Monopoly…

(bm) Wieder hat sich einiges im Fußballmonopoly getan. Endlich kommen mal wieder neue Teilnehmer ins Spiel: die bisher unbekannten Firmen AIG und IMG, die in Deutschland noch nicht als Rechteverwerter für Fußballvereine in Erscheinung traten. Wurde ja auch schon langweilig. Die Kinowelt will den Fußball ins Kino bringen, aber nicht nur als Spielfilm. Und jetzt werden auch die Radioübertragungsrechte diskutiert, hier können Hoeneß, Calmund und Konsorten ja auch noch Geld verdienen. Die launische Diva vom Main, Eintracht Frankfurt, gehörte wie Werder Bremen, Mainz 05, VfB Stuttgart, 1860 München, SpVgg Unterhaching und auch Schalke bisher zu denen, die Vermarktungsverträge mit der ISPR (Internationale Sportrechte Verwertungs-GmbH) abgeschlossen hatten.

ISPR gab einen Kredit von 17 Millionen Mark und ein sogenanntes Zeichnungsgeld von fünf Millionen nach Abschluss des Vertrages im Sommer 1999. Später wurden aber Gespräche mit dem Vermarktungsriesen IMG (International Management Group) und der Stadt Frankfurt geführt. Der Deal sollte so aussehen: Frankfurt „lagert“ seine Fußballprofiabteilung in eine eigenständige GmbH aus. IMG kauft für 31 Millionen einen Anteil von 31 Prozent an dieser GmbH. Nach einem Eckdatenpapier sollte IMG unentgeldlich die Vermarktung des Clubs und für einen „normalen“ Provisionssatz von 20 Prozent die Vermarktung der TV-Rechte übernehmen, die heute noch ISPR betreibt. Weiter wurde vereinbart, dass die Stadt Frankfurt (Magistrat hatte schon zugestimmt), Eintracht Frankfurt und IMG für 220 Mio. ein neues Stadion bauen.

Kurz vor Abgabetermin der Unterlagen für die Lizenzierung DFB ließ Eintrachts Schatzmeister Leben den Vertrag platzen. Wenig später gab es neue Nachrichten. Laut Leben habe die ISPR das Darlehen von 17 Millionen Mark in eine Barzuwendung umgewandelt, was aber kurz danach vom Leiter der kaufmännischen Abteilung der ISPR, Michael Gott, dementiert wurde. Nach dem bestehenden Vertrag müssen die 17 Mio. in zehn Jahren zurück gezahlt werden. Wie die derzeit rund 14 Millionen Verbindlichkeiten abgebaut werden, ist unklar. Derweil jettet Schatzmeister Leben von der Eintracht weiter durch die Welt auf der Suche nach einem neuen strategischen „Partner“.

Hier bietet sich nun der amerikanische Versicherungsriese AIG (American International Group) an. Von deren Vermarktungsagentur „Octagon“ in London wurde schon Interesse bekundet. Tochter von „Octagon“ ist „Birckholz & Jedlicki“. Von Steven Jedlicki wurden „lose“ Gespräche mit Leben bestätigt. Die AIG besitzt schon entsprechende Verträge mit Fußballclubs in den USA und Brasilien. Michael Kölmel von der Münchener Kinowelt hat immer so tolle Ideen. Sein neuster Coup sieht vor, ab August Fußballspiele live in Kinos zu zeigen. Laut Kinowelt-Pressesprecher Jürgen Mahnke kann sich hier eine ganz neue Zuschauerkultur entwickeln. Die Kinowelt gehört zusammen mit ISPR (verkaufte in den letzten Jahren weiter an ran), tm3 (Champions-League) und tm3-Mitgesellschafter Herbert Kloiber zu den vier Bewerbern um die Fernsehrechte der Bundesliga 2001/2002 beim DFB. Ursprünglich sollte die Vergabe der Rechte bis 15. März 2000 durchgeführt werden, was jetzt auf April vertagt ist.

Die Einnahmen für Free-TV, Pay-TV, Kino- und Internetrechte sollen nach Meinung von Michael Meier und Uli Hoeneß deutlich über den bisher erlösten 330 Mio. liegen. Damit erhalte man dann finanziellen „Anschluss“ an Spanien (600 Mio.), England (585 Mio.), oder Italien (410 Mio.). Bei der Aufzählung der Rechte fehlten die neuerdings diskutierten Radiorechte, denn Radio ist Allgemeingut. Dies ist Leverkusens Calmund noch ein Dorn im Auge. Er möchte Radio-Lizenzen vergeben, wenn festgestellt wird, dass die Leute lieber Radiokonferenzen hören, als ins Stadion zu gehen oder nicht mehr soviel TV gucken. Na dann: Prost Mahlzeit. Also bald Samstag nachmittags ohne Manni Breuckmann Auto waschen? Jetzt ist aber Schluss mit lustig!