Museum für die Fans! Mausoleum für Eichberg?

Jede Stadt und jedes Land lassen einen Teil ihrer Einnahmen in Kunst und Kultur fließen. Die mit diesem Geld finanzierten Kunstwerke geben unseren Städten eine der letzten persönlichen Noten. So haben Bochum vor dem Bahnhof das größte rostige Klo des Ruhrgebiets und Gelsenkirchen eine bunte, 15 Meter hohe Uhr, die nie geht. Der Obelisk vor der Spaßkasse soll tatsächlich ein Zeitanzeiger sein! Über Kunst läßt sich nicht streiten, sie gefällt oder sie gefällt nicht. Außer…

… auf Schalke. Schalker Kunst würde allen Schalkern gefallen. Wann also wird endlich ein Teil der Einnahmen des Vereins in ein Museumsprojekt gesteckt und dem Fan eine Stätte der Traditionspflege geboten? Um zu sehen wie ein solches Projekt aussehen könnte, genügt ein Blick zur Nachbarstadt Oberhausen.

Die Ruhrgebietsausstellung „Feuer & Flamme“ im Gasometer zog in den letzten zwei Jahren 180 000 Besucher in ihren Bann. Man braucht sich nur einmal eine Viertelstunde in die eingegliederte Fußballabteilung zu stellen und begreift schnell, was auf Schalke von Nöten ist. Hier haben die Besucher riesigen Spaß beim Betrachten der alten Meisterschaftstrophäen (Victoria).

Auf Kopfhörern kann man die original Radioreportagen von damals miterleben und per Video Libudas Flankenläufe ein weiteres Mal genießen. Die in der Ausstellung untergebrachte Bücherei (hier gibt es SCHALKE UNSER) verzeichnet Rekordumsätze. Ruhrgebiets- und Fußball-Literatur finden reißenden Absatz.

Unfaßbar, daß sich bei einem Verein wie dem FC Schalke 04, der aus seiner Tradition heraus lebt wie kaum ein anderer, bis zum heutigen Tag keine Lobby für solche Museumspläne findet. Wie das Beispiel „Feuer & Flamme“ zeigt, haben solche Projekte auch den netten Nebeneffekt, daß sie sogar noch die eine oder andere Mark abwerfen.

Das ist natürlich auch der Vereinsführung nicht verborgen geblieben. Und so geistern die Museumspläne auch ab und an durch Vereinspublikationen. Stand in der Ausgabe des „Schalker Kreisel“ vom 13.10.95 noch der Plan, in den neuen Räumen der Geschäftsstelle einen Teil des Fanshops als Museum zu nutzen, ist dies nach neuerlichen Aussagen aber völlig ungewiß.

Jetzt sollen angeblich in der fünften Etage des Parkstadions einige Räume für diesen Zweck bereitgestellt werden. Die Idee ist zwar geboren, aber mit der Umsetzung hapert es an allen Ecken und Enden.

Und auch hier scheint die sagenumwobene Arena alle Umsetzungspläne immer wieder aufs Neue zu kippen. Solange das Speißfaß nicht angerührt ist, schaut der Fan auch hier in die Röhre. Und so verstauben die privaten Schalke-Archive in so manchen Kellern und nicht wieder zu beschaffende Objekte ziehen dubiose Kreise.

Ein Beispiel von vielen soll zeigen, wie es mit der Schalker Traditionspflege aussieht. Der hier abgebildete Wimpel von Real Madrid anläßlich des Viertelfinalspiels der europäischen Landesmeister S04 gegen Atletico Madrid am 4.3.1959 wurde den Knappen im Bernabeu-Stadion vor 120 000 Zuschauern überreicht.

Wohlgemerkt, das Spiel war gegen Atletico Madrid und endete 3:0. Der Schalker Mannschaft eilte ein solcher Ruf voraus, daß der Verein Real Madrid eigens einen Wimpel anfertigen ließ, nur weil die Knappen in ihrem Stadion zu Gast waren. Ein Spiel von Real gegen die Blau-Weißen fand nie statt.

Heute hängt dieser Wimpel zwischen Pommes- und Nikotingerüchen unbeachtet in einer Gelsenkirchener Kneipe. Wenn man ihn in Händen hält, merkt man sofort, was er einst bedeutete. Kein billiger Plastik-Kitsch, sondern Samt und Seide, Gold-Stickarbeiten und eine aufgepolsterte Krone der Königlichen. Ui, ui, ui, wie wunderschön!

Angesichts der Wirtschaftlichkeit eines solchen Museumsprojektes kann man auch das Argument der finanziellen Überschuldung nicht gelten lassen, erst recht, wenn man bedenkt, was uns Günter Eichberg immer noch schuldet (sowieso langsam ein Fall für die Hausfrauen-Pitbull-Kredit AG). Wahre Luxusmuseen hätte man von diesem Geld errichten können.

Anders als für das mutmaßliche Dauer-Luftschloß Arena würden sich wohl auch Werbepartner und private Investoren für einen solchen Entwurf begeistern lassen. Für andere Ausstellungen könnte man die Museumsräume ebenfalls zur Verfügung stellen.

So sucht zum Beispiel das Kulturamt Gelsenkirchen momentan händeringend nach Räumen, in denen es eine Fußball-Satire-Ausstellung mit dem Titel „Satanische Ferse“ präsentieren möchte.

Und wer würde nicht mal gerne Sonntag morgens mit seiner Tochter, seiner Freundin oder Oma die Stätte der Triumphe besuchen, auch, um dabei einmal selbst wieder in Erinnerungen zu schwelgen.

Stell Dir vor: ein Museum mit den Original-Schuhen von Ernst Kuzorra; den Handschuhen von Norbert Nigbur aus dem 72er Pokalfinale; dem schwarzen Rollkragen-Pulli, den Günter Eichberg immer trug, wenn er volksnah sein wollte oder der Leine des Schäferhundes, der Friedel Rausch 1969 in den Arsch biß. Mann, wat wär‘ dat schön: Auf Schalke ‚n Museum.