Nummer 41 - 2004/03
Auszüge aus dieser Ausgabe:
Attacke: Pfui, Spinne!
„Ich besitze sogar eine Grubenlampe“ - Interview mit Ebbe Sand
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 22
Der gläserne Fan
Attacke: Pfui, Spinne!
In Zeiten, in denen wir von RTL mit „B-Prominenten“ zwischen Kakerlaken, Mehlwürmern und anderem Geschnetz überhäuft werden, mag man sich an den Anblick von Spinnennetzen gewöhnen.
Susan Stahnke oder Daniel Küblböck durch ein solches Spinnennetz zu betrachten, macht auch nicht viel mehr Spaß, aber unsere Schalker nur durch ein blödes Fangnetz beobachten zu können: Da hört der Spaß auf!
Schalke hat vom DFB-Kontrollausschuss die letzte Abmahnung erhalten: Sollten noch ein einziges Mal Feuerzeuge oder andere Gegenstände Richtung Spielfeld fliegen, dann kommt unwiderruflich das Netz.
Eine unangenehme Situation, denn wie will man knapp 20.000 Fans in der Nordkurve dazu bringen, jetzt nichts mehr auf’s Spielfeld zu werfen?
Noch schwieriger wird’s, wenn man bedenkt, dass bislang nahezu alle Leute, die nach einem Gegenstandswurf auf’s Spielfeld dingfest gemacht wurden, keine Dauerkarte besaßen. Solche Leute erreichen wir sicher auch nicht mit diesem Aufruf im SCHALKE UNSER.
Aber, Leute, passt einfach auf Eure Nachbarn im Stadion auf, so dass nichts mehr geworfen wird, dann bleibt der Blick auch frei. Allerdings auch nur dann. Helft mit, dass die Arena das einzige Bundesligastadion bleibt, das eine Ausnahme-Genehmigung für eine zaunfreie Kurve besitzt.
Das ist aber noch längst nicht alles. Die Versammlungsstätten-Verordnung des Landes NRW fordert, dass bis zum September für je 2500 Besucher eines Tribünenabschnittes jeweils eine bauliche Sicherheitsmaßnahme eingeführt, somit die Nordkurve wieder in Blöcke unterteilt werden muss.
Schalke selbst hat daran kein Interesse - und wir Fans sollten es erst recht nicht haben. Also, auch hier gilt: Die rot markierten Auf- und Abgänge müssen als Fluchtwege freigehalten werden. Bleibt deshalb nicht einfach im Gang stehen, sondern geht in die Blöcke. Nur so können wir fiese Plexiglasscheiben oder hohe Zäune in den jetzigen Blöcken vermeiden.
Wir haben es selbst in der Hand.
„Ich besitze sogar eine Grubenlampe“
(dol/ma) Wer gibt dem Sammer nie die Hand? Ebbe, Ebbe Sand. Wer kriegt auf Dosen Flaschenpfand? Ebbe, Ebbe Sand. Wer köpft die Nägel in die Wand? Ebbe, Ebbe Sand. Wen befragten wir über sein Land? Ebbe, Ebbe Sand.
SCHALKE UNSER:
Fangen wir mit dem Spiel in Lüdenscheid an. Du hast das Siegtor vom Elfmeterpunkt aus gemacht, so dass einige schon vom dritten Elfmeter gesprochen haben, der da gegeben wurde. Und in der Sekunde, als das Tor fiel, klappte hinter diesem eine Werbebande um: „Blau und weiß - die Nummer Eins im Revier“, die Werbung der Ruhrnachrichten. Solche Zufälle gibt es doch nicht, oder? War da eine höhere Macht im Spiel, hat der Fußballgott geholfen?
EBBE SAND:
Ja vielleicht. Es war wichtig für mich, ein bisschen Hilfe zu bekommen, und wenn der Fußballgott dabei mitgespielt hat, soll es mir recht sein. Ich habe lange gewartet, wieder ein Tor zu machen. Und wenn man dann so ein Tor macht, beim BVB in der letzten Minute und vor 20.000 Auswärtszuschauern, freut man sich ganz besonders und träumt auch schon mal davon.
SCHALKE UNSER:
Du bist fast an der Mittellinie gestartet, dann kam der Pass von Altintop und dann diese Coolness, den Ball in die Ecke zu spielen - das ist ein typisches Ebbe-Sand-Tor, dachten wir. Ist der Knoten geplatzt?
EBBE SAND:
Ich wollte allen zeigen, dass ich immer noch da bin, und etwas von der Unterstützung, die ich vom Publikum bekommen habe, zurückgeben. Das hat im Derby natürlich wunderbar gepasst. Ich fühle mich wohl und bin fit. Jetzt muss ich dranbleiben, weiterhin hart arbeiten und wieder kontinuierlich Tore schießen.
SCHALKE UNSER:
Der alte Ebbe Sand ist also zurückgekehrt. Die Fans sind begeistert, aber nicht jeder deiner Stürmerkollegen hat bei einer längeren Torflaute soviel Kredit beim Publikum wie du. Wie erklärst du dir das?
EBBE SAND:
Erst mal habe in den letzten Jahren hier einiges geleistet und viele Tore geschossen. Ich versuche immer 100 Prozent zu bringen und reiße mir für die Mannschaft den Arsch auf. Laufen und kämpfen kann man immer. Das erwarten die Fans in einer Stadt mit so hoher Arbeitslosigkeit und das sehen die Fans, auch wenn es in der letzten Zeit mit den Toren nicht ganz so gut lief.
SCHALKE UNSER:
Wir kennen einige, die sagen: „Der Ebbe ist vom Typ her auch ganz anders, der hat ein Gespür für die Fans und die Region. Das ist einer von uns.“ Selbst bei deinem Gastspiel in Kopenhagen wurdest du nach wie vor auch von den Dänen gefeiert. Du hast immer noch die Bindung zu den Fans deines alten Vereins.
EBBE SAND:
Das waren sieben wunderbare Jahre mit großen Erfolgen und einem sehr netten Umfeld bei den Fans und im Verein. Bröndby ist ein bisschen wie Schalke, mit vielen sozialen Aspekten, wie eine große Familie halt. Das hat es hier für mich einfacher gemacht. Schalke hat viele Traditionen, ist wie eine Religion. Die Identifikation mit den Fans hat von Anfang an geklappt. Nur wenn man sich wohlfühlt, kann man seine Leistung bringen.
SCHALKE UNSER:
Immerhin hast du die Schalker Tradition um die Ebbe-Sand-Lieder bereichert. Hörst du die Gesänge?
EBBE SAND:
Ja, ja, die kenne ich und ich habe sogar eine CD damit bekommen. Das ist schon toll, wenn ein Lied für dich und über dich gemacht wird.Das gab es in Dänemark übrigens auch schon, so was mit Supermann und so, ganz lustig.
SCHALKE UNSER:
Apropos Dänemark. Insbesondere vom Poulsen-Transfer wird gemunkelt, dass du daran nicht ganz unschuldig gewesen sein sollst. Inzwischen gibt es sogar eine kleine dänische Kolonie in Bochum. Trefft ihr euch gelegentlich?
EBBE SAND:
Natürlich haben wir miteinander telefoniert und ich konnte ihm nur Positives über Schalke berichten. Was hätte ich ihm über Dortmund erzählen sollen? Ich hatte gerade drei wundervolle Jahre hinter mir und glücklicherweise entschied sich Christian für uns. Ab und zu treffen wir uns auch mit den Bochumer Dänen und veranstalten einen „Dänischen Tag“ oder „-Abend“. Da treffen wir uns mit den ganzen Familien, feiern zum Beispiel Kinder-Karneval, der Colding, der Madsen und Jensen sind auch eingeladen, obwohl er in Dortmund spielt.

SCHALKE UNSER:
Der BVB ist pleite, der VfL Bochum dagegen erstaunlich stark - das mag an den Dänen im Kader liegen - wo wird Schalke am Ende der Saison stehen?
EBBE SAND:
Die Bochumer überraschen wirklich: wenig bekannte Namen, aber eine herausragende Kollektiv-Leistung. Wenn sie ohne Verletzungsprobleme weitermachen können, haben sie die Chance, sich oben in der Tabelle festzusetzen. Diese Chance müssen wir auch haben. Schalke wird trotzdem am Saisonende die Nummer Eins im Revier sein!
SCHALKE UNSER:
Wie ist die Stimmung in der Mannschaft? Große Veränderungen in der Mannschaft kündigen sich an, und wir können uns vorstellen, dass ein Ebbe Sand hervorragend mit Ailton harmoniert.
EBBE SAND:
Das kann ich mir auch gut vorstellen. Andererseits müssen wir jetzt Gas geben, und ich muss mich auch für einen Platz in der Anfangsformation durchsetzen. Die Konkurrenz ist groß, jeder ist ehrgeizig, aber die Stimmung und der Zusammenhalt sind gut. Der Trainer hat das im Griff.
SCHALKE UNSER:
Wie erlebst du Jupp Heynckes im Vergleich zu Frank Neubarth? Ist es ein Unterschied, ob man von einem Newcomer oder von einem trainiert wird, der schon alles gewonnen hat?
EBBE SAND:
Heynckes hatte durch seine Erfahrung als Trainer und Spieler mehr Respekt von Anfang an, da hätte sich Neubarth als unerfahrener Trainer mehr durchsetzen müssen. Seine Trainingsmethoden waren wunderbar, trotzdem denke ich: Wenn so viele Kulturen und Mentalitäten aufeinanderprallen mit Spielern aus 14 Nationen, da musst du als Trainer schon ein harter Hund sein.
SCHALKE UNSER:
Eine Frage, die tausendfach gestellt wurde, auf die wir aber noch nie eine vernünftige Antwort bekommen haben: Es läuft zu Hause nicht so richtig. Ist der Druck zu groß?
EBBE SAND:
Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, zu Hause zu spielen. Wir kriegen einfach Probleme, wenn der Gegner sich mit zehn oder elf Mann hinten reinstellt. Im Moment bekommen wir fantastische Unterstützung durch die Fans. In der letzten Saison gab es eine Periode, wo die Fans ein bisschen ungeduldiger waren. Das hat viel Verunsicherung in die Mannschaft getragen, wenn nach zwanzig Minuten Pfiffe aufkamen. Jetzt ist es umgekehrt. Mit diesem Publikum müssten wir eigentlich jedes Heimspiel gewinnen, spätestens seit das Wechselspiel zwischen Nord- und Südkurve bei Schalke - 04 gelingt.
SCHALKE UNSER:
Was hältst du von Hintertor-Fangnetzen, wie sie inzwischen auch für die Arena zur Diskussion stehen?
EBBE SAND:
Gar nichts, insofern die gegnerischen Spieler sich sicher fühlen. Die Zuschauer sollen so nah wie möglich am Spielfeld sein. Das macht auch den einen großen Unterschied zum Parkstadion mit seinen Laufbahnen aus. Natürlich ist es schöner ohne Netz. Bei der Lautstärke merkt man keinen großen Unterschied, aber Netze wirken immer wie eine Barriere zu den Fans.
SCHALKE UNSER:
Die Atmosphäre beim Spiel macht nur einen Teil des Engagements der Fans aus. Nehmen die Spieler auch den anderen Teil der Fanarbeit wahr, zum Beispiel den internationalen FARE-Kongress, der ebenfalls in Gelsenkirchen stattfand, oder eben das SCHALKE UNSER?
EBBE SAND:
Als Spieler kann ich nur ahnen, wie viel Arbeit in so einem Heft steckt. Wir bekommen nicht alles mit, aber die FARE-Choreografie in der Arena war nicht zu übersehen. Das war gut gemacht und die anti-rassistische Arbeit ist immer wichtig. Das haben wir auch in Dänemark gemacht. Wenn die Aktivität von den Fans verschiedenster Vereine ausgeht und durch die Medien verbreitet wird, das zeigt schon Wirkung.
SCHALKE UNSER:
Kommen wir noch einmal zur Region. Die ersten Jahre hast du mit deiner Familie in Lembeck gewohnt, jetzt in Gladbeck. Hast du niemals daran gedacht, nach Gelsenkirchen zu ziehen?
EBBE SAND:
Neben der Arena könnte ich nicht wohnen. Zu viel Trubel und zu viel Verkehr. Ich komme aus einem kleinen Ort sechzehn Kilometer vom Meer entfernt und fühle mich eher auf dem Land zu Hause. Dafür fahre ich gern ein bisschen länger. In Gladbeck wohnen wir direkt am Waldrand. Da können wir spazieren gehen und trotzdem ist das sehr zentral gelegen. Einkaufen tun wir natürlich in Gelsenkirchen, aber eher in Buer. Da kennen wir uns inzwischen ein bisschen aus. Die wirtschaftlichen Probleme Gelsenkirchens bekommen wir natürlich mit. Glücklicherweise hat die Stadt Schalke 04 - es ist ein Wahnsinn, was hier in den letzten Jahren aufgebaut wurde.
SCHALKE UNSER:
Hast du Gelegenheit, das umfangreiche Kulturangebot der Region wahrzunehmen?
EBBE SAND:
Leider viel zu wenig. Der Job und Kinder sind schuld. Vor zwei oder drei Jahren haben wir vom Verein aus in Marl eine Grubenfahrt gemacht, das war ein tolles Erlebnis, und das Kleine Museum der Zeche Hugo habe ich auch schon besucht. Da möchte ich unbedingt mit meinen Söhnen noch einmal hin.
SCHALKE UNSER:
Das finden wir unheimlich schön, wenn Spieler die Geschichte des Vereins in Verbindung mit der Bergbaugeschichte erleben. Rudi Assauer war auch schon da. Macht der Verein euch Spieler mit seiner Geschichte des Ruhrgebiets vertraut, drückt euch zum Beispiel jemand Bücher in die Hand oder erzählt die Geschichte von Schalke?
EBBE SAND:
Abgesehen von der Grubenfahrt damals hält sich der Verein zurück. Umso interessanter ist es, sich die vergilbten Fotos von Schalke und den Grubenarbeitern im Museum anzusehen. Ich besitze sogar eine Grubenlampe.
SCHALKE UNSER:
Zurück zur Maloche. Dein Vertrag läuft noch bis 2005. Dann wirst du 33 Jahre alt sein. Hast du schon Ideen für die Zeit nach den Profi-Fußball oder ist das zu weit weg?
EBBE SAND:
Nein, so weit weg ist das leider auch nicht. Ich habe vor, bis 2006 weiterzuspielen, dann höre ich auf und dann geht es mit fast 100 prozentiger Sicherheit zurück nach Dänemark. Ich kann mir im Moment gut vorstellen, an einem dänischen Fußball-Internat mit jungen Talenten zu arbeiten, kombiniert mit Managementaufgaben.
SCHALKE UNSER:
Wenn deine Söhne irgendwann mal Fußballer oder Profifußballer werden wollen, wirst du sie unterstützen?
EBBE SAND:
Natürlich, wenn sie das möchten. Das ist aber kein Ziel für mich. Sie sollen das tun, was sie glücklich macht. Wenn sich der Profi-Sport weiterhin so entwickelt, wird das in 15 Jahren allerdings nicht einfach sein.
SCHALKE UNSER:
Wie erlebst du als Spieler die Kommerzialisierung des Fußballs, von den Kontobewegungen zu deinen Gunsten mal abgesehen?
EBBE SAND:
Für uns Spieler ist das eine zweischneidige Sache: Du kannst zwar viel Geld verdienen, du machst aber auch mehr und mehr Spiele. Bis zum Champions-League Finale sind es sechzehn oder siebzehn Spiele. Das hat nur mit Geld zu tun. Es war kein Wunder, dass einige Spieler, darunter die Franzosen, bei der WM einen so schlechten Eindruck hinterlassen haben. Die waren alle kaputt, weil sie so lange in der Champions League gespielt haben. Die kamen auf fast siebzig Spiele in der Saison. Ihre Kollegen fuhren in Urlaub, sie durften richtig Gas geben. Da müsste es eine Obergrenze geben; denn schließlich will das Publikum schöne Spiele sehen.
SCHALKE UNSER:
Der Markt hat auch Interesse an Elf-Uhr-Anstoßzeiten, Popstar-Trikots für Asien und nicht zuletzt an zwanzigminütigen Halbzeitpausen zur umfassenderen Versorgung zahlreicher zufriedener Kunden unter Vermeidung von Stress. Schadet das nicht auf die Dauer?
EBBE SAND:
Fußball macht Spaß, aber Fußball macht fast keinen Spaß ohne Zuschauer. Zu Hause zu spielen vor 15.000 Zuschauern ist zur Zeit unvorstellbar. Wir sind daran gewöhnt, dass es ausverkauft ist, wenn wir zu Hause spielen, aber eigentlich ist es nicht selbstverständlich, dass es ausverkauft ist. Das ist die andere Seite der Kommerzialisierung. Wir haben in der letzten Saison drei Spiele innerhalb von acht Tagen gehabt und es kamen 180.000 Zuschauer. Das ist unglaublich!
SCHALKE UNSER:
Das ist eben Schalke! Vielen Dank für das Gespräch und Glückauf.
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 22
(rk) In der Winterpause der Saison 1990/91 hatte Günter Eichberg die Weichen in Richtung Aufstieg gestellt. Der Ex-Düsseldorfer Trainer Aleksander Ristic löste Peter Neururer ab und für den Sturm wurde Radmilo Mihajlovic von Bayern München an den Schalker Markt geholt.
Ein Trauerspiel in fünf Akten
Als Schalkes neuer Stürmerstar auf der Geschäftsstelle im Berger Feld auftauchte, war nicht er der Star, sondern seine Freundin, das Fotomodell Zorica Pantic. Alle Blicke richteten sich auf das neue Schalker Traumpaar. Dabei hatten es die Schalker mit Radmilo Mihajlovic wahrlich nicht einfach. Drei Millionen Mark Ablöse, bis dahin der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte, dazu war er ständig verletzt. Nach einem Meniskusschaden am rechten Knie war es die Patellasehne im linken.
Und die Hintergründe des Transfers wurden in der Sport-Bild breit getreten. Uli Hoeneß muss wohl noch heute schmunzeln, wenn er daran zurückdenkt. Sobald Hoeneß dann ausgeschmunzelt hat, erzählt er die Story, wie er Eichberg beim Transfer des Jugoslawen 500.000 Mark aus der Tasche gezogen hat.
1. Akt: Mihajlovic kommt ins Büro von Uli Hoeneß und fragt nach seiner Ablöse. Hoeneß: „Für 2,5 Millionen kannst Du gehen.“
2. Akt: Helmut Kremers ruft von Teneriffa aus bei Hoeneß an, will die Telefonnummer von Mihajlovic. Hoeneß: „Kremers sagte mir, dass er nun nach Deutschland zurückfliegt, um alles klar zu machen.“
3. Akt: Eichberg will sich von Kremers nicht die Show stehlen lassen, im Privatjet düst er nach München und trifft sich mit Mihajlovic. Wenig später läuft bereits über den Ticker der Presseagenturen, dass Mihajlovic ein Schalker wird. Hoeneß: „Dem Eichberg werden wir’s zeigen. Dafür muss er zahlen…“
4. Akt: Hoeneß tut vor der Presse so, als würde er vor Wut platzen: „Eine Sauerei von Eichberg, dass er einen Spieler verpflichtet, ohne uns zu informieren.“ Eichberg, mittlerweile wieder im Westen, kontert: „Der Hoeneß glaubt immer noch, dass er der Größte ist. Der kann mich mal am Hobel blasen.“ Hoeneß reist an diesem Tag früher ab, um für Eichberg nicht erreichbar zu sein.
5. Akt: Als Eichberg bei Bayern anruft, um über die Ablöse zu verhandeln, sagt die Sekretärin: „Herr Hoeneß ist nicht da, aber der Chef möchte sie persönlich sprechen.“ Bayern-Präsident Fritz Scherer geht an den Apparat und spielt die Rolle des Empörten: „Das sind ja eigenartige Methoden. Drei Millionen oder Mihajlovic bleibt bei uns.“ Im Nu ist der Handel perfekt. Eichberg erzählt später triumphierend: „Der Hoeneß hat bei Bayern gar nichts mehr zu sagen.“ Hoeneß schmunzelte weiter: „Hätte Kremers die Verhandlungen geführt, wäre Mihajlovic eine halbe Million billiger gewesen. Wenn wir mit solchen Komödien 500.000 Mark verdienen, dann darf mich Eichberg so oft am Hobel blasen, wie er will. Ich bin sofort bereit.“
Was kostet die Welt?
Das war aber noch lange nicht alles. Wie später die Bild-Zeitung verbreitete, zahlte Schalke nicht nur eine überhöhte Ablöse, sondern auch ein total überzogenes Gehalt an Mihajlovic. 1,6 Millionen Mark sollen als Handgeld geflossen sein. Dazu ein garantiertes Gehalt von 500.000 Mark plus einen Mercedes 500 SL (fast 150.000 Mark) plus Miete für sein Haus in Herten (2000 Mark) plus Wohnungseinrichtung (120.000 Mark). Damit war Mihajlovic einer der absoluten Spitzenverdiener im deutschen Fußball - und das in der 2. Liga. Vielleicht lag die schlechte Vertragsverhandlung aber auch einfach nur an dem Charakter des Günter Eichberg, über den Charly Neumann einmal sagte: „Er kann nicht nein sagen. Wenn er eine Frau wäre, hätte er bestimmt schon zwanzig Kinder.“
Personalia
Mit Mihajlovic hatte Schalke nun das Problem, einen Ausländer zuviel im Kader zu haben. Für Wladimir Ljuty suchte Manager Helmut Kremers nun einen Abnehmer. Es fand sich aber keiner, also wurde mit Ljuty kurzerhand ein Kontrakt als Vertragsamateur geschlossen, dafür musste der Russe allerdings eine dreimonatige Sperre in Kauf nehmen.
Eduard Geyer, von Eichberg als Jugend-Koordinator und „Nordost-Berater“ geholt, wurde es auf Schalke zu langweilig. Der ehemalige DDR-Auswahltrainer funkte SOS: „Hilfe, ich will wieder auf die Bank.“ Als Nachfolger wurde Bodo Menze, bis dato Verbandstrainer, geholt. Als Talentspäher sollte ihm Mathias Herget zur Seite stehen. Während in der Heimat Schneechaos herrschte, fuhr Schalke in der Winterpause ins Trainingslager nach Portugal. Ein Hinflug mit Hindernissen, denn die Mannschaft saß wegen einer Bombendrohung stundenlang am Frankfurter Flughafen fest.
Eine traurige Meldung schockierte die Schalker Fan-Szene: Ötte Tibulski erlag im Alter von 78 Jahren einem langwierigen Krebsleiden. Tibulski war Mittelläufer im „Schalker Kreisel“, trotz seiner nur 1,72 Meter war er ein gefürchteter Kopfballspieler. Mit dem zweimaligen Nationalspieler war damit der letzte Schalker Fußballer verstorben, der in den 30er und 40er Jahren an allen sechs Meisterschaften und am Pokalsieg 1937 beteiligt war.
Richtung Aufstieg
Zurück in der zweiten Bundesliga feierte Ristic beim ersten Spiel nach der Winterpause vor 15.000 Zuschauern in Braunschweig einen Einstand nach Maß. Schalke spielte dabei überaus couragiert, die quicklebendigen Borodjuk, Sendscheid und Mihajlovic fuhren den 1:0-Sieg ein (Torschütze Thorsten Wörsdörfer).
Schalke gab Gas. Gegen Osnabrück (1:0), Havelse (2:1) und Schweinfurt (2:0) zeigte vor allem ein überzeugender Sascha Borodjuk, dass man die Aufstiegsambitionen nun auch in die Tat umsetzen wollte.
Und so ging Schalke als Spitzenreiter ins „Spiel der Spiele“ gegen den MSV Duisburg. Das Wedaustadion war schon seit Wochen ausverkauft, Sicherheitsstufe eins war angesagt. Ein Aufgebot von 570 Polizisten, so viel wie noch nie zuvor bei einer Partie in Duisburg, und 220 Ordner sollten für Ruhe sorgen. Das Spiel endete ziemlich glücklich aus Sicht der Schalker 1:1 (Treffer durch Sascha Borodjuk und Ewald Lienen).
Beim nächsten Spiel setzte es die erste Heimniederlage seit langem (1:2 gegen Waldhof Mannheim), doch im nächsten Spiel zu Hause gegen den SV Meppen lief es wieder besser (2:0). Beim Spitzenspiel gegen die Stuttgarter Kickers (0:0) kam Trainer Ristic einige Minuten zu spät nach dem Wiederanpfiff aus der Kabine und wunderte sich, dass ihm Egon Flad bereits entgegenlief. Keine Lust mehr?“, fragte Ristic. „Ich schon, aber der Schiri nicht.“ Egon Flad, in Fan-Kreisen auch „Karten-Egon“ genannt, war bereits 44 Sekunden nach Anpfiff der zweiten Halbzeit mal wieder vom Platz geflogen. Er wurde für zwei Spiele gesperrt.
Beim Spiel gegen Homburg (3:1) gab es großes Aufatmen, denn Mihajlovic traf zum ersten Mal in einem Pflichtspiel ins gegnerische Tor. Alle hofften, dass damit der Knoten geplatzt war. Preußen Münster spuckte vor dem nächsten Duell große Töne, doch vor 15.000 mitgereisten Schalke-Fans hatten sie keine Chance (3:0, Tore durch Anderbrügge, Sendscheid und Schlipper). Der Aufstieg rückte immer näher und auch Spekulationen wurden laut, Olaf Thon würde zurückkehren. „Für Schalke ist das Beste gerade gut genug“, wusste Günter Eichberg zu erklären. Doch auch andere Namen kursierten am Schalker Markt: Holger Fach (Bayer Uerdingen), Sascha Jusufi (HSV), Hendrik Herzog (FC Berlin), Darius Wosz (Chemie Halle), Christian Wörns (Waldhof Mannheim), Michael Tarnat (MSV).
Planung der Aufstiegsfeier kann beginnen
Gegen Oldenburg gab es im folgenden Match ein überzeugendes 4:1, dann mussten die Königsblauen nach Hannover. Zur Stadt an der Leine reisten 10.000 Schalke-Fans mit ihrer Mannschaft, alle bereits im Aufstiegsfieber, doch das 0:0 enttäuschte die Zuschauer etwas. Im Heimspiel gegen Freiburg zeigten sich die Breisgauer destruktiv und wurden auch prompt mit 3:1 bestraft. Schalke konnte die Aufstiegsfeier bereits planen.
Zum Auswärtsspiel in Mainz startete Schalke eine „Fair-Play“-Aktion, die es in dieser Form im bezahlten Fußball noch nicht gegeben hatte. Schalke hatte für 13.000 Mark 1.000 Eintrittskarten beim FSV Mainz 05 gekauft und setzte auf Vereinskosten zwanzig Busse ein, um die 1.000 Fans in einer Sternfahrt aus verschiedenen Orten zum Mainzer Stadion zu bringen. Das Match endete 1:1, es fehlte dank der Rückrundenserie von 22:6 Punkten und sechs Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz nur noch ein einziger Punkt aus drei Spielen zum Aufstieg. Die Fans trugen „König Aleks“ auf ihren Schultern in die Kabine. Als die Mannschaft am Abend im Vereinsheim an der Glückauf-Kampfnahn eintraf, floss das Pils in Strömen. Dennoch gab es nach Auskunft der Polizei keine Fan-Randale, ohne Zwischenfälle war auch die Fair-Play-Bustour verlaufen, obwohl schon auf der Hinfahrt in einigen Bussen das Bier ausgegangen war.
Königsblau in Mode
Die Stadionuhr zeigt 16:42 Uhr. Da ergriff Schiedsrichter Manfred Schmidt plötzlich die Flucht, brach bereits drei Minuten vor dem regulären Ende das Spiel ab und gab damit den Startschuss zu einer irren blau-weißen Jubelfeier. 2:1 gewann Schalke gegen Fortuna Köln - doch das interessierte (fast) niemanden mehr, zumal das Spiel durch den Punktverlust des Aufstiegskonkurrenten Stuttgarter Kickers am Vortag bereits bedeutungslos geworden war. Das Parkstadion kochte über. Schon eine Viertelstunde vor Spielende waren Tausende der 55.000 begeisterten Fans in den Innenraum geklettert. Trainer Ristic saß da längst mit Schalke-Mütze und Riesen-Fahne „bewaffnet“ auf den Schultern der Fans. Mittendrin Charly Neumann: „So was habe ich noch nicht erlebt!“ Schalke feierte den Aufstieg wie den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Auch Fortunen-Trainer Tony Woodcock zeigte sich beeindruckt: „Einmalig!“
Die Saison war noch nicht vorüber und im nächsten Spiel musste Schalke in Essen ran. Und Rot-Weiß Essen hatte echten Bammel vor Schalke. Zwei Jahre zuvor drangen Schalke-Fans nachts vor dem Derby ins Georg-Melches-Stadion ein und strichen die Torpfosten blau und weiß. Um das zu verhindern, stellte der Essener Ordnungsdienst sogar eine Nachtwache auf. Dennoch gab es Trouble. Der Schlusspfiff nach dem 0:0 war das Startsignal für Hooligans, das Stadion halb abzureißen. Hunderte stürmten den Platz, schwere Zäune wurden niedergerissen. Die Ordner waren machtlos, Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken standen anfangs abwartend im Abseits. Wenige lange Minuten später schritten die Polizisten ein und jagten die Hools wieder auf die vollbesetzte Tribüne. Die Straßenschlacht an der Hafenstraße dauerte bis weit nach Mitternacht.
Am Ziel der Träume
Am Ende einer langen Saison sah man den Spielern an, dass sie am Ende ihrer Kräfte waren. Und so war es kein Wunder, dass sich beim letzten Ligaspiel gegen Darmstadt 98 (1:0) auf den Rängen meist mehr tat als auf dem Spielfeld. Dort ging die „La Ola“-Welle 65 Mal duch`s Parkstadion - das war neuer Weltrekord. Von Rekorden wusste auch Aleksander Ristic zu berichten: „Ich weiß ja aus Düsseldorf wie es ist, wenn man aufsteigt. Aber hier auf Schalke gab es ja gleich mehrere Aufstiegsfeiern. Ich denke da an die letzten vier Spiele - jedes eine Feier für sich.“ Im allgemeinen Jubel wirkte es fast schon störend, dass noch Fußball gespielt werden musste. Vorher und nachher ging dafür die Post ab, so stark, dass ein Großteil der Brieftauben, die aus dem Parkstadion ihren Heimflug antreten sollten, vorzog, lieber nicht zu starten.
Beim großen Schalke-Umzug über die Tartanbahn wirbelten Vertreter von 90 Fanclubs rund um das Spielfeld, und als die Bee-Gees-Revival-Band „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Schalker nicht“ anstimmte, gab es kein Halten mehr. Im allgemeinen Jubelfest ging selbst die offizielle Meisterehrung durch den DFB unter. „Hier brennt der Baum“, meinte der einiges gewohnte Charly Neumann. „Jungens, datt is Schalke, hier is ja wieder richtig wat los“, schwärmte auch Ex-Präsident Günter Siebert. Trubel gab es bis spät in den Abend und bis in die Morgenstunden eines blauen Montags. Doch Darmstadt 98 legte auch noch Protest gegen die Wertung des Spiels ein, da wieder einmal der Platz von den Fans bereits vor Abpfiff gestürmt wurde, und das Spiel nicht fortgesetzt werden konnte. Darmstadt 98 befand sich im Abstiegskampf und benötigte jeden Punkt. Später ließen die Darmstädter allerdings den Einspruch fallen, da Rot-Weiß Essen keine Lizenz bekam, absteigen musste, und Darmstadt somit der Verbleib in der 2. Liga gesichert war.
Danish Dynamite
Schalkes Planungen für die Bundesliga liefen auf Hochtouren. Schatzmeister Rüdiger Höffken rechnete mit einem Zuschauerschnitt von 37.000 und einem Etat von 15 Millionen Mark (Etat 1990/01: 8 Millionen Mark). Schalke wies damit den vierthöchsten Etat der Liga aus (nach dem 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und Bayern München), damit konnte man auch so manchen Transfer ermöglichen. Hendrik Herzog kam vom FC Berlin, Sascha Jusufi vom HSV und Steffen Freund von Stahl Brandenburg. Die beiden Jugend-Nationalspieler Markus Schwiderowski (Schalker Eigengewächs) und Andreas Gaber (SV Schwetzingen) verstärkten den Kader.
Aber ein Kracher sollte noch kommen: „Danish Dynamite“ Bent Christensen, Stürmerstar von Brondby IF Kopenhagen, sollte an den Schalker Markt geholt werden, stand jedoch auch bei einigen italienischen Spitzenclubs auf dem Wunschzettel. Die Ablösesumme von fünf Millionen Mark schien für Günter Eichberg wieder mal keine Hürde zu sein, und so unterschrieb der 24-jährige Torjäger einen Zwei-Jahresvertrag bei den Königsblauen. Wladimir Ljuty musste weichen und wurde an den MSV Duisburg ausgeliehen. Günter Eichberg rechnete in der ersten Bundesligasaison mit einem Rang im Mittelfeld („Platz acht oder neun“).
Schalke 04 entwickelte sich zu einer neuen Großmacht im deutschen Fußball - zumindest, was das Finanzielle anging. Günter Eichberg sorgte für den nächsten Paukenschlag. Erst besorgte er einen 9-Millionen-Mark-Vertrag mit dem neuen Sponsor „Müller-Milch“, jetzt lockte er Günter Netzer zurück in die Bundesliga. „Nie mehr Fußball“, hatte Netzer gesagt, als er sich 1986 nach drei Meisterschaften und dem Europacup als Manager beim HSV verabschiedete. Jetzt kam raus: Schon seit Monaten war Netzer als Berater für Eichberg tätig. Ihm war es zu verdanken, dass der Ristic-Deal über die Bühne ging. Die Idee zur Zusammenarbeit entstand bereits während der WM 1990 im exklusiven Hotel Villa d’Este am Comer See, wo sich der Ex-Nationalspieler und Eichberg trafen. Auf Schalke pfiffen es nun die Spatzen von den Fördertürmen: Netzer sollte schon im Herbst als Vize-Präsident in den Vorstand gewählt werden. Und was war mit Helmut Kremers? Zwei waren einer zuviel.
Der Konflikt zwischen Günter Eichberg, Helmut Kremers und Günter Netzer eskaliert. Schalke startet in die Bundesliga und bald ist auch Aleksander Ristic nicht mehr gut genug für Günter Eichberg. Dieses und vieles mehr in der nächsten Ausgabe des SCHALKE UNSER.
Der gläserne Fan
(rk/pr) In ausgewählten europäischen Stadien soll ab der Saison 2004/05 ein Pilotprojekt starten, das die lückenlose Überwachung aller Zuschauer sicherstellen soll. Für die Finanzierung will die EU sorgen, die sich dadurch ein höheres Maß an Sicherheit verspricht.
Automatische Gesichtserkennungssysteme nehmen eine bedeutende Stellung innerhalb der biometrischen Zutrittskontrollsysteme ein. Beispielweise werden sie an Geldautomaten eingesetzt. Vom geplanten Einsatz in den Stadien verspricht sich die UEFA eine lückenlose Strafverfolgung, und sollte sich das Verfahren bewähren, plant man den Einsatz in allen Stadien der ersten bis dritten Ligen Europas.
Die automatische Zuordnung des Fans soll durch eine vorherige Identifizierung erfolgen. Hierfür werden Spezialkameras mit entsprechender Hard- und Software an den Eingängen installiert. Während herkömmliche automatische Gesichtserkennungssysteme durch vor die Kamera gehaltene Fotos getäuscht werden können, da die Kamera nur zwei Dimensionen erfasst, orientiert man sich beim jetzt entwickelten neuen Erkennungsverfahren viel stärker am biologischen Vorbild des menschlichen visuellen Systems.
Besonders das Konzept der sakkadischen Augenbewegungen wird durch entsprechende Algorithmen simuliert. Was immer das heißen mag.

