Nummer 40 - 2003/12

Auszüge aus dieser Ausgabe:

Wer es nicht kennt, der seh es sich an solang bis er`s glaubt…
Mein erstes Mal - „Gold find’ man bekanntlich im Dreck“
„Die Fußballer spielen eigentlich zuwenig Fußball“ - Interview mit Manni Dubski
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 21
Was macht eigentlich…? - Dietmar Schacht



Wer es nicht kennt, der seh es sich an solang bis er`s glaubt…

(dol) Tut Euch selbst einen Gefallen und besucht das kleine Museum von Zeche Hugo. Denn hier erlebt Ihr Geschichte hautnah.

Das vermutlich neueste, kleinste und agilste Gelsenkirchener Museum liegt bei Zeche Hugo umme Ecke. Also ungefähr zweieinhalb Steinwürfe von der Arena entfernt, direkt neben der Halde. Mitten in der historischen Schüngelbergsiedlung, einem architektonischem Schmankerl von internationalem Rang, in das übrigens nur eine Straße führt. Das kleine Museum heißt so, weil es jetzt schon aus allen Nähten platzt. Es ist exakt so groß wie eine Bergarbeiter-Wohnung. Diese hat nämlich die Treuhandstelle einigen ehemaligen Beschäftigten der Zeche Hugo zur Traditionspflege kostenfrei überlassen. So jedenfalls fing es vor Ort an.

Den Besucher erwartet neben einem herzlichen Empfang ein Schmuckkästlein an bergmännischen Sammlerstücken und Alltäglichkeiten. Raritäten und lokale Kuriositäten reihen sich an Schalker Devotionalien von höchster Bedeutung. Hier entdeckt jeder etwas, und sei es der auffällige Schreibtisch, nach dessen Irrfahrt durch die Instanzen der RAG man durchaus mal fragen könnte, oder seien es geschichtsträchtige Fußballschuhe. Andere ermitteln sehr schnell die Möglichkeit, auf einem winzigen Außengelände sitzend Erfrischungsgetränke zu sich nehmen und Ausstellungsstücke mit Erinnerungen würzen zu können.

Und wer mit einem Mitglied des Geschichtskreises ins Gespräch kommt, wird gelegentlich überrascht, wie viel Zeit auf wenigen Quadratmetern im Flug verrinnen kann. Hier ist jeder ein Original und jeder hat zu kämpfen gelernt: für den Erhalt der Arbeitsplätze, für den Erhalt des Standortes, für den Erhalt der Fördertürme, für das Museum.

Viele Besucher kehren später für einen zünftigen Bergmannsabend ins Museum zurück. Nach Voranmeldung wird den Gruppen eine kräftigende Mahlzeit gereicht, um zu später Stunde die Bergehalde vorschriftsgemäß befahren zu können. Die Skyline des nördlichen Ruhrgebiets rechtfertigt jeden Höhenmeter Aufstieg, weckt Leidenschaft und spätestens beim Blick auf Schacht 2 fängt man an, den Traum von einem großen Museum der Zeche Hugo mitzuträumen. Ein Besucherbergwerk, vielleicht sogar irgendwann mit allem Zipp und Zapp, wenn alle Beteiligten nicht nur mit-, sondern zusammenspielen.

Soweit die Vorgeschichte. Nachdem das Projekt Besucherbergwerk vor Jahren endgültig gescheitert schien, hat sich in den letzten Wochen eine Wende zum Positiven vollzogen, die sich unter anderem in zunehmendem örtlichen Wohlwollen und ein Paar Euros für den Anstrich des Fördergerüsts niedergeschlagen haben. Letztere stammen übrigens aus Rudi Assauers Schatulle, der auch schon Gast des Hauses war und möglicherweise das Erlebnis-gastronomische Potential des Ambientes für Charly Neumann ausgekundschaftet hat.
Das kleine Museum lehnt aus naheliegenden Gründen keine Geldspenden ab und freut sich auf persönliche Besuche in der Eschweiler Straße 47 in 45897 Gelsenkirchen­Buer. Das Museum ist vorläufig dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sondertermine zum Beispiel für Schulklassen werden unter 0172/5213869 oder 0209/59659 (Anrufbeantworter) verabredet. Im Internet gibt es Infos unter www.zeche-hugo.com.


Mein erstes Mal - „Gold find’ man bekanntlich im Dreck“

SCHALKE UNSER schildert in aufwühlenden Tatsachenberichten die Entdeckung der Leidenschaft. Mitmenschen brechen das Schweigen. Diesmal berichtet Pfennig aus Leipzig von Euphorie und Ekstase, von Agonie und Apathie. Er ist hörig - dem S04. Eine Serie voller Schicksale. Mitten aus dem Leben.

Als Kind spielt man mitunter an den unmöglichsten Plätzen. Mein Weg führte im Spätsommer 1990 in einen großen Müllcontainer, nach einiger Zeit fand ich ein paar Hochglanzillustrierte. Für alle, die jetzt ein blinkendes Fragezeichen übern Kopf haben, es handelte sich um eine große deutsche Sport-Zeitschrift. Welch großer Fund für ein Kind.

Beim Durchblättern stieß ich auf einen zweiseitigen Artikel über einen Zweitligaverein namens Schalke 04. Häh? Schalke, erster Spieltag und sie feiern schon den Aufstieg? Es ging um Jubel, Trubel, Heiterkeit, bzw. was man auf Schalke damals so drunter verstand. Ein Präsident, dessen ganze Aufmerksamkeit jeder Kamera galt. Lieblingswitz der Spieler: „Nachts in der Sahara. Ein Mann zündet sich eine Zigarette an. Drei Kilometer entfernt steht Günter Eichberg und lächelt sofort. Er dachte, es sei ein Fotograf mit Blitzlicht.“ Und Charly Neumann, wer bitte war oder ist das? Schon ziemlich bescheuert und verrückt war das alles - aber genau das richtige für mich. Wieso? - Keine Ahnung!

Und wenn ich ehrlich bin, kann ich die Frage „Warum ausgerechnet Schalke?“ heute immer noch nicht richtig beantworten. Aber das ist eigentlich auch scheißegal! Anscheinend hatte mich dieser viel zitierte Virus infiziert. Denn von da an interessierte ich mich für diesen Fußballverein aus dem 430 Kilometer entfernten Gelsenkirchen. Anfangs etwas schleppend, aber es wurde immer mehr und begann mein Leben zu verändern. Oder anders gesagt: Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben!

Von da an sog ich so ziemlich jeden Artikel über Schalke in mich auf, meine Eltern schenkten mir das erste Trikot und hin wollte ich auch. Ein Freitagsspiel hatte ich mir ausgesucht, gegen Kaiserslautern. War alles schon durchgeplant, mit Papa hinfahren und dann konnte aus irgend einem mir heute unbekannten Grund mein Vater nicht. Ich suchte mir eine Zugverbindung raus, wollte die Schule schwänzen und nach dem Spiel vorm Parkstadion pennen. Aber dieses mal siegte noch die Vernunft oder die zu erwartenden Strafen und Sanktionen meiner Eltern. Aber Papa machte alles wieder gut, und so fuhren wir zwei Wochen später dann doch hin. Dynamo Dresden war der Gegner am 21.5.1993, Sitzplatz im Block R direkt neben der Nordkurve. Faszinierend! Schal und Fahne gekauft und der Verkäufer schrie irgendwas von „Hier gibt es den berühmt berüchtigten Juve-Schal.“ und die Nordkurve sang „Borussia, Juve war da“. Die Seuche war gerade gegen Juve ausgeschieden. Tonnenweise Eindrücke prasselten auf mich ein. Jetzt wusste ich: Hiervon kommst du nicht mehr los! Ist das der Sinn des Lebens?

Inzwischen ist der Virus zur schönsten Krankheit der Welt ausgebrochen und seit einiger Zeit auch auf meiner Brust zu sehen. Weitere Spielbesuche mit meinem Kumpel folgten, ungläubige Gesichter und Fragen „Warum fahrt ihr wegen so einem Scheißfußballspiel so weit?“ Ich glaube, die Frage kann sich hier jeder selber beantworten. Den UEFA-Cup­Gewinn verfolgte ich in London. 2001 stand ich dann im Fanladen hinterm Tresen und saß dann irgendwann heulend auf der Straße. In diesem Sinne: „Oi Oi Oi Schalke troi“ wie mal auf meinem Geburtstagskuchen stand. Das SCHALKE UNSER und die Fan-Ini fand ich auf dem Weg ins Parkstadion, natürlich im Dreck. Seitdem hebe ich nur noch Geld vom Fußboden auf und krieche auch nicht mehr in Müllcontainer.


„Die Fußballer spielen eigentlich zuwenig Fußball“

(cr/fb) Ein Schalker Trainer wird deutscher Meister und spricht nicht darüber. So geschehen in unserem einstündigen Gespräch mit Manfred Dubski. Spannender findet er seine neuen Aufgaben, obwohl es die alten bleiben: Seit 1992 Trainer der B-Jugend (U17), verlängerte er im letzten Jahr bis 2006.

SCHALKE UNSER:
Heute trainierst du die Jugend. Hast du vor deiner Profikarriere selbst in einer Jugendmannschaft angefangen?

MANNI DUBSKI:
Ich habe angefangen in der Jugend von Fortuna Bottrop und spielte damals auch in der westdeutschen Jugendauswahl, die 1972 ein Freundschaftsspiel gegen die erste Mannschaft von Schalke hatte. Direkt nach dem Spiel bat mich der damalige Schalker Präsident Siebert um einen Termin, um über einen Wechsel zu sprechen. Da war ich noch A-Jugend-Spieler, habe aber schon mit den Profis trainiert.

SCHALKE UNSER:
Die Schalker Jugendarbeit soll zu Sieberts Zeiten vorbildlich gewesen sein.

MANNI DUBSKI:
Die war sehr intensiv, wir hatten hier viele Spieler, die auch der Westfalenauswahl angehörten, gute Spieler wie Dieter Bohne, Achim Wagner, Rudi Blank, Günther Kruschinski, „Sternchen“ (Hans-Günther) Bruhns, Bernd Thiele und Rüdiger Abramczik.

SCHALKE UNSER:
Hat sich da im Vergleich zu heute viel geändert?

MANNI DUBSKI:
Mittlerweile betreiben viele Vereine intensive Jugendarbeit, früher haben die Jungs noch länger bei kleinen Vereinen gespielt. Im Umkreis von 100 Kilometern ist es ein unheimlicher Kampf zwischen Dortmund, Bochum, Gladbach, Leverkusen, Düsseldorf, Uerdingen, wo es aber zuletzt wohl etwas den Bach runtergeht, Rot-Weiß Essen und uns. Dazu beschäftigen wir auch Scouts, und auch ich sehe mir diese Jugendturniere an: Vergleichsspiele Westfalen-Niederrhein, Westfalen-Mittelrhein, das alljährliche U15-Schülerlager in Duisburg, wo sämtliche deutschen Landesverbände zum Turnier zusammenkommen. In unserem Leistungszentrum haben wir jetzt acht Plätze, wo wir auswärtige Spieler unterbringen können, die wir natürlich auch beobachten. Auch sonst gehen wir jedem Tip und Hinweis nach, um das Optimale rauszuholen.

SCHALKE UNSER:
Wie alt war Moritz Volz, als Arsenal ihn von Schalke holte?

MANNI DUBSKI:
Er war 15, aber heute geht’s schon mit elf, zwölf los. Ich würde sicher keinen Zehn- oder Elfjährigen z. B. aus Siegen holen. Aber aus der näheren Umgebung schon, denn wenn wir es nicht machen, dann machen es andere. Und dann haut der Spieler uns irgendwann die Buden rein. Aber wir arbeiten seriös. Wir versprechen den Eltern eines Vierzehnjährigen nicht das Blaue vom Himmel. Aber wenn wir Entwicklungsmöglichkeiten bei einem Spieler vermuten, ist auch der momentane Leistungsstand nicht entscheidend, mehr seine Bereitschaft. Wie verhält er sich beim Ballverlust? Wenn da einer anfängt zu lamentieren, kann man schon ein Ei drüberschlagen, dann hat sich die ganze Geschichte schon erledigt. Man muss sehen, der Junge setzt sofort wieder nach, versucht, seinen Fehler wieder auszubügeln.

SCHALKE UNSER:
Über das Training hinaus muss man ja auch im Privatleben eine gewisse Disziplin aufbringen, wenn man sich hohe Ziele steckt.

MANNI DUBSKI:
Wenn ich sonntags morgens um elf Uhr spielen muss, kann ich nicht am Samstag bis ein Uhr nachts in der Disco hängen und bechern. Das kann vielleicht einmal gut gehen, aber auf Dauer wird man dann hohe Ziele nie erreichen. Die Frische im Kopf muss doch da sein, es geht um neunzig Minuten Konzentration. Und als guter Spieler muss ich auch noch für meine Mitspieler da sein, sie unterstützen, sie nach Fehlern auch wieder motivieren. Ich habe meinen Jungs gestern noch gesagt: Jeder muss dazu beitragen, dass wir eine harmonische Mannschaft haben! Es gibt sicher auch mal Reibereien, das ist nun mal so. Da kann ich auch nur sagen, es darf nie unter die Gürtellinie gehen. Lieber mal über das Problem sprechen.

SCHALKE UNSER:
Ist es für die Jugendspieler schwieriger geworden, zu den Amateuren zu kommen, seit die in der Regionalliga spielen?

MANNI DUBSKI:
Wenn du mal siehst, mit welchem Kader die Amateure den Aufstieg geschafft haben - das waren überwiegend Spieler aus unserem Nachwuchsbereich, mindestens zwölf: Wingerter, Koch, Trojan, Durgun, Lamotte, Ünlü, Hajnal, Szollar ­ nur Stijepic, Kläsener, Büskens nicht. Das ist doch schon mal was. Und auch zukünftig hat jeder die Chance, zu den Amateuren zu kommen. Wir glauben schon, einschätzen zu können, wer das Zeug für die dritte Liga hat. Und wenn einer nicht so stark ist, muss er den Verein wechseln.

SCHALKE UNSER:
Der Trainer der „höheren“ Mannschaft muss natürlich auch das Vertrauen zu so einem Spieler haben.

MANNI DUBSKI:
Ich kann doch nur einen Spieler bringen, wenn ich hundertprozentig von ihm überzeugt bin. Es ist schön, wenn ein Amateurspieler bei den Profis mittrainieren darf, und wenn es dann passt. Aber wenn der mich schon beim Training nicht überzeugt, wird es dann auch schwierig, ihn zu bringen. Für einen Bundesligatrainer ist es ja heute auch ein ganz hartes Geschäft: Wird zwei-, dreimal verloren, geht es ihm an den Kragen. Aber wenn jetzt im UEFA-Cup drei Spieler aus unserem Nachwuchs dabei sind, dann sieht man, es kommt mal was aus der Jugend. Ich glaube schon, dass wir auch noch den ein oder anderen jungen Spieler haben, der vielleicht mal den großen Sprung schaffen kann.

SCHALKE UNSER:
Welche Verbesserungsmöglichkeiten siehst du noch in der Jugendarbeit? Woran wird momentan gearbeitet?

MANNI DUBSKI:
Wir haben ja hier ein Schulprojekt. Denn die Fußballer spielen eigentlich zuwenig Fußball. Wenn wir früher nach Hause kamen, flog die Schultasche in die Ecke - und ab auf den Platz. Da wurde stundenlang gebolzt auf der Wiese, und am nächsten Tag hat man den Wecker etwas eher gestellt, um vielleicht noch ein paar Hausaufgaben hinzukritzeln. Das gibt es heute nicht mehr. Darum haben wir dieses Projekt mit der Gesamtschule Berger Feld mit 25 Spielern, die hier im Leistungszentrum oder in der näheren Umgebung wohnen. Mit denen trainieren wir vormittags am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag zusätzlich. So können sie etwas mehr Fußball spielen als andere, und das macht natürlich etwas aus. Es gibt auch Sachen, die nicht immer Spaß machen, aber die müssen wir auch trainieren, damit die Jungs sich weiter entwickeln. Mal zwanzig Minuten Flankentraining, um den schwachen Fuß zu verbessern. Sicher kommen da manche Bälle nicht an. Aber dann muss man weitermachen und nicht resignieren, wenn jetzt zehnmal die Bälle hinters Tor fliegen oder nicht ankommen.

SCHALKE UNSER:
Wie lange haben Fischer und Abramczik nach dem Training noch Flanken geübt?

MANNI DUBSKI:
Diese Argumente kann ich den Jungs immer bringen, weil ich das selbst gesehen habe. Abends, wieder und wieder mit dem Kopf, Fallrückzieher, volley ­ das bringt was.

SCHALKE UNSER:
Wenn wir früher verloren haben, durften wir gar nicht mehr spielen, immer nur um den Platz rennen.

MANNI DUBSKI:
Daran geht doch der Fußball kaputt in Deutschland. Ich will keinen angreifen, aber es ist nicht gut, wenn einfach Väter von Spielern das Training leiten, oder ungenügend ausgebildete Trainer, die Acht- bis Zehnjährige laufen und Runden drehen lassen. Die kriegen von mir einen Ball, dann können sie sich austoben und Fußball spielen, dann lernen die mehr. Wenn die älter sind, brauchen sie Grundlagen und Ausdauer, aber das ist doch nichts für kleine Kinder.

SCHALKE UNSER:
Wie arbeiten die Trainer zusammen, von der Jugend über die Amateure bis hin zu Jupp Heynckes?

MANNI DUBSKI:
Das ist hier ganz in Ordnung. Wir sprechen miteinander, wobei ich natürlich mehr Kontakt zum B2-Trainer, zum Trainer der C und zu Norbert Elgert (U19) habe. Da tauschen wir uns aus über die Entwicklung der Spieler und planen für die Zukunft.

SCHALKE UNSER:
Hast du Spieler bis zum Profi gebracht?

MANNI DUBSKI:
Das kann man nicht so sagen. Wenn ein Sergio Pinto mit 14 aus Haltern hierhin kommt und unsere Jugendabteilung durchläuft, welcher seiner Trainer soll denn hinterher der wichtigste gewesen sein? Das funktioniert doch nur gemeinschaftlich, und alle Beteiligten haben ihren Anteil daran, auch Bodo Menze, Helmut Schulte und alle aus unserem Team. Wir können doch einfach nur froh sein, wenn wir Spieler hier haben wie Delura, Hanke, Trojan. Ich bin jedenfalls stolz und froh, dass ich hier arbeiten kann. Mein Herz hat eigentlich immer für Schalke geschlagen, schon als kleiner Junge. Dann bekam ich eben diese Anfrage, hab dann auch einige Bundesligaspiele hier gemacht kam dann ‘78 zum MSV. Obwohl Horvath eigentlich nicht wollte, dass ich wechsele, aber es waren ja viele gute Spieler hier. Beim MSV brauchten sie einen defensiven Mittelfeldspieler, und zunächst war ich auch nur ausgeliehen. Da habe ich natürlich spekuliert, wenn ich da gut spiele, geht’s irgendwann wieder zurück, aber im November spielten wir dann gegen Schalke, das endete 2:1für Duisburg, und wer hat das Siegtor geschossen?

SCHALKE UNSER:
Manni, der Libero. Erinnerst du dich an dein erstes Bundesligator?

MANNI DUBSKI:
Hmmm… aber nicht gegen Bayern München?

SCHALKE UNSER:
Gegen Bayern hast du jedenfalls eine Bude gemacht, und im Internet steht, es wäre dein erstes gewesen.

MANNI DUBSKI:
Ich meine aber, mein erstes wäre gegen Kaiserslautern gewesen. So viele Tore habe ich ja auch nicht geschossen, das müsste ich eigentlich wissen. Aber gegen Bayern, das 7:0, das war natürlich eine riesige Geschichte. Beckenbauer, Maier, Schwarzenbeck, die waren alle dabei, und es ging nur Bup-bup-bup ­ dolle Sache. Wir hatten zwar eine gute, aber in diesem Spiel auch eine sehr junge Mannschaft. Schon als ich kam, waren sie ja Pokalsieger und Vizemeister, mit Lütkebohmert, Sobieray, Scheer und van Haaren. Wir hätten noch sehr viel erreichen können, wenn nicht diese dumme Sache passiert wäre. Anders herum haben dadurch auch jüngere Spieler eine Chance bekommen.

SCHALKE UNSER:
Du wirkst gar nicht traurig, dass du nur einen Bruchteil von dem verdienen konntest, was heute ein Bundesligaspieler einsteckt?

MANNI DUBSKI:
Ich bin überhaupt nicht traurig. Die sollen verdienen, die Jungs, die Zeiten haben sich eben geändert. Ich habe damals noch erlebt, wie Oberhausen mich verpflichten wollte, Duisburg aber noch Ablöse verlangte, die RWO nicht zahlen wollte, so dass ich praktisch arbeitslos war. Aber insgesamt war es eine schöne Zeit, und jetzt ist für mich wichtig, dass ich hier arbeiten und meine Erfahrung weitergeben kann. Ich war auch nicht der überragende Fußballer, und so erwarte ich auch nicht zuviel von den Jungs. Die können ruhig Fehler machen, zumindest in der Jugend, und die müssen auch nicht alles können.

SCHALKE UNSER:
Du warst als Kind schon Schalkefan - glaubst du, dass sich die Jugendspieler noch stark mit dem Verein identifizieren?

MANNI DUBSKI:
Ich glaube, dass das weniger geworden ist. Das könnte meiner Meinung nach ein bisschen mehr sein. Auch die Identifikation mit der ersten Mannschaft, dass man Vorbilder hat. Mein Vorbild war eigentlich Berti Vogts, den ich bei der Jugend-Nationalmannschaft kennengelernt habe. Dem ist auch nichts zugeflogen, der hat sich alles erkämpfen und erarbeiten müssen. Auf Schalke war eigentlich Klaus Fichtel mein Vorbild, von seiner Einstellung und der Vorbereitung her, eben ein Vollblutprofi. Das müsste auch der eine oder andere junge Spieler mehr tun, einen Profi auf seiner Position beobachten. Aber es gibt überhaupt zuviel Ablenkung heute, Playstation, Fernsehen, Tennis und so weiter. Um Profi zu werden, muss man sich auf Fußball konzentrieren. Und, ganz wichtig, einen Schulabschluss und eine Lehre machen, und dann nur noch Fußball spielen. Natürlich kann man eine Freundin haben, das ist ganz normal, aber man muss versuchen, alles unter einen Hut zu bringen.

SCHALKE UNSER:
Würdest du noch mal in der 60. Minute den Torwart gegen einen Feldspieler auswechseln?

MANNI DUBSKI:
Ach Gott, diese Geschichte mit TuS Höhenhaus von 2001. Gut, dass ich das mal klarstellen kann. Das entstand mal aus einer Trainersitzung, wo Huub Stevens im lockeren Gespräch sagte, bei manchen Spielen, wo der Torwart überhaupt nichts zu tun hat, kann man ihn doch einfach rausnehmen. Das fiel mir in diesem Spiel ein, als wir schon haushoch führten. Ich habe mir aber überhaupt nichts dabei gedacht, das hatte gar nichts mit Überheblichkeit zu tun. Das würde ich heute nicht mehr machen. Was haben die sich aufgeregt! Aber ich hatte einen Feldspieler eingewechselt und den das Torwarttrikot anziehen lassen, das war dann das Provozierende. Aber das wollte ich auf keinen Fall. Ich habe doch Respekt vor meinen Trainerkollegen.

SCHALKE UNSER:
Das lassen wir jetzt auch so stehen - Glückauf und vielen Dank für das Gespräch!


Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 21

(rk) Deutschland war soeben in Rom Fußball-Weltmeister geworden, die deutsche Einheit nahte und Günter Eichberg schwang nun sein Zepter auf Schalke. Trainer Peter Neururer hauchte der Mannschaft neues Leben ein, der Klassenerhalt in der zweiten Liga war erkämpft. Für die neue Saison gab es nun nur noch ein Ziel: den Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga.

Ehrgeizige Ziele

Zur neuen Saison 90/91 hatte Günter Eichberg noch einmal in seine Schatzschatulle gegriffen und mehrere neue Spieler verpflichtet, die den Aufstieg bewirken sollten. Libero Günter Güttler (SV Waldhof Mannheim) sollte die Abwehr organisieren, Kroninger (Kickers Offenbach), Mademann (VfB Langenfeld) und Yves Eigenrauch (Arminia Bielefeld) verstärkten die Königsblauen. Zudem hatte Schalke noch starkes Interesse an dem ablösefreien Karl-Heinz Förster sowie Costa Ricas WM-Star Hernan Medford (lief die 100 Meter in 10,9 Sekunden, Ablöse 800.000 Mark). Beide Transfers zerschlugen sich allerdings.

Indes rollte neues Unheil ins Haus des FC Schalke 04: Günter Eichberg lag im Clinch mit dem DFB, der dem Verein „wiederholtes Fehlverhalten“ beim Lizenzierungsverfahren vorwarf. Hintergrund war die vom Liga-Ausschuss gemachte Auflage, eine Bankbürgschaft über 2,6 Millionen Mark zu hinterlegen. Nachdem Schalke 04 den DFB auf einen „Berechnungsfehler“ hinweisen konnte - langfristige Verpflichtungen waren dem Liquiditätsbedarf des neuen Spieljahres zugerechnet worden - forderte Eichberg von DFB-Präsident Neuberger eine öffentliche Richtigstellung.

Wir werden Meister!

Peter Neururer hatte sich selbst vor der Saison enormen Druck auferlegt: „Wir werden Meister der 2. Liga“ ließ er verlauten, und genauso sahen es auch die anderen Trainer: Schalke war der riesengroße Favorit, zumal die Königsblauen mit Sascha Borodjuk einen exzellenten Spielmacher in ihren Reihen hatten. Aber der Druck auf Neururer schien schon fast übermächtig, Günter Eichberg verhandelte sogar parallel mit Eduard Geyer („Schalke ist mein Traum“), dem letzten Trainer der DDR-Auswahl, der nach der sich anbahnenden Einheit erst einmal arbeitslos war und sich im heimischen Garten die Zeit mit Rasenmähen vertrieb.

Zum ersten Ligaspiel gegen Schlappis 1. FC Saarbrücken pilgerten 50.000 Fans ins Parkstadion, die einen 3:1-Erfolg der Knappen bewundern konnten. Dank Ingo Anderbrügge und Peter Sendscheid (2) war auf Schalke der Himmel schon wieder königsblau. Und auch in der ersten Runde des DFB-Pokals ließ Günter Schlipper mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg bei der SpVgg Unterhaching die Schalke-Fans jubeln.

Bei dem ersten Pflichtspiel einer Profimannschaft des DFB außerhalb des Verbandsgebietes traf Schalke im Ost-Berliner Jahn-Sportpark auf Blau-Weiß 90 Berlin. Das Spiel (1:1, Tor durch Yves Eigenrauch) an sich war eher unspektakulär, die „dritte Halbzeit“ hatte es aber in sich. Bis nach Mitternacht prügelten sich Schalker, Hertha-Fans und Volkspolizei mit Eisenstangen und Pflastersteinen. Fensterscheiben und Türen gingen zu Bruch, Autos wurden demoliert.
Auch bei den nächsten Spielen hielt Schalkes Vormarsch an: Braunschweig (2:1), VfL Osnabrück (3:0), TSV Havelse (3:0), Schweinfurt 05 (1:0) hatten allesamt keine Chance. Schalke legte mit 11:1 Punkten einen Traumstart hin und Günter Eichberg bekam leuchtende Augen: „So rechnen wir für das Spitzenspiel gegen den MSV Duisburg mit 60.000 Zuschauern.“

Spitzenspiel

Seit Wochenbeginn herrschte Hochbetrieb auf der Geschäftsstelle, die Telefondrähte liefen heiß. Vor tatsächlich 60.000 Zuschauern sahen die Zuschauer ein absolutes Spitzenspiel mit Rasse und Klasse, Spannung und Dramatik und letztlich einen verdienten 1:0-Sieg (Peter Sendscheid) der Schalker. Jens Lehmann hielt sein Gehäuse bereits 380 Minuten sauber. Schalke-Herz, was willst du mehr? Getrübt wurde das Fußballfest nur von anschließenden Ausschreitungen zwischen Schalkern und Meiderichern. Und selbst beim ärgsten Verfolger Waldhof Mannheim beeindruckten die Königsblauen durch ein 3:1 trotz des Platzverweises von Günter Güttler. Günter Eichberg war so froh, dass er sofort die Prämien um 1000 Mark pro Spieler anhob. Ausgerechnet beim SV Meppen sollte die Siegesserie reißen: In einem kampfbetonten Spiel fügten die Emsländer den Schalkern die erste Niederlage zu (0:2), wobei sich besonders das Fehlen von Libero Günter Güttler als nachteilig erwies. Und nun sah beim SV Meppen auch noch Jürgen Luginger den roten Karton. Kein Glanz und Gloria dann beim nächsten Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers, eher wohl ein hart erkämpfter Arbeitssieg (2:1). Immerhin war Schalke nun ein Jahr ohne Heimniederlage.

Erste Trainergerüchte

Eduard Geyer, der in der Presse bereits als neuer Chef-Trainer an Stelle von Peter Neururer im Gespräch war, wurde von Eichberg tatsächlich nach Gelsenkirchen geholt. Allerdings nur als Jugend-Trainer und Nachfolger von Holger Osieck, der dem Ruf seines Ex-Teamchefs Franz Beckenbauer (bei dem er Assistent der Nationalelf zur WM 90 war) zu Olympique Marseille folgte.

Beim folgenden Spiel in Homburg wurde den Schalke-Fans übel mitgespielt. Als der Himmel an der Saar seine Schleusen öffnete, „ertrank“ das Spiel in den Wassermassen. Schiedsrichter Wittke, der die Begegnung in der 26. Minute zunächst für zehn Minuten unterbrochen hatte, musste das Spiel endgültig absagen.

Peter Neururer hatte seinen Humor aber nicht verloren: „Wir wollten als Tabellenführer an- und abreisen, das haben wir geschafft“, schmunzelte er in die Kameras. Günter Eichberg hatte doppelt Pech: Sein BMW blieb beim Wolkenbruch auf dem Parkplatz in einer Sandgrube stecken und musste von einem Kranwagen aus dem Schlamm gezogen werden. „900 Kilometer für die Katz“, ein schwacher Trost für die Fans, dass sie auf Vereinskosten am folgenden Dienstag wieder nach Homburg gebracht wurden, um dort die 2:1-Niederlage mit anzusehen. Das 3:1 gegen Preußen Münster sorgte für ruhiges Fahrwasser für die Jahreshauptversammlung, die so ruhig wie lange nicht verlief. Steigende Zuschauerzahlen, ein Mitgliederzuwachs von 31 Prozent, dazu Investitionen in Höhe von 6,6 Millionen Mark, Eichberg konnte stolz auf seine erste Bilanz sein.

Doch mitten in der größten Erfolgsserie knallte es auf Schalke, ein hausgemachter Krach im Trainer-Theater um Düsseldorfs Coach Aleksander Ristic. Peter Neururer drohte mit Kündigung, wenn sein Vertrag nicht verlängert würde. Die Spieler solidarisierten sich und die Fans gingen auf die Barrikaden. Doch die Männer, die das Sagen hatten, waren im Urlaub: Manager Kremers sonnte sich auf Sylt, Eichberg weilte mit Schatzmeister Rüdiger Höffken zur Schrotkur. Dabei hatte Eichberg mit seinen vorschnellen Äußerungen („Ristic ist mein Lieblingstrainer“) das Theater eröffnet.

Gegen Hannover 96 gab es wieder „Russisches Roulette“. Sascha Borodjuk und Wladimir Ljuty sorgten für den schmeichelhaften 2:0-Sieg gegen die schwächelnde Elf von der Leine. Es gab sogar erste Pfiffe von den Tribünen für eine wirklich schwache Leistung der Schalker. Und als ob das Trainergerücht die Mannschaft verunsichert hätte, verloren die Schalker beim Spitzenspiel in Freiburg mit 0:3 und entgingen nur knapp einem Debakel. Und wieder drehten die Schalke-Fans durch, brachen Zäune ein, sorgten nach dem Platzverweis für Didi Schacht fast für einen Spielabbruch.

Schalke war nicht gerade üppig mit Stürmern ausgestattet, und als nach Jens Lehmann (Bänderriss am linken Knöchel) auch noch Peter Sendscheid an der Leiste operiert werden musste, forderte Neururer Verstärkungen von Manager Kremers. Marek Lesniak von Bayer 04 Leverkusen war im Gespräch, doch auch hier wurde nichts draus. Schalke musste nun mit einem klassischen Stürmer Wladimir Ljuty die weiteren Spiele bestreiten.

Birlenbach, Birlenbach!

Es folgte ein legendäres DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Braunschweig. Legendär deshalb, weil der „Unparteiische“ Dieter Birlenbach nahezu jede Aktion pro Schalke pfiff. Bereits nach vier Minuten zeigte er auf den Elfmeterpunkt; ein Strafstoß, den man wahrlich nicht jeden Tag zugesprochen bekommt. Es ging so weiter, es folgte noch eine unberechtigte Rote Karte gegen Braunschweig, am Ende hieß es 4:0 für Schalke und auch der Abgang von Birlenbach konnte sich sehen lassen: Noch lange nach dem Abpfiff gab der Schiri Autogramme für die wartenden Schalke-Fans und machte auch noch Witze über Braunschweig. Schade, dass man nicht öfter solche „Unparteiischen“ zu Gast hat.

Hier kommt Aleks!

Die Gerüchteküche um den Düsseldorfer Coach Ristic wollte nicht verstummen. Günter Eichberg war auch schon lange nicht mehr mit den Leistungen seiner Elf zufrieden, vor allem auswärts. Immer wieder stellte sich der Schlendrian ein. Als sich dann wieder so ein schwaches Spiel bei Fortuna Köln (1:1) einreihte und Schalke nun gerade mal einen Punkt aus den letzten vier Auswärtsspielen holen konnte, beurlaubte Günter Eichberg kurzerhand seinen Trainer Neururer. Das war insofern überraschend, als dass Schalke immer noch zusammen mit Homburg und dem MSV Duisburg die Tabelle der 2. Liga anführte. Die Chancen zum Aufstieg waren also absolut noch da und die Winterpause war noch gar nicht erreicht. Andy Müller: „Mit dieser Entwicklung konnte niemand rechnen. Das ist ein Schlag für die Mannschaft, den wir erst einmal verdauen müssen.“

Doch Eichberg wollte einen Trainer, der eine Aufstiegsgarantie mitbrachte, und da schien Ristic der ideale Coach zu sein. Als Ernst Happel-Schüler brachte er auch die entsprechende Schlitzohrigkeit mit. Zudem hatte er bei den Medien einen guten Ruf, war er doch immer für einen lockeren Spruch auf seinem Pattex-Stuhl bei der Fortuna in Düsseldorf zu haben. Die Schalker Fans aber waren richtig sauer und empfingen ihren Präsidenten mit Schimpftiraden à la „Wir sind Schalker, Eichberg nicht.“

Die Vertragsverhandlungen zogen sich hin und wurden in der Presse breit getreten. Ristic dementierte sogar zunächst Meldungen, nach denen er zukünftig auf der Schalker Trainerbank Platz nehmen sollte. Co-Trainer Klaus Fischer übernahm zusammen mit Manager Helmut Kremers für kurze Zeit das Training. Beim nächsten Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen wurde Block 5 zum Anpfiff boykottiert, die Ränge blieben aus Protest gähnend leer. Schon vor dem Spiel gingen Morddrohungen auf der Geschäftsstelle ein. Doch die Mannschaft zeigte sich unbeeindruckt und siegte mit 3:1.

Schalke-Terror

Mit 41 Bussen waren die Anhänger nach Bremen gereist, das hieß „Alarmstufe 1“. Eichberg hatte zu einer „Pokal-Tour“ eingeladen, und die blau-weiße Karawane verwandelte die A1 in eine A04. „Ich habe wirklich Angst gehabt“, bekannte Willi Lemke nach dem Spiel leichenblass. Und dass nicht wegen des Spiels, das die Hanseaten zwar mühsam, aber am Ende doch verdient mit 3:1 gewannen, sondern wegen der randalierenden Schalke-Fans. 10.000 Schalker stürmten die Westkurve des Weserstadions, besetzten danach die Sitzplätze. Willi Lemke konnte sich nur permanent entschuldigen, die Kosten wurden später auf beide Vereine aufgeteilt. Die letzten drei Spiele der Hinrunde gestaltete man unentschieden gegen Darmstadt (2:2), Saarbrücken (1:1) und Blau-Weiß 90 Berlin (1:1), letzteres war der erste Punktverlust im heimischen Parkstadion.

Endlich neue Spieler

Kurz vor Weihnachten spielte Günter Eichberg Weihnachtsmann und legte den Schalke-Fans das „Geschenk“ Aleks Ristic unter den Christbaum. „An Fortuna haben wir 200.000 Mark Ablöse gezahlt“, ließ Eichberg verlautbaren. Die Fans waren wieder versöhnt, zumal Ristic schon davon sprach, Schalke in den Uefa-Cup zu führen. Als Willkommensgruß versprach Günter Eichberg seinem neuen Coach weitere Stürmer. Dabei musste Eichberg ein weiteres Mal tief in sein Portemonnaie greifen, denn diesmal sollte es etwas besonderes werden. Roger Milla, Kameruns 38 Jahre alter Torjäger der WM in Italien war ablösefrei und sollte der nächste Coup werden. Eichberg machte sich auf den Weg zum Sponsor Adidas nach Herzogenaurach zur Vertragsunterzeichnung, doch zurück kam er ohne Unterschrift. Milla ließ ihn einfach sitzen, angeblich hatte er Angst vorm Fliegen wegen des Golfkriegs.

Genial oder größenwahnsinnig?

Die Schalker Verantwortlichen machten sich erneut auf die Suche nach einem Stürmer, diesmal sollte es der 26-malige jugoslawische Nationalspieler Radmilo Mihajlovic, Sturmpartner von Allen McInally bei Bayern München, werden. Mit Bayern war man sich schnell einig (2,5 Millionen Mark Ablöse). Kein Wunder, denn die wollten den Bosnier schon länger loswerden. Uli Hoeneß lacht sich wahrscheinlich noch heute über diesen Deal ins Fäustchen. Eichberg hatte sich total verkalkuliert. Er konnte vielleicht noch nicht ahnen, dass Mihajlovic nicht einschlagen würde, aber die Praxis, mit der er Mihajlovic transferierte, ließ stark an seinem Verstand zweifeln. Eichberg unterzeichnete einen Blankovertrag und sagte zu ihm: „Ich gehe jetzt aus dem Zimmer und du trägst deine Gehaltsvorstellungen in den Vertrag ein.“ Eichberg kam nach fünf Minuten zurück und Mihajlovic hatte 600.000 Mark in den Vertrag geschrieben, eine Summe, die jeden auf Schalke bisher dagewesenen Rahmen sprengte.

Eichberg schien größenwahnsinnig zu werden. Die Bundesliga zitterte vor Eichbergs Bankkonto (geschätztes Vermögen 20 Millionen Mark). Er hatte sich soeben das feudale Schloss Abtsee bei Bad Reichenhall gekauft, wo er seine siebte Krampfader-Klinik eröffnen wollte. Und schon kündigte er an, Olaf Thon an den Schalker Markt zurückzuholen.

Aufstiegsraketen und blau-weißer Jubel im Berger Feld, mehr als 70.000 Zuschauer bejubeln die Königsblauen in der 2. Liga. Schalke sprengt alle Rekorde. Mit Vollgas geht es ins Fußball-Oberhaus. Doch schon bald verliert Günter Eichberg jedes Maß. Dieses und vieles mehr in der nächsten Ausgabe des SCHALKE UNSER.


Was macht eigentlich…? - Dietmar Schacht

(svs) „Didiiiiiiiiiii“ - so hallte es knapp drei Jahre lang durch´s weite Rund des Parkstadions. Didi Schacht war als Kind des Ruhrgebiets, Schalker, Kämpfer und Publikumsliebling! In seinen Abschied von Schalke mischten sich Tragik und Triumph.

Sein letztes Spiel war eines der schönsten für ihn und überhaupt alle Schalker: Man schrieb den 24. August 1992. An diesem Tag besiegten die königsblauen Aufsteiger in einem sensationellen Spiel die hoch favorisierten Kartoffelkäfer aus Lüdenscheid-Nord mit 5:2. Eigentlich sollte er an diesem Tag gar nicht mehr auflaufen. Doch nach Rücksprache mit dem damaligen Trainer Ristic ließ sich der Schalker Mannschaftskapitän fit spritzen.

„Und wenn 70.000 deinen Namen rufen,“ so sagt er, „vergisst man alle Schmerzen.“ Nach dem Spiel war allerdings endgültig Schluss: Sprunggelenk, Achillessehne - mehr oder weniger war alles kaputt. Sportinvalidität hieß die harte Diagnose.

Didi wurde am 28.9.1962 als Dietmar Schacht in Duisburg geboren, ist also ein echtes Kind des Ruhrgebiets. Bereits mit 17 schaffte er den Sprung in den Profikader des MSV Duisburg. Was folgte, war eine längere Wanderzeit: Tennis Borussia Berlin, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen. Sogar ein kurzes Intermezzo beim südkoreanischen Erstligisten „Poskopohang“ fand Eingang in seine Vita. Ein Zuckerschlecken war dieser spezielle Ausflug allerdings nicht: So berichtet er, dass man dort drei Stunden am Stück trainierte. Dem verdutzten Deutschen Didi Schacht erklärte man, dass man das in Deutschland doch auch so mache. Vielleicht kehrte er deshalb schon nach vier Monaten zurück.

1989 schließlich wechselte er im Paket mit Trainer Peter Neururer und Stürmer Peter Sendscheid von Aachen an den Schalker Markt. Dank seines Einsatzes, seiner kompromisslosen Spielweise und seiner Fan-Nähe wurde er schnell zum Publikumsliebling im Parkstadion. Ein „geiles Gefühl“ sei das gewesen, ist er noch heute von der Atmosphäre und den „Didiiii-Rufen“ beeindruckt. Beim Auswärtsspiel bei Fortuna Köln zum Beispiel hätten ihn die 10.000 mitgereisten Fans bereits eine halbe Stunde vor dem Anpfiff mit Standing Ovations empfangen. „Glücklich und stolz“ habe ihn das gemacht. Vor allem aber das Aufstiegserlebnis 91/92 werde er nie vergessen.

Nach seiner aktiven Zeit hat er sich an der Sporthochschule Köln zum Fußballlehrer ausbilden lassen. Es folgten Trainerstationen in Wuppertal, Remscheid, Düsseldorf, Duisburg, Babelsberg und SW Essen. Dabei hat er mit Kollegen wie Aleksandar Ristic, Pierre Littbarski oder Horst Franz zusammengearbeitet. Seit zwei Jahren betreibt Didi Schacht erfolgreich die Fußballschule „Soccer Club“ in Duisburg. Nichtsdestotrotz bleibe sein Traum ein Engagement in einer Trainerfunktion auf Schalke, erzählt er. Günter Eichberg hätte ihm damals einen Posten versprochen, doch bis heute wurde daraus nichts. Da er „Schalker durch und durch“ sei, werde er aber die Hoffnung nie aufgeben. Wie auch viele andere ehemalige Schalker spielt Didi Schacht in der Traditionsmannschaft des S04. Ab und zu ist er auch noch Gast in der Arena. Mit Blick auf das heutige Schalke falle ihm besonders die Kommerzialisierung auf.

Die Explosion der Gehälter sieht er nicht so dramatisch: Für ihre Verhältnisse hätten sie damals auch gut verdient. Und sowieso schimpfe jede Spielergeneration, dass die darauffolgende so viel mehr verdienen würde. Was ihm wirklich missfällt, ist die seiner Meinung nach mangelnde Identifikation der heutigen Spieler mit den Fans und dem Verein: Seine Mannschaftskameraden und er hätten sich damals noch „absolut“ mit Schalke 04 identifiziert.

Für ihn sei es „ein Traum und eine Ehre“ gewesen, das königsblaue Trikot tragen zu dürfen. Sie hätten sich jederzeit mit den Fans unterhalten. Absperrungen irgendeiner Art hätte es nicht gegeben. Dennoch wünscht Didi Schacht dem FC Schalke 04 für diese Saison natürlich alles Gute. Von Jupp Heynckes ist er überzeugt: Das sei ein Top-Trainer. Mit etwas Glück sei am Ende der Saison ein Platz unter den ersten Sechs möglich.


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