Punk statt Lena Veltins

(rk) Ein Ende mit Schrecken prophezeite Revier-Sport bereits am Donnerstag vor dem letzten Spieltag. Und das Fachblatt sollte wohl Recht behalten. Nicht nur, daß im Spiel gegen den SC Freiburg die letzten beiden zu verteilenden Punkte abgegeben wurden, und damit der UI-Cup-Platz verspielt wurde, nein, auch die Meisterschale wanderte zum Erzrivalen. Der Tag schien gelaufen… Das einzige, was uns wieder aufrichten konnte, war die am Anschluß an das Match geplante Fan-Fete in der Emscher-Lippe-Halle.

Nach dem verkorksten Spiel ging’s also in die Halle, in der schon viele ordentliche und unordentliche Jahreshauptversammlungen ihren Lauf nahmen. Schon von draußen konnten wir laute Schalke-Gesänge vernehmen. Sollte es doch noch ein versöhnliches Ende mit diesem eigentlich schon versauten Tag nehmen?

Die drei Mark Eintritt schienen ihren Preis voll zu rechtfertigen. Drinnen aber gab’s dann, als wir unseren Frust herunterspülen wollten, den ersten Schock. Am Bierstand verlangte man Wertmarken für den Gerstensaft. O.K., also auf zum Wertmarkenstand, wo man für ein Bier vier Märker haben wollte.

War da nicht vorher in Revier-Sport von Freibier die Rede? Wo sind die 10 000 Mark aus der Mannschaftskasse geblieben, über die sich alle so gefreut haben. Wenn die Hallenmiete 30 000 Mark plus 6 000 Mark für Versicherung und Ordnungsdienst beträgt, sollte man vielleicht demnächst überlegen, ein großes Zelt zu mieten statt der teuren Emscher-Lippe-Halle. Das so gesparte Geld käme dann den treuen Fans zugute. Eine kleine Subvention auf Bier und andere Getränke wäre schon nett gewesen.

Mit den ‚Lokalmatadoren‘ schien die schlechte Stimmung allerdings wie w eggeblasen. Furios, wie alte Klassiker wie „Blau und Weiß“, „Schalke 04, Liebe im Revier“ oder „Wenn Schalke 04 nicht wär, wär das Parkstadion immer leer“ interpretiert wurden. Wenn man bedenkt, daß vor einigen Jahren noch Lena Veltins, äh Valaitis, unsere Ohrmuscheln vergewaltigte, kann man in dieser Hinsicht sicher von einem Fortschritt sprechen. Andererseits waren die Meinungen auch geteilt über die Songs, die unter die Gürtellinie gingen. Und das waren nicht wenige.

Ein Highlight der Veranstaltung war dann der Auftritt der Mannschaft, des Trainerstabes und der Offiziellen. Nahezu jeder mußte einmal ans Mikrophon treten und ein paar Worte an die ca. 2.500 erschienenen Fans richten.

Dabei wurde als Ziel für die neue Saison das „Anklopfen an den UEFA-Cup“ gesteckt. Einziger Besonnener schien Käpt‘n Müller gewesen zu sein („Wir werden es versuchen. Was am Ende dabei rauskommt, müssen wir mal seh‘n.“).

Von den anwesenden Fans wurde Jiri Nemec mit großer Mehrheit zum „Spieler der Saison“ gewählt. Nach den Interviews mußten noch zahlreiche Autogrammwünsche erfüllt werden, bevor die Mannschaft entlassen wurde und die ‚Lokalmatadoren‘ erneut die Bühne betreten durften. Zusammenfassend also eine, trotz widriger Umstände, echt gelungene Fan-Fete, die auf das nächste Jahr hoffen läßt (bitte dann ohne ein Ende mit Schrecken!). Ein großes Lob auch an die Fan-Ordner, die für einen reibungslosen Ablauf der Fete sorgten.