Die Randgruppenecke

Diesmal: Bayer Uerdingen

Fanus seltengesehenus

(stu) Stellt Euch vor! Eine Tierart stirbt aus, und keiner merkt’s! Genau dieses Schicksal aber droht der bei uns beheimateten Fanus seltengesehenus (zu deutsch: der Uerdinger Grotifant). Denn der Leverkusener Chemiegigant Bayer AG hat angekündigt, die einzige Nahrungsquelle der Art in Zukunft versiegen zu lassen.

Heute leben in Deutschland nur noch geschätzte 5000 Exemplare dieses sonderbaren Wesens. Die meisten davon sind nahe Krefeld, einer Kleinstadt meilenweit weg von Lüdenscheid, zu finden. Der Fanus seltengesehenus ist friedlich und relativ anspruchslos und lebt meistens einzelgängerisch, obwohl er auch hin und wieder in kleinen Rudeln anzutreffen ist.

Jeden zweiten Samstag zwischen August und Dezember sowie – nach dem Winterschlaf – zwischen Februar und Juni, sammeln sich die Tiere in der Grotenburg-Krampfbahn, einem verlassenen, trostlosen Areal, das im Volksmund auch Totenburg genannt wird, weil es halb so groß wie der Krefelder Friedhof, aber doppelt so tot ist. Hier ziehen sich die sehr schüchternen Tiere in ihre Lieblingsecke, die Ostkurve, zurück, von wo aus sie die Geschehnisse um sich herum still und leise betrachten können.

Dennoch kann die Art, so manche Experten, auch Laute erzeugen. Tierfreund und ?kenner Prof. Dr. Dr. F. Funkel ist auch dieser Meinung: „Wenn der Wind günstig steht, kann man manchmal an einem stillen Samstagnachmittag den Lockruf der Tiere – Bayer! Bayer! – wahrnehmen“.

Über den Fortpflanzungstrieb der Art ist allerdings wenig bekannt. Man weiß nur, daß es wenig Nachwuchs gibt. Eine Tatsache, die Fachleute oft mit dem Begriff „Pillenkicker“ zu erklären versuchen. Die Totenburg bietet der Art fast optimale Lebensbedingungen. Im weiten Rund können sich die Tiere frei bewegen; oft sogar stundenlang, ohne einem einzigen Artgenossen zu begegnen.

Eine Erwähnung wert sind auch die reichlichen Futter- und Trinkstellen, die die in winzigen Käfigen eingesperrten Tiere im benachbarten Zoo fast vor Neid erblassen lassen. Alle paar Monate aber werden die Tiere böse in ihrer Ruhe gestört, nämlich dann, wenn ihr Revier durch Tiere anderer verwandter Gattungen überfallen wird. Zu den gefürchteten Eindringlingen gehören das maulwurfartige Raubtier Ruhrpottus kanakus sowie das gemein-gefährliche Kölner Packtier Hooliganus Geisbockus. Vor kurzem hielt sich eine Horde von gelb-schwarz gefärbten Tieren (Pedes neger dentis flavus) einige Stunden in der Totenburg auf. Sicherlich einer der wenigen Tage im Jahr, an dem die Affen in der Totenburg lauter waren als diejenigen im benachbarten Zoo.

Also: Besucht den Fanus seltengesehenus, solange es ihn noch gibt! Mehr Solidarität aber ist nicht möglich – Füttern verboten.

Süd- und Nordtribüne A-H:
Schlafplätze

Überdachte Stehplätze:
überdachtes Freiluftgehege

Westkurve:
Futter- und Trinkstellen

Ostkurve:
Lieblingsecke zum Lümmeln

Innenraum:
Spielwiese