Nummer 43 - 2004/08
Auszüge aus dieser Ausgabe:
“Da kann ich nicht ruhig sitzen bleiben” - Interview mit Hilde Matzkowski
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 24
Mondiali Antirazzisti - Antirassistische Fußballweltmeisterschaft 2004
Wir haben Bier bis zu Eurer 300-Jahr-Fete
“Da kann ich nicht ruhig sitzen bleiben”
(mw/usu) Im September 2000 erschien im SCHALKE UNSER das Interview mit Paul Matzkowski, der von 1948/49 bis 1958/59 für die Blau-Weißen spielte und im Mai verstorben ist. Jetzt sprachen wir mit seiner Frau, Hilde Matzkowski. Wir wollten wissen, wie es „damals“ war, als Frau an der Seite eines bekannten Schalkespielers in der Nachkriegszeit.
SCHALKE UNSER:
Frau Matzkowski, haben Sie Ihren Mann auf dem Fußballplatz kennen gelernt?
HILDE MATZKOWSKI:
Nein, wir haben zusammen in einem Büro gearbeitet. Das war in Herne. Ich hatte gerade meine Lehre aus, ich konnte schon nach zwei Jahren meine Prüfung machen, da ich eine Sondergenehmigung hatte. Und da kam Paul zu uns. Ich musste für ihn schon vorher beim Arbeitsamt alles mit den Papieren regeln. Ich sagte dann zu andern: ich kenn den schon, bevor er überhaupt anfängt. Er kam ja aus der Industrie und musste noch in die Lehre, um als Kaufmann ausgebildet zu werden. Als wir uns verlobt haben, da hat er zu seinen Eltern gesagt: „Geht mal rüber zu Hildes Eltern, wir wollen uns jetzt verloben.“ Mein Vater hat dann gemeint: „Paul, überleg dir das gut, wen du da heiratest, die kann doch nicht mal kochen. Die lässt noch das Kaffeewasser anbrennen, überleg dir das gut.“ Wir haben noch häufig darüber gelacht und Paul sagte: „Wenn ich mich daran erinnere, wie dein Vater mich gewarnt hat. Wenn der wüsste, wie gut und lecker du kochst!“
SCHALKE UNSER:
Waren Sie denn zu jedem Spiel dabei?
HILDE MATZKOWSKI:
Immer. Nur als ich dann hoch in Umständen war, da hat meine Mutter gesagt, bleib du zu Hause, du kriegst dein Kind noch auf dem Sportplatz. Ich bin ja immer mitgegangen, ach, ich bin hochgesprungen. Ich konnte mich da nicht einkriegen. Ich weiß noch, einmal auf dem Platz, da haben wir gegen eine schweizerische Mannschaft gespielt. Da saß ich auf der Tribüne und ich war so aufgeregt, bin immer so hin und her, und da hab ich mit dem Fuß nach vorne getreten und hab den einen, der vor mir saß, einen Schweizer, in den Hintern getreten. Der hatte sich ganz entsetzt umgedreht und ich habe mich bei ihm entschuldigt und ihm erklärt, dass ich mich halt bei einem Spiel immer so aufrege. Auch zu Hause, Paul saß immer ganz still, auch damals bei der verpassten Meisterschaft, und ich war fix und fertig. Ich höre mir auch jetzt immer die Spiele im Radio an, und wenn mich mein Sohn Bernd dann in der Halbzeit aus der Arena anruft, dann weiß ich das Ergebnis schon.

Hilde Matzkowski mit Enkel Paul
SCHALKE UNSER:
Waren Sie denn mit den anderen Spielerfrauen zusammen?
HILDE MATZKOWSKI:
Bei jedem Spiel. Die Männer haben nach dem Spiel bei Tibulski gegessen und wir Frauen haben auch zusammengesessen und Kaffee getrunken. Das gab’s gar nicht, dass man nach dem Spiel direkt auseinander ging. Wir haben uns immer schick gemacht, obwohl wir gar nicht so viel Geld wie die heute hatten. Wir hatten viel Spaß. Es war auch so, dass wir einfach zusammenpassten. Wenn eine von uns Frauen ein Baby kriegte, kamen die anderen Frauen zum Krankenhaus und haben irgendetwas mitgebracht, ein Strampelhöschen oder was man so für das Baby brauchte.
SCHALKE UNSER:
Wie ist das denn nun für Sie, wenn Sie den ganzen Klatsch und Tratsch mit den heutigen Spielerfrauen mitbekommen?
HILDE MATZKOWSKI:
So wie wir früher zusammengehalten haben, alles so mitgemacht haben, das gibt es heute gar nicht mehr. Ich weiß ja nicht, wie die das nun machen. Man kann das ja verstehen, die Männer trainieren heute die ganze Woche und sind häufig weg von zu Hause. Damals waren das ja nur ein paar Stunden Training, dienstags und donnerstags. Wenn sie in der Meisterschaft waren, gab es noch einen Trainingstag mehr. Mein Mann ist dann um fünf Uhr aus dem Geschäft raus, das war ja auch großzügig, dass der Chef da zum Training frei gegeben hat. Die anderen waren zum Teil sauer und haben gesagt: Mensch, ihr haut jetzt ab zum Training und wir müssen die Arbeit für euch mitmachen.

1951 - gemeinsamer Urlaub, zwei Wochen Obersdorf
SCHALKE UNSER:
Sind Sie denn auch zu den Auswärtsspielen gefahren?
HILDE MATZKOWSKI:
Ja, zu den Spielen bin ich mitgefahren. Zu Anfang, das war ja bei Westfalia Herne, da war ich auch schon immer mit. Da hatten wir auch noch keinen Bus. Im Sauerland, da lag einmal hoch Schnee und ich musste auf einen LKW hinten draufklettern.
SCHALKE UNSER:
Im Schalke-Musical kommt die Szene vor, in der der Alte Gott erklärt, wie das ist mit den Frauen, wenn sich ein Spieler verletzt. Wie war das denn bei Ihnen, wenn sich Ihr Mann verletzt hat?
HILDE MATZKOWSKI:
Paul war oft verletzt. Er hatte ja zum Schluss ganz dicke Knöchel durch die vielen Verletzungen. Die konnten gar nicht mehr geröntgt werden. Wenn ich das gesehen habe oben, dann bin ich erst mal aufgesprungen und hab geguckt, was Paul hat. Wenn es schlimm war, dann bin ich sofort runter in den Behandlungsraum gelaufen, um zu sehen, was überhaupt war. Wenn das wieder gut war, habe ich mich wieder oben hingesetzt. Einmal waren wir bei meinen Eltern zu Hause und er hat gesagt: „Ich kann am Sonntag nicht spielen, ich bin schon wieder verletzt.“ Und auf einmal sagte meine Mutter: „Geh mal runter auf den Hof, der Paul trainiert.“ Und ich geh runter, er läuft hin und her und meint: „Ich muss es mal versuchen, vielleicht bin ich wenigstens Ersatzmann.“ Er war so hart im Nehmen. Er musste spielen.
SCHALKE UNSER:
Haben Sie sich vorher auch schon Spiele angeschaut?
HILDE MATZKOWSKI:
Eigentlich nicht, aber mein Vetter war Anhänger von Westfalia Herne. Der sagt mir: „Paul ist doch im Urlaub.“ Er wusste, dass wir uns kannten - von der Arbeit her. Wir hatten uns ja auch die ganze Zeit geschrieben, als er Soldat war. Und mein Vetter nahm mich mit auf den Sportplatz. Und nach dem Spiel stand Paul da, er musste ja wieder zur Bahn, und er hatte eine Freundin dabei. Er hat mich in den Arm genommen und mir einen Kuss gegeben. Ich dachte noch: „Was macht der denn, hat die Freundin dabei und mir gibt er einen Kuss.“ Ich bin dann mit meinem Vetter nach Hause gegangen. Er war ja Soldat und wir haben uns geschrieben. Er hat immer so liebevolle Briefe geschickt. Ich hatte ja einen Freund, und der hieß auch Paul. Aber das ging auseinander, weil ich evangelisch war und er katholisch und ich wollte nicht katholisch werden. Und dann bin ich mit Paul, wenn er Urlaub hatte, ausgegangen. Wir haben uns 1943 verlobt und 1944, als er wieder Urlaub hatte, geheiratet.
SCHALKE UNSER:
Vor Schalke hat Ihr Mann ja bei Herne gespielt, wie war es denn da?
HILDE MATZKOWSKI:
Er hat zehn Jahre in Herne gespielt. Die feiern dieses Jahr auch das Hundertjährige. Sie haben uns auch dazu eingeladen, und Paul hat sich schon darauf gefreut. Leider ist er vorher gestorben. Die haben mit Schalke damals in einer Gruppe gespielt, in der Oberliga West. Da haben wir Schalke und Fürth geschlagen. Und überall, wo Westfalia hinkam, da waren Girlanden: „Wer schlug Schalke, wer schlug Fürth…“ Als wir einmal gegen Schalke spielten, saßen vor uns die Schalker Frauen. Und da sagte die Lis Szepan, als die Schalker mit uns Mühe hatten: „Kann ich verstehen, die kriegen die dicken Speckseiten hier und unsere…“ Und packt in dem Moment ihr Schinkenbrot aus und beißt da rein. Das habe ich nie vergessen.
SCHALKE UNSER:
Wie kam es denn zu dem Wechsel nach Schalke?
HILDE MATZKOWSKI:
Paul hat gerne in Herne gespielt. Aber zu der Zeit gab es so viele Versprechungen, die nicht eingehalten wurden. Einmal, als er ein Spiel hatte, haben sie bei uns eingebrochen. Wir hatten bloß ein Zimmer bei meinen Eltern. Alles lag auf der Erde, alle Wäsche, die ich mir mühsam zusammengespart hatte, war weg. Mein Brautkleid, von Paul der beste Anzug. Es hat geheißen, wir helfen euch. Aber die Bezugsscheine konnten wir nicht einlösen. Und sie haben für uns gesammelt. Aber wir haben nur ein paar zerfledderte Sachen bekommen. Das hat Paul schon sehr geärgert. Und dann war da noch eine Fahrt nach Norddeutschland und es hat geheißen, ihr kriegt da Fischkonserven. In dem einen Ort, wo sie gespielt haben, hieß es dann, ihr kriegt die in dem anderen Ort, in dem ihr noch spielt. Aber da haben sie auch wieder nichts gekriegt. Da hat er sich in den Zug gesetzt und ist nach Hause gefahren, und die anderen haben das Geld auf St. Pauli verjubelt. Da hatte er schon ein Angebot von Schalke.

Spielerfrauen beim Auswärtsspiel in Erkenschwick (3. v.r.: Hilde Matzkowski)
SCHALKE UNSER:
Wie war das für Sie, für wen hat Ihr Herz geschlagen?
HILDE MATZKOWSKI:
Natürlich erst für Herne. Ich war früher immer etwas kontra zu Schalke. Ich war erst etwas skeptisch. Es waren ja so viele und ich kam da als Neuling. Aber ich habe mich ganz gut zurechtgefunden und bin mit allen gut befreundet gewesen. Wir hatten auch viel Kontakt untereinander.
SCHALKE UNSER:
Waren Sie schon mal in der Arena?
HILDE MATZKOWSKI:
Ja, einmal. Gegen Stuttgart, als wir 2:0 gewonnen haben. Da hat uns Manfred Kreuz die Karten besorgt. Das war so ein tolles Spiel. Da bin ich hoch gesprungen, genauso beim Musical, da habe ich auch mitgeschrieen.
SCHALKE UNSER:
Was hat sich denn geändert beim Fußballspiel im Vergleich zu früher?
HILDE MATZKOWSKI:
Dieses in die Hacken treten - ganz so schlimm war das früher nicht. Da hat es auch mal Verletzungen gegeben, aber dieses Reingrätschen, da ärgere ich mich darüber. Jeder weiß doch, wenn er so tritt, wie weh das tut und dass das manchmal auch böse ausgeht. Die Spieler schaden sich doch selbst und dem Klub. Früher kamen die Verletzungen im Eifer im Spiel, das war nicht so mit Mutwillen wie heute.
SCHALKE UNSER:
An die Fußballfachfrau nun die Frage: Wo landet der FC Schalke 04 in dieser Saison?
HILDE MATZKOWSKI:
Mit den Spielern, die sie jetzt neu dazu bekommen haben, müssten sie eigentlich was schaffen. Das sind ja wirklich Kapazitäten, die sie da gekriegt haben. Aber das Spiel miteinander, das muss klappen, die müssen ja erst mal richtig zusammen passen. Die müssen sich erst aufeinander einstellen.
SCHALKE UNSER:
Glück auf und herzlichen Dank für das Gespräch.
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 24
(rk) Günter Eichberg hatte nun mit Aleksander Ristic und Günter Netzer sein Traum-Duo um sich geschart. Da konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Doch er sollte nicht der Erste sein, der erfahren musste, dass man Erfolg nicht kaufen kann.
Attacke-Profi
„Dadi, dadi, dadidididididi - Attacke!“ Der Baggerführer Marino Fioretti aus Essen, bekannt geworden als nimmermüder „Attacke“-Bläser, wurde zum ersten Profi-Fan der Fußball-Bundesliga. Während des Trainingslagers auf Gran Canaria hatte er einen Zweieinhalb-Jahresvertrag erhalten. Ausgestattet mit Werbe-Mütze und -Trikot sollte der Hobby-Trompeter die Schalker künftig auch zu Auswärtsspielen begleiten. Für „Fio“ erfüllte sich ein Traum, bisher musste er alle Kosten selbst tragen. Rund 7.500 Mark Gage sollte er jährlich erhalten, und die „Dienstreisen“ waren für ihn fortan frei - ein absolutes Novum im deutschen Fußball, das wohl auch nur in der „Ära Eichberg“ möglich war. Übrigens: In der Saison 2003/2004 trainierte „Fio“ die E-Jugend von SV Altenessen 1912.
Die Nerven liegen blank
Auf dem Spielfeld lief es nach der Winterpause gar nicht mehr. Einem 0:1 in Karlsruhe folgten in einem niveauarmen Spiel ein 0:0 gegen Werder Bremen und ein 0:2 bei Hansa Rostock. Die Talfahrt schien bedrohlich zu werden. Gegen seinen alten Club Fortuna Düsseldorf setzte Ristic wieder auf Günter Schlipper, doch Schalkes Offensiv-Abteilung war zu zaghaft - nur ein mageres 0:0 kam dabei heraus. Im Endspurt der Bundesliga ging den Königsblauen anscheinend die Luft aus. Auch gegen die Stuttgarter Kickers verlor man zu Hause mit 1:2. Die Nerven lagen blank. Da misslangen die einfachsten Dribblings, die Bälle rutschten selbst gestandenen Spielern wie Günter Güttler vom Fuß. Zudem patzte Torhüter Jens Lehmann, der mit seinem verunglückten Abschlag den Stuttgartern nach 15 Minuten das 1:0 als verspätetes Ostergeschenk auf dem silbernen Tablett präsentierte.
Und dann der nächste Paukenschlag: Der FC Schalke 04 trennte sich wieder von „Scheitel“ Günter Netzer. Eichberg nannte als Begründung, dass sich die Schalker Vereinsführung entschlossen habe, die „Experimentierphase“ über neue Wege des Managements abzubrechen, weil dieses Modell nicht erfolgreich gewesen sei. „Telefon-Manager“ Netzer hatte also ausgedient.
Gefangen im Netzer
Zoff auf Schalke
Die Idylle trog in der Erbismühle, dem Trainingslager im Taunus. Drei Wochen vor Saisonbeginn sagte Trainer Ristic: „Kremers schleicht wie eine Hyäne herum, er wird die nächste Woche bei Schalke nicht überleben.“ Ristic war unzufrieden mit Kremers über sein mangelndes Engagement. „Ich mache hier alles selbst, besorge die Aber das war lange noch nicht alles: Schalke feuerte kurz drauf auch noch Trainer Ristic. Kurz nach 18 Uhr platzte die Bombe im Schalker Trainingslager in Billerbeck: Abgeschottet von der Außenwelt hatte sich der Vorstand in stundenlangen Verhandlungen im Hotel Weißenburg zu diesem Schritt durchgerungen. Pressesprecher Andreas Steiniger verkündete den einstimmigen Vorstandsbeschluss in einer Kurzmitteilung: „Schalke hat sich von Trainer Ristic getrennt. Es gibt keine weiteren Stellungnahmen.“ Mit sofortiger Wirkung übernahm Assistent Klaus Fischer das Abendtraining und sollte auch am nächsten Samstag in Dresden auf der Bank sitzen. Die langanhaltende sportliche Misere dürfte der Hauptgrund für den Trainer-Rausschmiss gewesen sein, aber der gewiefte Taktiker Ristic wies auch so manche menschliche Schwäche auf. Günter Güttler: „Im menschlichen Bereich gab es mit dem Trainer erhebliche Probleme. Er behandelt Menschen wie Material.“ Als großer Hoffnungsträger kehrte Ex-Kapitän Andreas Müller in den Kader zurück. Auf ausdrücklichen Wunsch von Präsident Eichberg reiste Müller der Mannschaft nach Dresden nach. Plötzlich war seine Kapselverletzung auskuriert.
Und Eichbergs Imperium geriet ins Wanken. Er, der sich allzu gern als der starke Mann von Schalke feiern ließ, musste eingestehen, dass seine zu großen Taten Auserwählten, Ristic und Netzer, ein persönlicher Irrtum waren.
Saisonfinale
Und auch der Trainerwechsel half bei Dynamo Dresden nicht (1:2). Doch Schalke wäre nicht Schalke, wenn man in Krisen nicht zusammenrücken würde. Die Fans hatten schon immer ein besonderes Gespür dafür, und so kamen zum nächsten Heimspiel 51.200 Zuschauer ins Parkstadion, die ein packendes, streckenweise sogar hochklassiges Derby gegen den VfL Bochum mit einem verdienten 2:1-Sieger Schalke 04 sahen. Damit war der Klassenerhalt nur noch theoretisch gefährdet und auch Schatzmeister Rüdiger Höffken hatte frohe Kunde: „Wir haben die Lizenz sowohl für die 1. und 2. Bundesliga sicher.“
Beim 1. FC Köln war Schalke allerdings nur Sparringspartner (0:3). Indes wurde Reiner Calmund als neuer Manager gehandelt. „Ja, es stimmt, Günter Eichberg hat mir ein Angebot gemacht“, wurde der schon damals schwergewichtige Bayer-Manager zitiert. Ist nichts draus geworden, bekanntlich nahm Calmund noch bis zur letzten Saison zwei bis drei Sitze in der „BayArena“ ein. Beim 2:0 über Kaiserslautern vor 61.200 Zuschauern beim Liga-Finale wurde Schalke mit Lob überhäuft. Mit Platz 11 hatte die Mannschaft ihr Saisonziel in letzter Minute doch noch erreicht.
Im nächsten Jahr sollte nicht mehr so gezittert werden. Mithelfen sollten dabei Michael Büskens und Antoine Hey, die von Fortuna Düsseldorf verpflichtet wurden. Thomas Linke vom Zweitligisten Rot-Weiß Erfurt erhielt einen Zweijahresvertrag. Der große Kracher sollte Uwe Scherr werden, der für drei Millionen Mark vom 1. FC Kaiserslautern kam und ausdrücklich von Berti Vogts als kommender Mann in der Nationalelf auf der rechten Seite empfohlen wurde. Aber Schalker wissen nicht nur seit dem: „Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.“ Nicht zu vergessen: Toni Schumacher kehrte zurück an den Schalker Markt, diesmal als Torwart-Trainer. Eichberg: „Ich bin glücklich, den Toni überredet zu haben. Mit seiner Erfahrung ist er der beste Mann, den wir bekommen konnten.“
Der graue Wolf
Dass der Schalker Kreisel rotierte, war jedem bekannt. Dass sich das Schalker Trainerkarussell noch schneller drehte, war allen klar, als der neue Trainer für die Saison 1992/93 vorgestellt wurde. Es war kein geringerer als Udo Lattek. Der damals 57 Jahre alte Fußball-Lehrer, mit 14 nationalen und internationalen Titeln erfolgreichster Vereins-Trainer der Welt, war Wunschkandidat von Eichberg. Gegen Klaus Fischers Engagement intervenierte der DFB, da der Ex-Profi keine für die Bundesliga gültige Trainerlizenz vorzeigen konnte. Um sich Ärger mit dem DFB zu ersparen, zog Eichberg die Notbremse - und kam auf seinen Duz-Freund Udo Lattek. Klaus Fischer wurde wieder zu den Schalker Amateuren beordert. „Es gibt im Leben Siege und Niederlagen, das war eine klare Niederlage“, meinte Fischer geknickt und verabschiedete sich erst einmal in den Urlaub.
In Udo Lattek, der in der vorangegangenen Saison als Sportdirektor des 1. FC Köln (man erinnere sich noch an den „blauen Pullover“) entlassen worden war, brannte wieder das Feuer: „Ich will noch etwas bewegen, nachdem man mir in Köln den Stuhl vor die Tür gesetzt hat. Ich bin für einen Beruf am Schreibtisch nicht geeignet. Ich bin wieder heiß und es war schon ein Kindertraum, einmal diesen Verein zu trainieren.“
Eichbergs erneuter Alleingang wurde im Nachhinein auch vom restlichen Vorstand getragen. Erst sah es so aus, als ob Schatzmeister Rüdiger Höffken sich gegen die Verpflichtung Latteks stellen würde: „Nur über meine Leiche“, wurde Höffken zum Thema Lattek zitiert. Doch als sich die Vertragsbedingungen herauskristallisierten, wurde er weich, denn Lattek sollte nach Punkten bezahlt werden. Höffken: „Er könnte der billigste Trainer werden, den Schalke je hatte: Null Punkte, null Mark.“
Zum Auftakt des Trainings kamen dann gleich 2000 Schaulustige, die dem Altmeister über die Schulter schauen wollten. Die Erwartungen für die neue Saison waren enorm hoch. Beim „Tag der offenen Tür“ kamen 15.000 Zuschauer bei sengender Hitze ins Parkstadion und sahen eine 1:3-Niederlage im Test gegen Lazio Rom, das mit Kalle Riedle antrat.
Jetzt geht’s los!
Beim ersten Spiel der Saison musste Latteks Truppe gegen die Wattenscheider Elf antreten - und es war ein verrücktes Spiel. 55.000 Zuschauer sahen drei Tore von Ingo Anderbrügge und trotzdem nahm Trainer Hannes Bongart beide Punkte mit an die Lohrheide. „Wenn man zu Hause vier Tore kassiert, dann kann es in der Abwehr nicht stimmen.“ Mit diesem Satz kennzeichnete Udo Lattek die 3:4-Heimniederlage.
Beim DFB-Pokalspiel in Göttingen zeigte Schalke, dass es noch gewinnen kann (3:1, Tore durch Christensen und zwei Mal Scherr) und machte sich damit Mut für das kommende Derby beim BVB. Im letzten Jahr hatte BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld die Angelegenheit noch unterschätzt, sich auf seine Derby-Erfahrungen aus Zürich verlassen und eine 2:5-Schlappe eingehandelt. Doch auch diesmal ging der BVB unter.
2:0 im Westfalenstadion - ein riesiges blau-weißes Fest im „Feindesland“. Beim sensationellen Sieg schoss Günter „Schlippinho“ Schlipper ein Super-Tor, tanzte Libero Reuter aus und machte den Weltmeister zur Lachnummer. Eichberg: „Der Schlippi - der ist entweder Welt- oder Kreisklasse. Diesmal war’s das erste.“ Die 76. Minute: Traumpass von Mihajlovic auf Christensen, der Däne schoss das 2:0 - und Lattek spurtete die Seitenlinie entlang, Christensen sprang ihm in die Arme, Trainer und Torschütze tanzten vor Glück, der erste Sieg in Dortmund seit genau zwanzig Jahren. Der eisgraue Wolf war wieder da! Schon vor dem Derby hatte Lattek gefragt „Warum nicht in Dortmund siegen?“, und hatte so seine Truppe nach der Wattenscheid-Pleite wieder wach gerüttelt.
Mord und Totschlag
Ottmar Hitzfeld empfand seine erste Heimniederlage mit dem BVB „als tiefen Schock“. Doch der eigentliche Schock sollte erst noch kommen. Denn zum ersten Mal hatten die Auseinandersetzungen rivalisierender Fans beim Derby nach dem Spiel zu einem Mord geführt. Die Tat ereignete sich rund zwei Stunden nach dem Abpfiff. Opfer war ein 24 Jahre alter Schalke-Anhänger.
Etwa fünf Minuten nach Abfahrt des Nahverkehrszugs N7141 Richtung Lünen nahm das Drama seinen Lauf. Ein 19jähriger betrat das Abteil, in dem die Schalke-Fans Werner M. und sein Bruder saßen. Der Täter hatte zuvor am Hauptbahnhof einen Schalke-Schal „erbeutet“, den er vor den Augen der beiden Schalker auf den Boden warf und darauf herumtrampelte. Bitten, diese Provokation zu unterlassen, wurden nicht erhört, es kam zu einem Handgemenge, bei dem er ein Messer zog und drohte, seinen Widersacher „abzustechen“. Zeugen aus einem benachbarten Abteil konnten ihn beruhigen, doch als der Zug um 19:05 Uhr in Dortmund-Derne hielt, ging der Täter zu dem Abteil zurück, in dem die Schalker saßen, und zog dort erneut das Messer mit der etwa 15 Zentimeter langen Klinge und rammte es bis zum Griff in den Rücken von Werner M. Der Täter ergriff die Flucht, wurde aber kurz drauf von Beamten des Bundesgrenzschutzes dingfest gemacht. Unterdessen bemühten sich zwei Notärzte um das Leben des Werner M., doch seine inneren Verletzungen waren zu stark. Er verstarb noch am Tatort und hinterließ eine schwangere Frau und ein Kleinkind.
Beide Vereine entschlossen sich spontan, ein Benefizspiel zu Gunsten der Angehörigen auszutragen. Dieses wurde Ende Januar ausgetragen, drei Tage nachdem die Ehefrau von Werner M. ihr zweites Kind entbunden hatte. Eine gemischte Elf aus BVB- und Schalke-Profis trat gegen einen Mix aus Bochum- und Wattenscheid-Spieler für den guten Zweck an (die Bochumer-Auswahl gewann mit 3:2) und sorgte so für einen Reinerlös in Höhe von 25.000 Mark.
Auf dem Boden der Tatsachen
Der Sieg beim BVB zeigte Wirkung: Zum nächsten Heimspiel gegen Gladbach pilgerten mehr als 50.000 Zuschauer ins Parkstadion. Günter Schlipper, der Schiedsrichter Amarell mit „blinde Nuss“ beleidigte und mit der gelb-roten Karte vom Platz verwiesen wurde, trug maßgeblich dazu bei, dass auch das zweite Heimspiel der Saison verloren ging (1:2). Schalke war wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden.
Beim nächsten Spiel bezwang „Not“ (FC Schalke 04) „Elend“ (1. FC Saarbrücken) mit 3:1. Ein unsägliches Gebolze im Ludwigspark. Saarbrückens Trainer Peter Neururer war nach dem Spiel todtraurig: „Mir tut die Niederlage besonders weh“, gestand er. Mit einer Rumpfelf ging es dann gegen Werder Bremen. Der Schock bereits vor Anpfiff: Ingo Anderbrügge und Yves Eigenrauch mussten verletzungsbedingt passen, Premiere dagegen für Thomas Linke und Martin Spanring. Ein mageres 0:0, das die Heimbilanz nicht wirklich schöner aussehen ließ.
„Mit dem Buchwald haben wir gerechnet, mit dem Frontzeck auch, nur mit dem Dubajic nicht“, beschrieb Schalkes Manndecker Thomas Linke die Szene in der 88. Minute im Neckarstadion. Ein sicher geglaubter Punkt wurde den Schalkern noch vom von Christoph Daum trainierten VfB Stuttgart entführt.
Verschnupft musste Schalke Im Pokal in der zweiten Runde bei Rot-Weiß Essen antreten. Ein Derby, das es in sich hatte, aber die Schalker Spieler anscheinend nicht inspirierte. Nach einer miserablen Leistung verloren die Knappen beim Nachbarn mit 2:0. Nach dem Spiel mimte Udo Lattek die beleidigte Leberwurst: Eine Woche lang strafte er seine Schützlinge mit Ignoranz. Von Montag bis Freitag soll er kein einziges Wort mit seinen Spielern gesprochen haben.
Und das, obwohl ganz Schalke trotz des Pokal-Aus in Party-Laune war, denn die Freunde aus Nürnberg hielten beim nächsten Match Einzug. Nach weiteren neunzig torlosen Minuten konnte Udo Lattek nur feststellen: „Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Im Duell der beiden Altmeister aber hatten die Schalker Fans ihrer Mannschaft nur noch eines auf den Weg gegeben: „Ihr seid zu blöd“, schallte es von den Tribünen, weil diese nur noch „Armutsfußball“ ablieferten.
Aber es ging noch schlimmer: In Leverkusen ging Schalke mit 1:6 baden. Jens Lehmann musste mit einem Innenband-, Kreuzband- und Meniskusriss plus Kapselsprengung ausgewechselt werden. Für ihn ging Mike Büskens ins Tor, weil bereits zwei Feldspieler ausgewechselt waren. Vier Schüsse kamen noch auf sein Tor, drei waren drin, nur bei einem gab es für ihn etwas zu halten. Bei den nächsten Spielen sollte Holger Gehrke das Tor hüten. Aber trotz der Super-Schlappe war von „Lattek raus“-Rufen keine Spur. Im Gegenteil. Nicht nur die Fans stärkten ihm den Rücken: „Diesen Trainer ziehen uns weder die Mannschaft, noch die Fans oder Medien unter dem Hintern weg - oder der Vorstand tritt geschlossen zurück“, verkündete Präsident Eichberg.
Ein Gläschen zuviel
Auch im fünften Heimspiel blieben die Knappen ohne Sieg - nur ein 2:2 gegen den Karlsruher SC. Aber das blieb nicht die einzige Peinlichkeit. Vielmehr war es Günter Eichberg, der in sichtlich angetrunkenem Zustand vor der Fernsehkamera Schiedsrichter Ziller als „Lusche“ und einzigen Amateur unter 22 Profis bezeichnete. Die Entgleisungen des Präsidenten, der in der Pressekonferenz einen Karlsruher Journalisten nach dessen Frage an den KSC-Trainer Winfried Schäfer mit den Worten attackierte: „Der sollte besser über die Bezirksliga berichten“, endeten kurz vor Mitternacht in einem Disput mit dem Verwaltungsratsmitglied Volker Stuckmann.
Dieser hatte vor der zwei Tage später stattfindenden Jahreshauptversammlung mehrfach Kritik an Eichbergs Amtsführung geäußert. Er hatte die nach seiner Meinung nicht ausreichenden Kontrollmöglichkeiten des Schalker Aufsichtsgremiums in der Marketing-GmbH-Führung bemängelt, deren einziger Gesellschafter Günter Eichberg war. Noch am Sonntag wurden die Unstimmigkeiten zwischen Eichberg und Stuckmann in einem persönlichen Gespräch ausgeräumt.
Eigentlich genügend Zündstoff für die Mitgliederversammlung, die aber am Ende doch harmonisch ablief. Eichberg entschuldigte sich artig für seine Entgleisungen, kündigte die Teilnahme im UEFA-Pokal im Jahre 1994 an, so dass die Führungsgremien bei nur drei Gegenstimmen von den 1.750 anwesenden Mitgliedern eher unspektakulär entlastet wurden. Die Schalker Bilanz vom 1.7.1991 bis zum 30.6.1992 schloss dabei mit einem Bilanzgewinn von 182.304,29 Mark ab, dennoch lasteten immer noch 9,6 Millionen Mark Schulden auf dem Verein.
Die Ruhe vor dem Sturm. Die Strategie von Günter Eichberg und Udo Lattek wollte nicht aufgehen. Amtsmüdigkeit machte sich breit - und schon bald sollte wieder ein neuer Trainer auf der Geschäftsstelle des FC Schalke 04 vorgestellt werden, mit dem es Jahre später ein Wiedersehen geben sollte. Dieses und vieles mehr in der nächsten Ausgabe des SCHALKE UNSER.
Mondiali Antirazzisti - Antirassistische Fußballweltmeisterschaft 2004
(jc) Zum achten Mal fand im Sommer die antirassistische Fanweltmeisterschaft im italienischen Montecchio statt. Nach dem hervorragenden dritten Platz des Vorjahres (von 168 Teams) fuhr die Schalker FanInitiative in diesem Jahr ohne größere sportliche Ambitionen in den Süden. Dafür hatten wir Kühlschrank, Festzelt und Biergarnituren an Bord, was die Interessenlage gut dokumentiert: netten Fussek spielen, aber vor allem Spaß haben. Und so kamen wir nach 16 Stunden Busfahrt morgens an. Schnell bauten wir die Zelte im für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Regen auf. Kurz erfrischt und dann verschafften wir uns den ersten Überblick.

Am Nachmittag kam als erster Gegner Modena, von dem wir uns, nach gutem Spiel, unentschieden trennten. Abends dann die schon bekannten Gesangswettkämpfe, bei denen wir nicht immer gut aussahen.
Für uns ging es am nächsten Morgen mit einer Niederlage gegen eine sympathische kurdische Mannschaft weiter, wobei man sich die Frage stellt, wie es zu einer Spielansetzung um 9.30 Uhr kommen konnte. Ohne Ersatzspieler, die nicht aus den Zelten zu kriegen waren, dafür mit jeder Menge Restalkohol waren wir chancenlos. Einigermaßen ausgenüchtert wurden die folgenden zwei Spiele gegen Patkari Mazedonia und Libe Resistence gewonnen, und so fehlte nur noch ein Sieg zum Weiterkommen.

Unglücklicherweise fand dieses letzte Spiel gegen St. Pauli am folgenden Tag wieder um 9.30 Uhr statt. Diese Mannschaft war bis dato sieglos und die ersten drei Minuten sahen auch nach einem leichten Spiel aus, bis sich dann ein Schalker im eigenen Strafraum vertändelte (Lucio lässt grüßen), Gegentor, Hamburger Catenaccio und damit raus aus dem Turnier. Aber so konnten wir uns die letzten beiden Tage voll auf die Veranstaltung konzentrieren. Diese war gewohnt gut organisiert. 5000 Leute unterzubringen, zu verköstigen und gute hygienische Bedingungen aufrecht zu erhalten, forderte den vollen Einsatz von fast 200 ehrenamtlichen Helfern.

Jeder konnte sich bei Informationsveranstaltungen von Fare („Football against Racism in Europe“), Gesprächen mit Partisanen, Debatten über die Zukunft der Ultras oder auf der Ausstellungsfläche der Piazza Antirazzista über Fanarbeit und Antirassismus informieren. Vor allem aber die fünftägige Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, auf dem Platz und außerhalb, erfüllte den Zweck der Toleranz- und Akzeptanzerweiterung.
Auf dem Spielfeld klappte das durch die Bank gut, daneben kam es allerdings zwei Mal zu körperlichen Auseinandersetzungen, was zum Ausschluss von drei Teams führte. Den hohen Kosten der Mondiali in Höhe von 160.000 Euro mussten die Veranstalter diesmal bei der Auswahl der Bands Tribut zollen. Spielten in den letzten Jahren noch Hochkaräter wie „Gentleman“ oder „Chumbawamba“, so war dieses Jahr höchstens „Zion Train“ der Mehrzahl bekannt. Dies tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch. So bleibt allen nur zu wünschen, dass sich die Mondiale Antirazzisti weiter etabliert.
Wir haben Bier bis zu Eurer 300-Jahr-Fete
(rk) Wer singt hier alles nur kein Scheiß? Ährwin, Ährwin Weiß! Wer weiß gleich nicht mehr, wie er heißt? Ährwin, Ährwin Weiß! Leute, was war das eine geile Fete! Etwa 350 Mitglieder der Ultras Gelsenkirchen, des Supportersclub und der Schalker Fan-Initiative drängelten sich anlässlich des 100. Geburtstags des FC Schalke 04 am 3. Mai 2004 in die Katakomben der Diskothek Fledermaus und rockten den Saal.
Schon im Vorfeld war klar, dass dieses Ereignis so einige andere „offizielle“ Veranstaltungen in den Schatten stellen wird. Wir brauchten uns wahrlich nicht hinter der Jubiläums-Feier in der Arena und der Musical-Aufführung von „nullvier - Keiner kommt an Gott vorbei“ zu verstecken.
Bei zivilen Preisen (Bier für einen Euro) wurde dann auch sogleich mächtig gebechert. Den musikalischen Opener machten dann die Sober Sister & the 04’s, die mit ihren Oldies im Punkrockgewand als Eisbrecher agierten. Die Acht-Mann-und-Frau-Combo hatte auf den ihr zur Verfügung stehenden zwei Quadratmetern sichtlich ihren Spaß.

Gleich im Anschluss betrat der Altmeister Ährwin Weiß, gehüllt in feinste Ballonseide, das Podest. Der Ruhrpott-Barde Ährwin hatte vor gut zwei Jahren einen heftigen Autounfall. Er war praktisch klinisch tot, keiner hatte ihn mehr auf der Rechnung. Nach zwei Jahren Reha betrat er nun wieder die Bretter, die für ihn immer noch das Leben bedeuten. Bei seinen Gassenhauern „Mäusken, willze mit mich Eis essen gehen“, „Oppa Pritschikowski“ und „Schalke 04 - Liebe im Revier“ wurde er dann auch von der Meute so abgefeiert, wie er dies seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Eigentlich brauchte Ährwin auch nur anwesend sein, denn alle Wahnsinnigen gröhlten aus Leibeskräften seine Lieder mit.
Nettes Schmankerl am Rande: Der Wirt der Diskothek Fledermaus wurde von uns im Vorfeld darauf hingewiesen, genügend Biervorräte bereit zu stellen. Seine Antwort: „Wir haben hier Biervorräte bis zu Eurer 300-Jahr-Feier“. Was sollen wir sagen? Um 22 Uhr war das Pils leer. Kurzerhand wurden weitere Fässer besorgt, bis dahin mussten die Gäste mit Cocktails vorlieb nehmen.
Im Anschluss an Ährwin Weiß versuchte der Kabarettist „Dr. Stolzenfels“ die Meute auf Trab zu halten, was aber angesichts der Höchstleistung von Ähwin sehr schwierig war. Um Punkt 24 Uhr sangen dann Ährwin und die Meute unser Vereinslied. Anschließend legte DJ Arno von Gelsenbeat für den Rest der Nacht so geil auf, dass einige ihre Oberkörperkleidungsstücke wie bei einem Torschrei entblößten. Das wird zwar normalerweise auf dem Spielfeld mit einer gelben Karte geahndet werden, gelb war an diesem Abend aber definitiv nicht angesagt.
Es war einfach ein geiler Abend, schön auch zu sehen, wie eine Fan-Szene durch so ein Event zusammenwachsen kann. Allen Gästen und Organisatoren sei nochmal der höchste Dank ausgesprochen. Eine Wiederholung folgt bestimmt!

