„Ich kauf‘ mir was …“

(pr) “ … kaufen macht soviel Spaß, ich könnte ständig kaufen gehen, kaufen ist wunderschön.” Als Herbert Grönemeyer 1983 seine Single „Kaufen” veröffentlichte, hatte er sicher nicht den niederländischen Nobelclub Ajax Amsterdam vor Augen. Sechzehn Jahre später passen diese Zeilen jedoch genau auf den Rekordmeister aus dem Nachbarland.

Jan van Riebeeck war am 6. April 1652 der erste Holländer, der für den südafrikanischen Fußball eine wichtige Rolle spielen sollte. Der Bau seiner Erfrischungsstation am Kap der Guten Hoffnung für die VOC (Vereinigte Ostindische Companie) war eine wichtige Voraussetzung für eine größere Ansiedlung in dieser Gegend. Aus der kleinen Ansiedlung im 17. Jahrhundert entstand im Laufe der Jahre das heutige Kapstadt.

Arie van Os war früher Börsenmakler für das Brokerhaus Van der Moolen und ist heute Ajax-Schatzmeister: Mit seiner Überweisung von 6,3 Millionen Mark in das 8000 Kilometer entfernte Kapstadt hat er vor einigen Wochen für ein Novum im Weltfußball gesorgt.

Michael van Praag ist seit einigen Jahren Ajax-Präsident und hat mit den von Arie van Os transferierten 6,3 Millionen Mark für sich und seinen Club die beiden südafrikanischen Vereine „Cape Town Spurs” und „Seven Spurs” aufgekauft. Mit den Millionen kaufte er aber nicht nur beide Vereine, sondern er legte sie auch zusammen und produzierte damit den neuen Retortenclub „Ajax Cape Town”.

Maarten Oldenhof ist seit dem Börsengang vom 11. Mai 1998 Manager der Ajax-AG. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft wurden fünf Millionen Aktien zu je 25 Gulden verkauft, womit die Vereinskasse in einer einmaligen Aktion gut gefüllt wurde. Doch die Aktionäre müssen auch zufriedengestellt werden. Schon beim Börsengang stellte Oldenhof öffentlich klar, wie neue Erwerbsquellen erschlossen werden sollen: „Fan-Artikel sollen besser vermarktet werden. Und in aufstrebenden Fußball-Ländern will Ajax vielversprechende Vereine übernehmen. Die sollen ebenfalls Ajax heißen …” Damit ging Ajax weiter als viele andere Clubs in der Vergangenheit. Schon 1998 war Ajax unangenehm aufgefallen, als man die Aktienmehrheit beim belgischen Erstligisten Germinal Ekeren erwarb.

Früher, als die Hauptspielfläche von Ajax noch der Rasen der „Amsterdam Arena” bzw. das Stadion „De Meer” war, gewann der Club 27mal den Titel des niederländischen Meisters und viermal den Europapokal der Landesmeister. Einige können sich vielleicht noch daran erinnern: So hieß früher die Champions League, als nur die Landesmeister spielberechtigt waren. Heute werden die Gelder des Clubs und der Sponsoren nicht nur für den sportlichen Erfolg genutzt, sondern auch zum Ausbooten der Konkurrenz. Mit allen finanziellen Mitteln versucht man, dem eigenen Verein und den Geldgebern Vorteile zu verschaffen. Hauptsponsor von Ajax Amsterdam ist seit einigen Jahren die niederländische ABN Amro Bank, diese gehört zu den größten Banken der Niederlande.

Innerhalb von fünf Jahren will das Ajax-Management am Kap ein „Mini-Ajax” aufbauen, das Nachwuchsspieler ausbilden soll. Die besten von ihnen werden dann natürlich in die Niederlande wechseln, um den Hauptverein zu verstärken. Unmittelbar nach der Gründung des neuen Vereins wurden weitere zwei Millionen Mark in den Aufbau eines neuen Nachwuchs-Camps „De Toekomst” in Ikamva investiert.

Dieses neue Fußballinstitut wird nicht nur den gleichen Namen wie das Ajax-Original in Amsterdam tragen, das ganze Vorbild soll komplett geklont werden. Nicht nur in Südafrika, sondern auf dem ganzen Kontinent sollen in den Niederlande ausgebildete Trainer die größten Talente sichten und nach Kapstadt in das neue Fußball-Institut, dessen Name „Die Zukunft” bedeutet, lotsen. Spätestens 2004, so die Planung der Investoren, soll der erste Meistertitel im Briefkopf des neuen Clubs stehen.

Waren die afrikanischen Länder früher nur die Punktelieferanten auf dem internationalen Fußball-Parkett, so fangen sie mittlerweile an, den Europäern die Plätze streitig zu machen. Die Entwicklung, die Ajax mit „Ajax Cape Town” einleitet, kann für den afrikanischen Fußball verheerende Folgen haben. Die Vereinsmannschaften werden nur noch als Rohstofflieferanten für den europäischen Fußball angesehen. In den afrikanischen Nationalmannschaften, in denen schon heute kaum noch Spieler, die im eigenen Land kicken, stehen, werden bei dieser Entwicklung nur noch Legionäre spielen. Damit ist abzusehen, daß der Vereinsfußball auf dem schwarzen Kontinent zukünftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird. Jeder Spieler, der für gut befunden wird, wird sofort an den europäischen Hauptverein weitergeleitet. Vielleicht war Benni McCarthy, 22jähriger südafrikanischer Nationalspieler und seit 1997 im Ajax-Kader, ein Grund für das Management, Kapstadt als Standort für den Ajax-Klon auszugucken. Rob Moore, Mitglied der Firmenleitung von Ajax Cape Town, entdeckte den Jugendspieler vor zwei Jahren in Kapstadt und holte ihn in die Niederlande. Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich erzielte er das erste WM­Tor für Südafrika, bei Ajax trägt er das Trikot mit der Rückennummer 17.

Und wie geht’s weiter? Vielleicht hat Herbert Grönemeyer auch hier schon 1983 den richtigen Text gefunden: „bin ich erst im Kaufrausch, denk ich gleich an Umtausch …”