Nummer 48 - 2005/11
Auszüge aus dieser Ausgabe:
Attacke - Lieber nackt als blaurosa
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 29
„Die WM habe ich für mich noch nicht abgeschrieben“ - Interview mit Christian Pander
Die Randgruppenecke - Diesmal: Sitzschalenbesetzerrechthaber
Attacke - Lieber nackt als blaurosa
(axt) Jetzt wissen wir es: So stellen sich Premiere und „Bet and win” also Fußball vor. Eine hirnlose Masse, die jedes noch so dumme Spielchen mitmacht, Animation bis zum Kotzen braucht und überhaupt auch noch dafür bezahlt, Statist für die PremiereWerbeveranstaltung zu sein. Das ganze nennt sich dann „PremiereLigapokal“.
Wir geben zu, wir haben nicht geglaubt, dass es passiert. Wir dachten wirklich, dass kein Mensch hingeht und das macht. Aber beim letzten SCHALKE UNSER - Verkauf liefen sie an uns vorbei - behangen mit einem rosa-blauen Schal. Dass die Marketing-Abteilung so einen Schrott auf den königsblauen Markt wirft, ist das eine, dass es aber dann auch Personen gibt, die das freiwillig kaufen und streng öffentlich tragen, ist das andere.

Und so stehen sie neben, vor, hinter uns in der Kurve und ruinieren den ästhetischen Gesamteindruck. Darum für die Marketingleute und die blau-rosa Schalträgerinnen nochmals unser Vereinslied. Kurze Lesepause mit anschließender GEDenkMinute sei euch an dieser Stelle gewährt.
Und jetzt? Schön blöd, wenn Ihr die Quittung für den Umtausch nicht mehr habt. Dann sucht mal (am besten nach Einbruch der Dunkelheit) den nächsten AltschalContainer. Wir singen währenddessen schon mal weiter: „Ein Leben lang, blau und weiß ein Leben lang…“
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 29
(rk) Rudi Assauer wurde übel mitgespielt. Das ARD-Nachrichtenmagazin „Kontraste“ behauptete, der Manager wäre in einen Anlagebetrugskandal verstrickt gewesen. Assauer stritt hingegen alles ab, zeigte sich sogar recht amüsiert ob der skurrilen Berichterstattung: „Dienstagabend war auf der Geschäftsstelle immer mit der gesamten Belegschaft ‚Kontraste‘-Gucken angesagt. Man konnte darüber aber nur noch lachen. Die Geschichte war so dermaßen an den Haaren herbeigezogen.“
Der Mann im Nebel
In der nächsten Sendung von „Kontraste“ wurde das Thema noch heißer gekocht. Ein Zeuge im Halbdunkel belastete darin Rudi Assauer, von den Termingeschäften des in U-Haft sitzenden Peter Schwan gewusst zu haben. Wer dieser Zeuge war, wurde nicht gesagt, man sah lediglich seinen Schatten, die Stimme war verfälscht. Laut „Kontraste“ habe der Zeuge, der angeblich bedroht wurde, eine eidesstattliche Erklärung hinsichtlich der Richtigkeit seiner Behauptungen abgegeben. Eidesstattliche Erklärung? Hatten wir das nicht schon einmal?
„Assauer wusste, wie die Gelder beschafft wurden. Wie ich das sehe, hat Schwan sich eingekauft und Assauer hat ihm geholfen. Schwan alleine hätte den Geist dazu gar nicht gehabt“, äußerte sich der anonyme Zeuge. Zudem soll Assauer Peter Schwan seit „ungefähr 1988“ gekannt haben. Beweise blieben allerdings Fehlanzeige.
Hinter verschlossenen Türen tagte der Ehrenrat des Vereins. An die dreißig Demonstranten hatten sich vor der Geschäftsstelle eingefunden, und parallel dazu jagte eine Pressekonferenz die nächste. Assauer: „Langsam muss ich über die ganze Geschichte lachen. Ich sehe der Angelegenheit gelassen entgegen.“ Der Vorstand reagierte mit Bestürzung und Unverständnis auf den ARD-Beitrag. Man wollte nun weitere juristische Schritte gegen die Urheber dieser offensichtlich gezielten Kampagne einleiten. Rudi Assauer kämpfte um seinen Ruf, die BILD titelte: „Columbo Assauer jagt den Mann im Nebel: ‚Ich fahnde jetzt solange, bis ich den Kontraste-Kerl erwische. Und dann geht’s vor Gericht.‘“
Wenige Stunden vor der 0:1-Pleite gegen den 1. FC Kaiserslautern hob der Ehrenrat des FC Schalke 04 den vom Vorstand ausgesprochenen Vereinsausschluss gegen Helmut Kremers und Jürgen Wennekers wieder auf. Die Entscheidung, die aus formellen Gründen getroffen wurde, wirkte für die Chefetage wie eine Ohrfeige und löste neuen Ärger aus.
„So ein Verfahren habe ich noch nicht erlebt“, ereiferte sich Präsident Gerd Rehberg. Hintergrund: Teile des fünfköpfigen Ehrenrates sollen zweimal drei Stunden mit Wennekers und Kremers gesprochen, aber auf Erkundigungen beim amtierenden Vorstand verzichtet haben. Das Chaos war perfekt.
Nicht wenige Insider behaupteten, dass hinter den Türen ein Kuhhandel über die Bühne gegangen ist, denn noch vor der Entscheidung des Ehrenrates war Helmut Kremers als Aufsichtsratsmitglied mit sofortiger Wirkung zurück getreten. Dafür soll ihm die Mitgliedschaft im Klub zugesichert worden sein. Ein offensichtlicher Klüngel, den Herbert Burdenski und Heiner Kördell nicht teilten. Sie legten ihr Amt im Ehrenrat nieder. Initiator dieses „Kuhhandels“ soll der ehemalige Präsident Dr. Karl-Heinz Hütsch gewesen sein, mittlerweile 82 Jahre alt.
Verfluchtes Amsterdam
„Jetzt werden alle Register gezogen. Was dieses Magazin berichtet, ist erstunken und erlogen, und die dafür verantwortlichen Personen putze ich vom Tisch“, schimpfte Rudi Assauer, nachdem das „Kontraste“-Magazin erneute Vorwürfe erhob. Danach soll Assauers Auto am 22. März 1995 in Amsterdam gesehen worden sein, als das TV-Magazin von einem Informanten angeblich Beweismaterial gegen Assauer erhalten wollte, die Übergabe unter dubiosen Umständen aber platzte. „Ich war an diesem Tag zusammen mit Peter Peters und unserem Anwalt Fred Fiestelmann in Hünxe und nicht in Amsterdam“, schwor hingegen Assauer. Der empörte Manager bezeichnete den Bericht als eine „Ohrfeige für die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland. Ich frage mich, wer ein Interesse daran hat, mich in ein so schlechtes Licht zu rücken.“
Die hanebüchene „Beweiskette“, die die Journalisten des Senders Freies Berlin (SFB) konstruierten, brachten Assauer nun endgültig auf die Palme: „In der nächsten Folge werden sie wieder einen im Nebel zeigen, und der behauptet: ‚Ich hab gehört, der hat einen umgebracht’“. Es war wirklich eine TV-Satire über investigativen Journalismus vom Allerfeinsten: null Beweise, hundert Behauptungen. Eine davon war, dass es Fotos gebe, die zeigen sollten, dass sich Assauer und Schwan schon vor 1991 kannten. Aber das Foto konnte es gar nicht geben, deswegen mussten sie im Fernsehen zeigen, wie das Foto angeblich verschwindet.
Nun wollte Assauer Schmerzensgeld vom SFB: „Die haben mir in drei Sendungen nichts nachweisen können. Es gibt auch gar nichts nachzuweisen. Ich werde mehr Schmerzensgeld fordern als Caroline“. Caroline von Monaco hatte zuvor von der Illustrierten „Bunte“ 100.000 Mark wegen falscher, ehrrühriger Behauptungen erklagt - Assauer wollte nun 250.000 Mark.
Ein Gegendarstellungsersuchen hatte die „Kontraste“-Redaktion um ihren Leiter Jürgen Engert abgelehnt. Schalke setzte aber eine einstweilige Verfügung durch, diese Gegendarstellung auszustrahlen. Im Beschluss des Landgerichts Berlin hieß es: „Der Antragsgegnerin wird aufgegeben, unverzüglich in der nächsten Sendung für die Ausstrahlung der noch nicht abgeschlossenen Ausgabe des Magazins Kontraste unter Ankündigung im Rahmen der eingangs der Sendung moderierten Themenübersicht ohne Einschaltungen und Weglassungen die Gegendarstellung durch Vorlesen zu veröffentlichen.“
Um die Namen der Zeugen der „Kontraste“-Berichte ausfindig zu machen, setzte der Klub nun eine Belohnung von 25.000 Mark aus. Ein Kopfgeld wie im Wilden Westen. Derweil meldeten sich die Hertener Geschäftsleute Bodo Schöneberg und Hans Joachim Christ zu Wort, die sich durch die SFB-Journalisten hintergangen fühlten. In dem „Kontraste“-Bericht und einem Artikel in der Sport-Bild seien die beiden als „eingeschüchterte Zeugen“ dargestellt worden. „Eine ganz linke Tour“, so bezeichneten sie die Arbeit der SFB-Redakteurin Maritha Ballnuß. Schöneberg und Christ legten Wert darauf, dass nicht sie die beiden anonymen Zeugen waren, die vor der Kamera plauderten.
Alles begann am 11. März. „Ich traf mich in der Gaststätte Christ mit Maritha Ballnuß“, erklärte Schöneberg. „Die Redakteurin des SFB wollte in der Angelegenheit Schwan/Schalke 04 Recherchen anstellen. Während des Gesprächs, das von 19:30 bis 2:30 Uhr morgens ging, stellte Ballnuß falsche Behauptungen auf“, so Schöneberg.
Sie behauptete, Assauer sollte Schwan bereits aus seiner Oldenburger Zeit kennen und bereits dort mit ihm Geschäfte gemacht haben. Zudem habe Assauer Medienvertreter „voll im Griff“. Insbesondere mit Benno Weber, Peter Wenzel, Werner Hansch und Dirk Westerheide würde Rudi Assauer „Puff-Arien“ durchführen, um diese gefügig zu machen, zitierte Schöneberg.
All dies erzählte Schöneberg nach eigener Darstellung Rudi Assauer auf einer Hochzeitsfeier im Gasthaus Christ am 18. März. Werner Hansch (Sat 1) wehrte sich gegen die Vorwürfe und verklagte Ballnuß. „Lass die Finger von Schalke“, will Schöneberg der Journalistin bei ihrem zweiten Auftritt am 2. April in der Gaststätte Christ geraten haben. Dort hielt Ballnuß ihm vor, er sei nach ihren Informationen massiv unter Druck gesetzt worden und hätte nur deshalb die eidesstattliche Erklärung abgegeben. Die Journalistin habe dabei auf die Schnittverletzung am Jochbein von Bodo Schöneberg verwiesen. „Alles Quatsch, das war lediglich eine Schnittverletzung von meiner morgendlichen Rasur. Ich bin nie unter Druck gesetzt worden, diese Erklärung abzugeben. Wir sind keine Zeugen des SFB und haben auch niemals Informationen abgegeben.“ Hans Joachim Christ sagte hierzu nur: „Ich war 1994 nur einmal auf Schalke - und da spielte Pink Floyd.“
Während der in U-Haft sitzende Peter Schwan inzwischen abdankte und seinen Aufsichtsratsposten räumte, wurde im vierten „Kontraste“-Bericht der Zeuge enttarnt. Es handelte sich um den in te Lobith (Holland) lebenden Wolfgang Brygier. Laut Schalke-Anwalt Fred Fiestelmann wurde er kurz drauf an der holländischen Grenze verhaftet. Sein Strafregister sei „nicht mehr in Zentimetern“ zu messen (Betrug, Urkundenfälschung). Das ARD-Magazin stützte seine gesamte Recherche auf die Aussagen dieses einen, zwielichtigen Mannes.
Schalke konnte eine eidesstattliche Versicherung präsentieren, in der Brygier nun alle seine Vorwürfe gegen Assauer als haltlose Lügen entlarvte. Pikant dabei: Brygier behauptete nun, er sei von der Berliner Journalistin Maritha Ballnuß sowie von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Kremers und Wennekers zu Aussagen gegen Assauer gedrängt worden und habe Geld dafür bekommen (3700 Mark von Ballnuß). Geld kassierte er auch von Schalke: Die 25.000 Mark Belohnung für seine eigene Enttarnung steckte er selbst ein. Der Wahrheitsgehalt der Brygier-Aussagen wurde von den Schalker Verantwortlichen nicht als sonderlich hoch eingestuft. Fred Fiestelmann: „Dass Herr Brygier erzählt, was sein Gegenüber hören will, hätte ‚Kontraste‘ wissen müssen. Er hat dem ‚Spiegel‘ mehrfach Geschichten angeboten, aber die haben abgelehnt.“
Rudi Assauer wollte erst einmal den Deutschen Presserat über die dubiosen Recherche-Praktiken des SFB informieren. Und auch Fistelmann drohte frohlockendend: „Die Kontraste-Redakteure als auch Helmut Kremers und Jürgen Wennekers werden demnächst wohl Besuch vom Staatsanwalt erhalten.“
Der bis dato letzte Skandal-Krimi war nun aufgeklärt. Seitdem bewegt sich der FC Schalke 04 in ruhigeren Fahrwässern.
Hiermit endet - vorerst - die Serie über die schönsten Skandale des FC Schalke 04. Vielleicht gibt’s ja eines Tages neue Skandale zu berichten - vielleicht aber auch nicht. Alle bisherigen 29 Folgen, angereichert mit weiteren Interviews sowie der Serie „Der Mythos lebt“ aus den ersten Ausgaben des SCHALKE UNSER findet Ihr in dem Buch „Die Spitze des Eichbergs“, erschienen im Klartext-Verlag. Die broschierte Ausgabe ist in allen Buchhandlungen für 14,90 Euro zu kaufen.
„Die WM habe ich für mich noch nicht abgeschrieben“
(jc) Christian Pander spielt seit Juli 2001 auf Schalke. Oder auch nicht; denn zuerst plagte ihn eine komplizierte Adduktorenverletzung, dann riss ein Kreuzband. SCHALKE UNSER sprach mit ihm über Verletzungen, die Nationalmannschaft und Aktionen gegen Rassismus.
SCHALKE UNSER:
Christian, wie geht es dir?
CHRISTIAN PANDER:
Seit vier Wochen bin ich wieder im Lauftraining, zur Zeit bei 80 Prozent Belastung. Die Arbeit mit dem Ball geht aber leider noch nicht schmerzfrei.
SCHALKE UNSER:
Wann hoffst du wieder mit der Mannschaft trainieren zu können?
CHRISTIAN PANDER:
Das ist schwer zu sagen. Man hat mir gesagt, dass es nach der OP mindestens 6 Monate dauern würde. Die sind jetzt vorbei. Der jetzige Schmerz ist „normal“, müsste aber bald weg sein. Einen genauen Zeitpunkt kann ich nicht nennen.

SCHALKE UNSER:
Nun ist das mit 22 schon deine zweite große Verletzung. Ist das Zufall oder gibt es dafür Gründe?
CHRISTIAN PANDER:
Nach Gründen habe ich nicht gesucht, da es zwei unterschiedliche Verletzungen sind. Jetzt ist ein Band gerissen, und ich wurde operiert. Jetzt weiß ich ungefähr, wie es weitergeht. Das, was ich vorher hatte, waren elf Monate der Ungewissheit.
SCHALKE UNSER:
Das erste Mal warst du auf dem Sprung in den Profikader, jetzt warst du kurz vor dem Einsatz in der Nationalmannschaft. Wie geht man damit um, wenn man so zurückgeworfen wird?
CHRISTIAN PANDER:
Die erste Verletzung mit den Adduktoren kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Denn ich war mehrmals kurz davor, eingewechselt zu werden. Aber es ging dann doch noch nach vorne, und ich habe den Sprung geschafft. Dass der Kreuzbandriss jetzt dazu kam, ist natürlich sehr unglücklich.
SCHALKE UNSER:
Ist die WM 2006 für dich eigentlich schon abgeschlossen, oder machst du dir da noch Hoffnungen?
CHRISTIAN PANDER:
Für mich ist sie noch gar nicht abgeschlossen, denn auf meiner Position gab und gibt es Probleme. Ich mache mir noch Hoffnungen, auch wenn Marcel Jansen in der Nationalmannschaft sehr gut gespielt hat.
SCHALKE UNSER:
Diese Position ist mit Sicherheit generell ein Problem. Mit dir hat Schalke jemanden gefunden, der die Position gut spielt. Im Gegensatz zu deiner Spielweise bei der A-Jugend agierst du aber viel verhaltener. Du gehst nur noch zwei bis drei Mal pro Spiel richtig über die Mittellinie und achtest eher darauf, dass dein Spiel defensiv stimmt.
CHRISTIAN PANDER:
Ja, das ist so. Mein Hauptaugenmerk habe ich auf die Defensive gelegt, weil dort auch meine Schwächen liegen. Wenn man nach vorne was macht, führt das nicht immer zu einem Tor. Aber wenn man defensiv schlecht steht, hat man schnell eins gefangen. Gerade bei unserem System. Letztes Jahr habe ich keine Absicherung gehabt, weil der Kobi versetzt in der Mitte gespielt hat. So hatte ich ein bis zwei Gegenspieler gegen mich.
SCHALKE UNSER:
Wie hast du die Diskussion am Anfang der Saison aufgenommen, als es um Verstärkung auf der linken Seite ging? Obwohl sich Schalke dann doch entschlossen hatte, die Zeit mit Spielern aus dem vorhandenen Kader zu überbrücken, bis du wieder fit bist.
CHRISTIAN PANDER:
Für mich war das natürlich sehr gut, dass man gesagt hat, man baut auf mich. Jetzt ist es an mir, wieder zu kommen und an die alte Leistung anzuknüpfen.
SCHALKE UNSER:
Wurdest du von den beiden Trainern Jupp Heynckes und Ralf Rangnick unterschiedlich eingestellt?
CHRISTIAN PANDER:
Nein, die haben mir beide gesagt, ich soll Druck nach vorne machen.
SCHALKE UNSER:
Wie war dabei die Unterstützung von den älteren Spielern?

CHRISTIAN PANDER:
Ich wurde sehr gut unterstützt. Gerade Mladen Kristajic hat mir viele Tipps gegeben.
SCHALKE UNSER:
Bist du denn zur Zeit an der Mannschaft dran oder durch die Rehamaßnahmen eher etwas weg?
CHRISTIAN PANDER:
Ich bin zwei bis drei Mal die Woche vor dem Training da und auch vor dem Spiel. Aber so richtig nah dran komme ich nicht, da ich auch die Reisen nicht mitmache. Die Reha steht im Vordergrund.
SCHALKE UNSER:
Beim Spiel gegen die Bayern hat die Schalker Fan-Initiative zusammen mit Dachverband, Supportern und Ultras eine Flugblattaktion gegen verstärkte Nazipräsenz am Hauptbahnhof gemacht. Du trägst die StandUpSpeakUp-Armbänder, registriert du solche Aktionen und wie schätzt du das Thema ein?
CHRISTIAN PANDER:
Von der Aktion habe ich nicht viel mitbekommen, aber generell finde ich Antirassismusaktionen unterstützenswert.
SCHALKE UNSER:
Bemerkst du als Spieler rassistische Verhaltensweisen in den Stadien?
CHRISTIAN PANDER:
Ja, ich kann mich zum Beispiel an ein UI-Cup Spiel vor zwei oder drei Jahren erinnern, da gab es so was. Aber in der letzten Zeit hat es rapide abgenommen und sich auf jeden Fall verbessert, da es viele gibt, die etwas dagegen unternehmen.
SCHALKE UNSER:
Kannst du dir vorstellen, dass die Mannschaften sagen könnten: „Hier spielen wir nicht weiter, weil es massiven Rassismus auf den Rängen gibt“?
CHRISTIAN PANDER:
Da muss man abwägen, wie weit das geht und ob man das nicht anders regeln kann. Aber ich stehe voll und ganz hinter Aktionen gegen Rassismus.
SCHALKE UNSER:
Wie beurteilst du die Berichterstattung zum angeblichen „Spieleraufstand gegen Rangnick“. Machst du dir da Gedanken über die Macht von Medien?
CHRISTIAN PANDER:
Als die Sache aufkam, habe ich mir viele Gedanken gemacht. Ich bin, wie gesagt, momentan nicht so nah an der Mannschaft. Aber diese Geschichte war, glaube ich, frei erfunden.
SCHALKE UNSER:
Verfolgst du Berichte über dich in den Zeitungen?
CHRISTIAN PANDER:
Nein, das mache ich eigentlich nicht. Meine Eltern haben viele Sachen gesammelt. Wenn ich zu Hause bin, schau ich da mal rein. Im Endeffekt lasse ich mich davon nicht beeinflussen.
SCHALKE UNSER:
Gehört nicht eine große mentale Stärke dazu, sich von Zeitungsberichten und von dem Druck Zehntausender im Stadion unbeeindruckt zu zeigen?
CHRISTIAN PANDER:
Das denke ich auch. Das ist keine einfache Sache, aber gerade das Publikum hier nimmt einen sehr gut auf und unterstützt uns.
SCHALKE UNSER:
Schalke steht unter hohem Erfolgsdruck. Da ist es für einen jungen Spieler doch bestimmt schwer, in die Mannschaft zu kommen. Ist es vielleicht einfacher, bei Vereinen wie zum Beispiel Hannover 96 Fuß zu fassen?
CHRISTIAN PANDER:
Bei kleinen Vereinen ist es natürlich wesentlich einfacher, Spielpraxis zu sammeln. Andere Vereine können nicht so einkaufen wie wir, daher setzen sie stärker auf die Jugend.
SCHALKE UNSER:
Christian, wir danken dir für das Gespräch, und hoffen, dass du bald wieder für Schalke auf dem Platz stehen kannst. Glückauf.
Die Randgruppenecke - Diesmal: Sitzschalenbesetzerrechthaber
Sitzplatznummer-Terroristen
(axt) „Sitzen ist für’n Arsch“, heißt es nicht umsonst. Und wenn zu einem internationalen Spiel in der Nordkurve jemand darauf besteht, nun unbedingt „seinen“ Sitz haben zu wollen, was schließen wir im Geiste dieser Weisheit also daraus?
Man mag es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich immer mehr Leute - statt weniger -, die zu einem Champions-League-Spiel kommen und penetrant darauf bestehen, dieser oder jener Sitz sei der ihre, obwohl rundum noch genug Plätze frei sind.
Liebe Arenatouristen: Der Platz, für den Ihr die Karte von Mami oder Papi bekommen habt, ist in der Nordkurve. Das ist da, wo die komischen Leute rumstehen, die das ganze Spiel über stehen, hüpfen, singen, mit den Armen wedeln, Fahnen schwenken und so weiter - genau das, was Ihr vom Fernsehen kennt, wenn die Kamera ins „Publikum“ schwenkt.
Das sieht hübsch aus, nicht wahr? Jetzt seid aber Ihr da mitten drin, und im Unterschied zum GEZ- und Premierenabo-bezahlten TV ist das nicht im Preis inbegriffen, sondern hat seinen Preis. Nämlich, dass es anders ist als auf Eurer Karte steht. Wir erklären Euch das mal ganz langsam.
Der junge Mann, der da unten mit dem Rücken zum Spielfeld steht, ist kein Ordner. Sondern einer von den Ultras - jetzt keine hektischen Flecken im Gesicht bekommen, wir erklären Euch gleich, was das ist. Aber erst einmal: Das, was der da durch sein Megaphon brüllt, sind keine Anweisungen, wie Ihr gleich am besten zum Parkplatz kommt, nein, der will, dass Ihr mitsingt.
Und nein, ein Textbuch gibt es nicht. Aber auch hier keine Panik, Ihr müsst euch nur merken, Ihr seid auf Schalke. Das Wort kommt in den Liedern recht häufig vor. Damit habt Ihr schon die halbe Miete.
So, und jetzt das mit den Ultras: Das ist eine - recht große - Gruppe junger Männer und ein paar Frauen, die sich auf die Fahnen - die bunten Dinger, die immer so rumflattern - geschrieben haben, die Gesänge in der Kurve zu koordinieren und auch anzuheizen. Nun waren die vorher aber in anderen Blöcken, von Euch aus gesehen „so da so links irgendwo“. Das klappte aber nicht so gut, also sind sie hinter das Tor - das Eckige, wo das Runde rein soll - umgezogen. Ist ja auch kein Problem, denn in der Nordkurve steht man ja, wenn man nicht gerade hüpft - siehe oben.
Ne, nochmal: Also, das, wo Ihr drin stehen tut, das ist die Nordkurve. Und die lustigen Sitze, auf deren preußisch-korrekte Nummer Ihr besteht, die sind nicht immer da. Neinnein, die montiert der Verein nur zu internationalen Spielen - Ihr seid nämlich bei einem solchen, wisst Ihr? Darum sind das alle gewohnt, da zu stehen, wo Platz ist. Beim Stehen gibt es nämlich keine Nummern. Und das machen dann alle auch, wenn da Sitzschalen sind. Sonst wären nämlich die Ultras nicht da, wo sie sind. Und dann wäre das im Fernsehen auch nicht so hübsch bunt, nicht wahr?
Das aber heißt dann, dass die Ultras ein paar Leute „vertrieben“ haben, die sonst da sitzen könnten - aber nicht würden -, wo jetzt die Ultras sind - Ihr erinnert Euch, die jungen Leute mit der Stimmung. Die haben dann eben Platz gemacht und sind ganz einfach woanders hingegangen. Da sind nämlich viele, viele Plätze frei. Und die, die dort hinwollten, sind auch einfach weiter gerückt. Und wieder und weiter und so fort.
So, und dann kommt jetzt Ihr. Das wäre aber eine ganz böse Kettenreaktion. Man stelle sich vor, Ihr ruft die Ordner und dann wird wieder zurücksortiert? Nein, das geht nicht. Da ist es schneller, man tut einfach ganz erwachsen, hat mal nicht Recht, sondern ein Sozialverhalten und sucht sich ‘nen freien Platz. Und schon ist die Welt ganz, ganz schön. Und wenn Ihr jetzt noch mitsingt, mithüpft, mittanzt und all das, dann kommt das auch gut im Fernsehen.
Und ganz nebenbei feuert Ihr die Mannschaft an. Das sind die, die Blau und Weiß tragen. Also, nicht in der Kurve, sondern auf dem Rasen. Das ist das Grüne.

