The Greatest Scheiß of Merchandise

(rk) Es wird Winter. Es wird kalt. Man friert in den eigenen vier Wänden und weiß nicht, womit man heizen soll. Da kam dem SCHALKE UNSER die Idee, einmal alle Bundesligavereine anzuschreiben und einen der besonders gut zum Anheizen der Kachelöfen geeigneten Fan-Shop-Kataloge anzufordern. Vorher wollten wir aber doch noch wissen, was drinsteht.

Binnen drei Wochen antworteten gerade mal acht Vereine und zwar Hansa Rostock, Leverkusen, Stuttgart, Hamburger SV, MSV Duisburg, Eintracht Frankfurt, VfL Bochum und Borussia Lüdenscheid. Also allesamt Vereine, die wenig Fans haben und wohl auch deshalb auf unseren Formanschrieb hereingefallen sind:

„Sehr geehrte Damen und Herren, seit einiger Zeit bin ich glühender Verehrer Ihres Vereins. Meinen Enkel habe ich auch bereits angesteckt. Ich bewundere immer wieder, wie Ihre Mannschaft andere Teams niederkämpft. Da mein Enkel demnächst Geburtstag hat, möchte ich ihm etwas aus Ihrem Fan-Artikel-Sortiment schenken. Ich weiß aber nicht was. Bitte senden Sie mir daher Ihren Fan-Artikel-Katalog zu. Vielen Dank.“

Nun ja, daß Gladbach nach den 2:8- und 1:7-Pleiten hierauf nicht antwortete, können wir verstehen, aber was ist mit den anderen?

Bereits nach zwei Tagen lag der Merchandising-Katalog von Hansa Rostock im Briefkasten. Erstaunlich schnell, war es doch gerade der FC Hansa Rostock, der nie auf einen Protest vier Schalker Fans gegen die gästefanfeindlichen Polizeieinsätze im Ostseestadion antwortete (SCHALKE UNSER berichtete). Der Kommerz ist halt wichtiger als die Fans geworden. Glatzkopf Igor Pamic ziert die Titelseite des Katalogs, im Innenteil dann das Übliche, was wirklich jeder Verein anbietet (Trikots, T-Shirts, Gesichtsschminke, Fahnen). Erstaunlicherweise fanden wir zwar Baseballkappen, aber keine -schläger. Dann aber doch was ganz neues: „Das Hansa-Fan-Haus – Greif Dir eins!“ Hansa verkauft doch tatsächlich mittlerweile ganze Häuser. Beim billigsten davon ist man mit 213.629 Mark dabei. Ist wahrscheinlich der teuerste Fan-Artikel der Welt. Und das im Osten! Unbestätigten Gerüchten zufolge soll sich das aber bald ändern: Schon im Frühjahr 2001 kann man das neue Stadion „auf Schalke“ im Maßstab 1:1 als Laubsägearbeit mit ausrollbarem Rasen für 358.000.000 Mark erwerben, wahlweise auch als Knusperhäuschen zur Adventszeit.

„Der Meister-Katalog“ vom 1.FC Kaiserslautern kommt wenig meisterlich daher. Im DIN-A6-Format bietet er kaum Sensationelles, mal abgesehen von der „Fan-Gummi-Puppe mit Saugknopf“ (Artikel-Nr. 77810) à la Chucky, die Mörderpuppe, die zum Poppen zu klein ist (ca. 24 cm) und auch ansonsten eher einen Platz im Gruselkabinett verdient hätte. Verschwiegen wird der Name des Autors des Kochbuches „Aus Teufels Küche“, wir vermuten aber, daß es sich dabei um Harry Koch handelt.

Im Fan-Shop-Katalog des VfB Stuttgart, ebenfalls nur A6-Format, wird zu einem Mal-Wettbewerb animiert: „Mal uns Deinen VfB-Star!“ Der Einsendeschluß ist leider schon vorbei, sonst hättet Ihr auch noch mitmachen können. Dem Gewinner winkt ein Treffen mit „Deinem VfB-Star“. Schade, wir hätten doch so gerne mit unserem Bild gewonnen und mal Thomas Berthold gefragt, was er sich dabei gedacht hatte, als er in der Saison vor unserem Europapokal-Sieg meinte: „Was will denn Schalke im UEFA-Pokal?“

Der Hamburger Sport-Verein bietet gleich zwei Highlights an: Zum einen das „Original-Straßenschild“ für 89 Mark, auf dem „Rainer-Muster-Weg“ steht, zum anderen der ultrawitzige Aufnäher „Hamburg-Lüdenscheid ist Trumpf“. Wenn das Trumpf ist, sagen wir doch locker „Contra“ an und gewinnen dann „ohne vier gespielt fünf, Schalke sechs, Nürnberg sieben, Contra acht“. Und wehe Euch, Ihr sagt „Re“.

Der Fan-Shop-Katalog vom MSV Duisburg ist genauso unspektakulär wie der gesamte Zebra­Verein. Sowohl im Design als auch im Einfallsreichtum der Produktpalette zeichnet ihn triste Tristesse aus.

Nicht viel anders sieht’s bei der befreundeten Eintracht aus Frankfurt aus. Zumindest bei der Auswahl der weiblichen Models bewies sie Geschmack, was man nicht von dem T-Shirt „Tourenplan“ behaupten kann. Dort wurde Schalke auf der Deutschlandkarte mir nichts, Dir nichts, ins östliche Ostwestfalen-Lippe verpflanzt. Frevel!

Der VfL Bochum möchte mittlerweile nicht mehr nur seinen Vereinsarzt zum Teufel bzw. zum Medizinstudium schicken, sondern auch seinen Fan-Beauftragten Dirk „Moppel“ (ach, wie süß!) Michalowski verkaufen. Es gibt ihn übrigens für 29,90 Mark in den Größen M ­ XXL.

Man wundert sich, daß die Wattenscheider bei diesen bunten Trikots keine Papageien-Käfige im Sortiment haben, und man wundert sich nicht mehr, daß Bochum schon bald in der „Pampers-Liga“ spielen möchte, haben sie sich doch bei unserem letzten Duell ordentlich in die Hose gemacht.

Nun aber zu einem Gefühl, das wir zum Glück noch nie verspürt haben: „Get the Bayer 04-Feeling!“ Was ist das denn für ein Gefühl? Das Gefühl, das man hat, wenn man von Manager Rainer Calmund zerquetscht wird (Berti Vogts), wenn man von Ulf Kirsten ausgeknockt wird (Thomas Linke) oder wenn man sich so viele Bayer-Pillen einwirft, daß man Leverkusen dufte findet? Auch Sportchef Rudi Völler scheint es nicht zu wissen, wendet er sich doch schnell einer neuen Zielgruppe zu: „Wir machen Sie zum Super-Fan“ und „Natürlich darf zum Beginn des neuen Schuljahres auch ein neugestaltetes Angebot an Mappen, Etuis, Schreibgerät und anderem mehr nicht fehlen. Schließlich wollen unsere Kids zeigen, wer ihre Lieblingsmannschaft ist.“ So grinst uns Rudi Völler aus dem Bayer 04 Leverkusen-Katalog entgegen und sieht bereits das Taschengeld der Leverkusener Dorfjugend in seinen Säckel fließen.

Womit wir auch schon bei unserer absoluten „Lieblingsmannschaft“, der Borussia aus dem Großraum Lüdenscheid, wären. Der Katalog ist fast so dick wie der von Neckermann oder Quelle und brennt auch dementsprechend gut und lange im Ofen. Vor allem die jüngeren und insbesondere die ganz jungen Fans kommen hier buchstäblich auf ihre Kosten (siehe Foto). Bei vielen Dingen muß man sich unweigerlich die Frage stellen „Welcher Idiot kauft sich denn sowas?“. Mal ganz abgesehen davon, daß es Lüdenscheid-Artikel sind, aber wer kauft sich denn den „4er-Set Alkaline-Batterien mit BVB-Wappen“ für 6,90 Mark, wo es selbige Batterien im Supermarkt (ohne BVB-Wappen, also in der Qualität wertvoller) für schlappe 1,90 Mark zu kaufen gibt? Da müssen wohl Gehirnamputierte am Werk sein, anders ist das nun wirklich nicht mehr zu erklären. Der Lüdenscheider Katalog kostet eigentlich 4,90 Mark, wenn man aber einen so lieben und netten Brief schreibt wie wir, bekommt man ihn auch (mit 4,40 Mark Porto beklebt) umsonst zugeschickt.

Das bringt uns abschließend noch auf eine kleine Idee: Sagen wir mal, ungefähr 50.000 Schalker bestellen jeweils einen Katalog bei der BVB/NL­Geschäftsstelle (44005 Dortmund, Strobelallee, Postfach 100509). Nach Adam Riese und Möllers Rechenbuch würde dies dem BVB/NL glatt 50000 mal 9,30 Mark, also 465.000 Märker kosten. Also, wenn das nicht Anreiz genug ist?