Mein erstes Mal – Elmar, wir danken Dir!

SCHALKE UNSER schildert in aufwühlenden Tatsachenberichten die Entdeckung der Leidenschaft. Mitmenschen brechen das Schweigen. Sie berichten von Euphorie und Ekstase ebenso wie von Abhängigkeit und Apathie. Sie sind hörig – dem S04. Eine Serie voller Schicksale. Diesmal von Friday aus Köln. Mitten aus dem Leben. Ungeschminkt. Ihr seid nicht allein. Und schreibt uns, wie es Euch erging beim ersten Mal…

(tag) Sommerpausen können ganz schön lang sein. Vor allem, wenn sie nicht von WM oder EM verkürzt werden. Für mich war sie wohl ein wenig zu lang, die Sommerpause 1989. Ansonsten hätte ich an jenem Freitag niemals ja gesagt. Elmar hatte gefragt, ob ich nicht mit auf Schalke wolle. Schalke 04 gegen Eintracht Braunschweig, zweite Bundesliga, und fahren sollte die 120 Kilometer natürlich ich. Auslachen hätte ich ihn müssen. Schalke, was sollte ich da? Daß wieder irgendein Verrückter dem Schiedsrichter in den Hintern tritt, war kaum zu erwarten. Aber egal, wir sind gefahren, und so stand ich als alter Gladbach-Fan plötzlich im Parkstadion und schlabberte Schalker Stadion-Suppe. Zum ersten und letzten Mal, da war ich mir sicher.

Denkste. 37000 Zuschauer wollten an jenem Abend Schalke sehen. Noch eine Viertelstunde nach dem Anpfiff eilten sie auf der Gegentribüne die Gänge hinunter. Ich war verwirrt. Ging es hier denn um mehr als ein langweiliges Zweitliga-Spiel? Ganz offensichtlich, zumindest für die Fans. Die hangelten sich in der ersten Halbzeit gleich zweimal am Zaun hoch und sprangen wutentbrannt in den Innenraum. Dem Schiedsrichter wollten sie an den Kragen. Der hatte etwas gegen Schalke.

Zwei Tore nicht anerkannt, das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Abseits? Nein, ganz bestimmt nicht, das hätten sie doch gesehen, wenn das so gewesen wäre. Beste Sicht hatten sie schließlich auf das Tor in der gegenüberliegenden Kurve. Also: Rüber übern Zaun und dann was auf die Birne dem Mann. Aber wie das so ist, Polizei war auch schon da, und statt aufs Spielfeld sollte es plötzlich auf die Wache gehen. Nur einer konnte die wackeren Kämpfer jetzt noch retten. Da kam er auch schon angewatschelt, der Ritter von der kugeligen Gestalt. Charly sprach ein paar beschwichtigende Worte mit den Gesetzeshütern, die Fans durften zurück in den Block, und alles war wieder gut. Egal, was die Mannschaft da unten zusammenspielte, auf Charly war Verlaß.

Genauso wie auf Bernd Buchheister. Der war blondgelockt, spielte für Braunschweig so eine Art Rechtsaußen und war für die Schalker Abwehr eine Nummer zu groß. Das Tor traf er auch. Das erste Mal schon nach fünf Minuten. Am Ende gewann Braunschweig mit 5:1. Die Mannschaft hatte schlecht gespielt, einige der Fans sich aufgeführt wie die Wilden, und die Zuschauer waren beinahe komplett ins Braunschweiger Lager gewechselt. Aber herrlich verrückt war es. Und ich bin wiedergekommen. Mit blau-weißem Schal, versteht sich.