SCHALKE bleibt UNSER – der FC Schalke 04 darf keine Aktiengesellschaft werden!

(bm/mc) Die Redaktion SCHALKE UNSER und der FC Schalke 04 Supporters Club e.V. sehen die Gefahr, daß der Verein in einer Nacht- und Nebelaktion auf einer der nächsten Jahreshauptversammlungen den Gang an die Börse wegen plötzlich aufkommender Finanznöte, z.B. beim Stadionneubau, beschließt. Die Mitglieder „müssen“ dann, wegen einer „alles oder nichts“-Situation, dem Gang an die Börse zustimmen.

Angeblich plant der jetzige Aufsichtsrat schon seit geraumer Zeit dieses Vorhaben, verschleiert dies jedoch, damit im Vorfeld überhaupt keine Diskussion über die Frage aufkommt, ob der Börsengang wirklich im Interesse des Vereins und der Mitglieder ist. Wir fordern daher hiermit den Verein auf, detailliert über das Pro und Contra zu diesem Thema zu informieren. Die Mitglieder haben ein Recht zu wissen, was mit ihrem Verein geschehen soll und vermutlich auch wird.

Warum sind wir gegen eine Umwandlung des FC Schalke 04 in eine Aktiengesellschaft?

1. Der FC Schalke 04 e.V. lebt von seinen rund 18.000 Mitgliedern, seinen Fans, dem Umfeld, dem Ruhm und der Volksnähe. Schon immer verkörpert Schalke 04 ein Wir-Gefühl in einer Region, die diesen Verein als Aushängeschild hat. Wenn der Verein FC Schalke 04 e.V., bei dem die Mitgliedschaft mehr mit Glauben zu tun hat und eigentlich eher Status­Symbol ist, sich in die Hände unberechenbarer Aktionäre gibt, wären Vereinsliebe, Leidenschaft und Vereinstreue, wie sie bis dato existieren, in einer „FC Schalke 04 AG“ bedeutungslos. Auch wenn beim FC Schalke 04 die Umsätze durch die sportlichen Erfolge beträchtlich gestiegen sind, darf man nicht vergessen, was diesen Verein für Medien und potentielle neue Fans so interessant macht. Es sind wir, die Schalker, die heute noch eine Mischpopulation aus allen gesellschaftlichen Schichten darstellen. Es wäre schon merkwürdig, eine Kapitalgesellschaft in einem Fußballstadion lautstark und mit Emotionen zu unterstützen und zu lieben. Schließlich soll es sich samstags um 15.30 Uhr immer noch um ein Fußballspiel handeln, bei dem man abschalten kann, fernab von Kurseinbrüchen und Dividenden. Der FC Schalke 04 e.V. und seine Mitglieder und Fans gewinnen keine Meisterschaften und Pokale mehr. Kapitalgesellschaften und deren Aktionäre werden die Gewinner sein.

2. Der FC Schalke 04 e.V. müßte seine gesamten Rechte (Vermarktungsrechte, TV, Sponsoring, Merchandising, Stadionnutzung) an die Fußball AG abtreten. Die Aktiengesellschaft bestimmt fortan alles vom Vereinsemblem bis über zu den Stadionpreisen. Durch Mitspracherechte der Großaktionäre wird der FC Schalke 04 dann maßgeblich von Nichtvereinsmitgliedern und Fußballverstandlosen beeinflußt und die Spieler, der Altverein, die Vereinsmitglieder und die Fans zum Spielball der Aktionäre und anderer Kapitalunternehmen (Banken, Versicherungen, Konkurrenzunternehmen).

3. Abstieg, Niederlagen, Verletzungen und Formschwäche einer Lizenzspieler-Abteilung können zu prekärem Kursverfall und starken Umsatzeinbußen, sogar Konkurs, führen. Siehe die Entscheidung in England, den Medienzar Murdoch nicht als Käufer von Manchester United zuzulassen.

4. Aktionäre haben bedeutende Rechte und Einfluß auf die Stadioneinrichtungen (Logen, Märkte, etc.) in der Fußball AG , die die Plätze und Anliegen der Fans verdrängen. Schon heute fordern Aktionäre und Bänker (DG Bank) wegen höherer Ertragsmöglichkeiten die totale Versitzplatzung!

5. Die Bundesliga ist sportlich einigermaßen ausgeglichen. Es gab in fast jedem Jahr zahlreiche Beispiele dafür, daß Erfolg nicht käuflich ist. Aufgrund der größeren Marktanteile im Bereich Freizeit, Sport und Unterhaltung ist der Aktienkurs bei Bayern München (165,2 Millionen Mark in 97/98) weniger vom sportlichen Erfolg abhängig als bei einem Verein wie dem VfL Wolfsburg, der einen Umsatz von acht Millionen Mark in 97/98 erzielte. Traurig, aber wahr: Seit dem 23. April ist Wolfsburg auch Aktiengesellschaft – 51 Prozent gehören Volkswagen.

6. Fußball muß Volkssport bleiben. Der Fußballfan, der seinen Verein im Stadion unterstützt, verliert durch eine von Aktionären geplante und bestimmte Fußball AG an Mitsprache und Emotionen. Das Geschäft mit den Aktien ist immer noch das einer Minderheit. Diese Minderheit hat natürlich bis heute nichts mit Fußball zu tun und wittert jetzt ein Geschäft in Milliardenhöhe. Dem DFB und den Vereinen wird es finanziell so reizvoll gemacht, daß diese bereit sind, sich dazu im Prinzip selbst aufzulösen, ohne die Mitglieder und Vereinsfans zu hören. Die Kapitalgesellschaften würden dann zu einem bloßen Markennamen. Wenn das auch der letzte wahre Fußballfan begriffen hat, schwinden mit dem Zuschauerinteresse das Interesse des Fernsehens, der Sponsoren und die Märkte des Merchandising.

7. Der FC Schalke 04 e.V. verfügt nicht mehr über eine Profiabteilung im Bereich Fußball (somit bleiben Schach, Basketball, Handball, Tischtennis, Jugendabteilungen und etc. übrig).