Weisse noch ?!

(pr) Legendäre Spiele von gestern und vorgestern der Jungs in Königsblau. Die Reise von Weisse noch?! geht heute, passend zu unserem Schwerpunktthema ´Schalke im 3. Reich´, weit in die blau-weiße Vergangenheit. So weit, daß wahrscheinlich kaum einer der heutigen Schalker dabei war. Damals lauschten Massen an den Radios, einige hatten sich aber auch mit Fahrrad oder Zug nach Berlin begeben. Sie erlebten den Beginn einer unglaublichen Siegesserie…

Berlin, Berlin, der Anfang war Berlin

Alles wäre vielleicht ganz anders gelaufen, wenn Valli ´Tullux´ Valentin nicht gewesen wäre. Dann hätte Ernst Kuzorra am 24. Juni 1934 im Berliner Poststadion vielleicht nicht die Viktoria hochhalten können. Vielleicht auch kein anderer Königsblauer.

1929 feierten die Schalker die erste Westdeutsche Meisterschaft mit einem 2:1 im Entscheidungsspiel am Essener Uhlenkrug gegen den Meidericher SV. In den Endrundenspielen gab es jedoch zunächst wenig zu bejubeln. Über die Vor- bzw. Zwischenrunde kamen die Königsblauen in den Folgejahren nicht hinaus. 1932 war das Halbfinale gegen die Frankfurter Eintracht in Dresden Endstation (1:2), ein Jahr später hatte es im Endspiel eine 0:3?Niederlage in Köln gegen Fortuna Düsseldorf gegeben.

Zum zweiten Mal standen die Schalker im Sommer 1934 in einem Meisterschaftsfinale. In den Gruppenspielen waren der VfL Benrath, Werder Bremen und TV Eimsbüttel die Gegner der Königsblauen. Am 13.05.1934 wurde der VfL Benrath im letzten Gruppenspiel mit 2:0 geschlagen. Damit hatten die Schalker insgesamt 8?4 Punkte geholt und qualifizierten sich für das Halbfinale, in dem der SV Waldhof mit 5:2 geschlagen wurde. Das Geld für eine Zugfahrkarte nach Berlin hatten zu dieser Zeit nur wenige, also fuhren zahlreiche Schalker mit dem Fahrrad die 700 Kilometer nach Berlin.

Aber auch in diesem Finale vor 50000 Zuschauern gegen den Club aus Nürnberg lief es in der 1. Halbzeit schlecht für die Blauen. 0:1 hieß es zur Pause durch ein Tor des Club-Mittelstürmers Friedel. Nach dem Wechsel machten die Schalker zwar das Spiel und drängten auf den Ausgleich, das 1:1 wollte aber einfach nicht fallen. Der Club wollte das 1:0 über die Zeit bringen und hätte es auch fast geschafft.

Bis kurz vor Schluß. Dann drehten die Schalker innerhalb von drei Minuten den Spieß um. In der 88. Minute fiel der Ausgleich. Die achte Schalker Ecke wurde von links hereingeschlagen und Fritz Szepan wuchtete den Ball mit dem Kopf aus fünf Metern zum 1:1 unter die Latte. Eine Minute später landete der Ball bei Ernst Kuzorra, der bereits schwer angeschlagen ins Spiel gegangen war.

Bis zwei Tage vor dem Spiel hatte ´Klemens´, wie er von seinen Kameraden gerufen wurde, mit einer Leistenverletzung im Evangelischen Krankenhaus in Gelsenkirchen gelegen. Während des Spiels erlitt Kuzorra einen Leistenbruch, mußte aber weiterspielen. Einen neuen Spieler konnte Trainer Hans ´Bumbas´ Schmidt nicht für ihn ins Spiel bringen, da das Auswechseln damals noch nicht erlaubt war. Aus 14 Metern zog Ernst Kuzorra mit links ab. Der Ball flog unhaltbar für Nürnbergs Torhüter Köhl zum 2:1 für Schalke in die untere rechte Torecke. Der Torschütze brach nach dem Treffer ohnmächtig zusammen.