Wunder wiederholen sich nicht – schon wieder Inter Mailand

(kh) Das hätte im Mai letzten Jahres wohl auch keiner erwartet – daß die „Glücksfee“ (oder war’s etwa ein greiser UEFA-Funktionär?) uns nur zehn Monate nach dem „Spiel der Spiele“ schon wieder eine Reise nach Mailand bescheren würde. Nach erster Enttäuschung („Ach nee, da waren wir doch schon“, „Scheiße, nochmal schaffen wir das nicht“) und daraus resultierender Fahr-Unwilligkeit fanden sich dann doch nach und nach immer mehr Schalker bereit, die eine Erinnerungs-Tour an den Ort des Triumphes unternehmen wollten.

Erinnerungen hatten dann aber anscheinend auch die Verantwortlichen des „großen“ (warum wird das bei denen eigentlich immer so betont?) FC Inter Mailand, die – eine blau-weiße Fan-Lawine vor Augen – die Frechheit besaßen, zunächst nur 3000 Karten nach Gelsenkirchen zu schicken.

Schon machte sich erste Panik breit – bei den Verantwortlichen des Fanclub-Verbands, die schon wieder mehrere Tausend Kartenbestellungen vorliegen hatten, und bei vielen, die auf eigene Faust nach Mailand fahren wollten. Also wurden wieder alle möglichen Kanäle aktiviert: Reisebüros, Kartenhaie und Pizzabäcker-Connections sollten für die heißbegehrten Tickets sorgen, selbst im Internet wurden AC Milan-Fans aufgefordert, für Schalker Karten zu kaufen.

Drei Wochen vor dem Spiel dann die Erlösung – Inter hatte ein Einsehen und stockte das „offizielle“ Kartenkontingent auf 6800 auf, und alle Wünsche konnten befriedigt werden. Eher armselig hingegen das Interesse der Interisti am Rückspiel im Pott – Inter wollte nicht mehr als 1000 Karten haben.

Also ging es dann wieder via Bus über die Alpen, oder besser durch den Gotthard unter den Alpen her und beinahe erwartungsgemäß (man ist ja schließlich in Italien) waren in Mailand Regen, Schnee und Kälte vergessen und die Piazza del Duomo empfing die Schalker Massen mit leicht diesigem Sonnenschein und knapp 20 Grad.

Irgendwie kam beim Schlendern über den Platz so ein bißchen das Gefühl einer Zeitreise auf: Es waren wirklich kaum weniger Leute da als im vergangenen Jahr, die Stimmung war fast genauso gut wie im vergangenen Jahr (wenn natürlich auch der letzte „Final-Kitzel“ fehlte) und die Bierdosenpreise waren auch nicht gerade gefallen.

Also ging es wieder (man will ja als abergläubischer Fan nichts falsch machen) in den Dom, auf den Dom, zum Dauersingen in die Einkaufspassage, in ein typisches, stilvolles italienisches Restaurant (Macko Donaldo’s oder so ähnlich) und schließlich mit der schunkelnden und total überfüllten Straßenbahn zum San Siro­Stadion.

Dort war allerdings deutlich weniger als im Vorjahr los, und daß in Italien scheinbar nur die Meisterschaft zählt, zeigte sich dann ja auch in der Zuschauerzahl von nur 48000. War also nichts mit der Argumentation der Inter-Verantwortlichen: „Wir haben schließlich 72000 Dauerkarten, da können wir Euch nur wenige Karten geben“.

Für Heiterkeit sorgten dann auch noch die italienischen Fan-Artikel-Verkäufer, die offenbar in Massenauflage einen Schal „Super-Schalke – der Pott ist im Pott“ auf den Markt gebracht hatten, der wirklich an jedem Stand wie Sauerbier liegenblieb. Mensch – daß man solche Schals auch bei uns schon kaufen konnte, hättet Ihr Euch nun wirklich denken können. Aber diesen Verlust dürften die Jungs und Mädels mit ihrem exzessiven Verkauf von Ronaldo-Trikots wohl kompensiert haben.

Im Stadion zeigte sich dann schnell, daß wieder über zehntausend Schalker den Weg über die Alpen gefunden hatten, so daß es akustisch diesmal ein Duell gleichstarker Fangruppen war. Das Spiel begann, wie wohl jeder weiß, nicht so toll für uns, da Johan schon nach Sekunden die Gelbe Karte sah und zu allem Überfluß das glatzköpfige Wunderbaby nach einer guten Viertelstunde das 1:0 erzielt.

Ronaldo schien den Inter-Fans überhaupt das einzig interessante zu sein – jede noch so banale Aktion wurde frenetisch bejubelt, und selbst die ansonsten schweigenden Tribünen-Zuschauer rasteten bei jedem sinnlosen Haken ihres Idols aus. Ich weiß nicht, wie die ganzen anderen wirklich guten Spieler bei Inter damit umgehen, aber da gefällt mir der Schalker Ansatz („wir machen alles zusammen“, „Alles, was mir machen, tun wir für Schalke“) irgendwie besser… .

Und hätte der arme Martin Max Mitte der ersten Halbzeit nicht ganz so gut gezielt und der Ball wäre nicht so unglücklich an den Innenpfosten geklatscht, wer weiß… Die zweite Halbzeit brachte dann ein ganz anderes Bild als die erste: Schalke war pausenlos dabei, das Spiel anzukurbeln, doch irgendwie kamen bei der Dauer-Überlegenheit zu wenig richtig gefährliche Aktionen vor dem Inter-Tor zustande.

So bleibt es dann beim 1:0-Sieg von Inter, obwohl ein 1:1 durchaus angebracht gewesen wäre. Nach dem Spiel wieder das übliche Bild: Man wurde endlos lange im Block festgehalten, so daß schon einige „meisterlichen“ Beistand erflehten: Mit dem Augen zum Himmel gerichtet wurde gefleht: „Mensch, Guildo, hol‘ uns hier raus!“, doch auch ohne Guildo ging es dann zwar nicht nach Birmingham (und Aston Villa im Hinterkopf), sondern erstmal zurück nach Hause ins Ruhrgebiet, doch die Stimmung war keineswegs übermäßig gedrückt.

„Mensch, letztes Jahr haben wir hier doch auch 1:0 verloren, wenn man die normale Spielzeit betrachtet. Die machen wir im Parkstadion im Elfmeterschießen wieder platt!“, war der einhellige Tenor, und so wurde bei einigen Getränken des Hauptsponsors das alte Lied wieder aufgenommen: „Wir schlugen Hajduk, wir schlugen Anderlecht, wir schlugen Braga sowieso – Inter Mailand, Aston Villa und auch Ajax, das wär ’ne Show.“… nicht ahnend, daß zumindest Ajax Amsterdam sich schon im Hinspiel gegen Spartak Moskau weitgehend aller Chancen auf ein Spiel gegen den Titelverteidiger beraubt hatte.