Ein Freund, ein guter Freund

(rk) Der Titel läßt es vermuten: Freundschaften sind im Leben etwas Unverzichtbares. Fanfreundschaften, wie die von Schalke und Nürnberg haben eine lange Tradition im Fußball. Neuerdings ist das ´Freunde sein´ sehr in Mode gekommen.

Der BVB ist das Paradebeispiel. Bei fast jedem Ligaspiel sehen wir nun fast mehr Schwarz-Gelbe in der Südkurve als eigentliche Gästefans. So soll die Borussia mittlerweile Fanfreundschaften mit dem HSV, 1860, KSC, Freiburg, RWE, Celtic Glasgow, usw. unterhalten. Dies sind nur die Vereine, mit denen es schon Freundschaftsschals gibt. Ein Brasilien/ BVB-Schal ist in der Winterpause auch aufgetaucht. Seltsam, daß die halbe Liga auf den BVB-Zug aufspringen will.

Eigentlich besteht eine Freundschaft immer aus zwei Partnern, den Dortmunder scheint das egal zu sein. Dazu ein Bericht zum Spiel Bochum – 1860 aus dem ´Fantreff´: „Unter den 24000 Zuschauern im Ruhrstadion gaben sich auch 4000 Löwen die Ehre, wovon 1/3 von anderen Vereinen kam. Neben zahlreich vertretenen Dortmundern, konnte man auch Fahnen aus Düsseldorf, Wattenscheid, Duisburg und Wuppertal ausmachen. Irgendwie muß man sich doch wundern, warum alle unbedingt mit den 60ern wollen, zumal diese, das ließ sich aus Gesprächen mit einigen echten Löwenfans heraushören, darüber nicht so erbaut sind. Man teilte mir mit, daß die einzige feste Fanfreundschaft zu Lautern bestehe. Einige Löwen-Fans haben schon an den BVB-Fan-Rat geschrieben, um gegen den Dortmunder ´Heiratsantrag´ zu protestieren.“

Auch die Freundschaft mit Celtic Glasgow ist einseitig. Die Borussen prahlen häufig damit, mit den beliebten Schotten befreundet zu sein. Als der BVB beim UEFA-Cup-Spiel in Motherwell anzutreten hatte, fand sich kein einziger Kelte aus dem 30 km entfernten Glasgow ein, um die ´Freunde´ zu unterstützen. Merkwürdig!

Es geht noch weiter: Beim brutalen Ligaschlager KSC-BVB feuerten die KSC-Fans ihre ´Freunde´ mit ´schwuler BVB´ an. Groteske Züge nimmt auch die Verkettung von Fanfreundschaften an: So ist der HSV mit dem BVB verbündet, dieser nach Aussage der Borussenfans mit Celtic Glasgow, welche bereits eine langjährige Verbindung mit St. Pauli hegen.

Nach dem Motto ´Die Freunde meines Freundes sind auch meine Freunde´ müßten eigentlich auch der Hamburger SV und St. Pauli die dicksten Kumpels sein. Ähnlich verhält es sich mit Dortmund – 1860 München – Kaiserslautern. Nach dem Pokalkrimi auf dem Betzenberg im Herbst 94 bahnt sich allerdings eine neue Feindschaft zwischen den Pfälzern und den Borussen an.

Mir sind die Anbiederungen einiger Clubs an andere Fans, und damit meine ich nicht nur den BVB, immer noch lieber als Schlägereien untereinander, aber ich finde, daß der Begriff der Fanfreundschaft arg überstrapaziert wird. Da ist mir doch eine gewachsene Verbundenheit wie von Schalke/Nürnberg lieber.

Zum Schluß noch ein offener Brief an die Borussenfans, gefunden im VfouL (Bochumer Fanzeitung): „Liebe Borussen, was zu weit geht, geht zu weit. Fanfreundschaften in allen Ehren, aber was sich bei Euch derart inflationär abspielt, betrachten wir seitdem mit Argwohn. Als handele es sich um Italienheimkehrer, hortet ihr mehr oder wenige enge Banden mit den Supportern von RWE, Hertha, Freiburg, 1860, KSC, HSV, Celtic usw. Was ist eigentlich mit Teutonia Lippstadt? Wir vermuten, daß die extensive Fanfreundschaft von all denen genutzt wird, die für das heimische Westfalenstadion keine Karte mehr bekommen.

Jedenfalls blicken wir im Ruhrstadion immer öfter auf eine schwarz-gelbe Gästetribüne. Damit wir uns nicht falsch verstehen, die große Koalition ist uns immer noch lieber als dumme Fan-Scharmützel, nur wenn ihr so weitermacht, können wir demnächst den ersten Dortmund-Schalke-Schal bei Kuzorra anne Ecke kaufen. Das wollen wir doch alle nicht, oder?“

Anmerkung der Redaktion: Wenigstens in diesem Punkt scheinen sich Schalker und Bochumer einig zu sein.