Nummer 20 - 1998/12
Auszüge aus dieser Ausgabe:
“Wir kommen nur zusammen da unten wieder raus!” - Interview mit Martin Max
Konzern im Kaufrausch
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 1
Surfin` S04
The Greatest Scheiß of Merchandise
“Wir kommen nur zusammen da unten wieder raus!”
(bob/rk) Ganz bewußt hat sich das SCHALKE UNSER diesmal für einen Interviewpartner aus der Schalker Mannschaft entschieden, der momentan wie kein anderer in der Kritik steht. Martin Max, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit das Traumsturmduo zusammen mit Youri Mulder im Angriff der Schalker bildete, stand uns in dieser schwierigen Situation Rede und Antwort. Herausgekommen ist dabei ein munteres Gespräch über den Fußball als “Show-Veranstaltung”, das neue Stadion und eine sehr persönliche Sichtweise der derzeitigen sportlichen Schalker Misere.
SCHALKE UNSER:
Martin, es ist bekannt, daß du bereits als kleiner Junge in der Nordkurve standest, um die Schalker Mannschaft anzufeuern.
MARTIN MAX:
Ja, das ist richtig. Genaugenommen war es aber in der Südkurve, im Block 7. Da bin ich immer mit meinem Vater und Bruder hingegangen. Es war einfach die Faszination am Fußball, die uns ins Stadion trieb. Und natürlich hatte ich damals schon den großen Traum, auch mal dort unten spielen zu dürfen.
SCHALKE UNSER:
Geboren bist du aber in Tarnowitz, in Oberschlesien.
MARTIN MAX:
Oberschlesien, das war so etwas wie das “Schalke von Polen”. Ich hatte auch, soweit ich mich erinnern kann, eine schöne Kindheit dort. Als ich elf Jahre alt war, sind wir dann nach Recklinghausen gezogen. Dort habe ich dann bei Blau Weiß Post Recklinghausen gespielt, danach beim 1. FC Recklinghausen, wo ich auch noch zwei Seniorjahre war, bevor ich dann als Profi zu Gladbach wechselte. Nach Polen habe ich aber eigentlich keine Kontakte mehr, wir haben zwar noch Verwandtschaft dort, meine Eltern fahren manchmal zu Besuch dorthin, aber meine Heimat ist das Ruhrgebiet geworden. Hier fühle ich mich wohl, ich will auch gar nicht woanders wohnen.
SCHALKE UNSER:
Vor zwei Jahren kam es beim Freundschaftsspiel Polen gegen Deutschland in Zrabze zu antisemitischen Übergriffen rechtsradikaler deutscher Fans. Transparente wie “Wir grüßen die Schindler-Juden” und “Wir sind in Polen, um die Juden zu versohlen” wurden hochgehalten.
MARTIN MAX:
Ich finde so etwas echt traurig. Fußball ist ein Spiel, ein Sport, und das sollte er meiner Meinung nach auch bleiben. Ich halte überhaupt nichts davon, den Sport für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Aber die Fans in der Bundesliga haben darauf ja auch die richtige Antwort gegeben, indem sie mit Transparenten gegen diese Aktion protestierten. Es wird zwar immer wieder versucht, den Sport für politische Zwecke zu benutzen, doch finde ich, daß das mit dem eigentlichen Spiel, dem Fußball, nichts mehr zu tun hat. Ich halte mich aus solchen politischen Dingen lieber ‘raus und sehe mich persönlich auch eher als jemanden, der auf dem Platz und nicht vor dem Mikrophon seine Arbeit verrichtet.
SCHALKE UNSER:
Mal zur sportlichen Situation: Die stimmt momentan ganz und gar nicht mit dem überein, was Schalke sonst auf die Beine stellt. Ein neues Jugendtrainingscamp, der neue Fan-Shop, wir können kaum so schnell gucken, wie hier neue Räume entstehen. Dazu noch der Baubeginn des neuen Stadions. Kann es da nicht sein, daß die Schalker Mannschaft dadurch zu sehr unter Druck gesetzt wird? Ist das dann nicht auch eine mentale Sache?
MARTIN MAX:
Das denke ich nicht. Vor dem Spiel gegen Duisburg stand die Mannschaft auch schon gehörig unter Druck. Da war von Angst nichts zu spüren. Wir haben mutig nach vorn gespielt, und auch in Rostock und Hamburg haben wir nach 0:2-Rückstand Moral bewiesen und noch ausgeglichen. Daran kann es also eigentlich nicht liegen. Trotzdem haben wir momentan echt die Scheiße am Stiefel kleben.
SCHALKE UNSER:
Die Medien haben zuletzt aber auch ordentlich auf Euch eingehämmert.
MARTIN MAX:
Zum Teil aber auch sehr überzogen. Wenn man sieht, was zum Beispiel in der Sendung “ran” geschieht: Da sind echt zum Teil Schauspieler am Werk, die sich furchtbar gern selbst darstellen, sich auf Kosten anderer profilieren wollen. Da werden Kleinigkeiten aufgemotzt, es werden einzelne Spieler herausgegriffen und fertiggemacht. Das finde ich absolut nicht in Ordnung. Jeder noch so kleine Fehler von Schalke wird - gerade in unserer jetzigen Situation - zum Anlaß genommen, eine Krise herbeizubeschwören. Jetzt versucht man, einen Keil zwischen Mannschaft und Trainer oder auch Manager zu treiben. Das hat mit der Realität nur noch wenig zu tun, und das Sportliche bleibt auf der Strecke. Objektive Berichterstattung ist das meiner Ansicht nach nicht mehr.
SCHALKE UNSER:
Wenn du früher in der Südkurve gestanden hast, wie siehst du die Entwicklung in den Bundesligastadien, daß immer mehr Stehplätze in Sitzplätze umgewandelt werden?
MARTIN MAX:
Bei uns ist das im neuen Stadion nicht der Fall. Der Trend geht zwar dahin, aber viele Fans wollen stehen, und daran sieht man auch, daß die Wünsche der Fans bei Schalke erfüllt werden. Unsere Südkurve ist momentan auch nie gut gefüllt, und es ist auch für uns Spieler ein schöneres Gefühl, auf die Nordkurve zuzuspielen. Das Parkstadion ist zwar immer ganz gut gefüllt, aber in einem engeren Stadion ohne Laufbahn könnte die Stimmung sicher noch viel besser sein. In Stadien wie Bochum, Leverkusen, Gladbach oder Dortmund (er meint Lüdenscheid, die Red.) kommt die Stimmung bei uns Spielern auch viel besser an.
SCHALKE UNSER:
Da du Gladbach gerade nennst, schaust du denn auch noch mit einem Auge hin, was dort zuletzt passiert ist?
MARTIN MAX:
Ja, sicher. Mein Freund Michael Klinkert, mit dem ich zusammen in Gladbach angefangen habe, spielt schließlich noch dort. Ich selbst habe in Gladbach auch eine schöne Zeit gehabt, wir haben den DFB-Pokal gewonnen, aber daß sich die Situation dort so zuspitzen würde, habe ich auch nicht geahnt.
SCHALKE UNSER:
Wir erinnern uns noch an das Zitat von Rolf Rüßmann, der damals bei deinem Wechsel zu Schalke sagte: “Wenn der Martin nach Schalke kommt, wird er explodieren”.
MARTIN MAX:
Das war ja auch `ne tolle Zeit, als ich hier angefangen habe. Das war absolut sensationell. Im ersten Jahr Dritter geworden, im zweiten Jahr UEFA-Cup-Sieger. Das war schon ein Traum, kann man nicht anders sagen.
SCHALKE UNSER:
Dadurch bist du auch ein richtiger Star geworden.
MARTIN MAX:
Als Star sehe ich mich aber überhaupt nicht. Zum Star wird man nur von den Medien gemacht. Ich habe immer den Ball flach gehalten, bin ein ganz normaler Mensch wie jeder andere auch. Ich bin auch nie jemand gewesen, der den Star hat raushängen lassen. Im Gegenteil, ich bin ein ganz bescheidener, ruhiger Mensch. Vielleicht sogar manchmal zu ruhig. Aber so bin ich nun mal. Ich belasse es lieber dabei, Fußball zu spielen und nicht große Sprüche zu klopfen. Jiri Nemec sagt doch auch immer: “Ich bin nur zum Fußballspielen hier”.
SCHALKE UNSER:
Das Problem ist aber doch, daß es bei diesem Sport nicht mehr damit getan ist, daß man Fußball spielt. Das sieht man zum Beispiel an Mario Basler wie auch an vielen anderen Dingen auch, die uns Fans sehr auf die Senkel gehen. Es ist doch schade, daß der Fußball so verkommen ist.
MARTIN MAX:
Tja, Fußball ist halt ein Showgeschäft geworden. Ich bin eigentlich auch jemand, der lieber seine Ruhe sucht. Wenn ich was sage, dann muß mir etwas schon wirklich stinken.
SCHALKE UNSER:
Nun hast du also schon in deiner Jugend auf den Rängen des Parkstadions gestanden. So mancher Schalke-Fan fordert, daß du dorthin zurückkehrst. Der Unmut macht sich bei den Fans sichtlich breit. Wie gehst du mit dieser Situation um?
MARTIN MAX:
Durch die Erwartungshaltung der Leute steht man automatisch unter größerem Druck. Ich natürlich auch. Und als Stürmer im besonderen. Manchmal habe ich schon das Gefühl, daß ich der einzige bin, der hier an Toren gemessen wird. Aber mit diesem Druck muß ich leben und umgehen. Was bleibt mir übrig? Ich muß weiter an mir arbeiten, und das tue ich auch. Im Training hänge ich mich voll rein. Ich kann es aber auch nicht erzwingen. Nach außen versuche ich natürlich, ruhig zu bleiben. Wie es in meinem Inneren aussieht, das weiß nur ich allein. Selbstverständlich läßt mich solche Kritik nicht kalt, ist doch ganz klar. Trotzdem versuche ich, einen klaren Kopf zu bewahren. Momentan ist es halt so, daß jede noch so kleine Aktion, jeder noch so kleine Fehler von mir, kommentiert wird. Durch diese Zeit muß ich jetzt durch.
Aber das ist auch eine lehrreiche Zeit. Wenn ich da durch bin, habe ich sicherlich eine Menge dazugelernt.
SCHALKE UNSER:
Viele Schalker verbinden deinen Namen immer noch mit dem UEFACupErfolg.Trotzdem verstehen wir auch die Kritik, die von den Rängen kommt.
MARTIN MAX:
Es ist total schwierig, sich dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren, wenn wirklich jeder nur auf einen Fehler von dir wartet. Man wird dadurch nicht unbedingt aufgebaut. Als Stürmer braucht man besonders viel Selbstvertrauen, und das muß ich mir momentan im Training erarbeiten. Wenn der Knoten platzt und sich der Erfolg wieder einstellt, dann läuft’s auch wieder. Wenn die ganze Mannschaft erfolgreich ist, dann ist auch jeder einzelne erfolgreich. Das habe ich auch schon früher immer gesagt. Ich habe mich doch nie hingestellt und gesagt: “Ich will dies und das”, ich habe mich immer wieder in den Dienst der Mannschaft gestellt, hab keine Sprüche geklopft, bin immer auf dem Teppich geblieben. Wir sind nun mal gerade in der Situation, daß wir gerade unten stehen. Aber auch da werden wir nur zusammen herauskommen, Mannschaft und Fans gemeinsam. Wir haben zusammen den UEFA-Cup geholt und da unten kommen wir auch nur zusammen raus. Es bringt, glaube ich, keinem was, einzelne Spieler auszupfeifen oder niederzumachen. Gerade das Gegenteil wird dadurch bewirkt: Dadurch verlieren die Spieler noch mehr an Selbstvertrauen. In der Situation müssen wir alle zusammenhalten. Nur so schaffen wir es.
SCHALKE UNSER:
Das hat man ja auch in der Situation gesehen, als Jörg Berger kam und uns vor dem Abstieg rettete, oder auch, als er entlassen wurde und es unter Huub Stevens wieder bergauf ging. Die Fans haben da schnell erkannt, daß es nur gemeinsam geht.
MARTIN MAX:
Ja, genau. Eine solche Reaktion wird auch wieder kommen. Gerade in engen Situationen, wenn die Zuschauer sehen, daß die Mannschaft kämpft und alles gibt, dann stehen die Fans auch hinter uns. Mit Sicherheit. So wie ich die Schalker Fans kennengelernt habe, wird das auch so sein.
SCHALKE UNSER:
Das denken wir auch. Vielen Dank für das Gespräch, alles Gute und Glückauf.
Konzern im Kaufrausch
(pr) Heißt die Champions League bald ENIC League? Spielen die Königsblauen statt im UEFA-Cup bald im Lewis-Cup? Finden Europapokalauslosungen demnächst nur noch in London statt? Zugegeben, mit dem Letztgenannten könnte man ja noch notgedrungen leben, aber ganz so unrealistisch sind die beiden anderen Fragestellungen auch nicht.
Joe Lewis heißt der britische Milliardär, der sich u. a. hinter der auf der Fußballbühne zur Zeit noch relativ unbekannten englischen ENICGesellschaft verbirgt. Früher handelte es sich bei der ENIC um einen geschlossenen Investmentfond, mittlerweile wird das in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Unternehmen an der Londoner Börse notiert. Fast unbemerkt hat sich die Londoner Beteiligungsgesellschaft in mehrere europäische Vereine eingekauft, bei dreien von ihnen hält man mittlerweile auch die Mehrheit. AEK Athen (78,4%), Vicenza Calcio (75,1%) und Slavia Prag (57,3%) heißen die drei Clubs, die mittlerweile nicht nur der UEFA Kopfschmerzen bereiten. Und auch an den Glasgow Rangers ist die ENIC bereits mit 25,1% beteiligt, weitere Beteiligungen, auch Mehrheitsbeteiligungen sind, nach Angaben von ENIC, in den nächsten Jahren geplant.
Ausgerechnet diese drei Vereine, an denen ENIC bereits einen Mehrheitsanteil besitzt, qualifizierten sich in der Saison 97/98 für den Europapokal der Pokalsieger. Und damit hatte die UEFA plötzlich ein Problem. Nirgends war bis dahin geregelt worden, ob Clubs mit den gleichen Besitzern in einem offiziellen Wettbewerb überhaupt gegeneinander antreten dürfen.
Zunächst hoffte man bei der UEFA wohl auf etwas Losglück und versuchte, das Problem auszusitzen. Vielleicht würde sich die ganze Angelegenheit von selbst erledigen. Die betroffenen Vereine gewannen jedoch alle ihre Spiele, so daß bei der Viertelfinalauslosung im Winter 97 acht Namen im Lostopf lagen, darunter immer noch alle drei ENIC-Clubs. Doch auch bei dieser Auslosung war das Losglück der UEFA hold und es wurde auch in dieser Runde keine reine ENIC-Paarung ausgelost. Nachdem Slavia Prag gegen den VfB Stuttgart und der AEK Athen gegen Lokomotive Moskau ausgeschieden waren, war Vicenza Calcio der einzige ENIC-Club im Halbfinale. Das Problem hatte sich zunächst einmal von selbst gelöst. Nachdem Calcio im Halbfinale ebenfalls die Segel streichen mußte, waren damit zwar alle drei Clubs der Londoner Beteiligungsgesellschaft aus dem Pokalsiegerwettbewerb ausgeschieden, der Pokal ging jedoch trotzdem nach London, da Chelsea London das Finale gegen den VfB Stuttgart bekanntlich mit 1:0 gewann.
Im Frühsommer erließ die UEFA dann kurzfristig einige Regeländerungen, nach denen zukünftig nur noch ein Verein eines Besitzers an einem Wettbewerb teilnehmen darf, auch wenn sich mehrere Clubs dafür qualifizieren. Das Problem war dann im Sommer auch sofort wieder auf dem Tisch, als sich sowohl der AEK Athen als auch Slavia Prag sportlich für den UEFA-Cup qualifizierten. Nach der 5-Jahres-Wertung der UEFA hätte Slavia Prag in der Saison 98/99 am Wettbewerb teilnehmen dürfen, der AEK Athen hätte trotz der erfolgten sportlichen Qualifikation nur zuschauen dürfen, da er in der UEFARangliste weiter hinten plaziert war. Und auch die Glasgow Rangers hatten sich als Tabellenzweiter der schottischen Liga für den gleichen Wettbewerb qualifiziert, sie hätten nach den UEFAStatuten allerdings problemlos mitspielen dürfen, da ENIC dort (noch) nicht die Mehrheit hat und somit nach UEFAMeinung keine Probleme zu erwarten wären. Erst am 17. Juli entschied das Schweizer Gericht für Sportangelegenheiten (CAS) in Lausanne, daß sowohl Athen als auch Prag am UEFA-Cup der Saison 98/99 teilnehmen dürfen. Eine Grundsatzentscheidung wurde damit allerdings noch nicht getroffen, sie ist erst für Ende 1998 angekündigt.
Sportlich ging der Kelch auch diesmal an den Verantwortlichen der UEFA vorüber, eine Paarung AEK Athen gegen Slavia Prag blieb der UEFA erspart. Auch die Rangers zogen mit Beitar Jerusalem einen NichtENICClub als Gegner. Danach verabschiedeten sich die Griechen bereits in der ersten Runde gegen Vitesse Arnheim. Slavia Prag kam zwar bekanntermaßen leider eine Runde weiter, aber auch für sie war gegen den FC Bologna in der zweiten Runde Endstation. Lediglich die Rangers aus Glasgow vertreten seitdem noch die ENICFarben im diesjährigen UEFACupWettbewerb. Die spannende Frage bleibt damit weiterhin, was passiert, wenn zum ersten Mal zwei ENIC-Clubs in einem offiziellen Wettbewerb aufeinander treffen, weil es das Losglück bzw. pech so will?
Sind bei einer solchen Paarung überhaupt noch reelle Ergebnisse zu erwarten oder besteht in einer solchen Situation bereits die Gefahr, daß die ENIC-Bosse, die schon heute Einblick in alle Unterlagen und Pläne ihrer Vereine haben, aus wirtschaftlichen Erwägungen lieber einen bestimmten Verein als Sieger sehen wollen? In Deutschland ist die ENIC bislang noch nicht offen aufgetreten, hierzulande bereitet dagegen so manchen das Engagement der Ufa Sports ziemliche Kopfschmerzen. Von Mehrheitsbeteiligungen oder Übernahmen ist bei der Ufa zwar noch nicht die Rede, finanziell ist man jedoch bereits beim Hamburger SV, dem Club aus Nürnberg und der Berliner Hertha in Millionenhöhe aktiv, in Berlin und Hamburg sitzen Ufa-Vertreter bereits in der Führungsetage der Vereine. In Frankreich ist der TV-Sender Canal Plus bereits heute Mehrheitsgesellschafter bei Paris St. Germain, der gleiche Sender hält auch in der Schweiz bei Servette Genf die Mehrheit. Ajax Amsterdam geht dagegen der Einfachheit halber den direkten Weg und plant seit einigen Monaten die Übernahme des belgischen Erstligisten Germinal Ekeren.
Solche zaghaften Schritte sind jedoch nichts für die ENIC-Manager. In England entdeckten sie in diesem Jahr zwei neue potentielle Werksclubs. Zunächst streckten sie im Frühjahr ihre ÜbernahmeFühler in Richtung Tottenham Hotspurs aus, als Spurs-Präsident Alan Sugar mitteilen ließ, daß er seinen 40%-Anteil eventuell verkaufen wolle. Und als im September diesen Jahres der private TV-Sender BSkyB des britischen Medienunternehmers Rupert Murdoch mit Manchester United bezüglich einer Übernahme verhandelte und damit für einen Aufschrei in der englischen Fanszene sorgte, war die ENIC indirekt mit von der Partie. Die Financial Times enthüllte in ihrer Berichterstattung über den geplanten MurdochDeal, daß im Hintergrund auch die ENIC-Macher an einer Übernahme von Manchester United interessiert seien.
Tatkräftige finanzielle Unterstützung für solche und andere geplanten Megaaufkäufe kann die ENIC Gesellschaft auch von dem weltweit größten Medienkonzern TIME WARNER erwarten. Dieser hätte ohne größere Liquiditätsprobleme der ENIC finanziell unter die Arme greifen können und den geplanten United-Kaufpreis von ca. 1,5 Milliarden Mark auf den Tisch des mehrfachen englischen Meisters legen können. Zwischen Time Warner und ENIC bestehen aber nicht nur freundschaftliche, sondern auch handfeste geschäftliche Beziehungen. 80% der englischen TimeWarnerAnteile hält beispielsweise die ENIC. Die derzeit noch unklare Rechtslage auf der europäischen Fußballbühne und die allerdings doch recht zaghaften Pläne der UEFA gegen geplante Mehrheits und Mehrfachbeteiligungen einer Gesellschaft haben den ENIC-Verantwortlichen in London jedoch mittlerweile auch ein mittleres finanzielles Problem bereitet. Der Unternehmenswert hat sich dadurch innerhalb weniger Monate durch dramatische Kurseinbrüche fast halbiert. Sah es Anfang diesen Jahres noch so aus, als wenn es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis die ENIC-Aktie die Grenze von 300 Pence pro Aktie durchbrechen, brach der Aktienkurs zwischenzeitlich auf bis zu 140 Pence ein. Mittlerweile hat sich an der Londoner Börse, hier sind die ENICAktien notiert, der Kurs wieder etwas stabilisiert. 156 Pence kostet die ENICAktie Ende November. Joe Lewis selbst hat seinen 35,6%-Anteil an der ENIC allerdings vor kurzem verkauft - an Geschäftsfreunde und Familienmitglieder.
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 1
(rk) Skandale gehören bekanntlich zu einer alten Schalker Tradition. Skandale, die unseren Verein unbeliebt, ihn andererseits auch unsterblich gemacht haben. Man denke nur an den großen Bundesliga-Skandal in den 70ern, den Drei-Tage-Präsidenten Zylka, den legendär chaotischen Jahreshauptversammlungen im Hans-Sachs-Haus oder die Affäre “Günter Eichberg”. Deshalb ist es an der Zeit für eine neue Serie, in der wir ausschließlich über die Skandale unseres Vereins berichten werden. Beginnen wollen wir mit dem wohl ersten richtig großen Skandal in der Geschichte des deutschen Fußballs.
Hi Ha Höre Schalker Amateure?
1927 und in den folgenden drei Jahren gewann Schalke die Ruhrbezirksmeisterschaft. Hinzu kam 1929 zum ersten Mal der Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft, eine Leistung, die ebenfalls in der nächsten Saison wiederholt werden konnte. Als der Kreisel sich zu drehen begann, stieß in diese stürmische Aufwärtsentwicklung der Schalker im Sommer 1930 ein Ereignis, das den Verein beinahe die Existenz gekostet hätte.
Was war passiert? Am 25. August erklärte die Spruchkammer des Westdeutschen Spielverbandes (WSV) 14 Schalker Spieler zu Berufsspielern und schloß acht Vorstandsmitglieder aus dem WSV aus. Schalke hatte, wie aber bei anderen großen Vereinen zu der Zeit auch üblich, seinen Spielern Spesen und Gehälter gezahlt, und diese hätten die laut den Statuten des WSV erlaubten Aufwandsentschädigungen bei weitem überschritten.
Die Tatsache, daß eine Reihe von Schalker Spielern gegen das Amateurstatut verstoßen hatte, war offenbar nicht zu leugnen, wenn auch die Höhe der gezahlten Beträge im Einzelfall umstritten blieb. Die Spieler behaupteten später zwar, die Differenz wäre äußerst gering gewesen, fünf Mark Spesen habe ihnen zugestanden, zehn Mark hätten sie genommen. Mag auch immer noch manch größerer Schein unter der Theke bei Mutter Thiemeyer hindurchgereicht worden sein, gegen die Summen, für die heute Fußballspieler auf den Platz laufen, waren es Trinkgelder. Über die von der WSV-Spruchkammer aufgedeckten Vorgänge war in der Presse schon lange gemunkelt worden. Im Nachhinein erscheinen diese angesichts der sozialen Herkunft der Spieler und den enormen Einnahmen ihres Vereins aus Eintrittsgeldern auf der anderen Seite als fast zwangsläufig.
Die Spieler, die mit den Amateurbestimmungen in Konflikt geraten waren, kamen durchweg aus der Arbeiterschicht. Sie kamen damit ausnahmslos aus materiell beschränkten Verhältnissen, für sie muß somit die Versuchung besonders groß gewesen sein. Zudem war es ein offenes Geheimnis, daß die Spieler der Spitzenmannschaften den Boden des reinen Amateursports längst verlassen hatten. Der DFB beharrte unaufhörlich auf den starren Formen des Amateurprinzips, sein “sportlicher Idealismus” übersah dabei aber die Realität des Fußballs. In England und in Österreich gab es zu dieser Zeit bereits Profi-Ligen, der einzigen Möglichkeit für Arbeiterfußballer übrigens, Spitzensport zu betreiben.
Einen Schritt vor dem Abgrund
Nun fiel Schalke allerdings bei der Spruchkammer gerade einem dieser Erzengel des Amateurismus in die Hände, dem Mönchengladbacher Paul Schröder. Für den DFB war er im Bundesgericht tätig und war im Schiedsrichterwesen sehr engagiert. Er verkörperte den Prototyp des “Torstangenträgers”, also jener Leute, die zum Spiel selbst die Torpfosten mitbrachten, und darauf stolz waren.
Hinzu kam, daß Schalke immer noch als “Polacken- und Proletenklub” bei den verantwortlichen DFB-Stellen verpönt war und man es Schalke verübelte, daß seine Spielkunst den westdeutschen Fußball repräsentierte. Es sollte also ein Exempel statuiert werden und da kam den DFB-Oberen der Vorfall gerade recht. Die Entscheidung der WSV-Spruchkammer traf die Schalker wie ein Keulenschlag.
Die Erklärung fast aller Spieler der 1. Mannschaft zu Berufsspielern bedeutete das sofortige Verbot ihres weiteren Einsatzes. Der Verein stand damit am Rande des sportlichen Ruins. In Gelsenkirchen war man über dieses gnadenlose Urteil entsetzt.
Die Spruchkammer des WSV stellte in ihrem Untersuchungsbericht folgendes fest: “Die eingehende Prüfung der Kassenbücher mit den dazu gehörigen Belegen … hat im weitesten Maße Verstöße gegen die Amateurbestimmungen erwiesen … Das Verfahren hat aufgrund der vorliegenden buchmäßigen Belege und Geständnisse der beteiligten Vorstandsmitglieder und Spieler ergeben, daß
Es ist bedauerlich, daß die Mitglieder des engeren Vorstandes und der Finanzkommission des FC Schalke 04 diese Zuwendungen usw. gutgeheißen haben und den Gesamtvorstand unwissend ließen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß nach den gemachten Feststellungen die schuldigen Mitglieder des Vorstandes und der Finanzkommission persönliche Vorteile nicht gehabt haben.”
Selbstmord wegen Schalke
Nun aber zur eigentlichen Tragik dieses Skandals: Im Verlauf der Affäre, die in der deutschen Sportöffentlichkeit und weit darüber hinaus ein enormes Aufsehen erregte, beging der Schalker Schatzmeister Willi Nier Selbstmord. Der als “peinlich korrekt” geltende Bankbeamte glaubte diese Schande nicht ertragen zu können. Am Morgen nach der Urteilsverkündung barg man den Leichnam des ausgeschlossenen Vorstandsmitglied aus dem Rhein-Herne-Kanal. Auf dem Spielfeld der Glückauf-Kampfbahn bahrten ihn seine Kameraden auf. Die Spieler der nun verbannten Meisterelf trugen ihn zur letzten Ruhestätte, Tausende gaben ihm das Geleit. Mit einer solchen Reaktion, daß ein untadeliger Mann sein Leben wegen eines Fußballvereins opfern konnte, hatte man beim WSV nicht gerechnet. Man war zwar betreten und fühlte sich auch nicht ganz frei von Schuld, aber man mußte eben das Gesicht wahren. Der WSV tat nichts.
Wir sind das Volk!
Der “Fall Schalke” zog Kreise. In flammenden Protesten forderte die Heimatpresse die Aufhebung des Urteils. Übereinstimmend war man der Meinung, daß nicht eine Mannschaft allein an den Pranger gestellt werden durfte.
Die Spruchkammer des WSV sprach folgendes Urteil:
“Die Regelmäßigkeit und die Höhe der Zuwendungen an die einzelnen Spieler, die nach eigenem Geständnis mit diesen Forderungen an die Leitung des Vereins herangetreten sind, lassen nur folgende Bestrafung zu: Es werden zu Berufsspielern erklärt: Rothardt, Badorek, Sobotka, Zajons, Boeke, Jaszek, Valentin, Tibulski, Kuzorra, Szepan, Simon, W. Kampmann, Neumann und Rodner. Die Mitglieder des Vorstands Fr. Schulte, Fr. Krause, W. Nier, Joh. Ehrenberg, O. Köttgen, Hendriks, Lütterforst, Hch. Pienek, die ihre Abmeldung aus dem Verein bereits vollzogen haben, werden aus dem Westdeutschen Spielverband ausgeschlossen… Wir haben aus besonderen Erwägungen von dem Ausschluß des gesamten Vereins abgesehen, bestrafen ihn aber mit einer Geldstrafe von 1000 RM, zahlbar bis zum 1. Oktober. Die Kosten des Verfahrens mit 200 RM trägt ebenfalls der FC Schalke 04. Die Spruchkammer geht von der Voraussetzung aus, daß der FC Schalke 04 einen neuen Vorstand wählt, der die Gewähr bietet, daß weitere Verstöße gegen die Amateurbestimmngen unterbleiben.”
Szepan und Kuzorra auf dem Sprung
Hier hatte es inzwischen neue Aufregung gegeben. Ein gewisser Herr Friedmann aus Wien erschien eines Tages bei Fritz Szepan, als dieser gerade die Schuhe seiner Geschwister putzte, und machte ihm und seinem Schwager Ernst Kuzorra das Angebot, für Admira Wien zu spielen: tausend Mark im Monat. Das war viel Holz und zum Beweis, wie wichtig Friedmann dieses Angebot nahm, drückte er Fritz Szepan 250 Mark in die Hand.
Für Kuzorra und Szepan wären damit alle Sorgen vorbei gewesen. Sie paßten mit ihrer Spielweise ausgezeichnet in das Wiener “Scheiberl-Spiel”, und kein Mensch hätte ihnen Vorwürfe machen können. Es kam weiter hinzu, daß die beiden Angebote aus Lille hatten, die sogar noch besser waren. Fritz Szepan hatte also das Angebot aus Wien und seine 250 Mark - wofür er sich sofort einen neuen Anzug kaufte - in der Tasche. Abends rief er den Notar Jersch in Bochum, den Vorsitzenden des WSV, an, und fragte ihn, ob Schalke in absehbarer Zeit damit rechnen könnte, begnadigt zu werden. Als Jersch diese Frage ohne alle Vorbehalte bejahte, stand für Szepan und Kuzorra fest: Wir bleiben in Schalke!
Licht am Ende des Tunnels
Aber erst im Februar 1931 gab es den ersten Lichtblick: Simon und Hennes Tibulski wurden als erste begnadigt. Sie durften wieder mitspielen, so daß die Schalker diese Saison noch mit einem guten Mittelfeldplatz in der Tabelle überstanden. Im Mai tagte der DFB im “Russischen Hof” in Berlin. Dort erhielt der WSV auf das Urteil eine Erwiderung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Ende Mai sind alle Schalker Spieler begnadigt. Am 1. Juni 1931 (einem Montag!) will sich der FC Schalke 04 wieder seinen Anhängern stellen. Die Düsseldorfer Fortuna findet sich bereit, in einem Freundschaftsspiel die Schalker wieder auf dem Weg in den normalen Fußball zu begleiten. Das war ein echter Freundschaftsdienst - und die Zustimmung zu einem nicht ausgesprochenen Protest gegen die veralteten Ansichten des WSV. Denn es hätte auch genauso gut die Fortuna treffen können, wie jeden anderen großen Verein im Westen auch.
Die Auferstehung
Es blieb die bange Frage, ob die Anziehungskraft der Schalker auch über dieses Intermezzo hinweg ungebrochen geblieben sei. Daß jedoch über 70000 Menschen versuchten, auf einen Platz zu kommen, der nur 35000 faßte, daß nur durch den Einsatz berittener Polizei das Spielfeld halbwegs freigehalten werden konnte, daß selbst auf den Torgehäusen die Zuschauer saßen, bewies die ungeheure Anziehungskraft, von der Schalke 04 nichts eingebüßt hatte.
Nur die wenigsten der Zuschauer werden mitbekommen haben, daß Schalkes Rechtsaußen Tibulski das einzige Tor des Tages schoß. Mit diesem Spiel war Schalkes erster große Skandal überwunden und Schalkes erfolgreichste Zeit konnte beginnen.
Surfin` S04
(kh) “Everyone’s a publisher” - was in gewisser Hinsicht ja auch für uns Fanzine-Macher gilt, trifft zunehmend auch auf das Internet zu. Die offizielle Schalker Homepage unter http://www.schalke04.de gibt es ja schon seit über zwei Jahren, doch es machen sich immer mehr Schalker Fans daran, eigene S04-Fan-Sites ins Netz zu stellen. Eine kleine Auswahl möchten wir hier vorstellen.
Da auch die Internet-Domains immer preiswerter werden, präsentieren sich zwei Fan-Seiten sogar unter einem eigenem Namen. Die “attraktivste” Adresse hat sich dabei Kilian Kissling mit http://www.schalke.de gesichert. Seine Seite ist allerdings noch eine kleine “Baustelle”, wird aber wohl in Zukunft wesentlich mehr Information bieten.
Keine Baustelle mehr ist “Matthias’ Schalke Homepage” von Matthias in der Weide, die unter http://www.schalkefan.de zu finden ist. Sie bietet eine beeindruckende Fülle an Informationen: Aktuelle Spielberichte, Infos rund ums Team, die lesenswerte Rubrik “Kannste Dich erinnern?” und die “Schnappschüsse” mit privaten Schalke-Fotos runden das umfangreiche und interessante Angebot ab. Also kurz gesagt: absolut empfehlenswert, dort sollte man unbedingt mal vorbeisurfen.
Mit einer etwas anderen Ausrichtung, aber ebenso umfangreich, sind “Peters FC Schalke 04 Seiten” von Peter Hauptmanns unter http://come.to/schalke im Netz. Sie bieten vor allem eine Fülle an Statistiken und Daten. Ligaspiele, nationale und internationale Spiele, eingesetzte Spieler usw., fast alles ist dort zu finden. Außerdem interessant: Liedgut, Ehrungen und die Weblink-Liste.
Ebenfalls recht häufig aktualisiert und graphisch sehr gelungen ist “Gorden’s Schalke-Page” http://come.to/gord von Gorden Bringemeier. Dort finden sich nicht nur aktuelle S04Infos, sondern auch Interviews aus verschiedenen Quellen, Presseartikel und eine recht witzige Bundesliga-Sprüchesammlung.
Daß man nicht nur über “Schalke allgemein” eine Seite ins Netz stellen kann, beweist Philipp Kühle, der mit http://www.eijkelkamp.de eine Seite dem Spieler widmet, den man am liebsten in einen Jungbrunnen werfen, und ihm dann einen Zehnjahresvertrag geben möchte. Auf der René Eijkelkamp-FanPage findet sich alles über den Fußballgott mit der Nummer 18. Es gibt eine Reihe von Fotos, eine Zitatensammlung und Presseberichte über die Schalker Kultfigur.
Spieler kann man auch wählen - und zwar zum “Spieler des Monats” - auf der “Anno Milano 1997″-Seite von Christian Jennewein unter http://pk.community.de. Dort findet sich eine öffentliche Abstimmung über den besten, prägnantesten, beliebtesten oder auch nur “wichtigsten” Schalker Spieler des Monats. Bisherige “Preisträger” waren z.B. Oliver Held (im April), Frode Grodas (im August) und Mathias Schober (im September).
Wer über den Schalker “Tellerrand” hinausblicken möchte, ist bei Jan Klaffkes “FC Schalke 04 & 101 % Support Page” unter http://fanatic.community.de gut aufgehoben. Neben interessanten KönigsblauInfos findet sich eine umfangreiche Sammlung mit Kurvenfotos aus 11 europäischen Ländern, ein WM-Bericht und ein empfehlenswerter BVB-Test.
Außerdem interessant: die Seite des Fanclub-Verbands unter http://www.schalke04.de/sfcv und die Seite der Schalker Mailingliste (http://www.lsp-inter.de/sml), über die wir bereits in einer früheren Ausgabe berichtet haben. Neben den in diesem Artikel vorgestellten gibt es natürlich noch eine Reihe weiterer privater Schalke-Seiten sowie Homepages von Schalker Fanclubs. Deshalb - Web-Surfen soll ja auch ein bißchen mit “Suchen” zu tun haben - sollte man einfach einmal die “Weblinks” von schalke04.de oder die Link-Listen der einzelnen Fan-Seiten durchforsten: Das Internet wächst ständig und ist (fast) unendlich groß geworden, es gibt also mit Sicherheit noch viel zu entdecken.
The Greatest Scheiß of Merchandise
(rk) Es wird Winter. Es wird kalt. Man friert in den eigenen vier Wänden und weiß nicht, womit man heizen soll. Da kam dem SCHALKE UNSER die Idee, einmal alle Bundesligavereine anzuschreiben und einen der besonders gut zum Anheizen der Kachelöfen geeigneten Fan-Shop-Kataloge anzufordern. Vorher wollten wir aber doch noch wissen, was drinsteht.
Binnen drei Wochen antworteten gerade mal acht Vereine und zwar Hansa Rostock, Leverkusen, Stuttgart, Hamburger SV, MSV Duisburg, Eintracht Frankfurt, VfL Bochum und Borussia Lüdenscheid. Also allesamt Vereine, die wenig Fans haben und wohl auch deshalb auf unseren Formanschrieb hereingefallen sind:
“Sehr geehrte Damen und Herren, seit einiger Zeit bin ich glühender Verehrer Ihres Vereins. Meinen Enkel habe ich auch bereits angesteckt. Ich bewundere immer wieder, wie Ihre Mannschaft andere Teams niederkämpft. Da mein Enkel demnächst Geburtstag hat, möchte ich ihm etwas aus Ihrem Fan-Artikel-Sortiment schenken. Ich weiß aber nicht was. Bitte senden Sie mir daher Ihren Fan-Artikel-Katalog zu. Vielen Dank.”
Nun ja, daß Gladbach nach den 2:8- und 1:7-Pleiten hierauf nicht antwortete, können wir verstehen, aber was ist mit den anderen?
Bereits nach zwei Tagen lag der Merchandising-Katalog von Hansa Rostock im Briefkasten. Erstaunlich schnell, war es doch gerade der FC Hansa Rostock, der nie auf einen Protest vier Schalker Fans gegen die gästefanfeindlichen Polizeieinsätze im Ostseestadion antwortete (SCHALKE UNSER berichtete). Der Kommerz ist halt wichtiger als die Fans geworden. Glatzkopf Igor Pamic ziert die Titelseite des Katalogs, im Innenteil dann das Übliche, was wirklich jeder Verein anbietet (Trikots, T-Shirts, Gesichtsschminke, Fahnen). Erstaunlicherweise fanden wir zwar Baseballkappen, aber keine -schläger. Dann aber doch was ganz neues: “Das Hansa-Fan-Haus - Greif Dir eins!” Hansa verkauft doch tatsächlich mittlerweile ganze Häuser. Beim billigsten davon ist man mit 213.629 Mark dabei. Ist wahrscheinlich der teuerste Fan-Artikel der Welt. Und das im Osten! Unbestätigten Gerüchten zufolge soll sich das aber bald ändern: Schon im Frühjahr 2001 kann man das neue Stadion “auf Schalke” im Maßstab 1:1 als Laubsägearbeit mit ausrollbarem Rasen für 358.000.000 Mark erwerben, wahlweise auch als Knusperhäuschen zur Adventszeit.
“Der Meister-Katalog” vom 1.FC Kaiserslautern kommt wenig meisterlich daher. Im DIN-A6-Format bietet er kaum Sensationelles, mal abgesehen von der “Fan-Gummi-Puppe mit Saugknopf” (Artikel-Nr. 77810) à la Chucky, die Mörderpuppe, die zum Poppen zu klein ist (ca. 24 cm) und auch ansonsten eher einen Platz im Gruselkabinett verdient hätte. Verschwiegen wird der Name des Autors des Kochbuches “Aus Teufels Küche”, wir vermuten aber, daß es sich dabei um Harry Koch handelt.
Im Fan-Shop-Katalog des VfB Stuttgart, ebenfalls nur A6-Format, wird zu einem Mal-Wettbewerb animiert: “Mal uns Deinen VfB-Star!” Der Einsendeschluß ist leider schon vorbei, sonst hättet Ihr auch noch mitmachen können. Dem Gewinner winkt ein Treffen mit “Deinem VfB-Star”. Schade, wir hätten doch so gerne mit unserem Bild gewonnen und mal Thomas Berthold gefragt, was er sich dabei gedacht hatte, als er in der Saison vor unserem Europapokal-Sieg meinte: “Was will denn Schalke im UEFA-Pokal?”
Der Hamburger Sport-Verein bietet gleich zwei Highlights an: Zum einen das “Original-Straßenschild” für 89 Mark, auf dem “Rainer-Muster-Weg” steht, zum anderen der ultrawitzige Aufnäher “Hamburg-Lüdenscheid ist Trumpf”. Wenn das Trumpf ist, sagen wir doch locker “Contra” an und gewinnen dann “ohne vier gespielt fünf, Schalke sechs, Nürnberg sieben, Contra acht”. Und wehe Euch, Ihr sagt “Re”.
Der Fan-Shop-Katalog vom MSV Duisburg ist genauso unspektakulär wie der gesamte ZebraVerein. Sowohl im Design als auch im Einfallsreichtum der Produktpalette zeichnet ihn triste Tristesse aus.
Nicht viel anders sieht’s bei der befreundeten Eintracht aus Frankfurt aus. Zumindest bei der Auswahl der weiblichen Models bewies sie Geschmack, was man nicht von dem T-Shirt “Tourenplan” behaupten kann. Dort wurde Schalke auf der Deutschlandkarte mir nichts, Dir nichts, ins östliche Ostwestfalen-Lippe verpflanzt. Frevel!
Der VfL Bochum möchte mittlerweile nicht mehr nur seinen Vereinsarzt zum Teufel bzw. zum Medizinstudium schicken, sondern auch seinen Fan-Beauftragten Dirk “Moppel” (ach, wie süß!) Michalowski verkaufen. Es gibt ihn übrigens für 29,90 Mark in den Größen M XXL.
Man wundert sich, daß die Wattenscheider bei diesen bunten Trikots keine Papageien-Käfige im Sortiment haben, und man wundert sich nicht mehr, daß Bochum schon bald in der “Pampers-Liga” spielen möchte, haben sie sich doch bei unserem letzten Duell ordentlich in die Hose gemacht.
Nun aber zu einem Gefühl, das wir zum Glück noch nie verspürt haben: “Get the Bayer 04-Feeling!” Was ist das denn für ein Gefühl? Das Gefühl, das man hat, wenn man von Manager Rainer Calmund zerquetscht wird (Berti Vogts), wenn man von Ulf Kirsten ausgeknockt wird (Thomas Linke) oder wenn man sich so viele Bayer-Pillen einwirft, daß man Leverkusen dufte findet? Auch Sportchef Rudi Völler scheint es nicht zu wissen, wendet er sich doch schnell einer neuen Zielgruppe zu: “Wir machen Sie zum Super-Fan” und “Natürlich darf zum Beginn des neuen Schuljahres auch ein neugestaltetes Angebot an Mappen, Etuis, Schreibgerät und anderem mehr nicht fehlen. Schließlich wollen unsere Kids zeigen, wer ihre Lieblingsmannschaft ist.” So grinst uns Rudi Völler aus dem Bayer 04 Leverkusen-Katalog entgegen und sieht bereits das Taschengeld der Leverkusener Dorfjugend in seinen Säckel fließen.
Womit wir auch schon bei unserer absoluten “Lieblingsmannschaft”, der Borussia aus dem Großraum Lüdenscheid, wären. Der Katalog ist fast so dick wie der von Neckermann oder Quelle und brennt auch dementsprechend gut und lange im Ofen. Vor allem die jüngeren und insbesondere die ganz jungen Fans kommen hier buchstäblich auf ihre Kosten (siehe Foto). Bei vielen Dingen muß man sich unweigerlich die Frage stellen “Welcher Idiot kauft sich denn sowas?”. Mal ganz abgesehen davon, daß es Lüdenscheid-Artikel sind, aber wer kauft sich denn den “4er-Set Alkaline-Batterien mit BVB-Wappen” für 6,90 Mark, wo es selbige Batterien im Supermarkt (ohne BVB-Wappen, also in der Qualität wertvoller) für schlappe 1,90 Mark zu kaufen gibt? Da müssen wohl Gehirnamputierte am Werk sein, anders ist das nun wirklich nicht mehr zu erklären. Der Lüdenscheider Katalog kostet eigentlich 4,90 Mark, wenn man aber einen so lieben und netten Brief schreibt wie wir, bekommt man ihn auch (mit 4,40 Mark Porto beklebt) umsonst zugeschickt.
Das bringt uns abschließend noch auf eine kleine Idee: Sagen wir mal, ungefähr 50.000 Schalker bestellen jeweils einen Katalog bei der BVB/NLGeschäftsstelle (44005 Dortmund, Strobelallee, Postfach 100509). Nach Adam Riese und Möllers Rechenbuch würde dies dem BVB/NL glatt 50000 mal 9,30 Mark, also 465.000 Märker kosten. Also, wenn das nicht Anreiz genug ist?

