Nummer 35 - 2002/08
Auszüge aus dieser Ausgabe:
Attacke: Arachnophobie
Wer ist wirklich Weltmeister?
Die Borussia-Dortmund-Fanprägung
Blick nach vorn im Zorn
Die FCN-Ecke: Vizemeistermacher
Attacke: Arachnophobie
(rk) Habt Ihr Angst vor Spinnen? Ja? Meine Freundin hat auch ganz extreme Angst vor den Achtbeinern, ich selbst überhaupt nicht. Immer, wenn irgendwo eine noch so kleine Spinne bei uns rumläuft, ruft mich meine Freundin: „Mach die schnell weg!“ Ich mach die dann immer schnell „weg“ und sage: „Wenn du mich nicht hättest, wäre hier alles voller Insekten.“ Klar, ich bekomm dann die Antwort: „Wenn ich dich nicht hätte, gäb’ es hier erst überhaupt keine Insekten.“ So sind die Frauen.
Spinnen haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie Netze bauen. Und eben ein solches Ungemach droht nun auch den Schalke-Fans in der Nordkurve. Oft genug wurde von Vereinsseite aus gewarnt, das Werfen von Gegenständen zu unterlassen. Aber es flogen auch weiterhin Feuerzeuge, Bierbecher oder Bananen (letzteres bevorzugt bei Spielen gegen den FC Bayern) in Richtung Spielfeld. Der Schalke-Fan im Allgemeinen lässt es anscheinend an Selbstdisziplin vermissen. Und - das muss man fairerweise hinzufügen - das ist in nahezu allen Blöcken so, nicht nur in der Nordkurve.
Der Verein FC Schalke 04 hatte wirklich viel Geduld mit seinen Fans. „Vertrauen gegen Vertrauen“, hieß das Motto. „Wir bauen euch kein Netz, damit ihr freie Sicht auf das grüne Rechteck habt, und ihr werft nichts in Richtung Spieler, damit wir keine Strafen erhalten.“ In der Bundesliga ist dieses Vereinsverhalten einmalig; Bochum, Kaiserslautern, Lüdenscheid, Gladbach - überall finden sich in „engen“ Stadien schon die Fangzäune, die nicht nur die Sicht verschlechtern, sondern auch Fans und Mannschaft „trennen“. In England hingegen sind Fangzäune durchaus unüblich. Es klingt etwas obskur und paradox, aber hier weiß man sich zu benehmen.
Warum ist das auf Schalke nicht möglich? Ist das alles so schwer zu kapieren, dass man sich durch solche Aktionen am Ende ins eigene Fleisch schneidet?
Trotzdem, man soll die Hoffnung nicht aufgeben, schließlich sind die „Arschloch, Wichser, Hurensohn“-Rufer doch auch verstummt. Leute, lasst einfach den Scheiß und kapiert endlich: Das ist unsere letzte Chance, ein Netz zu verhindern. Ansonsten bekommt Ihr demnächst Probleme, wenn Ihr mit Eurer Freundin ins Stadion geht und die beim Anblick des Netzes sagt: „Mach das mal schnell weg!“
Wer ist wirklich Weltmeister?
(pr) Die FußballWM in Südkorea und Japan ist seit einigen Wochen vorbei und seit genauso vielen Wochen wird der Markt mit Büchern, Videos und DVD’s überschwemmt. Die üblichen Verdächtigen publizieren innerhalb weniger Stunden ihre Analysen, warum Deutschland doch nicht Weltmeister wurde. Das können wir auch, nur nicht ganz so schnell. Qualität dauert eben etwas länger.
31.5.2002
Eigentlich könnte man die WM gleich wieder abpfeifen. Pape Bouba Diop stolpert die Schweinsblase nach 30 Minuten ins Tor und Senegal schlägt im Eröffnungsspiel Frankreich. Und wer den Weltmeister schlägt, ist für mich neuer Weltmeister. Ist doch beim Boxen auch so.
Pape Bouba Diop bescherte den Franzosen zusätzliche Urlaubstage
1.6.2002
Acht Tore gegen Deutschland zu kassieren, war für die Saudis bestimmt ganz schön bitter, dabei aber sogar ein Tor von Carsten Jancker einstecken zu müssen, ist ganz besonders hart. Amnesty International übernimmt nach Spielende die Patenschaft für Coach Nasser AlJohar.
2.6.2002
Nigeria verliert gegen Argentinien. Das kommt davon, wenn man Victor Agali zu Hause lässt.
3.6.2002
Ganz was neues: Ein Leverkusener ist Erster! Boris Zivkovic bekommt nach seiner Notbremse gegen Blanco als erster Spieler des Turniers den roten Karton vor die Nase gehalten und Blanco haut den Elfer auch noch zum Siegtor der Mexikaner ins Netz. Will abends in Ruhe meine Lieblingssendung „Kommissar Rex“ sehen, muss aber statt dessen ein zweistündiges WMStudio mit langweiligen Analysen, einem überdimensionalem Bildschirm mit unklarem Nutzen und ganz vielen Verbrauchertipps ertragen. Unklar bleibt, auf welcher Speisekarte Rex gelandet ist?
4.6.2002
Schalke-Tag: Morgens Willis herrliches Fallrückziehertor im Spiel der Belgier gegen die Japaner und abends ein unterhaltsames WM-Studio mit Stefan Raab und Peter Lohmeyer. Erst outet sich der Schauspieler als Mitglied der Schalker Fan-Initiative (stimmt natürlich!) und erzählt dann von den Dreharbeiten zu seinem neuen Film „Das Wunder von Bern“, in dem er nach eigener Aussage aussieht „wie das Arschloch Mayer-Vorfelder“. Stunden zuvor hatte sich MV über die Qualität des japanischen Frühstücks beschwert, zwischen Raab und Lohmeyer herrscht Konsens, dass die Flasche Frühstückskorn gefehlt haben muss. Wie haben eigentlich die Polen mit Tomasz Hajto und Tomasz Waldoch gegen den haushohen WM-Favoriten Südkorea gespielt? Kann meine Notizen zu diesem Spiel leider nicht mehr finden.
5.6.2002
National-Rudi verkündet, dass seine Resterampe „gegen die Irländer Favorit sei“. Mein Gott, was hätte das für einen Aufschrei in der deutschen Medienlandschaft gegeben, wenn Berti Vogts so was abgelassen hätte. Die Iren sind nicht besonders beeindruckt und hauen den Deutschländern in der 92. Minute den Ausgleich ins Netz. Rivaldo erhält für seine theatralische Einlage aus dem Spiel gegen die Türkei eine Geldstrafe von 8000 Euro, dafür muss der Ärmste bei Barcelona fast einen halben Tag arbeiten.
6.6.2002
Kamerun schlägt Saudi-Arabien, es kommt zum „Endspiel“ zwischen Deutschland und Kamerun. Die Rechenschieber werden aus der Mottenkiste geholt und jeder glaubt, seine Analysen der Öffentlichkeit mitteilen zu müssen. Sogar Sat1Seppel Paul Breitner.
7.6.2002
Nigeria hat Victor Agali nicht nachnominiert und muss daher nach dem 1:2 gegen Schweden die Koffer packen. „Sitzen ist für’n Arsch“ sagen sich drei Häftlinge im südspanischen Malaga und versuchen genau in dem Moment einen Ausbruch, als Morientes den Ausgleich gegen Paraguay erzielt. Doch im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen behält eine Wärterin statt des Fernsehers den Überwachungsmonitor im Auge. Da passen endlich wieder alle Klischees zum Thema „Frauen und Fußball“.
8.6.2002
Roberto Carlos hämmert einen Freistoß aus 25 Metern über die chinesische Mauer zur 1:0-Führung der Brasilianer ins Netz. In China kommt es zeitgleich zu Straßenschlachten, als die Polizei die Übertragung auf einer Großleinwand unterbindet, da zu viele Fans auf der Straße stehen und dadurch den Verkehr blockieren.
9.6.2002
Klasse für Winston Parks, dass er nach 88 Minuten das 1:1 gegen die Türkei erzielt. Klasse für die Türkei, dass er in der 93. Minute Rüstü ausspielt und den Ball am leeren Tor vorbeidrischt. Ganz blöd für Costa Rica, dass man durch dieses fehlende Tor ausscheiden wird. Aber das erfahren die Mittelamerikaner erst in vier Tagen nach dem BrasilienSpiel.
10.6.2002
Zweites Spiel der Belgier, zweites Unentschieden, zweites Wilmots-Tor. Vor vier Jahren flogen die Belgier mit drei Unentschieden raus. Ich ahne Schreckliches.
11.6.2002
13 gelbe und 2 gelb-rote Karten bei Deutschland gegen Kamerun. Linke und Metzelder zeigen überhaupt keinen Einsatz und bleiben als einzige deutsche Spieler sogar die gesamten 90 Minuten ohne Verwarnung.
12.6.2002
Südafrikas Spieler schieben sich beim 2:3 gegen Spanien in den letzten Minuten den Ball in der eigenen Hälfte zu, während an der Seitenlinie die Offiziellen die Hände vors Gesicht schlagen. Vielleicht hätte mal jemand signalisieren sollen, dass die Slowenen nicht mehr 1:0 führen, sondern die Paraguayos zwischenzeitlich dreimal getroffen haben. Oder hatte kein Spieler auf dem Platz sein Handy an?
13.6.2002
China und die anderen FußballEntwicklungsländer Saudi-Arabien und Frankreich treffen kein einziges Mal und dürfen nach der Vorrunde den Holländer machen.

Die Nachricht von der Nachnominierung der Holländer entpuppte sich letztendlich doch als Ente
14.6.2002
Marc Wilmots trifft immer. Drittes Spiel, drittes Tor. Das reicht für’s Achtelfinale. Polen schlägt die USA, bei Südkorea gegen Portugal würde beiden Teams ein Unentschieden zum Weiterkommen reichen. WM-Favorit Südkorea macht auf Spielverderber und haut den Ball kurz vor Schluss ins Tor der Portugiesen.
15.6.2002
Die Paraguayos treten laut Breitnerpaule auf alles was sich bewegt, da hat Carsten Jancker ja nichts zu befürchten. Endlich ein Schalker im schwarz-rot-senfgelben Trikot: Gerald Asamoah war in seinen 89 Spielsekunden der beste Mann auf dem Platz. Toll, wie er nach seiner Einwechslung sofort in den freien Raum sprintete und auch beim Schlusspfiff immer noch topfit wirkte.
16.6.2002
Henri Camara schießt für Senegal das erste Golden Goal der WM; wenn ich mir die Schweden angucke, passt Sudden Death doch besser. Die Iren kochen auch nur mit Guinness, verballern vier Elfer gegen Spanien und dürfen zurück auf die Insel.
17.6.2002
Viertes Spiel von Willi für Belgien, viertes Tor. Da der Schiri das Kopfballtor aus wasweißichfür Gründen nicht gibt, fliegt Belgien gegen Brasilien raus.
18.6.2002
Die Italiener versuchen das, was sie glauben am besten zu können. Gut aussehen und den Tag in mediterraner Gelassenheit verbringen. Beides geht gegen den WM-Favoriten Südkorea schief. Coach Traber-Toni verkündet nach dem Golden Goal der Koreaner, dass es sich um eine Verschwörung der FIFA, der UEFA und dem ganzen Rest des Universums handeln würde. Unter der gleichen geistigen Diarrhöe litt auch Bundes-Berti 1998 nach dem Aus gegen Kroatien.
19.6.2002
Jung Hwahn Ahn ist arbeitslos - der Vertrag des südkoreanische Torschützen vor Vortag wird von seinem Club AC Perugia gekündigt, da er Italien massiv geschadet habe. Genau so stelle ich mir mediterrane Gelassenheit vor.
20.6.2002
Panini stellt aus Protest gegen die angebliche Benachteiligung der Italiener die Produktion der stets beliebten Sammelbildchen ein.
21.6.2002
Deutschland unter den letzten vier - bei der PisaStudie, beim Grand Prix de Eurovision und bei der WM. Michael Ballack ignoriert die von Gerhard Schröder vor Monaten verkündete uneingeschränkte Solidarität der Deutschen mit den Amerikanern und George Bush denkt nach dem Abpfiff über eine Erweiterung der Achse des Bösen nach.

Sand hatte offensichtlich kein Zielwasser getrunken: Null Tore
22.6.2002
WM-Favorit Südkorea schießt auch Spanien raus. Beim Elfmeterschießen trifft wiederum Ahn, der sich nun auf der gesamten iberischen Halbinsel nicht mehr blicken lassen darf.
23.6.2002
Der staatliche italienische Fernsehsender RAI will juristisch prüfen lassen, ob die FIFA wegen entgangener Werbeeinnahme schadensersatzpflichtig ist. Weiß zufällig jemand, wann Forderungen gegen pfeifende Zahnärzte verjähren? Da haben wir doch auch noch ‘ne Rechnung offen.
24.6.2002
Eine halbe Million Protestmails erreicht die FIFA aus Italien. Bestelle mir aus Solidarität eine Pizza Quattro Stagioni. Bei der Abholung droht man mir mit Sudden Death, wenn ich nicht sofort mein Südkorea-Trikot ausziehe.
25.6.2002
TafkaddN (the artists formerly known as die deutsche Nationalmannschaft - © by Oliver Kalkofe) gewinnt gegen den haushohen WM-Favoriten Südkorea und steht im Finale.
26.6.2002
Brasilien hungert sich gegen die Türkei ebenfalls ins Finale und Perugia teilt Jung Hwang Ahn mit, dass man ihn doch wieder mitspielen lassen will.
27.6.2002
Ahn teilt Perugia mit, dass er gar nicht mehr zurück will.
28.6.2002
Belgien erhält den ersten Preis (50.000 Dollar) für das fairste Team des Turniers. Kein Autokorso in Brüssel oder Anderlecht.
29.6.2002
Habe nach dem dritten Platz der Türkei gelernt, dass Hakan Sükür doch weiß, wo das Tor steht, und der zweifache Torschütze Ilhan Mansiz besser deutsch spricht als Oliver Neuville.
30.6.2002
Zeit, das alte Gary LinekerZitat rauszukramen: „Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ Außer manchmal, da hat man zu viele Leverkusener im Kader und wird nur Zweiter. Zwei Tore von Ronaldo Yyyyves hätte das garantiert verhindert.
Die Borussia-Dortmund-Fanprägung
(axt) „Sie sind bevorrechtigt, die offizielle BorussiaDortmundFanprägung für nur 5, Euro zu erhalten*.“ Kotz. Nach deutschem Strafgesetz ist auch ein Selbstmord nicht strafbar und vermutlich auch besser für das Hirn als diese „Fan“Prägung. Aber nur, weil ich dazu berechtigt bin, muss ich auch das nicht machen. (*Rechtschreibung und Zeichensetzung korrigiert d. Red.)
Und so ein Scheiß (ich entschuldige mich für das Wort es ist viel zu harmlos) flattert einem ins Haus. Liebevoll wird das umschrieben mit: „Auf der Basis unseres Auswahlverfahrens wurde Ihnen ein Coupon zugestellt.“ Dieses Auswahlverfahren besteht nun darin, in einer Stadt zu wohnen, die in der Nähe der verbotenen liegt und zwar leider näher, als diese dem ominösen Ort, wo der Pfeffer wächst.
Rausgeschickt hat diese noble numismatische und pittoreske Raritätenwerbung ausgerechnet das „Bayerische Münzkontor“. Gut, jenseits der Grenzen Deutschlands ist eh alles ganz anders und südlich der Donau wurde ja auch der Schwachsinn erfunden, aber das ist doch ein gaaaanz kleines bisschen zu viel des Schlechten. Aber weiter im Text: „Dieser berechtigt Sie, die Borussia-Dortmund-Fanprägung zum Vorzugspreis von nur 5,- Euro zu erhalten.“ Das habe ich doch schon mal gelesen? Richtig, der Wisch wendet sich ja auch an die Fans von diesem Dingsbumsverein, und da sollte man das, was auf dem Coupon steht, sicherheitshalber noch mal im Anschreiben erwähnen. Aber nicht mehr, schließlich ist ja nicht sicher, ob der Empfänger bis drei zählen kann.
Und was bekommt man für fünf sauer-verdiente (entspricht einer knappen Stunde Frikadellenwenden in einem Fastfood-Restaurant) Euro? Ein Stück Blech. Nicht einmal eines, das Matthias Sammer höchstpersönlich geredet hätte, sondern einfach nur eine Münze. Und was soll der Durchschnittsfan dieses Dingbumsvereins damit? Erst spart er sein Taschengeld mühsam zusammen, um dann eine popelige Münze zu bekommen? Bisschen zu teuer, um das Ding hinterher über den Dortmund-Ems-Kanal oder eine stinkende Jauchegrube flitschen zu lassen.

Und die weniger durchschnittlichen und damit vielleicht volljährigen Fans dieses Dingsbumsvereins? Die betrachten fünf doch als „zwei und zwei und noch eins“, denn weiter können sie eh nicht zählen - siehe oben.
Gnädigerweise, so erfahren wir auch aus dem Coupon, entfallen Porto und Verpackungsentgelt: Na super, und? Wir wissen ja, dass die Post auch Bierdeckel transportiert, wenn sie nur ausreichend frankiert sind. Von daher dürfte sie auch Blech in Klopapier weiterbringen - aber für solcherlei adäquates Verpackungsmaterial wird man ja wohl kaum Geld verlangen dürfen.
Interessant ist auch der Passus „Der beliebte Ballspiel-Verein mit der aufregenden Gründungsgeschichte wird geehrt“. Beliebt ist auch die Kelly Family - bei einer entsprechend strukturierten Klientel. Aber lassen wir die Gründungsgeschichte doch noch mal Revue passieren: Ein paar Westfalen, frisch zu Preußen (mittelhochdeutsch: Pruzzen, latein: Borussia) gekommen, drehten die Pickelhaube auf links, setzten sie auf und stellten fest, dass das keinen besonderen Schaden anrichte. Darauf überlegten sie, dass Schweinepolo auf Dauer ein wenig langweilig war, und traten von da an lieber die Schweine selbst (also die tierischen, nicht die Spieler). Das war aber ein wenig schwierig.
Als dann ein aus der charmanten Provinz Buer Durchgereister vorbeikam, erläuterte er ihnen, dass man das weiter im Westen auch tue, man aber lieber das Schweinsleder nicht mit Schwein, sondern mit Luft füllte. Nach diesem Innovationsschub war der Ballspiel-Verein geboren.
Im Begleitschreiben zur Reklame liest sich das so: „Am 20. Dezember 1909 wurde dieser Verein unter Turbulenzen im Restaurant ,Zum Wildschütz´ gegründet. Hier trafen sich 40 Mitglieder einer katholischen Jugendgruppe, um den ,BVB´ (Anführungszeichen vom Bayerischen Münzkontor gesetzt - d. Red.) zu gründen. Doch der Kaplan persönlich erschien, um das zu verhindern. Es kam zu einem Handgemenge.“ Und was lehrt uns das? Man muss nicht immer bedauern, dass die Kirche seit dem Mittelalter in ihren Strafmaßnahmen nachgelassen hat. Die Hexenverbrennungen waren zwar nicht human, aber immerhin effektiv. Und eine angemessene Teufelsaustreibung hätte hier so manches verhindern können.
Nett auch, dass man den Borussen erklärt, was sie auf dem Bild sehen: „Die ,Borussen´ (Anführungszeichen vom Bayerischen Münzkontor gesetzt - d. Red.) in der ,Fan´kurve (Anführungszeichen nicht vom Bayerischen Münzkontor gesetzt - d. Red.)“. Ja, aber warum die Erklärung? Borussen können doch eh nicht lesen, also hilft die Erklärung nicht wirklich.
Interessant auch die Rückseite des Briefumschlags, in das dieses Pamphlet gesteckt wurde: Die Postwurfsendung hat ein wahnsinnig wichtiges und postalisches Aussehen - aber vorsichtshalber wurden Unterschrift, Anschrift und Zustellvermerke gleich mit aufgedruckt, denn das Ding hat ja keinen personifizierten Adressaten (wäre ja auch noch schöner, da ließe ich mich sofort auf die Robinson-Liste für mega-dämliche Werbung setzen). Und die Haken sitzen gleich auf „Anschrift ungenügend“ und „Sonstiges“. Ganz ehrlich: Ich hätte da das Feld „Verstorben“ angekreuzt - mit dem Kommentarfeld „Hirntod“, wenn schon das schlichte „Verweigert“ nicht geht.
Und was soll das Versprechen: „Sie gelangen damit in den Vorzug, eine aufwändig gearbeitete Farbprägung mit einer möglichen künftigen Chance auf Wertzuwachs zu besitzen.“ „Mögliche künftige Chance“? Und ich Depp dachte immer, Chancen wären an sich „sicher“ und in die Vergangenheit gerichtet. Aber vielleicht hat das Bayerische Münzkontor den angedeuteten Hauch eines diffusen Schimmers einer vagen Ahnung, was die mich mit so einer absolut dämlichen Werbung mal können und an welchen Körperteilen.
Zum Schluss muss noch einer den Passus „höchste Prägequalität ,polierte Platte“ erläutern. Sammers Haar ist zwar schütter, aber so schlimm ist das doch auch nicht.
Blick nach vorn im Zorn
von unserem Inlandkorrespondenten Berti Stuta
Nachträgliche Spielberichte schreiben kann (fast) jeder, sogar Jörg Wontorra und Michael Steinbrecher würden es schaffen, wenn sie sich mal etwas bemühen würden. Knallharte Analysen, gewagte Prognosen, innovativer Journalismus das SCHALKE UNSER liefert wieder neue Nahrung für „Wir sind Schalker, keiner mag uns, scheißegal“ und eine Vorschau auf unsere Gegner an den ersten sieben Spieltagen.
VfL Wolfsburg
Der einzige erwähnenswerte Neuzugang der Wolfsburger ist ein Altbekannter: Roy Präger wurde für Andreij Juskowiak verpflichtet. Das ist so, als würde man Stevie Wonder als Chauffeur entlassen, um ihn durch Corinna May zu ersetzen. Lieber VW-Chef Bernd Pischetsrieder, investieren sie ihre Millionen lieber in Ein-Liter-Autos statt in Null-Tore-Schrott! Würde die Umwelt und das Renommee der Bundesliga schonen. Nicht wenige würde es freuen, wenn der VfL der „Absteiger der Herzen“ wird. Denn in der VW-Betriebskantine ist Samstagnachmittag mehr los als in der VW-Arena. Deshalb mein Appell an alle VfL-Fans: Sucht Ihr beiden Euch doch einen anderen Sport! Wie wär´s mit Golf?
1.FC Kaiserslautern
Anschließend wird der Betzenberg bezwungen. Über Andy “Ja gut, ich sach ma” Brehme berechtigte Scherze zu machen, verbietet der Respekt gegenüber einem Weltmeister-Schützen. Die „Walz von der Pfalz“, Hans-Peter Briegel, war zwar nie Weltmeister, ist aber längst nicht mehr da. Angesichts der Spieler Georg, Harry und neuerdings Matthias könnte man vielleicht das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ raushauen. Auf diese Idee kamen aber bereits zu viele schlechte Sat1-Reporter. Bleibt Mario Basler. Nee, geht auch nicht, der verarscht sich schon selbst oft genug. In Ordnung, dann ziehe ich halt nicht über die Pfälzer her. Tut auch gar nicht not. Ein Brehme als Chefcoach übertrifft ohnehin jeglichen Spott.
Hertha BSC Berlin
Danach besucht uns auch schon unser alter Freund Huub Stevens mit seiner neuen alten Dame. Obwohl Stevens sich ihrer vornehmen Sitten anpassen und maßgeschneidert auftreten wird, werden sie sich vermutlich schon bald wieder scheiden lassen. Malocher Huub passt zum noblen Hauptstadt-Club wie Wohnwagen durch eine Drive-In-Spur. Sein Erfolgsrezept „Die Null muss stehen“ hat zwar Tante Käthe gefallen, aber die Berliner erwarten mit Hurra-Fußball den Einzug in die europäische Elite. Gelingt ihm dies nicht, wird die Hertha ganz schnell sagen: „Die Null muss gehen“.
VfB Stuttgart
Am 4. Spieltag peinigen wir dann den VfB Stuttgart, wo Schleifer Felix Magath verstärkt jüngere Spieler quält. Hier kann man allerdings nicht von einer gezielten Nachwuchsförderung sprechen. Nüchtern gesehen hat das der VfB vielmehr der jahrelangen Misswirtschaft eines Mannes zu verdanken, der selten etwas nüchtern sieht: Gerhard Mayer-Vorfelder. MV hat mittlerweile als Chef im DFB-Altersheim alles unternommen, um als persona non grata auf Schalke zu gelten, was ihm weiß Gott auch gelungen ist. Ausgerechnet unser Ex-Spieler Rolf Rüssmann versucht seit anderthalb Jahren, den Karren verzweifelt aus dem Dreck zu ziehen. Bloß warum hat er dann einen durchschnittlichen Verteidiger namens Fernando Meira für 8,5 Millionen Euro geholt?
BVB Lüdenscheid
Soll ich etwa einen Koller kriegen? Lasst mal, das lange Elend kann bleiben wo es ist, ebenso wie der Rest des schwarz-gelben Fallobsts! Die und vor allem deren Anhänger sollten sich mal fragen, was denn wohl glanzvoller ist: Feine 5:1-Ka(h)ntersiege über die Bayern oder faule 2:1-Betrügereien über Absteiger? Deswegen werden wir auch - egal wer Kanzler wird - mindestens eine weitere Legislaturperiode ungeschlagen über die verbotene Stadt regieren.
Borussia Mönchengladbach
Eine Woche später holt sich die nächste Borussia eine Klatsche ab. Ein Verein, der ausschließlich von der Vergangenheit lebt und leben wird. Eher heiratet Günter Netzer Gerhard Delling … - nein, zu wahrscheinlich… Neuer Versuch: Eher trägt Netzer den Carsten-Jancker-Haarlook, bevor die Gladbacher wieder an ihre erfolgreiche Fohlenzeit anknüpfen. Trainer Hans Meyer hat´s längst erkannt und ist froh über jede Drei-Euro-Sektflasche, die er nach seltenen Siegen immer so gern entkorkt. Die Rückholaktion des verlorenen Sohnes Marcel Ketelaer wird dagegen kaum zu Umsatzsteigerungen bei Aldi führen. Mehr Erlöse versprechen sich die Gladbacher vom Bau eines neuen Stadions. Leider kommt diese Aktion mindestens 20 Jahre zu spät. Obendrein sind sie bei der WM 2006 nicht mal dabei, wohl aber bei den Absteigern dieser Saison.
Arminia Bielefeld
Dann geht´s auf zur Alm: Der Versuch des ehemaligen Bielefelder Dream Teams Lamm/Middendorp, den Verein sportlich wie finanziell zu Grunde zu richten, war vielmehr eine gut gemeinte Tat als eine Sünde am deutschen Fußball. Ein noch höherer Verdienst der Arminen war es, uns Jörg Böhme fast für lau zu geben. Hierfür nochmals Danke! Ansgar Brinkmann alias Trinkmann - ja, es gibt ihn noch, den saufenden Fußballprofi! Kein Maurer würde bei diesem Alkoholkonsum eine Stelle finden. Doch Ansgar wird trotz unzähliger Eskapaden immer wieder von gut bezahlenden Arbeitgeber angeheuert. Da fragen sich nicht nur Andreas Sassen und Uli Borowka: „Wie macht der das?“
Die FCN-Ecke: Vizemeistermacher
Samstag, 27. April 2002, 17:15 Uhr: Schlusspfiff beim Spiel 1. FC Nürnberg gegen Bayer Leverkusen im Frankenstadion, 1:0. Wenige Minuten zuvor kam via Anzeigetafel der Spielstand vom Spiel Köln gegen Freiburg, 2:0. Erst mal kapierte ich nichts, als an der Seitenlinie vor der Haupttribüne die Spielfeldinvasion losging. Der letzte Klassenerhalt, der den Namen verdient, war ja auch schon neun Jahre her, 1993. Seither nur Abstiege und Aufstiege.
Der schlechteste Ligaverbleib aller Zeiten wurde zwar knapp verpasst, aber 20 Mal verlieren und doch drin bleiben soll uns erstmal einer nachmachen. Drei Wochen zuvor war mit dem 0:1 in Rostock der Tiefpunkt erreicht. Danach ging’s leistungsmäßig steil bergauf: wie schon in der Hinrunde wurden Bayern, Schalke und Leverkusen reichlich geärgert. Was bei den ersten zwei noch nicht ganz klappte, musste der neue Rekordvizemeister ausbaden. Am 34. Spieltag auf St. Pauli gab´s von unseren Ultras für die Mannschaft Hunderte von „Für euch soll’s rote Rosen regnen“.
Apropos Mannschaft: Louis Gomis, Paulo Rink, Jesus Junior, Rajko Tavcar und Torwart Christian Horcher haben den Verein verlassen. Vor allem für „Alois“ Gomis hoffe ich, dass er in Duisburg den Durchbruch schafft, genial sein Torjubel beim 3:0 gegen Wolfsburg Ende März. Paulo Rink schoss zwar nur drei Tore, trotzdem wären wir ohne ihn vermutlich abgestiegen, denn an guten Tagen beschäftigte er allein die gegnerische Abwehr. Auch von den Verletzten Erfreuliches: Frank Wiblishauser läuft wieder, Martin Driller spielt und trifft wieder. Tony Sanneh und Jacek Krzynowek haben auch wieder aus Fernost ins Fränkische zurückgefunden.
Anfang Februar wurde Frank Wiblishauser beim Spiel gegen Energie Cottbus mit Schien und Wadenbeinbruch vom Platz getragen.
Unser Frankenstadion hat sich für die WM 2006 qualifiziert und wird daher bald tiefergelegt. Unsere Amas haben nach dem dritten Platz in der Bayernliga Trainer Dieter Nüssing verabschiedet. Neuer Coach: wird Ex-Club-Profi Alois Reinhardt. Die Handball-Frauen haben sensationellerweise den schon sicher geglaubten Aufstieg geschafft und sind ab September in der 1. Liga.
Beim Spiel Club gegen Bayern lief die Fan-Aktion “Rette Leben! Hilfe für Anja” (Blut-Typisierung gegen Leukämie) zwar gut, aber noch nicht gut genug. Daher: www.hilfe-fuer-anja.de oder www.dkms.de. Auch Geld darf gespendet werden, da die Typisierung von den Krankenkassen nicht gezahlt wird, bitte: Raiffeisenbank Weiden, „Hilfe für Anja“ (DKMS), BLZ 753 600 11, Konto 7 55 55 55. Danke.
Bei der Fan-Demo von „Pro 15:30“ am Tag des Pokalfinals in Berlin war unser Fanclub vollzählig (11) dabei. Jaja, ihr wart ein paar mehr.
Hannes

