Attacke: Noch alle auf‘m Zaun?

(pr) 83 Tote und 147 Schwerverletzte beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Guatemala und Costa Rica in Guatemala-Stadt. Wieder einmal wurden Zäune in einem überfüllten Stadion zur tödlichen Falle.

Und wieder herrscht weltweite Betroffenheit. Wieder sollen es zuerst die Fans selbst gewesen sein, die mit ihrem undisziplinierten Verhalten die Katastrophe ausgelöst haben. Und wieder kommt aber kurz danach heraus, daß gefälschte Karten verkauft wurden und das Stadion restlos überfüllt war.

Und wieder kommen all die aus ihren Löchern, die zu allem ihren Senf abgeben wollen, müssen und unglücklicherweise auch noch dürfen.

Kaiser Franz verkündet, daß er überhaupt nicht verstehen kann, was Zäune in einem Fußballstadion zu suchen haben. Erstaunlich.

Joseph Blatter, seines Zeichens Generalsekretär des Zentralkomitees der UEFA, will plötzlich dafür sorgen, daß die WM 1998 in Frankreich ohne Zäune in den Stadien stattfindet. Aha.

DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach fordert die Fans auf, die Sicherheitsmaßnahmen in den deutschen Stadien als notwendig zu akzeptieren, verkündet aber gleichzeitig, daß Zäune in Stadien unnatürlich sind – im Theater gebe es schließlich auch keine Zäune zwischen Publikum und Bühne. Bewußtseinserweiterung nach Katastrophen?

Was sind denn überhaupt notwendige Sicherheitsmaßnahmen??? Das affenkäfigartige Gebilde für Auswärtsfans in Stuttgart, nett in der letzten Stadionecke plaziert? Die Schmuddelecke für Stehplatzbesucher im Weserstadion? Die stehplatzlosen Zonen in Bielefeld, Dortmund und Leverkusen? Oder ist damit der Mammutzaun in der Nordkurve des Parkstadions gemeint? Wie hoch soll eigentlich der Zaun in der neuen Arena, so sie kommt, werden?

Wieder ist das Thema Zäune in den Medien. Wieder machen heute alle auf Betroffenheit. Wieder redet morgen keiner mehr drüber. Und wieder stehen übermorgen die Zäune immer noch.

Wetten, daß? Hoffentlich nicht bis zur nächsten Katastrophe …