Europaliga? Nein, danke!

(sr) Im Laufe der letzten Jahre mußten wir Fußballfans uns so manche unsinnige Regelung von Seiten der FIFA und der UEFA gefallen lassen. Da wäre zum Beispiel die weltweit aufgezwungene Übernahme der Dreipunkteregel, über deren Einführung in den 80er Jahren durch die Engländer man nur lachen oder den Kopf schütteln konnte. Zum Weinen war dagegen die Abschaffung des Europapokals der Landesmeister und der damit verbundenen Errichtung der offiziell als „Champions League” getarnten Geldbeschaffungsliga.

Deren sportlicher Wert ist zweifelhaft, da von 46 Landesmeistern nur 16 teilnehmen. Dafür rücken die Vizemeister aus den acht besten Ländern der UEFA-Fünfjahresauswertung nach. Das dickste Ding in Sachen „Fußballkaputtmache” stammt allerdings nicht von der FIFA oder der UEFA, sondern aus den geldgeilen Hirnen einiger Vorstandsmitglieder sogenannter europäischer Spitzenclubs und einiger Medienriesen.

Die Europaliga soll aus 16 oder 32 Teilnehmern europäischer Traditionsvereine bestehen – ohne Auf- oder Absteiger. Der Start ist schon für das Jahr 2000 geplant. Den Teilnehmern dieser Liga winken Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 100 Millionen Mark pro Jahr, was vor allem für die leeren Kassen stark verschuldeter Vereine wie Real Madrid oder Benfica Lissabon einen warmen Geldregen bedeuten würde. Gerüchten zufolge sollen jetzt noch die Betriebssportgruppe aus Leverkusen und die Neureichen aus der Hauptstadt dazustoßen. Diejenigen, die sich diesen Schwachsinn ausgedacht haben, scheinen nicht an den Satz „der Kunde ist König” gedacht zu haben. Denn die breite Masse der Fans, also der Kunden der Fußballvereine, lehnt die Einführung einer Europaliga strikt ab.

Auch FIFA und UEFA sperren sich bis jetzt gegen eine solche Liga. So schreibt die „Reviersport”, daß „die FIFA […] unter anderem damit” drohe, „daß jeder Klub und deren Spieler, die ohne Einwilligung der UEFA daran teilnehmen, für alle Wettbewerbe weltweit gesperrt werden würden.” Darauf bekamen die Ersten kalte Füße und distanzierten sich von der Idee, hinter der angeblich die Medienmacher Berlusconi, Kirch und Murdoch stecken sollen: Der FC Bayern München erteilten der Liga zunächst selber eine Absage zumindest offiziell), um sich dann wieder um 180 Grad zu drehen: Bayern-Manager Uli Hoeneß besitzt sogar die Frechheit zu behaupten, sein Verein und der BVB vertreten angeblich nur die Interessen der deutschen Vereine, wenn sie sich an solchen Geheimtreffen beteiligen würden. Vielleicht sollte mal jemand Herrn Hoeneß darauf aufmerksam machen, daß kein Vertreter irgendeines anderen Fußballvereins in Deutschland ihn darum gebeten hat, ihn und seinen Verein dort zu vertreten.

In der WAZ war zu lesen, daß „für die 32 Mannschaften insgesamt 72 Spieltage vorgesehen sind.” Während Spiele in den nationalen Meisterschaften von Donnerstag bis Sonntag stattfinden sollen, würde die Europaliga von Montag bis Mittwoch spielen. Die würden dann „das digitale Fernsehen mit aller Gewalt durchsetzen, und wenn sie eine exklusive Ware hätten, die dennoch die nationalen Märkte interessiert”, also die Europaliga, „dürften sie mit einer riesigen Nachfrage nach ihren Decodern rechnen.”

Die sportliche Qualifikation tritt hier sowieso in den Hintergrund: Ein Großteil der Vereine nähme nur wegen ihres „großen” Namens daran teil. Sie bekämen also jene Wildcard, die sie teilweise schon als abgehalfterte Ex-“Championsleague”-Gewinner (Milan und BVB) für den UEFA-Cup forderten. Das wäre ungefähr so, als wenn der DFB den Abstieg des 1.FC Köln wegen seines Namens für rückgängig erklärt hätte, und stattdessen der 1. FC Nürnberg in die zweite Liga zurückversetzt worden wäre. Die reichen Vereine könnten dann die anderen Clubs billig aufkaufen und aus ihnen sogenannte Farm-Teams nach amerikanischem Vorbild machen. Sie könnten dann ihre Jugend- und Amateurabteilungen dicht machen und die Nachwuchsarbeit diesen Teams überlassen. Die nationalen Meisterschaften wären dann endgültig zweitklassig, und Spitzenfußball fände dann nur noch in der Europaliga und im Pay-TV statt.

Sicher, jeder hat sich auf Schalke über die UEFA-Cup-Spiele gefreut, aber jede Woche Inter Mailand? Nein, danke! Erst durch den Bundesligaalltag werden die Europapokalspiele zu etwas Besonderem. Verlieren würden am Ende alle: die betrogenen Fans, die Vereine und auch (wenigstens etwas Positives) Berlusconi, Kirch und Murdoch.

Die Einführung eines der Europaliga ähnelnden Wettbewerbs in Südamerika hat sich bereits als Bumerang erwiesen. So fand das Spiel zwischen den Spitzenclubs Palmeiras Sao Paulo und Independiente Buenos Aires vor gerade mal 1500 Zuschauern statt, in einem Stadion, in dem sich zu den brasilianischen Ligaspielen etwa 8000 Fans einfinden! Für den September wollten die Bundesligavereine ein „Geheimtreffen” einberufen, um über geeignete Maßnahmen gegen die Europaliga zu beraten. Dies wurde dann doch erst einmal abgesagt. Den potentiellen Euroligateilnehmern BVB Lüdenscheid und Bayern München sollte dabei ursprünglich auch der Ausschluß aus der Bundesliga angedroht werden. Vielleicht besser so.