Nummer 54 - 2007/05
Auszüge aus dieser Ausgabe:
Attacke - Bitte keine Herzen, wir nehmen Hirn
„Ich bin Optimist“ - Interview mit Jupp Schnusenberg
„Die Kerzen sollten reichen für die Meisterschaft“ - Interview mit Mirko Slomka
„Wenn die Arena ausrastet, können wir jeden in Grund und Boden singen“ - Interview mit Kirsche und Simon
Tausend Trainer schon verschlissen - Teil 3
Stoffwechselprobleme
„Ich wollte immer nur im Tor stehen.“
Damnatio memoriae
Kein Treppenwitz
Attacke - Bitte keine Herzen, wir nehmen Hirn
Schalke wird diesmal Meister, das muss so sein, und wenn nicht, dann gibt es Tränen. Aber nicht, weil die Schale uns in der gefühlten 72. Minute der Nachspielzeit eines von Markus Merk verpfiffenen Spiels geklaut wird, sondern weil wir wieder ein ewiges „Meister der Herzen“ ertragen müssen.
Bitte, „Meister der Herzen“ muss nicht sein, eine verpatzte Meisterschaft ist schlimm genug. Da brauchen wir nicht die Kreatief-Abteilung einer Boulevardzeitung mit weder gekonntem noch auch nur ansatzweise gewolltem journalistischen Anspruch, die uns diesen Schwachsinn anhängt, bis wir kotzen.
Müssen wir uns das von vorgeblichen Journalisten sagen lassen, die „Hirn“ für einen Geschmacksverstärker im Hundefutter halten? Gibt es sowas wie eine gefühlte Meisterschaft? Was soll das bitte sein, dieses „der Herzen“? Verona Pooth, formerly known as Feldversuch, ist dann die „Intelligenzbestie der Herzen“? Franzekanzler Vizefehring ist „Regierungschef der Herzen”? Die Fans von Cottbus sind „Antirassisten der Herzen“?
Und was ist mit den anderen schönen Organen, die man so verballhornen kann? Calmund der „Diätkünstler des Magens“? Lincoln „Pazifist der Fäuste“? Andi Möller „Tough Guy der Tränendrüsen“? Die Lüdenscheider Borussia „Nichtabsteiger der Ärsche“? Und die „Bild“-Redakteure dann „Journalisten der Hirne“?
„Ich bin Optimist“
(usu) Das Titelbild der Ausgabe 49 des SCHALKE UNSER war Gerd Rehberg gewidmet und wir führten damals ein Interview zu seinem Rücktritt. Doch dann kam alles anders. Und somit tritt Rehberg erst jetzt - ein Jahr später - zurück und Josef Schnusenberg wird seine Position übernehmen. SCHALKE UNSER sprach mit ihm über seine neue Aufgabe und den 19. Mai.
SCHALKE UNSER:
Am 18. Juni tritt Gerd Rehberg zurück und Sie werden Präsident. War es schon länger Ihre Lebensplanung, diese Funktion zu übernehmen?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Eigentlich nicht, denn ich habe mich in der Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden wohl gefühlt. Aber andererseits war es für mich keine große Überraschung, denn der Kreis der möglichen Kandidaten war ja überschaubar.
SCHALKE UNSER:
Was packen Sie als erstes an, wenn Sie Präsident sind?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich werde wie bisher für Steuern und Finanzen zuständig sein. Zusätzlich wird aber meine Aufgabe als Präsident - oder wie es satzungsgemäß richtig heißt, als 1. Vorsitzender - sein, den Verein nach außen zu repräsentieren. Meine Politik und Philosophie ist, den Verein mit innovativen Maßnahmen nach vorne zu bringen, wie ich es schon in finanziellen Belangen seit längerem durchführe. Dies ist in der Wirtschaft völlig normal, im Sport aber immer noch gewöhnungsbedürftig.
Und ich will natürlich, wie schon häufig gesagt, „primus inter pares“, Erster unter Gleichen, sein. Jeder von uns drei Vorstandsmitgliedern hat seinen Aufgabenbereich, den er eigenverantwortlich betreut. Ich sehe mich als Moderator.
SCHALKE UNSER:
Der Verein Schalke 04 bekommt immer mehr Mitglieder und der Vorstand wird immer kleiner. Wird somit Ihre Vorstandstätigkeit zur Vollbeschäftigung?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Das ist sie schon seit längerer Zeit. Ich bin täglich hier auf Schalke. Mein Steuerbüro hat meine Tochter übernommen.
SCHALKE UNSER:
Somit ist keine Verquickung mit der Firma Tönnies mehr gegeben?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich bin Testamentsvollstrecker nach Bernd Tönnies. Dies ist ein persönliches Amt, das nicht auf andere übertragen werden kann. Ich bin seit langem mit der Familie befreundet. Ich sehe darin aber kein Problem, im Gegenteil, ich denke, es ist förderlich.
SCHALKE UNSER:
Wo sehen Sie Schalke in zehn Jahren?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich fürchte, da werde ich nicht mehr dabei sein. Alle - auch Rudi Assauer - haben in den letzten Jahren Gewaltiges geleistet. Darauf kann aufgebaut werden. Ich bin sicher, dass die wirtschaftliche Entwicklung phänomenal sein wird. Schalke wird sich beständig unter den ersten drei etablieren. Klar ist dies auch der Anspruch des Sponsors.
SCHALKE UNSER:
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal auf Schalke?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich war immer mal auf Schalke, um mir ein Spiel anzuschauen, wie ich auch in anderen Stadien war. Da gab es aber keine tiefere Verbindung. An einem Sonntag im Jahr 1993 hat mich Bernd Tönnies dann zu einer Vorstandssitzung mitgenommen, weil er wollte, dass ich mich zusammen mit ihm vorstelle. Mit der Übernahme von Funktionen wurde Schalke dann bei mir zur Leidenschaft.
SCHALKE UNSER:
Was machen Sie, wenn Sie sich mal nicht mit Fußball und insbesondere S04 beschäftigen wollen?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich lese viel und versuche im Moment, leider mit wenig Erfolg, russisch zu lernen. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie - insbesondere mit meinen Enkelkindern. Wir sind eine Großfamilie, da wir nebeneinander wohnen und nehmen nach Möglichkeit die Mahlzeiten gemeinsam ein. Wir fahren auch gemeinsam in Urlaub.
Seit langem unterstütze ich auch das Franziskanerkloster in meinem Wohnort. Golf würde ich nie spielen und auch Jagen wäre nicht mein Ding.
SCHALKE UNSER:
Was machen Sie am 19. Mai um 17:15 Uhr?
JOSEF SCHNUSENBERG:
Da feiere ich natürlich die Deutsche Meisterschaft, ich bin Optimist!
SCHALKE UNSER:
Danke für das Gespräch. Wir teilen gerne Ihren Optimismus. Glückauf!
„Die Kerzen sollten reichen für die Meisterschaft.“
(rk) In der Öffentlichkeit hat er das Image des „netten Herrn Slomka“. Am Spielfeldrand wirkt er abgeklärt und besonnen, die Ruhe selbst. Doch er kann auch anders. SCHALKE UNSER sprach mit Mirko Slomka vor dem Endspurt um die Deutsche Meisterschaft über Presseboykotts, sibirische Straflager und Kerzen für die Meisterschaft.
SCHALKE UNSER:
Mirko, du hast Sport und Mathematik auf Lehramt studiert, bevor du als Fußballlehrer angefangen hast. Hilft dir die Mathematik heute auch bei der Spielanalyse?
MIRKO SLOMKA:
Ja, insbesondere die Statistik hilft hier und da schon, aber insgesamt ist der Fußball zu wenig berechenbar. Wahrscheinlichkeitsrechnung hilft einem da wenig weiter. Es gibt einfach zu viele Parameter, die unberechenbar sind: Bespielbarkeit des Platzes, äußere Umstände, Wetter, die Persönlichkeit der Spieler, die Emotionen.
SCHALKE UNSER:
Aber es gibt doch die bekannte „ran“-Datenbank: Kommen die Flanken des Gegners mehr über links, über welche Spieler laufen die Angriffe, in welche Ecke springt der Torhüter beim Elfmeter? Nutzt du so etwas in der Art?
MIRKO SLOMKA:
Ja, klar. Vor dem Bayern-Spiel etwa war statistisch klar zu belegen, dass Bayern München Schwächen beim Abwehren von Flanken hat, insbesondere bei Flanken über deren rechte Abwehrseite auf den zweiten Pfosten. Die Bayern haben in der Innenverteidigung Abstimmungsprobleme und außen einen Philipp Lahm, der aufgrund seiner Größe nicht gerade kopfballstark ist.
Nur muss man die Flanken erst einmal schlagen - das ist uns in München so gut wie gar nicht gelungen. Als Hinweis an die Spieler sind solche Statistiken aber natürlich sehr nützlich, doch die Tagesform bleibt eben unberechenbar.
SCHALKE UNSER:
Nach dem Studium hat es dich zum Fußball verschlagen, zunächst als Jugend-Trainer bei Hannover 96.
MIRKO SLOMKA:
Ich habe wirklich ziemliches Glück gehabt, bei Hannover reinzurutschen und dort meine sportlich-pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen zu können. Ich habe auch einen tollen Jahrgang vorgefunden: Christoph Babatz, Niclas und Dennis Weiland, später dann Gerald Asamoah, Fabian Ernst, Raphael Schäfer, Sebastian Kehl und Per Mertesacker. Es waren schon einige Hochkaräter dabei, es hätten aber vielleicht auch noch mehr Profi-Fußballer werden können.
SCHALKE UNSER:
Bei Tennis Borussia Berlin hast du danach auch zunächst im Jugend-Bereich gearbeitet.
MIRKO SLOMKA:
Ja, das war auch eine sehr erfolgreiche Zeit. Ich war dort für das Training der gesamten TeBe-Jugend verantwortlich. Wir sind mit der A-Jugend bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft gekommen, dort erst an Leverkusen gescheitert. Von den damaligen Spielern hat Christian Tiffert den Sprung in den Profi-Fußball geschafft.
Dann gab es den Lizenzentzug der Zweitliga-Mannschaft von TeBe und für mich die Chance, als Cheftrainer zu arbeiten. Eine interessante Aufgabe, da es nun darum ging, den Jugend- und Amateurbereich zusammen zu bringen.
Es war aber auch eine schwere Aufgabe, denn es sind Dinge vorgefallen, die ich nicht erwartet hatte. Das waren schwere Wochen, in denen ich am Ende auch während der Vertragslaufzeit beurlaubt worden bin. Anschließend habe ich direkt die A-Lizenz in Köln absolviert.
SCHALKE UNSER:
In der Presse hieß es damals, dass der bisherige Amateur-Coach Roland Jaspert von TeBe „menschlich enttäuscht“ gewesen sei, dass nicht er, sondern du den Cheftrainer-Posten erhalten hattest. Ähnlich enttäuscht äußerte sich Ralf Rangnick nach seinem Rauswurf bei Schalke.
MIRKO SLOMKA:
Wenn ein Jugend-Trainer mit seiner Mannschaft bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft vorstößt, sorgt das natürlich für Aufregung. Das war schon außergewöhnlich für diesen Verein.
TeBe hatte keine großen Mittel und daher war klar, dass ein Großteil der A-Jugend-Mannschaft die Regionalliga bestreiten wird. Und am Ende hat dann sicherlich mein Konzept die Vereinsspitze überzeugt.
Dass der damalige Amateurtrainer Roland Jaspert enttäuscht war, ist doch klar, aber sicher nicht von mir, sondern vielleicht eher von der Vereinsführung. Ich wundere mich immer wieder, dass diese Geschichte noch ausgegraben wird, denn da ist überhaupt nichts dran.
SCHALKE UNSER:
Was uns immer wieder auffällt: Schalke ist ein sehr emotionaler Verein.
MIRKO SLOMKA:
… und der Trainer nicht (lacht). Das stimmt aber nicht ganz. Ich kann auch ganz emotional geladen sein.
Aber ich vertrete die Meinung, dass ein Trainer seiner Mannschaft auch Ruhe und Gelassenheit vermitteln muss. Wobei ich in den letzten Spielen auch mehrfach emotional reagiert habe. Vielleicht nicht auf die Spieler, sondern mehr auf die Schiedsrichter.
In München gab es extrem viele Fouls von einzelnen Bayern-Spielern, die nicht geahndet wurden, und auf unserer Seite erhält Fabian Ernst für sein erstes Foul die gelbe Karte. Da stimmte aus meiner Sicht die Ausgewogenheit nicht, dann kann ich auch mal impulsiv werden. Aber als Trainer möchte ich die Contenance bewahren und den Leuten zeigen, dass ich weiß, was ich tue, und wir alle gemeinsam wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Zudem gibt es in unserer Arena schon so viele Emotionen und Hektik, da muss ich die nicht noch weiter schüren.
SCHALKE UNSER:
Apropos Arena: Die Münchener Allianz-Arena hat uns beim Auswärtsspiel ziemlich enttäuscht. Ein einziges Beton-Bauwerk ohne Leben und Seele.
MIRKO SLOMKA:
Ich war bei der WM dort und bin auch mit dem Zug und der U-Bahn angereist. Das ist für mich - wie ihr euch denken könnt - nicht ganz spaßig, aber bei der WM wollte ich das mal selbst miterleben. Die Allianz-Arena sieht zwar von außen spannend aus, aber ich gebe euch recht: Das Drumherum ist ziemlich trostlos, keine Brezelbude oder ähnliches. An unserer Arena wird da schon ein netteres Rahmenprogramm geboten und man kann bei schönem Wetter draußen seine Bratwurst essen oder sein Pils trinken.
SCHALKE UNSER:
Denken wir an das letzte Jahr im Oktober, November zurück: Die Presse hat damals ein ziemlich düsteres Bild von Schalke gezeichnet. Aus im DFB- und UEFA-Pokal, zerstrittenes Team, Maulwurf-Affäre. Davon ist momentan nicht mehr die Rede.
MIRKO SLOMKA:
Die Mannschaft ist in dieser Zeit extrem gereift. Auch das Schweigen der Spieler nach dem Heimspiel gegen Bayern bis zum Jahresende hat uns sehr zusammengeschweißt. Alle Spieler waren da der gleichen Meinung und haben an einem Strang gezogen. Es gab keine Informationen mehr aus der Mannschaft heraus.
Und ich fand diese Aktion auch konsequent und richtig, da nicht mehr wahrheitsgetreu über uns berichtet wurde. Da standen erfundene Lügengeschichten in der Presse, wo jeder von uns wusste, das ist an den Haaren herbeigezogen.
Aber natürlich ist es auch so, dass der Erfolg das Zusammengehörigkeitsgefühl verbessert. Viele Dinge gehen dann leichter von der Hand. Im Sportstudio hatte ich es auch schon gesagt: Die einzige Sache, die ich im Nachhinein anders regeln würde, war die Angelegenheit zwischen mir und Gerald Asamoah. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass anschließend eine solche Welle über uns wegrollt. So etwas würde ich zukünftig souverän unter vier Augen klären. Wie unter Männern.
SCHALKE UNSER:
Spielt es vielleicht auch eine Rolle, dass der „Mental-Trainer“ Peter Boltersdorf nicht mehr für Schalke aktiv ist?
MIRKO SLOMKA:
Überhaupt nicht, denn der Peter war ja eigentlich nur im Trainingslager bei der Mannschaft. Der Trainerstab und der Vorstand haben sich mit ihm beraten, aber er war nie in der Kabine oder bei der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz dabei.
Und auch wenn es viele Diskussionen um seine Methoden gab: Mit der Aussage wollten wir nicht arrogant wirken, sondern der Mannschaft in sportlicher Hinsicht auf den Weg geben: Ihr seid gut. Ihr seid ein richtig tolles Team und ihr könnt viel erreichen und die Spiele dominieren. Das ist nach außen leider vollkommen anders angekommen.
SCHALKE UNSER:
Peter Boltersdorf soll im Trainingslager auch Fragebögen an die Spieler ausgeteilt haben, in denen danach gefragt wurde, ob sie bereit wären, ihr Leben für die Ehre zu opfern. Zudem wurden sie gefragt, ob sie „sexuell zügellos“ wären.
MIRKO SLOMKA:
Das ist der so genannte Reiss-Test, ein anerkannter psychologischer Test, dem sich jedermann auch im Internet ebenfalls unterziehen kann. Ich habe den auch mal mitgemacht und dabei wichtige Hinweise über mich und meine Beziehung zu anderen Personen gewonnen. Sicher kann man über die ein oder andere Frage in diesem Test diskutieren, aber ich finde solche Tests hochinteressant. Man sollte sich aber auch auf einen derartigen Test unvoreingenommen einlassen und keine Angst vor Konsequenzen haben.
SCHALKE UNSER:
Vor einigen Wochen hospitierte Mario Basler auf Schalke.
MIRKO SLOMKA:
Ja, das ist ein Teil seiner Trainerausbildung. Wir lassen es gerne zu, dass angehende Trainer Einblicke in die Praxis gewinnen. Wir haben da auch nichts zu verbergen und helfen gern bei der Ausbildung. Wenn es interne Gespräche mit der Mannschaft gibt, werden die Hospitanten vor die Kabine geschickt, aber das ist ja kein Problem.
SCHALKE UNSER:
In der vorletzten Ausgabe hatten wir einen Artikel über Baslers Schwager Roger Wittman, den Spielervermittler, der inzwischen etliche Spieler bei Schalke unter Vertrag hat. Momentan liebäugelt Schalke mit Jermaine Jones, einem weiteren Klienten von Wittmann.
MIRKO SLOMKA:
Der Andy Müller hatte es ja bereits gesagt: In erster Linie interessiert uns der Spieler und ob er in unser Profil passt. Erst als zweites schauen wir auf seinen Berater. Aber eines ist klar: Roger Wittmann hat eben sehr interessante Spieler unter Vertrag. Da gibt es kaum einen Spieler, der Probleme macht, und das hängt auch mit Roger Wittmann und seiner Firma zusammen.
Jermaine Jones ist da sicher ein Spielertyp, den wir suchen, denn wir brauchen einen zweikampfstarken Spieler auf der rechten Seite als Ersatz für Hamit Altintop. Aber auf der einen Seite müssen wir gucken, wie sein Verletzungsrisiko auszuschließen ist, denn er hat gerade mal 30 von 100 möglichen Ligaspielen in den letzten Jahren absolvieren können. Da müssen wir bei dem medizinischen Check ganz genau hinschauen.
Auf der anderen Seite müssen wir natürlich auch die finanziellen Vertragsangelegenheiten mit dem Spieler klären. Und beides ist noch nicht soweit, dass wir Vollzug melden könnten.
SCHALKE UNSER:
Vor kurzem wart ihr auf großer Sponsorenreise nach Sibirien.
MIRKO SLOMKA:
Ja, erst in Moskau, dann in Sibirien, dann wieder Moskau und zum Schluss St. Petersburg.
SCHALKE UNSER:
Hat Lincoln denn die Reise als „sibirisches Straflager“ für seine dumme rote Karte empfunden?
MIRKO SLOMKA:
Es gab die Anfrage von Gazprom, dass wir einen Spieler mitbringen. Für mich kam das in dieser Phase eigentlich überhaupt nicht in Frage, aber da Lincoln nun mal gesperrt war, war er der einzige Spieler, der problemlos zur Verfügung stand. Am Anfang hatte er sicherlich das Gefühl „Mensch, jetzt muss ich da mit“, aber da habe ich ihm ein bisschen erzählt, was uns erwarten wird. Ich hab ihm gesagt, dass ich das als äußerst spannend empfinde und er da in seinem Leben wohl nie wieder hinkommen wird. Und dann hat Lincoln auch Spaß an der Reise entwickelt. Auch wenn die Reise recht strapaziös war, hat er sie am Ende doch sehr genossen.
SCHALKE UNSER:
Viele Fans sehen das Sponsoring durch Gazprom kritisch, extreme Stimmen sprechen gar vom „Pakt mit dem Belzebub“.
MIRKO SLOMKA:
Vielleicht spricht da aber auch ein bisschen der Neid, wenn Fans anderer Vereine Schalke so etwas vorwerfen. Ich kann mich nicht in die Konzernpolitik von Gazprom einmischen, genauso wenig wie sich Gazprom in unsere Vereinspolitik einmischen wird. Aber ich hatte das Gefühl, dass sich auf unserer Reise dieser Konzern für uns total geöffnet hat. Wir waren in allen brisanten Konzern-Bereichen, durften jede Frage stellen und wurden mit offenen Armen empfangen. Auch die Kooperation mit Zenit St. Petersburg ist eine tolle Sache. Wir werden unsere Erfahrungen in der Jugendarbeit austauschen, zudem möchte der Verein ein neues Stadion bauen, da kann Schalke dann sicher wichtige Hinweise bei der Umsetzung geben. Ich kann jedenfalls keine versteckten Fouls entdecken und bewerte die Gazprom-Kooperation für den Verein FC Schalke 04 nur positiv.
SCHALKE UNSER:
Ihr habt in der am nördlichsten gelegenen russischen Kirche noch Kerzen angezündet.
MIRKO SLOMKA:
Ja, Andy Müller, Lincoln und ich haben Kerzen angezündet. Die sollten reichen für die Meisterschaft.
SCHALKE UNSER:
Das hoffen wir auch. Vielen Dank für das Gespräch. Glückauf!
„Wenn die Arena ausrastet, können wir jeden in Grund und Boden singen“
(ru/axt) Auf einmal waren sie da, und optisch sind sie aus der Nordkurve nicht mehr wegzudenken - die Ultras. Mit ihren Choreographien, Doppelhaltern und Fahnen prägen sie das Bild der Kurve mit. Doch wer viel macht, erntet auch viel Kritik: SCHALKE UNSER sprach mit Ultra-Vorsitzendem Kirsche und „Vorsänger“ Simon über Stimmung, Fankultur, Kommerz, Kritik und Repressalien.
SCHALKE UNSER:
Wofür steht die Ultra-Bewegung?
KIRSCHE:
Die Bewegung ist mittlerweile an die 50 Jahre alt und hat ihre Anfänge in Italien genommen. Inzwischen existieren verschiedene Strömungen. Die Ultras Gelsenkirchen haben sich 2002 relativ spät gegründet zu einer Zeit, in der es in anderen deutschen Städten schon etablierte Gruppen gab.
Das heißt nicht, dass es nicht schon Leute gegeben hätte, die sich für die Materie interessiert haben, aber wir wollten uns erst so nennen, nachdem wir Strukturen geschaffen hatten, die den Namen auch verdienen.
SCHALKE UNSER:
Ihr sagt auf eurer Homepage, dass Andi Möller ein Glücksfall für euch gewesen ist.
KIRSCHE:
Er hat immerhin dafür gesorgt, dass sich nicht wenige Personen zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam zu positionieren, und eine der Vorläufergruppen hat dadurch ihren Namen bekommen, die „Radikale Minderheit“. Im Vorwort eines Schalker Kreisels fiel damals von Gerd Rehberg der Begriff, und darum hat man sich spontan so genannt.
Wir waren damals mit dem Wechsel nicht einverstanden - an der Meinung hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn man über den sportlichen Wert natürlich diskutieren kann. Kirsche und Simon im Fanladen
SCHALKE UNSER:
Es gab zu Beginn mehrere Strömungen?
SIMON:
Die Ultras Gelsenkirchen sind aus zwei Gruppen entstanden, dem „Commando 4. Mai 1904“, die in der Nordkurve angesiedelt waren, und die „Radikale Minderheit“, die waren eher im Block I beim Supporters Club.
Wir sind dann zu der Meinung gekommen, dass wir unter einem Namen zusammenarbeiten sollten, weil wir mit der damaligen Situation nicht komplett einverstanden waren.
SCHALKE UNSER:
Ihr wolltet etwas verändern, wie findet ihr den Support in der Kurve jetzt?
SIMON:
Ich finde, es hat sich im Unterschied zum Anfang deutlich gebessert, wobei es noch viel zu viele Leute gibt, die im Durchlauf sind. Jetzt gibt es die Stimmungsblöcke, und man arbeitet immer weiter an diesem Kreis in N4, der versucht, der Motor zu sein.
Aber es kommt noch zu wenig aus der Kurve. Die Leute sind viel zu sehr darauf aus, Stimmung zu konsumieren statt selbst dafür zu sorgen. Wenn die Arena ausrastet, können wir jeden in Grund und Boden singen.
Das Potenzial ist da, und wir versuchen, es weiter auszuschöpfen. Von N4 bis N6 und in Block 39 geht etwas, aber zu N1 geht gar nichts, das hört mit der Treppe zu N3 auf. Und es ist zu sehr vom Spiel und frühen Toren abhängig.
Auswärts ist es im letzten Jahr ebenfalls bergab gegangen, das ist jetzt mit dem Tabellenstand besser geworden. Es ist dennoch unter dem Niveau, was in den letzten Jahren einmal war.
KIRSCHE:
Wenn man das mit dem Beginn der Gruppe 2002 vergleicht und dann mit dem Umzug der Gruppe in die Mitte, dann ist es besser geworden, aber es ist vom Optimum noch meilenweit entfernt. Es gibt bewegende Momente wie das Ende des Schweigens gegen Bayern, aber es wäre besser, wenn diese Geschlossenheit immer so da wäre.
SCHALKE UNSER:
Simon steht häufig in der Kritik, und es heißt, ihr würdet euer eigenes Ding abziehen.
SIMON:
Mein Aufgabenbereich ist nicht, anderen etwas vorzusingen, sondern die 15.000 Leute in der Kurve zu koordinieren. Es ist einfach imposanter, wenn alle das Gleiche singen anstatt viele Grüppchen aneinander vorbei singen. Wenn alle das Gleiche sängen und motiviert wären, könnte ich mich viel mehr zurück halten. Wir haben den Traum, dass die Kurve komplett singt und dass sie laut singt - und das geht nur mit Megafon.
SCHALKE UNSER:
Wie kam es, dass es das Megafon gibt und du es trägst?
SIMON:
Wir hatten schon früher bei Commando 4. Mai 1904 das Megafon dabei. Das hat damit geendet, dass Schlüsselanhänger und Bonbons geflogen sind. Beim Umzug in die Arena haben wir das dennoch beibehalten, weil wir damals gesehen haben, was anderswo, gerade im Ausland, möglich war und weil wir gemerkt haben, dass man die Leute mehr kitzeln muss. Gerade auf Schalke war die Ultra-Bewegung nie sehr populär, und wenn man da noch mit neuen Liedern kommt, gucken viele erst einmal doof, deshalb müssen wir daran stetig arbeiten.
Uns geht es nicht ums Kopieren, sondern darum, unserer Kurve ein eigenständiges Gesicht zu verleihen, mit möglichst eigenständigem Liedgut.
Bevor ich die Aufgabe übernommen habe, gab es andere, die das gemacht haben, aber die hatten irgendwann keine Lust mehr, und weil ich immer dabei war und sie unterstützt habe, habe ich das irgendwann übernommen.
SCHALKE UNSER:
Wie geht ihr mit Kritik um?
KIRSCHE:
Wir sind eine offene Gruppe und die einzelnen Ansprechpartner sind greifbar; wir schrecken auch nicht davor zurück, uns mit den Kritikern zu treffen. Sicher gehen wir auf die Kritik ein, wenn sie vernünftig formuliert ist. Wir haben uns sicher nicht zum Ziel gesetzt, mit 500 Leuten etwas durchzusetzen, wenn die Kurve komplett dagegen ist.
SIMON:
Vor allem aber können wir auch nur mit Kritik umgehen, die an uns herangetragen wird. Wenn im Schalke-Forum über fünf Seiten über das Megafon gesprochen wird, dann sehe ich das nicht als Kritik, die an mich herangetragen wird.
Ehrlich gesagt schaue ich da gar nicht mehr rein. Wenn mir aber einer eine E-Mail schreiben würde oder an den Infostand käme, dann könnte ich damit arbeiten. Das scheitert aber oft daran, dass die Leute nicht kommen und sich in der Anonymität verstecken.
KIRSCHE:
Wenn wir auf die Mails antworten, in denen sich Leute kritisch mit uns auseinandersetzen, dann kommt hinterher ein „Sehe ich ein“, oder sie melden sich gar nicht mehr - dann kann die Kritik nicht so wichtig gewesen sein.
SCHALKE UNSER:
Welchen Aufwand betreibt ihr für Choreographien?
SIMON:
’Ne Menge.
KIRSCHE:
Arbeitsstunden lassen sich nicht berechnen oder aufstellen. Es sind etliche Personen, die immer wieder mal arbeiten. Es gehen Wochenenden drauf, und wenn große Sachen anstehen, wird den ganzen Tag gearbeitet.
Geldtechnisch kommt es darauf an. Wenn man nur eine kleine Sache macht und Materialien verwendet, die man aufbewahrt hat, lässt es sich finanzieren. Wenn wir eine große Sachen machen wie bei Derbys - und mittlerweile müssen wir auch feuerfesten Stoff verwenden -, dann sind wir im fünfstelligen Bereich.
SIMON:
Bei der 100-Jahre-Choreographie haben zehn Leute die ganze Nacht durchgearbeitet. Bei einer Choreographie fängst du zum Teil Monate vorher mit der Planung an.
KIRSCHE:
Diese Choreographie war auch erst verboten und wurde erst zwei Tage vorher genehmigt. Wir wollten das aber durchziehen, also waren hundert Leute im Einsatz. Manchmal arbeiten auch Leute während eines Spiels, die Stadionverbot haben, während die anderen zum Auswärtsspiel gefahren sind.
SIMON:
Doppelhalter und Fahnen werden im Alltag von Leuten gemacht, die das als Hobby betreiben. Das kann man gar nicht beziffern.
SCHALKE UNSER:
Ihr habt gerade das Verbot von Choreos angesprochen, gegen Lüdenscheid gab es dann gar keine.
KIRSCHE:
Schwieriges Thema, wozu wir erst einmal sagen wollen, dass die Unstimmigkeiten, die es gab, ausgeräumt sind. Da steht nichts mehr im Raum. Allgemein ist das Problem bei Choreos, dass man viele Leute einbeziehen muss. Die Feuerwehr und der Sicherheitsbeauftragte, der letztendlich dafür geradesteht, haben ein Wort mitzureden. Darum müssen wir feuerfesten Stoff und feuerfeste Planen verwenden.
Bisher hat noch niemand ein Feuerzeug an eine Blockfahne gehalten. Beim Derby kam dazu, dass diese Fahne verschwunden ist, von der uns nachgesagt wird, dass wir sie hätten.
SCHALKE UNSER:
Habt ihr sie?
KIRSCHE:
Ich weiß von nichts, ich hab sie nicht zu Hause.
SIMON:
Ich hab sie auch nicht zu Hause. Ihr hattet sie doch im Heft!
KIRSCHE:
Deshalb bestand angeblich die Gefahr, dass es zu Ausschreitungen kommt, die über das normale Derbygeschehen hinausgegangen wären, und das war dem Sicherheitsbeauftragten zu heikel. Die Choreo war nicht explizit auf die verlorene Fahne ausgelegt, weil die Planungen vorher angefangen hatten.
Aber das ist, wie gesagt, vom Tisch, und es wird auch weiterhin Choreos in der Arena geben. Letztendlich hat ja jeder selbst gesehen, was passiert ist, nämlich nix! Wenn man da an frühere Zeiten denkt …
SCHALKE UNSER:
Bei Auswärtsspielen ist die Zahl der Doppelhalter genau festgelegt, was ist denn da das Highlight der Bestimmungen?
SIMON:
Ich finde es ja schon ein Highlight, dass man sagt, 15 Doppelhalter sind das Maximum. Ob da jetzt 15, 30 oder 50 Doppelhalter sind, dürfte ja eigentlich keinen jucken. Das Megafon darf mit Unterschrift rein: Ich muss meinen Personalausweis vorlegen und unterschreiben, dass ich dafür hafte, wenn jemandem etwas passiert. Wir fragen an, und meist hört man „Doppelhalter verboten“, weil sie die Sicht behindern und man sie nutzen könnte, Pyro zu entzünden.
SCHALKE UNSER:
Pyrotechnik macht ihr nicht mehr?
KIRSCHE:
Nein. Wir haben uns nie dagegen ausgesprochen, und das wird es auch nie geben. Aber wir haben schon vor mehreren Jahren gesagt, dass wir darauf verzichten, damit andere Freiheiten erhalten bleiben, zumal im schlimmsten Fall auch der Verein davon Schaden nehmen könnte. Darum geht es uns sicher auch nicht.
SIMON:
Wir haben früher überlegt, was dafür und dagegen spricht. Wir haben lieber bei jedem Spiel unsere Fahnen, Doppelhalter und das Megafon.
Wir reden regelmäßig mit dem Verein und kämpfen dafür, dass die Gästefans bei uns möglichst viele Freiheiten haben - leider bislang nicht sehr erfolgreich. Wünschenswert ist es, dass sich die Fanszenen mehr für die Rechte und Freiheiten der Gästefans einsetzen würden, so dass jeder ein wenig mehr Freiraum in den Kurven hätte. Beispielsweise das Podest, das jetzt im Gästeblock steht. Das haben wir angeregt, denn wie bescheuert ist es, dreimal die Polizei reinzuschicken, weil jemand auf der Plexiglasscheibe sitzt.
SCHALKE UNSER:
Wie habt ihr den Weggang von Frank Rost erlebt? Er hat ja immer ein Ultra-Shirt getragen.
SIMON:
Wir hatten einen engen Kontakt zu ihm, aber es war nach seinem Weggang klar, dass wir dazu nicht großartig Stellung beziehen. Manuel Neuer hat auch mit uns in der Kurve gestanden und hat bei uns mehrere private Kontakte - von daher haben wir ihn genauso gern im Tor. Frank ist weggegangen, weil er spielen wollte. Das akzeptieren wir.
KIRSCHE:
Der Kontakt zu beiden Torhüter ist nach wie vor da und gut. Frank ist immer noch Mitglied bei uns und wir hegen keinen Groll.
SCHALKE UNSER:
Inwieweit steht ihr mit anderen Ultragruppierungen in der Bundesliga in Kontakt?
KIRSCHE:
Die Kontakte gibt es. Da gibt es kein ausgesprochenes Netzwerk, aber man kann Probleme auf dem „kurzen Dienstweg“ klären.
SCHALKE UNSER:
Mit wem ihr nicht mehr sprecht, sind die so genannten „szenekundigen“ Beamten.
KIRSCHE:
Wir hatten Ende 2005 ein Gespräch, es ist also keine aktuelle Entwicklung. Innerhalb des Gesprächs haben wir relativ offen unsere Meinung gesagt, wie wir uns sehen und dass wir in den Ultras Gelsenkirchen nicht so die Gefahr sehen. In der Runde wurde gesagt, dass man in uns ein neues Aufgabenfeld hat, seitdem es die Hools in diesem Ausmaß nicht mehr gibt.
Gäbe es die Hools noch, würde man sich um Kleinigkeiten wie „Aufkleber kleben“ gar nicht kümmern. Das bildet natürlich eine Meinung.
Danach gab es vier Auswärtsspiele, bei allen gab es irgendwelche Unstimmigkeiten mit der Polizei, die zwar nicht so gravierend waren, aber in der Masse dafür gesorgt haben, dass wir der Meinung sind, dass das Gespräch nichts gebracht hat und man den Kontakt auch gut und gerne einstellen kann.
SCHALKE UNSER:
Mittlerweile gebt ihr in eurem „Blauen Brief“ sogar Tipps, wie man sich verhalten sollte, wenn man in Gewahrsam genommen wird.
KIRSCHE:
Das ist ja nichts Neues, dass es solche Tipps gibt, das beschränkt sich ja nicht auf den Fußball. Hintergrund der Tipps im „Blauen Brief“ waren viele Anfragen, gerade von Jüngeren. Deshalb haben wir uns entschlossen, das relativ offensiv zu verkünden. Das heißt natürlich nicht, dass wir die Polizei angreifen. Wir machen keine Rechtsberatung - aber wenn man zu einem Anwalt geht, wird er einem das gleiche sagen.
SIMON:
Es ist wichtig, dass man weiß, wie man sich verhalten muss. Die Polizei arbeitet, während wir in unserer Freizeit ein Spiel gucken. Oft sucht die Polizei ein „lockeres Gespräch“, das gar nicht locker endet. Uns ist nur wichtig, dass man sensibler für das Thema wird und nicht sofort zusammenschreckt, wenn man zur Zeugenaussage geladen wird. Alles, was man sagt, kann gegen einen verwendet werden.
Wenn man einem 14-Jährigen sagt, man werde seinen Eltern erzählen, mit wem er so rumhänge, schüchtert das ein. Es ist immer wichtig, wenn man über seine Rechte Bescheid weiß. Wir wollen keine Straftäter decken, sondern aufklären, was Sache ist.
KIRSCHE:
Wobei sich das jetzt so anhört, als ob es um Verbrechen geht - das meiste, was einem im Fußball passiert, sind Lappalien wie „Aufkleber kleben“ oder andere fußballtypische Rituale. Wenn ich höre, dass es dafür zwei Jahre Stadionverbot gibt, hört es auf: Dafür wurden die Stadionverbote damals nicht eingeführt.
Wenn das so weiter geht, wird es in zwei Jahren Stadionverbote für Fahnen schwenken geben. An einem Abend im Bochumer Bermudadreieck wird mehr passieren als an einem Spieltag auf Schalke.
SCHALKE UNSER:
Spielt es eine Rolle, dass der Begriff „Ultra“ oft mit „gewaltbereite Fans“ verwechselt wird? Beim Vorfall mit Lok Leipzig hieß es gleich „die Ultras“.
SIMON:
Als wir in Dortmund unsere Fahne mit reingenommen haben, hieß es auch gleich: „Das geht nicht, Ultras sind rechtsradikal.“
KIRSCHE:
Das ist das generelle Problem, dass die Gesellschaft oft nicht aufgeklärt ist.
SIMON:
Jeder von uns kennt den Effekt, dass der Gegenüber überrascht guckt, wenn man erfährt, dass man auch einer von diesen „Verrückten“ ist.
Jeder denkt, das sind solche Ochsen, die keine Zähne im Mund haben und alles zusammenschlagen. Wir bemühen uns um ordentliches Auftreten, wir sind da sehr hinterher, beispielsweise sinnlose Pöbeleien zu verhindern. Es bringt uns nichts, wenn wir hinter einer dicken Polizeikette stehen und rüberbrüllen - das ist lächerlich, das kann man sein lassen.
SCHALKE UNSER:
Inwieweit hat das Vorbild Italien Einfluss auf euch?
KIRSCHE:
Man muss unterscheiden, wie es die ältere Generation sieht und wie die jüngere: Für diese wird es keine solche Rolle mehr spielen. Für uns war es ein Beispiel, von dem man sich viel abgeguckt hat. Einflüsse aus dem Ausland sind immer gerne gesehen und prägen die Gruppe auch.
In Italien haben die Ultras 50 Jahre Geschichte - dementsprechend groß ist der Einfluss, aber viele sind auch nicht zufrieden mit der Situation, weil es um Geld und den Einfluss in der Kurve geht, der gleichzusetzen ist mit dem Verkauf einer Vielzahl eigener Merchandising-Artikeln.
Das sind Verhältnisse, die in Deutschland nicht angestrebt sind. Geschichten wie in Catania muss man differenzierter betrachten und nicht nur einfach „die Ultras“ sehen, dort gibt es auch viele soziale Probleme. Vielleicht sollte man mal über Fanprojekte nachdenken, nur mit Repressionen wird man die Probleme sicher nicht lösen.
SIMON:
Man entwickelt sich auch weiter. Früher haben wir im Bahnhof schnell das Magazin „Super-Tifo“ gekauft und über die italienischen Artikel hinweggeblättert, weil man die eh nicht verstehen konnte. Damals war man mehr als stolz, wenn man mal ein Bild von Schalke gesehen hat. Das war seinerzeit das Maß aller Dinge, heute ist man weiter: Wir sind eine starke Gruppe mit einer guten Struktur, die junge Mitglieder für die Sache motivieren kann und die Leidenschaft weitergibt.
Wir entwickeln uns weiter, Einflüsse kommen inzwischen aus vielen Ländern, die unsere Mitglieder bereisen, zum Teil sind Freundschaften entstanden wie nach Skopje oder Enschede. Wir sind aber die Ultras Gelsenkirchen und wir entwickeln uns so, wie wir uns entwickeln wollen. Wir sind Schalke und nicht die Kopie von irgendetwas.
SCHALKE UNSER:
Zum Kommerz: Ihr habt keine Gazprom-Fahne entgegengenommen?
SIMON:
Die werbebedruckten Dinger beim Testspiel nicht, und die werbefreien haben wir in Frankfurt anderen Schalkern überlassen.
SCHALKE UNSER:
Die sind euch zu kommerziell?
KIRSCHE:
Wir haben uns bei der Gründung auf die Fahne geschrieben, die kommerzielle Entwicklung des Fußballs kritisch zu verfolgen. Dabei sind wir nicht so verblendet, keine Trikotsponsoren zu wollen, so ist die Bundesliga nicht möglich.
Wir sehen die Sache skeptisch, weil es einfach zu viel war. Wenn ein neuer Hauptsponsor kommt, okay, selbst wenn er in der Saison kommt, auch gut. Die ganzen Gerüchte um Gazprom haben wir als Gruppe in den Hintergrund geschoben. Jedes Mitglied macht sich so seine Gedanken, aber wir haben uns bislang als Gruppe nicht dazu geäußert.
Wir haben lange diskutiert, ob wir den Sonderzug nach Frankfurt nehmen wollen, aber weil wir seit Jahren für Sonderzüge gekämpft haben zu vernünftigen Preisen und mit Getränken im Zug, haben wir uns dafür entschieden. Das Vorstellungsspiel kann man sehen wie man will - wir sind als Gruppe aber dort nicht aufgetreten. Das war das erste Spiel in der Arena, bei dem keine Zaunfahne vor uns vor dem Block hing.
Beim nächsten Heimspiel gab es schon wieder Fahnen, und das ist der Eingriff in die Fankultur, den wir nicht haben wollen. Wir verteufeln nicht alles wie die Victoria-Fahnen zum Pokalfinale, die verteilt worden sind, aber das war einfach zu viel. Wir kümmern uns selbst um unsere Fahnen.
SIMON:
Wir wünschen uns einfach eine gewisse Selbstverantwortung, ein Nachdenken der Leute in der Kurve. Es geht darum, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Sich nicht alles vorsetzen zu lassen, sondern selbst an den Momenten im Stadion mitzuarbeiten, auf die wir alle stolz sind. Daher das Spruchband: „Lieber fünf eigene Fahnen als 55.000 ohne Bedeutung.“ Genau das ist es: Wir wollen, dass jeder selbst etwas macht, seine eigene Fahne mitbringt, die Nordkurve sich selbst gestaltet und die vorhandenen Freiräume nutzt.
SCHALKE UNSER:
Vielen Dank für das Gespräch. Glückauf.
Tausend Trainer schon verschlissen - Teil 3
Die schönsten Trainerrausschmisse des FC Schalke 04
(rk) Feuerwehrleute helfen bei Bränden, Unfällen und Naturkatastrophen, sie leisten Hilfe und retten Menschen, Tiere und Sachwerte. Ein solcher „Feuerwehrmann“ ist Jörg Berger. Wie vielen anderen Vereinen kam er auch Schalke in der größten Not zur Hilfe, rettete wortwörtlich das Leben des FC Schalke 04 und schaffte danach ganz neue Perspektiven. Bevor man ihn auf äußerst unelegante Art vor die Tür setzte.
Schon vor Beginn der Saison 1993/94 gab es einen Haufen Probleme im Verein. Die undurchsichtigen Machenschaften von Präsident Günter Eichberg brachten gar die Lizenz in Gefahr. Zum einen wurden nun die Umstände bei den Neuverpflichtungen (Radmilo Mihajlovic) und bei der Lizenzerteilung 1990/91 bekannt, zum anderen bestand Unklarheit bezüglich des Verhältnisses zwischen Verein und Marketing GmbH. Gelder wurden hin- und hergeschaufelt, niemand hatte mehr einen Durchblick, wie viele Schulden der FC Schalke 04 tatsächlich aufgetürmt hatte.
Für diesen Durchblick sollte wieder Rudi Assauer sorgen. Im April 1993 hatte Eichberg Rudi Assauer zurück an den Schalker Markt geholt. Eichberg hatte wohl erkannt, dass der Verein mit seinem Finanzgebahren nicht mehr weiter zu führen sein würde. Die Schalker Anhänger jedoch verstanden die Welt nicht mehr, hatte man Assauer doch als Hauptverantwortlichen für das sportliche und finanzielle Desaster Ende der 80er Jahre ausgemacht. Mit Rudi Assauer begann die Konsolidierung. Der ungebremste Griff in die Vereinskasse wurde gestoppt, die Auflösung der Marketing GmbH eingeleitet, Werbe- und Transferrechte wurden wieder auf den Verein übertragen. Schalke erhielt die Lizenz mit Auflagen und dünnte den Kader aus: Mihajlovic und Christensen waren nicht mehr im Kader, Steffen Freund wurde an den BVB verkauft.
Stattdessen sichtete der aktuelle Trainer Helmut Schulte neue Spieler per Video. Ihm fiel der Holländer Youri Mulder von Twente Enschede durch seine bullige Art, sein Durchsetzungsvermögen und seine Schlitzohrigkeit auf. Zudem konnte der tschechische Nationalspieler Jiri Nemec geholt werden. Diese beiden Verpflichtungen waren wohl das Beste, was Helmut Schulte jemals gelungen ist.
Denn der Start der Mannschaft, der man einen ordentlichen Mittelfeldplatz zutraute, in die neue Saison war katastrophal. Nur am zweiten Spieltag gibt es einen 1:0-Sieg gegen den BVB. Nach elf Spieltagen lag Schalke mit 5:15 Punkten abgeschlagen am Tabellenende. Es musste dringend etwas passieren. Und so wurde Helmut Schulte entlassen und der „Feuerwehrmann“ Jörg Berger verpflichtet. Berger galt in Bundesligakreisen als Motivationskünstler und Retter von abstiegsbedrohten Vereinen. Den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt brachte er weit nach vorne, jedoch hatte er nie die Zeit erhalten, eine Mannschaft über eine längere Periode aufzubauen.
Goodbye Lenin
Jörg Berger (geb. am 13. Oktober 1944 in Gotenhafen, heute Gdynia, Polen) wuchs in der DDR auf und spielte als Aktiver beim 1. FC Lok Leipzig. 1970 musste der Oberligaspieler wegen einer Muskelverletzung seine Karriere jedoch vorzeitig beenden und begann nach einem Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig seine Trainerlaufbahn.
1979 trainierte er die Jugend-Auswahl der DDR und nutzte ein Spiel in Jugoslawien, um in den Westen zu flüchten. Doch die DDR sollte noch lange Zeit sein Schatten bleiben. Wie er später durch Einsicht in die Stasi-Akten erfuhr, wurde er noch lange Zeit als DDR-Flüchtling im Westen beobachtet und überlebte Mitte der 80er Jahre als Trainer von KSV Hessen Kassel nur knapp einen Giftanschlag. Jörg Berger zeigte sich nach dem Studium seiner Stasi-Akten sichtlich erschüttert, vermeintliche Freundschaften entpuppten sich als Hintergangenschaften.
Auch Jörg Berger konnte zunächst die Talfahrt des FC Schalke 04 nicht stoppen. Das erste Spiel in Leverkusen ging 1:5 verloren. Jens Lehmann wurde ausgepfiffen, von Berger zur Halbzeit („um ihn zu schützen“) ausgewechselt und fuhr alleine mit der S-Bahn nach Hause.
Währenddessen ging der Eichberg-Skandal in seine letzte Runde. Der egozentrische Präsident setzte sich nach Florida ab, der Restvorstand stand vor einem noch nicht zu beziffernden Schuldenberg. Die Fans waren geschockt, Transparente wie „Die Ratte verlässt das sinkende Schiff“ waren im Parkstadion zu sehen.
Ungeachtet der finanziellen und politischen Situation auf Schalke gelang es Jörg Berger, alle Konzentration auf das „sportliche Überleben“ zu lenken. Die Mannschaft wuchs zusammen, es gab nach jedem Training noch ein freundschaftliches Zusammensein in der Kabine. Berger schuf eine eingeschworene Truppe, was sich dann auch in den Ergebnissen niederschlug: Noch vor der Winterpause gab es ein 4:1 gegen Wattenscheid, ein Unentschieden gegen den BVB und einen Heimsieg gegen den HSV.
Auch nach der Winterpause drehten die Schalker mächtig auf: 14:3 Punkte Peter Sendscheid und Youri Mulder hatten sich inzwischen gut eingeschossen. Zwei Niederlagen gegen Dynamo Dresden und den VfB Stuttgart bringen Schalke zwar nochmal in Abstiegsgefahr, am Ende belegte die Truppe von Jörg Berger aber den 15. Platz Gerettet!
Bernd Tönnies, Wurst- und Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück, wurde zum Präsidenten gewählt, starb aber leider nach einer Nierenoperation im Juli 1994. Doch auch vom weiteren Tohuwabohu auf der Jahreshauptversammlung im September, auf der sich Helmut Kremers mit markigen Sprüchen („Gegen Dortmund haben wir uns früher noch nicht einmal umgezogen“) zum Präsidenten aufschwang, ließ sich Berger kaum beeindrucken.
Stattdessen wurden auch personell Zeichen gesetzt: Olaf Thon kehrte aus München zurück, wo er zum einen eine Rhetorik-Schulung absolviert hatte, zum anderen aber auch zu einem der besten Liberos heranreifte. Seine Erfahrung, Übersicht und Technik sollte Schalke noch weit nach vorn bringen. Hinzu kam noch Radoslav Latal, genannt der „Marathonmann“, von Sigma Olmütz.
Die Saison 1994/95 verlief aus Schalker Sicht relativ unspektakulär, am 32. Spieltag besiegten die Knappen den Titelaspiranten Werder Bremen mit 4:2 und entschied damit die Deutsche Meisterschaft zugunsten des BVB. Am letzten Spieltag schließt eine 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg die Saison ab. Auf Schalke wusste niemand so genau, ob man sich angesichts des knapp verpassten UI-Cups freuen sollte oder nicht.
Doch die Konsolidierung schritt weiter voran: Die Vereinstrukturen wurden auf neue Beine gestellt, der neue Vorsitzende Gerd Rehberg erhielt im Wesentlichen nur noch repräsentative Aufgaben.
Und auch finanziell ging es aufwärts, die Schulden wurden nahezu abgetragen. Die Liga wunderte sich: Schalke wurde zum Musterknaben der Liga.
Schalke als Musterknabe
Dass Schalke auch in sportlicher Hinsicht zum Musterknaben mutierte, lag nicht zuletzt an Jörg Berger. Zur Winterpause der Saison 1995/96 lagen die Königsblauen auf dem achten Platz, mit fünf Punkten Vorsprung auf dem Neunten und nur ein Punkt hinter einem UEFA-Cup-Platz. Youri Mulder und der aus Mönchengladbach gekommene Martin Max avancierten zum M&M-Sturm-Traumduo. In der Winterpause reiften bei den Fans die Träume vom internationalen Wettbewerb. In den Musikstudios wurden Lieder getextet wie „Ich war noch niemals in Paris, ich war noch niemals in Turin, ging nie durch Barcelona ganz in blau und weiß.“
Nach denkwürdigen Spielen (1:1 gegen Leverkusen in letzter Minute mit drei roten Karten gegen Bayer, 3:3 gegen Gladbach nach 1:3-Rückstand mit vier Latten- und Pfostenknallern) kämpfte sich Schalke bis auf den vierten Platz vor. Zehn Spiele war Schalke nun ungeschlagen. Doch dann gab es eine 0:2-Niederlage beim FC St. Pauli, die auch eine Kehrtwende im Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer bedeutete.
Nach außen war bislang immer von einem harmonischen Verhältnis zwischen Jörg Berger und Olaf Thon und Co ausgegangen worden, doch es rumorte gewaltig. Die Mannschaft wollte mehr und Jörg Berger ließ das Training immer öfter von seinem Assistenten Hubert Neu leiten, während er es anscheinend vorzog, sich in der Sauna zu erholen.
Ein Graben zwischen Team und Trainer
Auf der Rückfahrt nach dem St. Pauli-Spiel gab es eine Aussprache innerhalb der Mannschaft. Im Bus schmiedete man weitere Pläne ohne Jörg Berger, der separat im Auto den Heimweg antrat. Ohne Wissen des Trainers setzte die Mannschaft am Sonntag ein eigenes Training an. Nach außen drang jedoch von dieser Aktion zunächst nichts. Das Saisonziel „Teilnahme am UEFA-Pokal“ sollte in die Tat umgesetzt werden und der Knoten platzte! Nach zahlreichen Unentschieden gab es endlich wieder Siege: Mit 2:0 wird Stuttgart geschlagen, Eintracht Frankfurt mit 3:0. Im Nachholspiel in Rostock gelingt gegen den direkten Konkurrenten ein 2:1 Ingo Anderbrügge knallte einen Elfmeter in letzter Minute unhaltbar ins Eck.
„Vize, Vizekaiser Franz“
Das folgende Spiel gegen Bayern sollte in die Schalker Vereinsgeschichte eingehen. Zunächst brachte Olaf Thon die Schalker nach einem Alleingang über das halbe Feld mit einem sehenswerten Treffer in Führung. Thomas Strunz glich noch vor der Halbzeit aus. In der 90. Minute flankte Uwe Scherr über rechts nach innen, dort köpfte der für Olaf Thon eingewechselte Andy Müller unhaltbar für Oliver Kahn ins Netz. Schalke war wieder international. Im gesamten Parkstadion hallte es „Vize, Vizekaiser Franz“, denn das war der einzige Wermutstropfen: Der BVB war durch diese Niederlage Deutscher Meister geworden.
Das letzte Spiel in Bremen war dann ein einzige Party der Schalker Fans. 10.000 Schalker waren mitgereist und hatten auch hier nochmal etwas zu feiern: 2:1-Sieg, Dritter Patz in der Liga, Schalke war die beste Mannschaft der Rückrunde. Jörg Berger wurde als Held gefeiert doch die Mannschaft wusste ganz genau, dass vielmehr ihr das Lob gebührte.
Gesprengte Ketten
Schalke im UEFA-Cup: Es gab eine ungeheure Euphorie im Schalker Umfeld. T-Shirts, Schals und andere Fan-Utensilien fanden reißenden Absatz. Für die neue Saison gelangen Rudi Assauer gleich zwei Glücksgriffe. Marc Wilmots kam als „Kampfschwein“ von Standard Lüttich und passte wie wohl kein zweiter Spieler nach Schalke. Wilmots ließ für Schalke gar eine Offerte von Benfica Lissabon sausen. Zudem wurde der Abwehrriegel mit Johan de Kock verstärkt, der aus Kerkrade kam, dem Gegner in der ersten Runde des UEFA-Cups. Während Schalke gegen Roda keine Probleme hatte (Hinspiel 3:0, Rückspiel 2:2), stockte es in der Liga. Gegen Leverkusen wirkte Schalke schon sehr schwerfällig, in der zweiten Runde des DFB-Pokals gab es gar eine Heimpleite gegen den VfL Bochum (2:3). Gerade die Heimspiele wurden nicht mehr gewonnen.
Am übernächsten Morgen, es war der Tag der Deutschen Einheit, platzte die Bombe: Völlig überraschend wurde Jörg Berger nach einem „Spieleraufstand“ der Stuhl vor die Tür gestellt. „Die Entscheidung ist uns schwer gefallen. Aber die Gremien mussten handeln. Das war unsere Pflicht“, kommentierte Gerd Rehberg mit stockender Stimme die Trainer-Entlassung.
Jörg Berger saß daneben und machte gute Miene zum bösen Spiel, denn auch er wurde in den 24 Stunden zuvor überrumpelt. Die Mannschaft hatte soviel Druck auf die Vereinsführung ausgeübt, dass er wie schon bei seinen letzten Jobs in Frankfurt und Köln nach weitgehend erfolgreicher Arbeit geschasst wurde.
Auf die Frage, ob die Entlassung durch die Mannschaft diktiert worden sei, sagte Rehberg: „Wenn man ehrlich ist, muss man das so sagen.“ Praktisch die erste Krise, von der die Öffentlichkeit nichts ahnte, die aber schon lange schwelte, hatte ihm das Genick gebrochen. Dabei war sein Vertrag erst im Sommer bis 1998 verlängert worden. Um es mit der Band „Lokalmatadore“ zu sagen: „Heute ein König Morgen ein Arschloch“.
Für den Feiertag hatte Rudi Assauer Trainer und Mannschaft zu einem Krisengespräch eingeladen, doch die Mannschaft kam ihm zuvor und beklagte sich bereits am Tag nach dem Pokal-Aus über ihren Coach. Assauer stellte „nicht unerhebliche Differenzen“ fest, von „deren Dynamik ich sehr überrascht war“. Nach intensiven Beratungen ließen die Verantwortlichen den Coach über die Klinge springen.
Das nächste Heimspiel sollte ein Spießrutenlauf für die Schalker Spieler werden. Brennende Fahnen, tobende Fans: Zahlreiche Transparente wie „Ohne Berger wären wir nichts Schämt Euch!“, „Verräter, Verräter!“ hingen im Parkstadion. Für die Fans waren die Spieler die Schuldigen, die gegen ihren Trainer rebelliert hatten.
Der Druck war anscheinend zu groß, gegen den Karlsruher SC gab es für total verunsicherte Schalker Spieler eine 0:1-
Heimpleite. Im TV-Interview machte Yves Eigenrauch dazu noch eine äußerst unglückliche Figur, indem er sagte: „Wir sind den Fans keine Rechenschaft schuldig.“
Während Jörg Berger im TV auf die Tränendrüse drückte („Die Entlassung tut unheimlich weh“), versuchten die Spieler sich in „Ranissimo“ (SAT 1) zu rechtfertigen: „Wir haben den Trainer nicht entlassen. Wir haben nur Fakten auf den Tisch gelegt. Wir haben den Kopf des Trainers nicht gefordert.“ Ganz Deutschland rätselte weiter über die Hintergründe der Trennung.
Autoritätsverlust
Ein klein wenig kam dann doch raus: Olaf Thon sagte, die Mannschaft habe ihren Trainer „nicht mehr für voll genommen“. Jens Lehmann: „Was uns der Trainer gesagt hat, ging links rein und rechts wieder raus.“ Berger handelte sich den Autoritätsverlust anscheinend selbst ein: Beim Video-Training warnte Berger vor dem Leverkusener Sergio, zeigte dabei aber ein Tor von Ramelow. Es gab bösen Spieler-Spott: „Trainer, der Sergio ist doch farbig.“ Auch als Schalke der Südafrikaner Sean Dundee angeboten worden wurde, soll er gesagt haben, „dass ein schwarzer Spieler nicht zu Schalke passe“.
Im Mai 1995 soll es darüberhinaus einen derben Kabinenkrach zwischen Youri Mulder und Berger gegeben haben. Youri wollte ihm sogar zweimal an den Kragen, ihn im Ermüdungsbecken döppen.
Ein Gutes hatte das Ganze aber: Die Mannschaft stand in der Pflicht und die eingeschworene Truppe rückte hierdurch vermutlich noch näher zusammen. Erst dieses Mannschaftsgefühl ermöglichte dem Team mit seinem neuen Trainer Huub Stevens den größten Erfolg der bisherigen Vereinsgeschichte: den Gewinn des UEFA-Pokals 1997.
Nach weiteren kürzeren Engagements beim Karlsruher SC, Eintracht Frankfurt und Bursaspor heuerte Jörg Berger bei Alemannia Aachen an. Mit dem damaligen Zweitligisten zog er ins Finale um den DFB-Pokal ein. Jedoch wurde der Vertrag von Berger nach der Niederlage gegen den damaligen Deutschen Meister Werder Bremen und bei gleichzeitigem Nichtaufstieg in die 1. Liga einvernehmlich zum 30. Juni 2004 aufgelöst.
Schicksalsschlag
Während seiner Aachener Amtszeit ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag, als er davon erfuhr, dass er an Darmkrebs erkrankt war. „Ich bin ein Kämpfer. Ich bin immer wieder aufgestanden: Ich bin positiv eingestellt, ich schaffe das“, sagte Berger in einer Pressemitteilung. Der „Retter“ musste sich nun selber retten lassen.
Und tatsächlich: Der „Kämpfer“ Jörg Berger konnte die Krankheit zunächst überwinden: „Zweimal in meinem Leben hatte ich großes Glück, einmal bei meiner Flucht aus der DDR und als ich meine Krankheit überwand.“ 2005 wurden bei ihm Metastasen in der Leber diagnostiziert und erfolgreich behandelt. Mit dieser Erfahrung und mit seiner unerschütterlichen Art, andere zu motivieren, engagiert sich Berger für die Stiftung „Lebenswert“, die aktiv Krebspatienten und ihre Angehörigen unterstützt.
Bislang letzte Station war der FC Hansa Rostock. Dort wurde er im August 2005 nach einer 1:4-Niederlage gegen den TSV 1860 München entlassen.
Während der WM 2006 kommentierte Jörg Berger im Rahmen des ARD-Morgenmagazins die Spiele. Zuletzt war er wieder im Gespräch als Nachfolger von Thomas Doll für den Trainerposten beim Hamburger SV. Es wurde allerdings ein anderer alter Weggefährte: Huub Stevens.
Stoffwechselprobleme
Doktor-Spiele
(doc) Man redet über Verletzungen, als ob man sie selbst schon gehabt hätte. Die Schwere der Verletzung wird ausdiskutiert und Prognosen über den Zeitpunkt der Wiedereinsatzfähigkeit des betroffenen Spielers werden direkt mitgeliefert. Fußballfans müssen heutzutage nicht nur Regelkundler und Börsianer sein, man erwartet von ihnen auch fundierte medizinische Kenntnisse, die über eine einfache Haaranalyse hinausgehen. Der SCHALKE UNSER-Hausarzt präsentiert daher in der Serie „Operier mir“ Nachhilfe für den angehenden Sportmediziner.
Neulich am Ende einer SCHALKE UNSER-Redaktionssitzung: Es ist Samstagmittag, die Redaktion hat mehrere Stunden an einem neuen Heft gearbeitet und in zwei Stunden beginnt das Spiel in der Arena. Die Redaktionsmitglieder kleiden sich um, damit man die Donnerhalle in gepflegtem Äußeren betreten kann. Trikots mit Aufdrucken verschiedener früherer Sponsoren tauchen ebenso auf wie Fanclub- und Retroshirts - nur kein Trikot mit unserem neuen Sponsor. Klarer Fall: Die Redaktionsmitglieder haben Stoffwechselprobleme.
Der Stoffwechsel umfasst alle Aufbau-, Abbau- und Umbauvorgänge, die im und am Körper vor sich gehen. Sie dienen der Erhaltung der Körpersubstanz sowie der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen.
Der Aufbau bezeichnet alle Prozesse im Stoffwechsel, bei denen körpereigene Proteine, Kohlenhydrate, Fette oder andere Körpersubstanzen entstehen. Beim Aufbau wird immer Energie verbraucht. Logisch.
Der Abbau bezeichnet alle Prozesse im Stoffwechsel, in denen Stoffe bzw. Substanzen abgebaut werden. Beim Abbau wird stets Energie gewonnen. Klar, Ausschüttung von Glückshormonen nach Spielende.
Stoffwechselprobleme werden auf vielfältige Art und Weise behandelt. Aderlass und Blutegel waren früher sehr beliebt. Und auch wenn diese Verfahren heutzutage nichts mehr mit der Brachialmedizin aus dem vorletzten Jahrhundert zu tun haben, ergab eine kurze repräsentative Umfrage unter den Redaktionsmitgliedern eine kollektive Verweigerungshaltung.
Aber auch neuere Behandlungsarten wie Infusionstherapie oder Diätetik stießen auf wenig Begeisterung, zumal diese mit einigen Umstellungen bei der Aufnahme fester und flüssiger Nahrung verbunden sind.
Und so haben wir den Redaktionsmitgliedern einfach geraten, auf eine Behandlung zu verzichten und mit dieser Art von Stoffwechselproblemen keine Probleme zu haben.
„Ich wollte immer nur im Tor stehen.“
Vier Jahre (von 1950 bis 1954) stand Heinz Kersting zwischen den königsblauen Pfosten und musste in seiner ersten Saison in 26 Spielen nur 14 Mal den Ball aus dem Netz holen. Schalke wurde in der Saison 1950/51 Meister der Oberliga Westfalen und zog damit in die Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft ein. Ende März ist Heinz Kersting im Alter von 83 Jahren verstorben.
„Ich wollte immer nur im Tor stehen - obwohl ich während eines Spieles nie auf der Linie geklebt habe. Ich war schon immer ein mitspielender Torwart“ bilanzierte der Steueroberamtsrat i. R. seine aktive Zeit.
Nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft 1947 hütete der damals 24-jährige zunächst das Tor von Union Günnigfeld, die zu dieser Zeit ebenfalls in der höchsten Spielklasse in Westfalen spielten.
1950 wechselte Heinz Kersting von Günnigfeld an den Schalker Markt, natürlich spielte auch damals schon das Geld eine Rolle, wie Kersting später feststellte.
320 Mark netto flossen vom FC Schalke 04 zusätzlich in die Familienkasse, viel Geld für jemanden, der damals 280 Mark brutto beim Finanzamt verdiente.
Nach seiner aktiven Zeit und dem Erwerb der Trainerlizenz war er unter anderem noch bei Wattenscheid 09 tätig, nebenberuflich unterrichtete er als Sportlehrer an der Realschule Höntrop.
Damnatio memoriae
Julius Hirsch, einer der beiden jüdischen Nationalspieler des DFB
(ru) Am 24. März 1912 gastiert die deutsche Nationalmannschaft in den Niederlanden in Zwolle. Das lange Zeit als bestes Spiel der deutschen Nationalelf geltende Spiel endet 5:5. Im „Kicker“-Jahrbuch von 1941 wird von ihm nur als „der Halblinke“ gesprochen, wenn es um den Mann geht, der in jenem Spiel vier Treffer für Deutschland erzielt.Die Rede ist von Julius Hirsch, der bis 1914 mit Gottfried Fuchs das kongeniale Sturmduo des Karlsruher FV bildete. Jene vier Tore sollten die einzigen bleiben, die Hirsch im Nationalmannschaftsdress schoss. Gottfried Fuchs gelingt ebenfalls im Jahr 1912 beim olympischen Turnier das Kunststück, zehn Tore in einem Spiel zu erzielen (16:0-Sieg gegen Russland). Julius Hirsch führt 1914 als Kapitän Greuther Fürth zum Meistertitel. Mit dem Karlsruher FV wurden beide 1910 deutscher Meister, 1912 Vizemeister, sie nehmen im gleichen Jahr an der Olympiade in Stockholm teil.
Im Jahr 1939 jedoch wird versucht, beide Namen aus der Geschichte zu tilgen - sowohl Hirsch als auch Fuchs fehlen im „Kicker-Bilderwerk“, einem Sammelalbum der Nationalspieler. Fuchs emigriert 1937 nach Kanada, Hirsch wird 1943 in Auschwitz ermordet. Beide waren die einzigen jüdischen Nationalspieler des DFB.
Anders als Fuchs erkennt der „Juller“ gerufene Julius Hirsch die für ihn drohende Gefahr zu spät. Er diente im 1. Weltkrieg als „Frontsoldat“ und erhielt das „eiserne Kreuz“ als Auszeichnung. Sein Bruder Leopold aber ließ in diesem Krieg als deutscher Soldat sein Leben. Vielleicht hielt Hirsch es aufgrund dieser Tatsachen nicht für möglich, dass sein Vaterland sich gegen ihn wenden könnte.
„Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die Tat bewiesene und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt“, schreibt der als politisch konservativ eingeschätzte Hirsch an „meinen lieben KFV“ 1933 in seinem Kündigungsschreiben, mit dem er seinem Ausschluss nach 31-jähriger Mitgliedschaft zuvor kommt.
Nachdem mit der Arisierung 1933 20.000 Juden aus allen Sportverbänden ausgeschlossen wurden, durften dennoch jüdische Vereine im Hinblick auf die Olympiade 1936 in Berlin und der Inszenierung Deutschlands als „freiliebender Nation“ weiter bestehen bleiben. Hirsch fungiert 1934 als Trainer beim jüdischen Turnklub Karlsruhe 03, dem er zur badischen Meisterschaft verhilft. Der Klub ist organisiert im Sportbund Schild, einem Verband jüdischer Frontkämpfer, die Deutschland weiter als ihr Vaterland ansehen und nicht an Auswanderung denken.
Im Laufe der Zeit verliert Hirsch seine Arbeit, darf die Sportstätte „seines“ KFV nicht mehr betreten, wie alle anderen jüdischen Vereine wird auch der TK Karlsruhe 1938 aufgelöst, der gelernte Kaufmann wird zum Verrichten niederer Arbeit gezwungen und muss sich „Julius Israel Hirsch“ nennen lassen; Menschen, die ihm früher zugejubelt haben, wechseln die Straßenseite, wenn sie ihm begegnen - im November 1938 wird er nach einem gescheitertem Selbstmordversuch wegen Depressionen in eine psychiatrische Klinik in Frankreich eingeliefert. Er lässt sich zu deren Schutz von seiner evangelischen Ehefrau scheiden.
Am 1. März 1943 wird Julius Hirsch nach Auschwitz deportiert. Am Karlsruher Hauptbahnhof will ihm ein Zugführer, ein alter Freund, zur Flucht verhelfen. Hirsch hält es noch immer nicht für möglich, als ehemaliger Frontkämpfer und berühmter Nationalspieler für Deutschland durch seine eigenen Landsleute in Lebensgefahr zu schweben. Er lehnt ab. Im Mai 1943 stirbt Julius Hirsch in Auschwitz. Seine Kinder werden als „Mischlinge ersten Grades“ ebenfalls ins Konzentrationslager deportiert - sie überleben. Das letzte Lebenszeichen von Hirsch bleibt eine Postkarte vom 3. März 1943 an seine Tochter Esther.
1939 geschah die „Ausmerzung“ jüdischer Namen aus den Annalen auf Befehl des Propagandaministeriums. Die Zeilen in der offiziellen DFB-Geschichte der 50er Jahre „Unseren Toten zum Gedächtnis“, die aussagen, Julius Hirsch sei „im Getto“ gestorben, sowie die fehlende Erwähnung von Hirsch und Fuchs in dem Band zum 100-jährigen Bestehen des Süddeutschen Fußball-Verbandes sind auf Geschichtsvergessenheit oder mangelndes Bewusstsein für die Vergangenheit zurückzuführen. Eben diesen Vorwurf musste sich der DFB gefallen lassen, vor allem als er 1988 in einem Reprint des „Kicker-Bilderwerks“ von 1939 die erneute Ausblendung beider jüdischer Nationalspieler zuließ.
Die Verleihung des Julius-Hirsch-Preises seit 2005 setzt ein Zeichen für die nunmehr offensivere und ehrliche Auseinandersetzung des DFB mit der Vergangenheit und honoriert den „Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“.
Nach Julius Hirsch sind überdies eine Sporthalle der Gemeinde Pfinztal und Sportplätze am Eichkamp in Berlin benannt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat handtellergroße Plaketen ebenerdig im Bürgersteig verlegt, sogenannte „Stolpersteine“. Einer davon liegt in Achern, der Heimatstadt von Julius Hirsch - auf ihm steht: „Hier wohnte Julius Hirsch, Jg. 1892, 1943 deportiert nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz.“
Kein Treppenwitz
Who the fuck is Sven Schaeffner?
(usu) Viele schätzen die Treppe sehr, denn sie führt direkt vom Parkplatz auf das Arena-Gelände, keine Umwege mehr, kein Uberwinden mehr von rutschigen „Abhängen“. Doch wer hat sie uns beschert? Eine kleine Tafel klärt uns etwas auf: „Diese Treppe wurde auf Wunsch von Sven Schaeffner UEFA/TEAM anlässlich des Champions-League-Finale errichtet.“ Wir wollten es genauer wissen und haben bei Schalke nachgefragt:

Als sich die Geschichte begab, war Sven Schaeffner Mitarbeiter der Agentur TEAM, die für die UEFA das Champions-League-Finale 2004 organisierte. Schaeffner fand, dass an der Stelle eine Treppe hin müsste. Die Meinungen der Verantwortlichen dazu waren geteilt und somit kam es zu keinem eindeutigen Ergebnis.
Doch Schaeffner gab nicht auf und führte einen heldenhaften Kampf. Schlussendlich setzte er sich durch und die Treppe wurde errichtet. Bei einer improvisierten Einweihungsparty wurde die Treppe kurz vor dem Champions-League-Finale eröffnet und spaßeshalber mit dem Schild versehen.
Ob die Treppe eine Stufe auf der Karriereleiter von Sven Schaeffner war, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass er Karriere gemacht hat und jetzt bei der Fifa arbeitet.

