Nummer 03 - 1994/11
Auszüge aus dieser Ausgabe:
Attacke - Der Preis ist heiß
„Ich habe bei Null angefangen“ - Interview mit Jörg Berger
Die Schalker JHV
Magic Blau
Mein erstes Mal - Lebenshilfe (Teil 1)
Die Randgruppenecke – Bayer Uerdingen
Attacke - Der Preis ist heiß
(mac) Gameshow Fußball: Fürs Fernsehen läßt sich Stefan Effenberg einen Tigerkopf ins blonde Haar fräsen. Rasend komisch, das.
Gameshow Fußball: Fürs Fernsehen und das große Geld bläht die UEFA den Meister-Cup zur Champions League auf. Rasend spannend, das.
Längst berichten die Medien nicht mehr nur über Fußball. Sie inszenieren ihn, schaffen künstliche und langweilige “events”. Und das haben wir genauso SAT wie das gurrende Blödmannslachen des Reinhold Beckmann, die Profit-Geilheit der Funktionäre und das eitelkeitsbedingte Umfallen des Marcel Reif. Einst hatte er vor solchen Pseudo-Ereignissen gewarnt. Heute arbeitet er bei RTL - für einen zu heißen Preis.
Bevor in der Champions League bald keine der großen Mannschaften mehr ausscheiden kann (garantiertes Endspiel: Milan - Barca), bevor Sponsoren immer deutlicher die Trikotfarben der Vereine (blau und gelb, wie lieb` ich dich) und TV-Sender die Spieltermine (noch fehlt der Dienstagmorgen) bestimmen, fordern wir den Zwangsabstieg der Kommerz-Kicker in die Loser League. Oder - wegen der Spannung - den Sudden Death.
P.S.: Danke, SC Freiburg, daß Ihr Euch dem kollektiven Tigerfrisuren-Wahn widersetzt und Gottschalk einen Maul-Korb gegeben habt. Es gibt noch Hoffnung.
Noch´n P.S.: Gegen die Frisuren von Mike Büskens und Thomas Linke haben wir natürlich nichts. Die sind ja auch aus Liebe zum Verein und nicht aus Prostitution gegenüber einem Fernsehsender entstanden.
„Ich habe bei Null angefangen“
(mac/um) Fels in der Brandung? Freund der Spieler? Oder ein Trainer, der nur seinen Job macht? SCHALKE UNSER sprach mit JÖRG BERGER, einem Mann, der weiß, wo er herkommt und vor allem weiß, was er will.
SCHALKE UNSER:
Nach dem Pokalspiel in München schmetterte die Mannschaft in der Kabine „Ohne Vorstand fahr´n wir nach Berlin“. Sind die Spieler eine verschworene Gemeinschaft?
JÖRG BERGER:
Die Mannschaft ist vor allem im letzten Jahr durch den gemeinsamen Abstiegskampf zusammengewachsen. Die dauernden Querelen im Vorstand haben das noch verstärkt. Außerdem bewegen sich die Spieler alle auf einem Level. Selbst unsere Individualisten Olaf Thon und Jiri Nemec ordnen sich bereitwillig unter. Wir haben keine Startruppe, sondern ein Kollektiv, in dem der eine vom anderen abhängig ist. Die Spieler wissen das und ziehen an einem Strang.
SCHALKE UNSER:
Zur Vereinspolitik wollten Sie doch eigentlich schweigen. Wie kam es dann zur öffentlichen Erklärung von Trainer und Mannschaft?
JÖRG BERGER:
Als mit Rudi Assauer der Verbindungsmann zwischen sportlicher Abteilung und Vereinsführung beurlaubt wurde, war der Punkt erreicht, sich zu wehren. Wir haben ja immer still gehalten. Die Assauer-Beurlaubung aber ging ganz klar in den sportlichen Bereich. Da haben wir uns gesagt: Jetzt ist langsam Schluß.
SCHALKE UNSER:
Das empfinden ja auch die Fans so. Sind Zuschauer und Mannschaft näher zusammengerückt?
JÖRG BERGER:
Wer das in Leverkusen gesehen hat, wird es nicht so schnell vergessen. Das war ein Riesenerlebnis, vor allem für die Spieler. Sie waren stolz, den Fans mit dem Ausgleich in letzter Sekunde etwas zurückgeben zu können. Schließlich war die Mannschaft schon in Dortmund trotz der Niederlage unglaublich gefeiert worden. Die Fans haben ein feines Gespür dafür, ob die Mannschaft alles will und gibt. Wir können, wie z.B. in Dortmund, verlieren, müssen aber erhobenen Hauptes vom Platz gehen können. Unsere Anhänger wissen genauso gut wie wir selbst, daß wir nicht die begnadeten Techniker haben. Wir sind im athletischen Bereich gut drauf. Und wenn wir bis zur letzten Minute kämpfen, stehen die Fans in Frankfurt, Bremen oder München hinter uns. Die Fans ? da ist Schalke was ganz besonderes.
SCHALKE UNSER:
Den Gegner beschimpfen, die eigene Mannschaft aufbauen, sich selbst oder ein Ergebnis feiern. Nehmen Sie als Trainer während des Spiels die unterschiedlichen Gesänge eigentlich wahr?
JÖRG BERGER:
Nicht im einzelnen, dafür bin ich zu sehr auf dem Spielfeld. Ich bemerke natürlich schon, wie sich z.B. Dortmunder und Schalker Fanblöcke antworten. Das ist ja auch gut so und für beide Seiten spannend. Es darf nur nicht unter die Gürtellinie gehen. Das Problem mit farbigen Spielern hat ja nachgelassen. Bei Geschmacklosigkeiten ist auch mal der Stadion- oder Pressesprecher gefragt, der diese Dinge dann steuern könnte. Ich weiß auch wo ich herkomme. Ich war ganz unten und habe bei Null angefangen. Mein erstes Geld im Westen bekam ich vom Sozialamt. Ein Kompliment an den Stadionsprecher von Leverkusen, der hätte auch das Licht ausmachen und nach Hause gehen können. In einem engen Stadion, wie in Leverkusen oder Kaiserslautern, überträgt sich die Stimmung eh besser. Unser Stadion kostet uns pro Saison mindestens 4 Punkte.
SCHALKE UNSER:
Schalke plant ja die Arena …
JÖRG BERGER:
(runzelt die Stirn und verdreht die Augen)… Pläne gab es schon genug in Schalke. Ob ich das neue Stadion noch erlebe, bezweifle ich.
SCHALKE UNSER:
Sind Sie also nach einem Jahr Königsblau vorsichtiger geworden?
JÖRG BERGER:
Ich bin jetzt 25 Jahre Trainer und seit 15 Jahren im bezahlten Fußball. Ich war bei vielen spannenden und namhaften Vereinen, aber Schalke ist meine bislang schwierigste Station. Als Trainer plant man auch mal gerne über anderthalb Jahre. Das ist hier nicht möglich. Auf Schalke weiß man oft nicht, was einen morgen erwartet. Lizenzerteilung, Punktabzug, Präsidentenwechsel: Da war ich lange unsicher. Ich fahre täglich von Euskirchen bis zum Parkstadion, das sind 130 Kilometer pro Strecke.
Aber wer A sagt, muß auch irgendwann B sagen. Ich ziehe jetzt mit meiner Familie nach Schalke. Denn der Verein ist eine Herausforderung, hier Kontinuität reinzubringen.
(Jörg Berger sucht länger als bisher nach den passenden Worten) Dortmund hat uns vorgemacht, wie man mit Kontinuität an die Spitze kommen kann. Wir müssen feststellen: Wenn wir nach Dortmund sehen, schauen wir nicht nach unten, sondern nach oben.
SCHALKE UNSER:
Ist für Sie als Trainer jeder Verein ein möglicher Arbeitgeber? Gibt es überall die gleichen Bedingungen?
JÖRG BERGER:
Die Bedingungen schaffe ich mir selbst. Als ich hier anfing, wollte man mir ganz andere Leute hinstellen. Da lasse ich mir nicht reinreden. In Frankfurt bin ich gegangen, weil man mir im sportlichen Bereich reinreden wollte. Ich suche mir meine Leute selbst. Rudi Assauer, Hubert Neu und ich erledigen die sportliche Seite und das reicht. Ohne einen guten Manager wie Rudi Assauer wäre ich nicht zu Schalke gekommen. Man kann nicht in einem Verein arbeiten, wenn man mit dem Manager nicht klarkommt. So arbeite ich nur bei einem Club mit realistischen Zielvorgaben. Man kann mir keinen UEFA-Cup-Platz abverlangen, wenn es die Mannschaft nicht hergibt. Oder Duisburg z.B. könnte mir einen noch so guten Vertrag anbieten- da ist das Ziel, der Klassenerhalt, eine unlösbare Aufgabe.
SCHALKE UNSER:
Eine lösbare Aufgabe meistern, ist das der einzige Anspruch eines Trainers? Oder träumt er vom idealen Spielzug oder von der idealen Taktik?
JÖRG BERGER:
Natürlich habe ich die Vorstellung von einer modernen Spielweise, man muß aber das Pferd von hinten aufzäumen. Ich muß doch sehen, was ist an Spielern da und was ist mit ihnen möglich. Ich muß mich den Gegebenheiten anpassen. Es ist doch Unsinn, den Spielern ein System aufzuzwingen, wie es einige Trainerkollegen tun. Das führt nicht zum Erfolg. Ich kann doch auch nicht mit meinem Auto in der Formel 1 mitfahren. Meine Aufgabe ist es, den Spielern immer wieder ihre Stärken zu zeigen, zu zeigen, was sie am besten können. Nur so kann ich sie richtig motivieren.
SCHALKE UNSER:
Immer wieder andere motivieren: Woher nehmen Sie eigentlich ihre eigene Motivation?
JÖRG BERGER:
Von meinem inneren Ehrgeiz. Ich suche mir immer neue Ziele und komme so Stück für Stück weiter. Ich gebe Kurse vor Managern und Leuten aus der Wirtschaft und sage ihnen: Ohne Eigenmotivation geht gar nichts. Ich weiß wo ich herkomme. Ich bin damals unter riskanten Bedingungen aus der DDR geflohen. Ich war ganz unten und habe bei Null angefangen. Mein erstes Geld im Westen bekam ich vom Sozialamt.
SCHALKE UNSER:
Und nun noch ein Blick in die Zukunft. Rudi Assauer will einen Stürmer backen. Was wäre Ihr Rezept?
JÖRG BERGER:
Vor allem muß er sportlich zu uns passen und sich in die Mannschaft einfügen können. Aber er muß auch menschlich integer sein. Man erkundigt sich und hat seine inoffiziellen Kontakte.
SCHALKE UNSER:
… Für Jens Lehmann als Stürmer bräuchten Sie diese Kontakte ja gar nicht erst zu bemühen.
JÖRG BERGER:
… Wenn ich eins hundertprozentig weiß, der Jens ist es nicht.
SCHALKE UNSER:
Danke Jörg Berger. Glückauf.
Die Schalker JHV
“ANDIESERSTELLEMÖCHTEICHMICHBEIDERMANNSCHAFTUNDBEIMTRAINERFÜRDAS
GELEISTETEBEDANKENAUSSERDEMHABEICHGUTEKONTAKTEZUDENLEUTENAUSDER
WIRTSCHAFTUNDAUSSERDEMHABENWIRUNSFRÜHERGEGENDORTMUNDNICHT
EINMALUMGEZOGEN.”
Für alle, die es noch nicht wissen: Wir haben die besten Kontakte zu Leuten aus der Wirtschaft!!!
Magic Blau
(rk) Helden haben es heutzutage schwer. Robin Hood, Mutter Teresa, Horst Schimanski oder unser Autor - sie alle mußten Unglaubliches leisten, um in die Geschichtsbücher einzugehen. Entscheidend ist nicht unbedingt, was vorne oder hinten rauskommt - auch die gute Absicht zählt. Wie z.B. diese:
Am Freitag geht es für die Schalker zur verhaßten Borussia nach Dortmund, die sich in der Vergangenheit als bereitwilliger Punktelieferant erwiesen hat. Siegen die Schalker auch hier, wird es in Gelsenkirchen kein Halten mehr geben. Dann wird Wiedergeburtstag gefeiert. (aus dem Hellweger Anzeiger vor dem Spiel gegen den Verein aus der Nähe von Lüdenscheid in der letzten Saison)
Daran erinnern wir uns gern. In unser aller Gedächtnis sind auch die Märtyrer, die alljährlich die Zäune im Westfalenstadion überwinden, um dann, verfolgt von einer halben Hundertschaft Ordnern, auf dem (schein-)heiligen Rasen ihren blau-weißen Gott anzubeten.
Irgendwie bekommt man dann doch selber auch einmal Lust, seine eigene Visitenkarte im Pestfalenstadion abzugeben. Zielvorgabe: Ich wollte noch miterleben, wie unsere Schalker die Punkte einsammeln. Am 4. September ergab sich dann eine ungeahnte Möglichkeit, sich im Westfalenstadion zu verewigen.
Rudolf Scharping hatte zusammen mit seinen Genossen Helmut Schmidt und Johannes Rau zum Deutschlandtreff der SPD in den Westfalenpark mit anschließender Kundgebung im Stadion eingeladen. Die Gelegenheit war günstig, die Kontrollen an den Eingängen locker und so war es kein Problem, eine Spraydose ´Magic Blau´ an den Ordnern vorbeizuschmuggeln.
Leider war die Südtribüne abgesperrt, so daß ich dort schon einmal kein eindeutiges Graffiti mehr anbringen konnte. So mußte ich mit der Osttribüne Vorlieb nehmen. Da ging ich dann auf die Toilette, und die Wände waren so weiß wie in einem Schalker Lied beschrieben, nämlich ´weiß wie der Schnee´. Nur ab und zu ein Spruch mit Edding geschrieben, z.B. ´Kalle Riedle - I love you´.(???)
Ich malte mir in Gedanken schon aus, wie schön dieses Weiß mit dem ´Magic Blau´ harmonieren würde. Als ich aus meinen Träumen wieder aufwachte, schloß ich mich in eine Toilette ein, betätigte die Spülung, drückte auf den Sprayknopf …
Nein, ich dachte nur, das darf doch wohl nicht wahr sein. Das Ventil der Spraydose war verstopft. Zu Hause hatte ich aber auch vergessen, die über ein Jahr alte Spraydose auszuprobieren. Damit war es wieder nichts mit einer Verewigung im Westfalenstadion.
Mein erstes Mal - Lebenshilfe (Teil 1)
Littbarski sei Dank
SCHALKE UNSER schildert in aufwühlenden Tatsachenberichten die Entdeckung der Leidenschaft. Mitmenschen brechen das Schweigen. Sie berichten von Euphorie und Ekstase ebenso wie von Abhängigkeit und Apathie. Sie sind hörig - dem S04. Eine Serie voller Schicksale. Mitten aus dem Leben. Ungeschminkt. Ihr seid nicht allein. Und schreibt uns, wie es Euch erging beim ersten Mal…
Manch ein Freund von mir hat schon mal behauptet, ich wäre nicht ganz knusprig, weil ich, gebürtiger Engländer, jedes Wochenende quer durch Deutschland fahre, um unsere Göttlichen spielen zu sehen. “Ja gut”, sag’ ich in bester Knut-Reinhardt-Manier, “was soll ich dazu sagen?“ Waren die etwa in Leverkusen beim grandiosen 1:6? Haben die sich schon mal an einem kalten Freitagabend mit 12.000 anderen Bekloppten in Bremen heiser geschrien? Wahrscheinlich nicht. Die werden es nie begreifen, was für ein Gefühl es ist, ein Schalkeholiker zu sein.
Wie kam ich nun auf Schalke? Na ja, 11 Jahre ist es her. Ich habe 6 Monate an der Uni Duisburg “Deutsch für Ausländer” studiert. Als mich mein Lehrer fragte, ob ich mit zum Fußball will, war die Antwort klar: “Ist der Papst katholisch? Sicher doch!” In England war ich jeden Samstag mit Manchester United unterwegs. Für mich war ein Samstag ohne Fußball wie Pommes ohne Essig - unvorstellbar - also nichts wie hin. Aber wohin? Rein zufällig war Schalke gegen Köln die Partie. Schalke kannte ich gar nicht, dafür aber Pierre Littbarski. Er hatte ein paar Wochen vorher die englische Nationalelf in Wembley schwindelig gespielt - was aber auch nicht allzu schwer ist. Also: Littbarski sei Dank, er ist schließlich schuld daran, daß ich Schalker geworden bin.
Das Spiel ging 1:4 aus. Viel von dem Spiel habe ich nicht mehr in Erinnerung, außer daß Littbarski ein Traumtor schoß und Schalke eine miserable Leistung bot. Wie beim anderen “ersten Mal” war ich ziemlich enttäuscht. Aber es wurde besser! Das zweite Mal auf Schalke werde ich nie vergessen. Es war das Relegationsspiel gegen die Uerdinger.
Unvergeßlich war die Begeisterung im Parkstadion, als Schalke alles daran setzte, den Rückstand vom ersten Spiel wieder wettzumachen. Unvergeßlich auch die Szenen nach dem 1:1, womit der Schalker Abstieg besiegelt war. Gestandene Mannsleute lagen sich in den Armen und weinten wie kleine Kinder. Spätestens da wußte ich, trotz Abstieg: Das ist der Verein für dich! Ein paar Wochen später mußte ich zurück auf die Insel, im Reisegepäck befand sich schon ein Schalke-Trikot.
Heute ist Schalke ein Teil meines Lebens, auf den ich nicht verzichten kann. Mein Traum: Einmal Schalke gegen United sehen. Das Spiel geht 4:4 aus, und die Fans beider Teams verbrüdern sich bei einer tollen Party nach dem Spiel. Also, Herr Assauer, übernehmen Sie!
Stuart Dykes
1. Vors. Schalke Fan-Club “Altmeister” Krefeld 1983 e.V.
Die Randgruppenecke
Diesmal: Bayer Uerdingen
Fanus seltengesehenus
(stu) Stellt Euch vor! Eine Tierart stirbt aus, und keiner merkt’s! Genau dieses Schicksal aber droht der bei uns beheimateten Fanus seltengesehenus (zu deutsch: der Uerdinger Grotifant). Denn der Leverkusener Chemiegigant Bayer AG hat angekündigt, die einzige Nahrungsquelle der Art in Zukunft versiegen zu lassen.
Heute leben in Deutschland nur noch geschätzte 5000 Exemplare dieses sonderbaren Wesens. Die meisten davon sind nahe Krefeld, einer Kleinstadt meilenweit weg von Lüdenscheid, zu finden. Der Fanus seltengesehenus ist friedlich und relativ anspruchslos und lebt meistens einzelgängerisch, obwohl er auch hin und wieder in kleinen Rudeln anzutreffen ist.
Jeden zweiten Samstag zwischen August und Dezember sowie - nach dem Winterschlaf - zwischen Februar und Juni, sammeln sich die Tiere in der Grotenburg-Krampfbahn, einem verlassenen, trostlosen Areal, das im Volksmund auch Totenburg genannt wird, weil es halb so groß wie der Krefelder Friedhof, aber doppelt so tot ist. Hier ziehen sich die sehr schüchternen Tiere in ihre Lieblingsecke, die Ostkurve, zurück, von wo aus sie die Geschehnisse um sich herum still und leise betrachten können.
Dennoch kann die Art, so manche Experten, auch Laute erzeugen. Tierfreund und ?kenner Prof. Dr. Dr. F. Funkel ist auch dieser Meinung: “Wenn der Wind günstig steht, kann man manchmal an einem stillen Samstagnachmittag den Lockruf der Tiere - Bayer! Bayer! - wahrnehmen”.
Über den Fortpflanzungstrieb der Art ist allerdings wenig bekannt. Man weiß nur, daß es wenig Nachwuchs gibt. Eine Tatsache, die Fachleute oft mit dem Begriff “Pillenkicker” zu erklären versuchen. Die Totenburg bietet der Art fast optimale Lebensbedingungen. Im weiten Rund können sich die Tiere frei bewegen; oft sogar stundenlang, ohne einem einzigen Artgenossen zu begegnen.
Eine Erwähnung wert sind auch die reichlichen Futter- und Trinkstellen, die die in winzigen Käfigen eingesperrten Tiere im benachbarten Zoo fast vor Neid erblassen lassen. Alle paar Monate aber werden die Tiere böse in ihrer Ruhe gestört, nämlich dann, wenn ihr Revier durch Tiere anderer verwandter Gattungen überfallen wird. Zu den gefürchteten Eindringlingen gehören das maulwurfartige Raubtier Ruhrpottus kanakus sowie das gemein-gefährliche Kölner Packtier Hooliganus Geisbockus. Vor kurzem hielt sich eine Horde von gelb-schwarz gefärbten Tieren (Pedes neger dentis flavus) einige Stunden in der Totenburg auf. Sicherlich einer der wenigen Tage im Jahr, an dem die Affen in der Totenburg lauter waren als diejenigen im benachbarten Zoo.
Also: Besucht den Fanus seltengesehenus, solange es ihn noch gibt! Mehr Solidarität aber ist nicht möglich - Füttern verboten.
Süd- und Nordtribüne A-H:
Schlafplätze
Überdachte Stehplätze:
überdachtes Freiluftgehege
Westkurve:
Futter- und Trinkstellen
Ostkurve:
Lieblingsecke zum Lümmeln
Innenraum:
Spielwiese

