Von Fans für Fans

(bob/os) Geschafft! Seit dem 17.10.1996 ist der Fan-Laden der Schalker Fan-Initiative eröffnet. Und sofort war dort in den ersten Tagen die Hölle – und zwar nicht die von Trabzon – los: Eröffnung, Lech Posen-Fanaustausch und Derby gegen Lüdenscheid.

Irgendwie hat es am Ende doch geklappt. Sieben Wochen lang geschuftet, tapeziert und gestrichen. Selbst am Eröffnungstage mußte noch kräftig Hand angelegt werden. Doch am Abend war alle Arbeit vergessen. Neben 100 Schalke-Fans fanden auch Präsident Gerd Rehberg, Yves Eigenrauch und unser Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann den Weg in die Hansemannstraße. Auch sie wollten sehen, was wir Fans in Eigenregie auf die Beine gestellt hatten.

Die Einweihung wurde zu einer grandiosen Fete, bei der „Mister Magic“, nein nicht Michael Prus, in die Tasten seiner Hammond-Orgel griff und für die musikalische Untermalung sorgte. Lob von allen Seiten für die Gestaltung des Fan-Ladens ging uns genauso runter, wie das Pilsbier aus dem Sauerland oder das Alt aus Düsseldorf. Lob, der Mut machte für unsere weitere Arbeit.

Doch warum und wofür brauchen wir einen solchen Fan-Laden überhaupt? Es war nicht so, daß der Laden aus einer Laune heraus entstanden ist, sondern er ist logische Konsequenz unserer Arbeit, die nun bereits in das fünfte Jahr geht. Für einige von uns wurde die „Arbeit in der Freizeit“ eine zu große Belastung. Projekte wie das mit den Fans aus Lech-Posen in Zusammenarbeit mit Bez Granic erfordern einfach einen äußeren Rahmen, den wir durch diesen Laden erreichen. Wir wollen Fan-Kultur erhalten und ihr Räume schaffen, die nicht nur an jedem zweiten Samstag geöffnet sind. Der Fan-Laden mußte kommen. Also „ran“ an den Speck.

Das bloße Herunterbeten von Zahlen und Zeiträumen wie z.B. drei Monaten Vorbereitungsphase und sieben Wochen Renovierungsakkord, gibt nur schwer wieder, was in dieser Zeit alles passiert ist.

In der Praxis hieß das „Wer hat Ahnung von Betriebsführung, Vereinsrecht, Baugenehmigungen, Schanklizenz, Ordnungsamt und dem, was im bürokratischen Deutschland noch so alles hinderlich sein kann, wenn man eine gute Idee hat?“ Freunde, die einerseits die Idee eines Fan-Ladens toll fanden und andererseits dachten „Jetzt habt Ihr endgültig den Verstand verloren“, standen mit Tips und Tricks zur Seite.

Das größte Problem ( wie eigentlich immer im Leben): „Wo bekommt man die Kohle her?“. Ein Spendenaufruf wurde an 250 Firmen im Umkreis von Gelsenkirchen verschickt, ein weiterer folgte im Schalke Unser 11. Zudem wandten wir uns an 40 Stiftungen, die wir baten, unsere Idee finanziell oder materiell zu unterstützen. Die Resonanz war zu Anfang niederschmetternd. Wenn überhaupt eine Rückmeldung kam, war es zu 98% eine Absage. Dann kam lange Zeit wenig bis nichts und wir mußten erkennen, daß Reusch an unseren Hemdkragen nicht gefragt ist. Doch die verbleibenden 2% brachten uns einen gewaltigen Schritt nach vorn. Ein Mitglied der Fan-Initiative spendete fast die gesamten Baumaterialien, die wir für den Umbau des angemieteten Ladenlokals dringend brauchten. Angefangen von der Tapete bis hin zu Rigipsplatten. Die Einsicht kam spät, „Libuda“ sei Dank, aber noch nicht zu spät, um sich auf die eigenen Möglichkeiten und den schon leicht gedämpften Enthusiasmus zu verlassen.

An dieser Stelle sei noch mal betont, daß alle finanziellen Mittel, die zu diesem Zeitpunkt als Spende eingingen, von Mitgliedern der Initiative oder von befreundeten Fan-Clubs kamen. Leute, von denen wir wissen, daß sie wenig Kohle haben, gaben Beträge die Ihnen echt wehtaten.

Die Ladenrenovierung lief bereits auf Hochtouren, als tatsächlich noch mehr Spenden ankamen. .Ein Schalker Aufsichtsratsmitglied, der den Fans schon immer sehr verbunden war, und eine Bank spendeten namhafte Beträge. Hinzu gesellte sich eine Stiftung, die das „Polenprojekt“ auf etwas sicherere finanzielle Beine hievte. Ein Teppichhändler räumte uns wirklichen Schalkerbonus ein und machte einen Megasonderpreis.

Die Renovierungsarbeiten erwiesen sich als eine weitere große Hürde. Viele Leute hatten kaum Zeit zum Tapeten abreißen, Streichen etc. Es gab aber immer noch genügend helfende Hände, die das ganze schlußendlich doch zu ihrer Sache machen wollten.

An dieser Stelle sei gedankt: dem Fanclub Unna 87, Katastrophenkommando Essen-Kupferdreh, dem Fanclub Kammen Bär und der Anstreichersaga und Baustellenleitung Roland, der jeden Tag nach Feierabend anrückte; außerdem Klempner und Football-As Mike und der grandiosen Trockenbaukollone aus Herne, die die letzten Bierreserven plünderten, aber auch 1a Wände errichteten, die allen Unkenrufen zum Trotze heute noch stehen.

Da wir aber nicht durch Lob und Anerkennung in der Lage sein werden, die laufenden Kosten wie Miete, Strom und Wasser aufzubringen, werden im Fanladen auch Artikel aus dem Schalker Fanshop zu erwerben sein. Für diese Möglichkeit sind wir dem Verein wirklich dankbar.

Nun gilt es, aus dem Fan-Laden eine etablierte Anlauf.-, Begegnungs,- und Veranstalltungstelle zu machen. Wir wollen über die Arbeit des Dachverbandes und dessen Aktivitäten informieren, als auch über Aktivitäten anderer Fans und Fanclubs. Nicht nur aus und um Schalke. Fanzines aus ganz Deutschland und Europa sollen ausliegen und zu erwerben sein. Neue Fanprojekte mit Roda Kerkrade und Sheffield sind ins Auge gefaßt. Desweiteren werden regelmäßige Veranstaltungen, wie etwa Lesungen stattfinden. Auch die Arbeit des B.A.F.F. (Bündnis aktiver Fußballfans) gegen die Versitzplatzung in den Stadien werden wir unterstützen. Das Wichtigste aber ist: der Laden soll für Euch, für die Fans, sein. Also kommt doch einfach mal vorbei und schaut Euch den Laden an.