Leider hatten die Lüdenscheider an diesem Tag den Papst in der Tasche, gingen kurz vor Schluß nach einem Ausrutscher von Filip Tapalovic in Führung und gewannen überaus glücklich mit 3:2.

    Moralische Sieger aber waren die Schalker, die sich nach dem Spiel mit einer La ola bei uns bedankten. Eine schöne Anerkennung für unseren Support, der in Zukunft noch besser werden soll.

    Bei Heimspielen in der Glückauf-Kampfbahn haben Frauen und Dauerkartenbesitzer freien Eintritt, Mitglieder zahlen die Hälfte. Außerdem gibt es die beste Bratwurst der Welt und noch jede Menge Platz für Eure Schalke-Fahnen. Nicht mitbringen solltet Ihr Turnschuhe, Fallschirmspringer, Pauken und Trompeten - weil Sonntag ist. Jeder Verstoß kostet fünf Mark, die sofort kassiert werden. Ein Besuch lohnt sich, und jeder, der dazustoßen möchte, kann sich beim Supporters Club, Cafe Central, Weberstr. 18, oder im Fan-Laden, Hansemannstr. 23 in Gelsenkirchen, informieren.


    Montags live im DSF… gibt’s “Auf Schalke”

    (kh) Erst wollte es keiner glauben - “Eine Fernsehsendung nur über Schalke?”. Aber seit gut einem halben Jahr ist es Realität: “Auf Schalke - das VELTINS Bundesligamagazin” live im DSF, früher donnerstags, seit der Winterpause immer montags nach den Heimspielen. Grund genug für uns, sich einmal “live ins Studio” zu begeben, um sich die Entstehung einer solchen Sendung anzusehen.

    Der erste Schock trifft den Schalker TV-Ruhm-Gierigen, wenn er vom Austragungsort des Ganzen erfährt: Mitten in Lüdenscheid, dummerweise nicht im idyllischen Sauerland, sondern im gleichnamigen Vorort von Unna. Aber egal, das Freibier des Hauptsponsors lockt, und so wird der Ekel überwunden und die Studios der WestCom im Stiftszentrum (immerhin eine ehemalige Brauerei, also für Schalker wie geschaffen) in Dortmund-Hörde aufgesucht.

    In diesem Zentrum gibt es nicht nur Studios und Büros, sondern im Kellergeschoß auch eine montags nicht genutzte Disco, in der zwei Stunden vor der Sendung das “Warm-Up” beginnt. Die wenigen Glücklichen, deren Fanclubs Karten für die Sendung ergattern konnten, bekommen einiges geboten: Leckere Suppe, und dazu Veltins ohne Ende, so daß aufgrund der an jenem Abend recht großen Anreise-Entfernung der Fans die Stimmung schon nicht mehr so ganz dem Idealbild “gesittetes TV-Publikum” entspricht. Einige hatten dem etwas wirren Blick nach eher “das Spiel schon hinter sich”.

    Gut 20 Minuten vor Sendebeginn steht dann der letzte große Kraftakt an: Vier Etagen müssen per Treppenhausrondell nach oben überwunden werden, ehe man die Stahltribünen des Studios erreicht. Dort wird man dann von ziemlicher Hitze und ähnlich gemütlichen Sitzbänken wie im Stadion erwartet. Ein “Einheizer” oder “Klatsch-Aufforderer” wie bei “ran” war da nun wirklich nicht erforderlich, die Aufnahmeleiter haben eher Probleme zu verhindern, daß die Sendung in eine 45-minütige Show “Lieder der Nordkurve” oder “Ohne Veltins wär’ hier gar nichts los” umfunktioniert wird.

    Die Interviews mit Martin Max und Hubert Neu brachten erwartungsgemäß keine neuen Erkenntnisse, aber die Filmeinspielungen waren ganz nett und die meisten Besucher interessierten sich ohnehin mehr für die Werbepausen, in denen ein Toilettenbesuch möglich war. Nach der Sendung gibt immer noch Gelegenheit, mit den Gästen (total umlagert) und dem Moderator Jo Klüner (weniger umlagert) Fotos zu machen, Autogramme zu holen usw. Danach kann auch noch die Kellerdisco besucht werden, um “auf Schalke” anzustoßen.

    Fazit: Ein wirklich netter Schalke-Abend, eine Sendung, die natürlich keinen Enthüllungs-Journalismus bietet, und ein Studio, das schlicht zu klein ist. Die Wartezeit auf Karten beträgt ein Jahr, also sollte man über eine Verlegung in die Westfalenhalle nachdenken, die würden wir wohl auch noch vollbekommen.


    Wir machen Druck