Nummer 38 - 2003/05
Auszüge aus dieser Ausgabe:
„Schalke braucht Opposition“ - Interview mit Michael Zylka
Brief von der Insel
Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen
„Der Verein bestimmt alles“ - Interview mit Peter Peters
„Schalke braucht Opposition“
(rk) Der „Drei Tage“-Präsident auf Schalke - Michael Zylka hat sich in den Schalker Geschichtsbüchern verewigt. Heute ist er Gesellschafter des PROKOM-Verlages und gibt die Zeitschrift „RevierSport“ heraus. SCHALKE UNSER sprach mit ihm über Oskar Siebert, Günter Eichberg und Rudi Assauer.
SCHALKE UNSER:
Michael, in der damaligen Situation, Schalke im finanziellen und sportlichen Abstiegsstrudel, wie bist du überhaupt dazu gekommen, für das Präsidentenamt zu kandidieren?
MICHAEL ZYLKA:
Ich kannte damals bereits viele Leute auf Schalke. Mit Charly Neumann und Rolf Rüßmann habe ich mich oft unterhalten, wie es mit Schalke weitergehen sollte. Und es lief wirklich einiges aus dem Ruder. Günter Siebert war zum dritten Mal zum Präsidenten gekürt worden, weil er ein super Rhetoriker war und er es immer wieder geschafft hatte, die Leute mit plakativen Sprüchen zu begeistern. Doch er war nun auch zum dritten Mal gescheitert, Schalke war in der 2. Liga und eigentlich tot. Und Schalke fehlte, was vielen Vereinen damals gefehlt hatte: Der Übergang zum echten Profi-Fußball war nie richtig umgesetzt worden, neue Konzepte mussten her. Ich hatte mich dann in die Kandidatenliste eintragen lassen, und in der Zeit vor der Versammlung trat ein Kandidat nach dem anderen zurück, unter anderem auch Siebert. Und ich bin ein Typ, wenn ich A sage, dann sage ich auch B. Ich habe es dann als einmalige Gelegenheit gesehen, den Schalkern mal zu sagen, was in der Zukunft wichtig wird: dass die Vermarktung und die Außendarstellung der Vereine immer wichtiger werden, und dass Schalke 04 endlich neue Gesichter braucht.

SCHALKE UNSER:
Fred Gatenbröcker war dann noch der einzige Gegenkandidat.
MICHAEL ZYLKA:
Ich habe mich mit ihm vorher sehr lange unterhalten, und mein Eindruck war, dass er in seiner Auffassung sehr ehrlich war und dass er es mit Schalke auch wirklich gut gemeint hatte. Aber ich wollte damals auch zeigen, dass es noch andere Gesichter gibt. Und wenn ich eine Stärke neben meinem rhetorischen Talent habe, dann ist es, dass ich Schalker durch und durch bin. Ich bin schon als Kind durch die Zäune gekrochen und habe mit Schalke gelitten wie ein Hund. Ich bin wirklich kein Mode-Schalker, wie es sie heute viele gibt, sondern immer mit Leib und Seele dabei. Und nachdem ich meine Rede bei der Versammlung geführt hatte, hatte ich eine Ahnung, dass es für den eigentlichen Favoriten Fred Gatenbröcker ganz schön eng werden könnte. Ich bin dann tatsächlich mit relativ großer Mehrheit gewählt worden, obwohl ich vorher echt nicht damit gerechnet habe. Ich wollte die Sache dann auch durchziehen, zumal mir Gatenbröcker und Stuckmann zunächst ihre Mitarbeit zugesichert hatten. Aber schon in der ersten Nacht, als wir alle zusammen saßen, attackierte Siebert Volker Stuckmann und Fred Gatenbröcker lautstark, wie sie denn so idiotisch hätten sein können, mit mir in ein Boot zu steigen. Es war ein heilloses Durcheinander.
SCHALKE UNSER:
Wie kam es dann zu dem Spionageverdacht?
MICHAEL ZYLKA:
Ich war beim Bundesverteidigungsministerium in einem sicherheitsrelevanten Bereich als Dolmetscher für slawische Sprachen tätig. Nicht mehr und nicht weniger. Die Bezeichnung „Spion“ ist absolut dummes Zeug. Man hatte sogar vor, mich zum Chef der Sport-Kompanie Essen zu machen, so dass ich mich auch intensiv um Schalke hätte kümmern können. Um die Vorwürfe aus dem Weg zu räumen, habe ich sogar ein Disziplinarverfahren gegen mich selbst eingeleitet, das dann später eingestellt wurde. Ich wurde von meinem Arbeitgeber zu keiner Zeit dazu gedrängt zurückzutreten, wie sooft geschrieben wurde.
SCHALKE UNSER:
Aber warum dann schon nach drei Tagen der Rücktritt?
MICHAEL ZYLKA:
Ich bin am nächsten Tag auf der Geschäftsstelle gewesen und ich kam mir vor wie ein Fremder. Es war pure Ablehnung, die mir entgegenschlug. Zudem fand ich ein finanzielles Chaos vor. Es gab Verträge, die nicht unterschrieben waren, Belege, die fehlten - ein einziges Wirrwarr. Und dann kam noch hinzu, dass ich von der Stadt Gelsenkirchen enorm unter Druck gesetzt wurde, indem die Rückzahlung von Krediten umgehend erfolgen sollte. Ich habe damals gesagt: „Ich wusste, dass ich in einen reißenden Strom springe, aber ich habe nicht gewusst, wie kalt das Wasser ist.“ Nach Rücksprache mit meiner Familie habe ich dann gesagt: „Es hat keinen Sinn.“ Es wäre auch für den Verein Schalke 04 nicht gut gewesen. Es waren zwar nur drei Tage, aber es gab fieses Mobbing. Und heute sage ich ehrlich, dass ich auf diese Situation gar nicht vorbereitet war. Ich sah für mich überhaupt keine Chance mehr, das Ding durchzuziehen. Das war keine Flucht, sondern einfach für alle Beteiligten das Beste.
SCHALKE UNSER:
Du bist aber mit deiner Drei-Tages-Präsidentschaft in die Geschichtsbücher des FC Schalke 04 eingegangen, ist das nicht auch etwas?
MICHAEL ZYLKA:
Ja, aber da leg ich keinen Wert drauf, zumal es ja auch wirklich kein Ruhmesblatt ist. Das war wirklich keine Glanzleistung von mir, das will ich auch in aller Deutlichkeit sagen. Aber ich habe das ja nicht getan, weil ich Publicity-geil war, sondern mir lag der Verein am Herzen. In diese Situation können sich viele, vor allem junge Schalker gar nicht mehr hineinversetzen. Der Verein war tot, mausetot. Und ich hab damals schon gesagt: „Schalke braucht eigentlich einen Präsidenten mit viel Geld.“
SCHALKE UNSER:
Der kam ja dann auch mit Günter Eichberg.
MICHAEL ZYLKA:
Ich bin auch nicht ganz unschuldig daran, dass Eichberg bei Schalke gelandet ist. Einige Wochen nach meinem Rücktritt habe ich zusammen mit Günter Eichberg im VIP-Raum der Düsseldorfer EG gestanden, und da hat er zu mir gesagt: „Wenn ich vorher gewusst hätte, wie leicht man auf Schalke Präsident wird, dann hätte ich es schon längst mal versucht.“ Er hatte ja bereits vorher Versuche unternommen, in den Vorstand von Fortuna Düsseldorf zu kommen. Das hat aber nie geklappt. Damals waren viele Leute einfach nicht mehr bereit, ihr Geld für Schalke zu geben. Das Geld verschwand zuvor in dubiosen Kanälen, bei Spielern wurden die Ablösesummen verpfändet, es war wirklich ein Fass ohne Boden. Und da kam Günter Eichberg gerade richtig. Das wollen heute viele auf Schalke nicht mehr hören, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Schalke ohne Eichberg in die Amateurliga gegangen wäre, und ob sich Schalke davon wieder erholt hätte, steht in den Sternen. Eichberg hat Visionen mitgebracht und er hat am Anfang auch viel Positives bewirkt. Er hat dem Verein wieder Leben eingehaucht, die Mannschaft ist in die Bundesliga aufgestiegen und auf Schalke brannte wieder das Feuer. Später hat er dann natürlich kein Maß mehr gekannt, sogar Blanko-Verträge an die Spieler verteilt. Aber es gab auch niemanden, der ihn gestoppt hätte. Der Verwaltungsrat war schwach und konnte anscheinend auch keine Zahlen lesen, sonst hätte er Eichbergs „Marketing-Gesellschaften“ gar nicht genehmigen dürfen. Das war das eigentliche Dilemma, dass Eichberg keine Leute hatte, die ihn hätten kontrollieren können.

SCHALKE UNSER:
Gibt es da vielleicht heute auch Parallelen zu Rudi Assauer?
MICHAEL ZYLKA:
Ich schätze die Arbeit von Rudi Assauer wirklich sehr. Er ist sicher maßgeblich daran beteiligt, dass Schalke einen solchen Aufschwung erleben durfte. Aber das war auch bereits sein zweiter Anlauf, beim ersten Mal haben sie ihn ja quasi davongejagt. Und heute ist auch praktisch niemand da, der ihn beaufsichtigt. Da kommen wir zum entscheidenden Punkt: Wenn ich es mal überspitzt sage, haben sich meiner Meinung nach, die Leute, die nun seit Jahren die Arbeit auf Schalke machen, den Verein praktisch unter den Nagel gerissen. In allen Gesellschaften und Tochtergesellschaften tauchen an der Spitze immer wieder dieselben Namen auf: Rudi Assauer, Josef Schnusenberg und Peter Peters. Und kontrolliert werden die von einem Verwaltungsrat, in den immer wieder die gleichen Leute hineingewählt werden. In diesen Verwaltungsrat kann man sich natürlich reinwählen lassen, allerdings werden nur Kandidaten zugelassen, die vorher von einem Wahlausschuss genehmigt werden.
SCHALKE UNSER:
Du hattest auch schon mal versucht, dich aufstellen zu lassen, wurdest aber vom Wahlausschuss abgelehnt.
MICHAEL ZYLKA:
Der Wahlausschuss war sicher als Gutes gedacht, er macht aber heute vollkommen verfehlt seine Arbeit. Ich habe das selber zweimal am eigenen Leibe erfahren. Bei ersten Mal hatten mich unglaublich viele namhafte Schalker überredet, wieder anzutreten: „Mensch, Michael, mach es doch, wir brauchen mal wieder jemanden, der auch mal kritisch denkt und auch seine Meinung offen sagt.“ Der Wahlausschuss hatte mich dann aber aufgrund meiner Vergangenheit als „Drei Tage“-Präsident abgelehnt, und da stoße ich an die Grenzen meines Demokratieverständnisses. Der Ausschuss besteht aus sieben Leuten, man muss als Kandidat vorsprechen, und beim ersten Mal waren ganze vier von denen anwesend, wobei sogar der Vorsitzende nicht dabei war. Eigentlich hätte ich auf der Stelle aufstehen und gehen müssen. Ich hätte sagen müssen, „Verarschen kann ich mich alleine“. Und dann werden einem solch unvorstellbare Fragen gestellt, wie etwa: „Bist du auch ein echter Schalker und hast du auch nichts Böses im Sinn?“ Albern. Es drängt sich schon der Eindruck auf, dass dieser Ausschuss nur installiert wurde, um Leute fernzuhalten, die dem Vorstand nicht genehm sind.
SCHALKE UNSER:
Ist der Wahlausschuss dann in deinen Augen vollkommen unnütz?
MICHAEL ZYLKA:
Der Wahlausschuss hat seine Berechtigung, wenn er prüfen würde, ob gegen einen Kandidaten Strafverfahren laufen oder jemand total verschuldet ist und Tomate nicht mit „ck“ schreibt. Er hat die reinen Fakten abzuklären, aber er ist nicht dazu da, „unangenehme“ Leute vom Vorstand fernzuhalten. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass keine Organisation ohne eine Opposition funktionieren kann. Opposition heißt ja nicht, dass ich etwas sabotieren möchte, sondern nur die Arbeit kritisch beleuchten möchte. Um das noch mal ganz klar zu sagen: Ich halte wirklich viel von Rudi Assauer, finde aber auch, dass vieles vielleicht noch besser laufen würde, wenn etwa so mancher Spielertransfer auch kritisch hinterfragt werden würde.
SCHALKE UNSER:
Michael, vielen Dank für die offenen Worte und Glückauf.
Brief von der Insel
(stu) Im letzten SCHALKE UNSER berichteten wir von den „Robin Hoods“, die sich beim Pokalspiel Schweinfurt gegen Union Berlin als „Trupp für die Pause“ ausgaben und so freien Eintritt ins Stadion verschafften. Der damit verbundene Auftritt auf dem Platz während der Halbzeitpause wird wohl in den Annalen der Geschichte keine Parallelen haben. Oder vielleicht doch?
Vor dem Spiel Manchester United gegen Liverpool am 5. April betrat kurz vor dem Klassiker der mittlerweile in ganz Großbritannien bekannte Spaßvogel Karl Power mit zehn Kumpels - als Spieler von United gekleidet - vom Ordnungsdienst völlig ungehindert den heiligen Rasen im Theater der Träume. Zum Staunen der 67.000 Zuschauer und Entsetzen der Vereinsverantwortlichen spielten die frechen Eindringlinge eine Szene aus dem Hinspiel an der Anfield Road nach, bei der Liverpool-Keeper Jerzy Dudek einen leichten Kullerball durch die Beine passieren ließ. Sehr zur Freude der mitgereisten United-Fans und von Uniteds uruguayischem Stürmer Diego Forlan, der den Ball ins leere Tor zum 0:1 dankend einschob.
Der grandiose Auftritt fing damit an, dass ein Mitglied der Power-Truppe sein United-Trikot plötzlich auszog und ein Torwarttrikot mit der Aufschrift Dudek zum Vorschein kam. Dieser ließ sich von einem Mitstreiter den Ball durch die Beine schießen, wonach ein Dritter, der mit einer gewagten blonden Perücke à la Diego Forlan ausgestattet war, die Kugel zeitlupenmäßig ins Netz beförderte. Daraufhin liefen alle elf in die Kurve, wo sich um die 3.500 Liverpool-Fans versammelt hatten, und fingen an, diese mit einem etwas übertriebenen Torjubel zu ärgern. Nach dem Auftritt bekamen Power und seine Freunde ein lebenslanges Stadionverbot vom Verein auferlegt. Es war jedoch bei weitem nicht der erste Streich, der von Power mit Hilfe seines Kumpels Tommy Dunn geplant und durchgezogen wurde. Power erlangte bereits 2001 in München weltweit Berühmtheit, als er sich auf dem Mannschaftsfoto von United vor dem Champions-League-Spiel gegen Bayern einschlich. Dass er es soweit schaffte, ohne vom Sicherheitsdienst angehalten zu werden, ist kaum zu glauben. Der 34-jährige sieht nicht gerade wie ein Fußballprofi aus. Er ist nicht der Schlankeste (Spitzname: Fat Neck), er hat die Nase eines Boxers und er hinkt sehr stark, nachdem ihm vor acht Jahren bei einem unprovozierten Übergriff beide Beine von einer Machete aufgeschlitzt wurden.

Nach dem Bayern-Streich versprachen Power und Dunn zunächst noch fünf solche Stunts zu veranstalten. Dann kam der 11. September 2001. „Da dachten wir, es wäre nicht mehr angebracht, solche Dinge zu machen, aber dann sagte George Bush, die Leute sollten wieder arbeiten gehen, also fingen wir damit wieder an“, sagte Power in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian“.
Das Gehirn hinter den kreativen Einfällen ist jedoch nicht Power, sondern Dunn. Ende der 90er fing Tommy Dunn mit den Scherzen an, als er Spiele von United in ganz Europa mit einer Videokamera privat aufzeichnete. Er tat einfach so, als ob er Journalist wäre, und irgendwie schaffte er es immer wieder, bis in die Mannschaftskabine zu gelangen. Dies funktionierte so gut, dass er auf die Idee kam, in die Pressekonferenz zu gehen. Das klappte auch und langsam fing er an, auch Fragen zu stellen, die bestenfalls als unkonventionell beschrieben werden können. Einmal fragte er United-Coach Alex Ferguson sogar: „Mr Ferguson, stimmt es, dass Sie ein Angebot haben, Manchester City zu trainieren?“
Anscheinend hielt Ferguson ihn für nicht ganz dicht, fand die Sache aber ziemlich lustig. Als Ferguson einmal nach einem Viertelfinalspiel in Valencia in den offiziellen UEFA-Wagen stieg, beschloss Dunn, mit einzusteigen. „Der Sicherheitstyp dachte wohl, ich gehöre dazu. Also sitze ich da im Auto und Fergie dreht sich um und fragt mich: Was machst du denn hier? Ich fragte ihn, ob er mich in die Stadt mitnehmen kann. Ich dachte, er ist bestimmt sauer, aber von wegen. Er fragte mich, welchen Gegner ich im Halbfinale lieber hätte!“
Dunn denkt sich also die Stunts aus, und Power setzt sie um. Dabei ist nie jemand zu Schaden gekommen, und das jeweilige Sportereignis wurde nie ernsthaft unterbrochen. Nur einmal ist etwas schief gelaufen, als sich Power beim Cricket-Länderspiel England gegen Australien als Spieler tarnte. Nachdem er sich zwei Stunden auf dem Klo versteckt hatte, bekam er einen Anruf von einem Freund, just in dem Moment, in dem er auf den Platz sollte. Er verpasste deswegen das Zeichen von Dunn. Als er endlich auf den Platz lief, befand sich der nächste englische Spieler bereits auf dem Platz. „Ich war total enttäuscht“, sagte er. Die australischen Spieler, die sich immer über die unfähigen englischen Gegenspieler lustig machen, lachten sich aber beim Anblick von drei statt der üblichen zwei Schlagmänner kaputt.
Im Juni 2002 feierten die beiden ihren Höhepunkt als Team. Zunächst tauchte Power mit Dunns Sohn Tommy junior in Wimbledon auf dem Centre Court auf. Letzterer trat dabei in schwarzen Socken auf. „Er weigerte sich, die weißen Socken anzuziehen. Also zog er sich die Schwarzen an, es waren zwei verschiedene, und sie gehörten meinem Schwager. Er hat sie im Fernsehen erkannt“, erklärt sein stolzer Vater. Power hatte vorher noch nie Tennis gespielt. Am Vortag übte er in einem Park, um festzustellen, ob er es schafft, den Ball übers Netz zu befördern. Ihn freut insbesondere die Tatsache, dass sie freiwillig den Platz verlassen haben. „Der einzige Grund, warum wir runtergingen, ist, weil uns die Bälle ausgegangen sind.“
Dunn sagt, es wäre so leicht, auf den Centre Court zu kommen, dass es einem Angst und Bange werden könnte. „Sei froh, dass keine böse Absicht dahinter steht. Wir wären sonst echt Top-Terroristen.“ Er überlegt deswegen, seine Dienste einer Sicherheitsfirma anzubieten: „Als wir nach Wimbledon zum Formel-1-Rennen nach Silverstone fuhren, sagte uns ein Mitarbeiter dort: Wir haben gerade £10 Mio. für Sicherheitsvorkehrungen ausgegeben und ihr habt uns innerhalb von zwei Minuten zum Gespött gemacht!“ Auf dem Siegertreppchen angekommen - nur kurz vor dem eigentlichen Sieger Michael Schumacher - tanzten Power und Tommy Junior zur allgemeinen Belustigung der Zuschauer den River Dance. Trotz seiner Beinverletzungen schwingt Power das Tanzbein anscheinend gerne. Denn vorm Rugby-Länderspiel England gegen Italien in Rom tanzten sie beim Auflaufen der beiden Teams den neuseeländischen Haka-Tanz - mitten auf dem Platz!
Bis die Tage,
Euer Duncan Disorderly
Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen
(rk) Lego-Steine sind nur etwas für Kinder? Na ja, sie sind sicher pädagogisch äußerst wertvoll, wecken aber auch oft das Kind im Manne. Denn mit den Bauklötzchen und mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld lassen sich sogar ganze Hollywood-Streifen nachdrehen. Und auch ganze Fußballspiele.
Inspiriert durch den Originalkommentar des Fußball-WMEndspiels 1954 von Herbert Zimmermann („Aus, aus, aus, das Spiel ist aus, Deutschland ist Weltmeister!“), beschlossen drei Studenten der Medienwissenschaft, das „Wunder von Bern“ als Animationsfilm im Lego-Stil nachzustellen.
So wurden mehrere Kisten Lego beschafft und ein großes Stadion gebaut. Als technische Grundlagen dienten zwei Mini-DV-Kameras, die mit PCs verbunden waren. In mühsamer Kleinarbeit wurde Bild für Bild aufgenommen und den Lego-Männchen Leben eingehaucht.
Der Film ist so grandios geworden, dass er bereits Preise bei diversen Filmfestivals abräumte, darunter auch beim Bayreuther Filmfestival „Kontrast“ (3. Platz Publikumspreis). Unter www.wm54.ch.vu haben die „Regisseure“ eine Homepage eingerichtet, wo sie ihren Film vorstellen. Es gibt dort unter anderem ein „Making of“ und ein Interview mit den „Helden von Bern“.
Und das allerschönste: Den Film darf man sich dort auch kostenlos downloaden (was schon über 5000 User getan haben). Bei fast 50 Megabyte ist ein DSL-Anschluss allerdings angebracht, aber es lohnt sich echt. Das „Studio-Lego-Paket“ (www.lego.com/studios/) wurde ein echter Knüller, wenn auch nicht bei Kindern: Die echten Kindsköpfe ließen sich von der Legomania anstecken, nämlich die jung gebliebenen Erwachsenen. Eine Zeit lang gerieten sie sogar etwas in die „Schmuddelecke“, da mit ihnen auch knallharte Hardcore-Pornos und Horror-Splatter-Filme animiert wurden.
Mittlerweile sind im Internet Hunderte von Legospielfilmchen zu finden, die nach den Legoklötzchen (= englisch Brick) einfach nur „Brickfilm“ genannt werden. Im Brickfilm-Archiv (brickfilms.topcities.com und www.brickfilms.com) finden sich Hunderte von Links zu Fans aus aller Welt - darunter sogar echte Meisterwerke. Zum Beispiel gelten die Filme der beiden Briten Drage und Mines, die gemeinsam die Produktionsfirma „Spite Your Face“ betreiben, als die allergrößten Meisterregisseure der Lego-Filmer-Szene. So brillierten sie mit dem Kurzfilm „One: A Space Odyssey“ (www.spiteyourface. com/one), einer Parodie auf Stanley Kubricks „2001 - Odyssee im Weltraum“. Die hippe Bauklotz-Welle schwappte jetzt auch nach Deutschland und findet auch hier ihre Fans.
„Der Verein bestimmt alles“
(bob) Peter Peters ist Geschäftsführer des FC Schalke 04 und damit nach Rudi Assauer einer der einflussreichsten Männer auf Schalke. SCHALKE UNSER sprach mit ihm über Millionenanleihen, Netze vor den Stehrängen und den FC Bayern München in der italienischen Liga.
SCHALKE UNSER:
Peter, du arbeitest bei Schalke eher im Hintergrund, man weiß, dass du vorher als Journalist bei der Westfälischen Rundschau und Revier-Sport gearbeitet hast und schon beim 1. FC Kaiserslautern tätig warst. Über den Menschen Peter Peters ist allerdings nicht viel bekannt.
PETER PETERS:
Das ist auch gut so. Es gibt natürlich auch den Privatmann Peter Peters, auch wenn Schalke 04 und der Fußball meine Zeit so ausfüllen, dass sich Privates und Geschäftliches oft vermischen. Wenn ich mal wirklich freie Zeit habe, surfe ich gern durchs Internet. Ich liebe Musik, kann sogar ein bisschen Klavier und Gitarre spielen, ich singe dazu auch, und bisher ist noch niemand dabei weggelaufen. Gerade wenn es mal im Fußball nicht so läuft und es stressig wird, dann kann ich am Klavier gut entspannen. Aber viel Zeit für’s Private bleibt nicht.
SCHALKE UNSER:
In unserer letzten Ausgabe hatten wir einen Artikel über die Millionenanleihe des FC Schalke 04, der dem Verein gar nicht gefiel. Das SCHALKE UNSER veröffentlicht Meinungen, die auch im Gegensatz zu der offiziellen Vereinspresse stehen.
PETER PETERS:
Grundsätzlich finden wir Kritik gut. Kritik öffnet Augen und Ohren und regt zum Nachdenken an. Wir stellen uns auch nicht hin und behaupten, alles richtig zu machen. Wir regen uns nur dann auf, wenn Dinge falsch dargestellt werden, und wir auf dieser Basis kritisiert werden. Da ist etwa davon die Rede, dass die Gelder der Anleihe dazu benutzt werden sollen, ein Hotel und Parkhäuser in Eigenregie zu bauen. Das ist falsch.
SCHALKE UNSER:
Auch jetzt tobt wieder die Gerüchteküche über den 100 Millionen-Deal. Wir Fans fragen uns natürlich auch, was das für Konsequenzen hat. Welcher Verein verpfändet schon auf 25 Jahre seine Eintrittsgelder?
PETER PETERS:
Für mich wird da zuviel Angst verbreitet. Wenn sich jemand ein Haus baut, dann hat er in der Regel das Geld dazu auch nicht. Er leiht es sich und bindet sich auf zwanzig Jahre an eine Bank. Wir haben die Arena „Auf Schalke“ gebaut und eine Infrastruktur mit Geld errichtet, das wir zum Zeitpunkt der Investition nicht hatten. Wir hatten es nicht, waren aber trotzdem der Überzeugung, dass wir diese Investitionen machen sollten, da wir damit die Einnahmesituation des Vereins so nachhaltig verbessern, dass wir Zins und Tilgung für die Kredite aufbringen können. Der Verein hat damit nicht seine Zukunft verkauft, sondern seine Zukunft erbaut.
SCHALKE UNSER:
Jetzt haben wir eine Situation, dass auch die Fernsehgelder, die jahrelang sprudelten, reduziert werden. Wie schätzt du diese Entwicklung ein?
PETER PETERS:
Es kann nicht immer nur bergauf gehen. Die Spirale hat sich solange nach oben bewegt, bis die Grenzen des gesunden Menschenverstands überschritten worden sind. Nun erfolgt eine gewisse Korrektur, die vielleicht etwas heftiger ausfällt, als wir es eingeschätzt hatten, aber das bedeutet auch, dass nicht das Extrem, sondern der gesunde Mittelweg die Zukunft bestimmen wird. Der Fußball wird in Deutschland immer seine Bedeutung haben. Er fasziniert die Menschen, und die sind wiederum auch bereit, viel Geld dafür auszugeben. Von daher wird der Fußball auch im Fernsehmarkt wieder seine Bedeutung erlangen, die er zu Zeiten von Leo Kirch hatte.
SCHALKE UNSER:
Wie schätzt du den Vertrag ein, den die Bayern mit Leo Kirch abgeschlossen hatten, und um den es nun so viel Wirbel gibt?
PETER PETERS:
Ich kenne die Inhalte des Vertrages im Detail nicht und kann daher auch nichts dazu sagen. Ich kann aber auch die Ansicht nachvollziehen, dass hiermit die Regeln des Fair-Play verletzt worden sind und dass hier vielleicht eine Zustimmung zu Lasten der Liga erkauft worden ist. Das wäre zumindest moralisch angreifbar und enttäuschend.
SCHALKE UNSER:
Der Uli Hoeneß ist ein „Fuchs“, das wissen wir alle.
PETER PETERS:
„Fuchs“ ist auch in Ordnung, es gibt Geschäfte, da würden wir auch sagen „Hut ab, auf die Idee wären wir nicht gekommen“. Aber ich weiß nicht, ob dieser Vertrag ein „Fuchs-Vertrag“ war.
SCHALKE UNSER:
Wie siehst du die Pläne der Bayern, die Bundesliga zu verlassen und in der Seria A zu spielen?
PETER PETERS:
Das sind die üblichen Drohgebärden, das sind Ellenbogenstöße, die man eigentlich nicht machen sollte. Natürlich gehören die Bayern in die Bundesliga. Sie sind das Salz in der Suppe, jeder will sie sehen, viele sicher auch verlieren sehen.
SCHALKE UNSER:
Die Arena „Auf Schalke“ ist mittlerweile auch bei anderen Veranstaltungen voll ausgelastet. Nun kommen Stars wie Robbie Williams und Herbert Grönemeyer auf Schalke. Das ist auch eine neue Herausforderung für die Stadt Gelsenkirchen.
PETER PETERS:
Mit Gelsenkirchen haben wir sicher nicht den geeignetsten Standort in Deutschland. Alle Funktionäre und Superstars steigen lieber in teuren Hotels in Düsseldorf und Hamburg ab, in den Gelsenkirchener Hotels will kaum jemand residieren. Wir haben da einen echten Standortnachteil und müssen uns damit begnügen, dass die Leute zu unserer Arena kommen und dann die Stadt schnell wieder verlassen. Bei der Entwicklung, die Schalke 04 vorlegt, kann die Stadt aus mehreren Gründen nicht mithalten. Es ist traurig festzustellen, dass keine weitere Entwicklung in Sicht ist.
SCHALKE UNSER:
Schalke plant nun ein eigenes Hotel im Berger Feld?
PETER PETERS:
Der FC Schalke 04 hat entschieden, im Kerngeschäft Fußball und Arena zu bleiben. Es kann nicht die Aufgabe von Schalke 04 sein, auch noch Gelder aufzutreiben, um Hotels zu bauen. Schalke 04 wird ein solches Hotel weder errichten noch betreiben. Wir würden es aber sehr begrüßen, wenn in Gelsenkirchen ein hochkarätiges Hotel gebaut würde, damit die Stars und Zuschauer, die unsere Arena besuchen, auch in Gelsenkirchen übernachten können. Es scheint aber sehr schwierig zu sein, dieses Hotel-Projekt in die Tat umzusetzen.
SCHALKE UNSER:
In London war vor kurzem eine UEFA-Konferenz zum Thema „Rassismus im Fußball“. Ein Vertreter der Schalker Fan-Initiative hat dort einen DFB-Vertreter getroffen, der sich sehr positiv über die Aktionen der Schalker Fans äußerte.
PETER PETERS:
Der Ruf von Schalke 04 hat über die Jahre hinweg enorm gewonnen. Ich bin selbst in den DFB-Ausschüssen zu den Themen Gewaltprävention und Sicherheit, dort wird die Arbeit der Schalker Fan-Initiative, des Fan-Projekts, FanclubDachverbands und der ganzen anderen Schalker Institutionen als vorbildlich in Deutschland gesehen. Selbst die Bayern fragen uns: „Wie bekommt ihr diese Einheit und konstruktive Arbeit hin?“ Ich war jetzt in Manchester zur Vorbereitung des Champions League-Finales, dort wurde Schalke auch als der Verein genannt, der international am besten sein Fan-Auftreten organisiert. Der Verein hat sich immer gegen Radikalismus gewandt, aktiv daran gearbeitet und vor allem auch immer dahinter gestanden und nicht nur Alibi-Maßnahmen ergriffen.
SCHALKE UNSER:
Trotzdem gibt es auch Probleme mit manchen Fans in der Nordkurve, die Gegenstände auf das Feld werfen.
PETER PETERS:
Ich habe langsam berechtigte Sorgen, hoffe aber trotzdem, dass der Fan auch noch in fünf Jahren gerne steht. Sicherheitstechnisch haben wir in der Nordkurve immer noch enorme Probleme, da von dort aus immer wieder Gegenstände auf das Spielfeld geworfen werden. Der FC Schalke 04 setzt sich auch auf internationaler Ebene für den Erhalt und die Wiedereinführung von Stehplätzen in Fußballstadien ein, weil es die Fan-Kultur belebt und auch für die Stimmung absolut notwendig ist. Mittlerweile wird uns immer wieder entgegengehalten, dass immer nur von den Stehplätzen aus geworfen werde, bei den Sitzplätzen gäbe es keine Probleme. Das deckt sich leider auch mit unseren Erkenntnissen. Da müssen wir gemeinsam drum kämpfen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr stattfindet, ansonsten haben wir schlechte Argumente für die Stehplätze.
SCHALKE UNSER:
In England hatte man vor geraumer Zeit alle Stehplätze abgeschafft, auch aus oben genannten Gründen. Mittlerweile gibt es dort Bestrebungen, Stehplätze wieder einzuführen. Das ist eine positive Entwicklung, man muss auch an die Jugend denken, die sich Sitzplatzkarten oft nicht leisten können.
PETER PETERS:
Das ist richtig. Unser Standpunkt ist: Wir kämpfen um die Stehplätze, wir wollen sie wieder im Europapokal einführen, wir wollen keine Netze vor den Stehrängen. Wir wollen uns aber auch nicht ständig mit Argumenten auseinandersetzen müssen, die dagegen sprechen.
SCHALKE UNSER:
Die Schalker Fan-Initiative wollte in der letzten Saison ein Riesennetz ins Stadion tragen, um den Fans zu zeigen, was es bedeuten würde, wenn sie ein solches Netz vor die Augen gesetzt bekommen. Damals hatte Rudi Assauer gesagt, es bestehe kein Handlungsbedarf. Hat sich die Situation verändert?
PETER PETERS:
Gerade bei dem Spiel Mitte März in Hamburg, als es einige zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen gegen uns gegeben hat, sind wieder etliche Gegenstände von den Stehplätzen geworfen worden. So etwas geschieht immer aus der Enttäuschung heraus, wenn es mal nicht gut läuft. Aber das kann es nicht sein, und wir als Verein können auch nicht immer nur mit dem Netz drohen, irgendwann muss man auch handeln. Es liegt also an den Fans selbst, wie es weitergeht.
SCHALKE UNSER:
Der FC Schalke 04 hat immer von seinen Mitgliedern gelebt. Braucht Schalke 04 heute noch seine Mitglieder?
PETER PETERS:
Die Frage ist schon falsch gestellt. Die Mitglieder sind der Verein. Die Zahl von 33.000 Mitgliedern und das enorme Wachstum zeigt doch, dass die Vereinsmitglieder eine bedeutende Rolle einnehmen. Sie sind die Basis dieses Vereins. Der Verein braucht seine Mitglieder auch, wie er alle Fans braucht, die ihn unterstützen. Ich habe mich immer nur dagegen gewehrt, als es um die Frage ging: „Wer ist der bessere Anhänger des FC Schalke 04?“. Ist es der Dauerkartenbesitzer, ist es das Vereinsmitglied, der Fan-Card-Inhaber oder der Fan, der nur zu Hause vor dem Fernseher Schalke die Daumen drückt? Ich wehre mich aber auch gegen Rechenkünstler, die nur Mitglied werden, wenn sie gewisse Vergünstigungen dafür erhalten. Die Mitgliedschaft ist ein ideeller Beitrag zur Unterstützung des Vereins. Wir wollen natürlich, dass die Mitglieder am Vereinsleben, an den Versammlungen und Spielen teilnehmen, dafür erhalten sie auch ein Vorkaufsrecht, aber bitte nicht alles gegeneinander aufrechnen.
SCHALKE UNSER:
Schalke ist mittlerweile Verein und irgendwie auch Kapitalgesellschaft. Euch wird dabei oft vorgeworfen, den Verein still entmachtet zu haben.
PETER PETERS:
Den Vorwurf hören wir oft, faktisch stimmt er einfach nicht. Wir haben den Verein in den letzten Jahren gestärkt. Wir haben nicht das gemacht, was andere Vereine gemacht haben, die still und heimlich ihre Vereine aufgelöst und durch Kapitalgesellschaften ersetzt haben, die womöglich noch fremden Anteilseignern gehören. Bei den Bayern gehört ein Anteil Adidas, irgendwelchen Banken gehört jetzt die Kommanditgesellschaft von Dortmund. Wir haben den Verein in den Mittelpunkt von allem gestellt. Der Verein beherrscht die Kapitalgesellschaften, die die Arena betreiben. Der Verein bestimmt alles.
SCHALKE UNSER:
Peter, vielen Dank für das Interview und Glückauf.

