Vom Fußball unabhängig

…die Aktie des Börsenspielvereins Borussia. Die Aktie des Börsenspielvereins ist vom spielerischen Erfolg oder Misserfolg unabhängig. Und im Grunde weiß auch keiner so recht etwas mit ihr anzufangen, denn als Wirtschaftsunternehmen ist ein Fußballverein auch nicht wirklich geeignet. Zu diesem Schluss kommen die Diplom-Volkswirte Mirko Dahlke und Armin Rott vom Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität… naja, eh klar. Denn was auch immer auf dem Platz passiert – auf dem Börsenparkett spielt es nur am Morgen eine Rolle – am Ende des Handelstages nivelliert es sich zur Unkenntlichkeit.

Einzig das Pokalspiel gegen einen gewissen FC Schalke 04, das zum Ausscheiden aus dem DFB-Pokal führte, sei eine Ausnahme gewesen, stellen die Wirtschaftswissenschaftler fest. Denn das schmälere die Gewinnaussichten des Wirtschaftsunternehmens Borussia. Überhaupt sei die Ausgabe der Aktie für die Anleger enttäuschend gewesen: Schon bei der Emission lag sie mit elf Mark an der unteren Grenze dessen, was geplant gewesen sei – und das war noch ihr Rekordhoch gewesen, der Kursverlust liegt bei 27,3 Prozent. Damit liegt der Börsenspielverein aber immerhin im internationalen Trend, wie Dahlke und Rott aufzeigen: Außer Sportclub Manchester United konnte keine der mehr als 20 börsennotierten englischen Vereine mit Kurssteigerungen aufwarten.

Selten genug auch werden die Aktien überhaupt gehandelt, so dass oft der Kurs geschätzt wird – und der Handel bei in Not geratenen englischen Vereinen musste auch schon häufig ausgesetzt werden. Die Autoren der Studie schließen nicht aus, dass die sportlichen Leistungen gegen Saison-Ende doch noch Einfluss nehmen könnten. Schließlich bieten große Wettbewerbe, deren Teilnehmer dann feststehen, Chance auf größere Gewinne des Unternehmens Borussia. Doch für Börsianer bliebe ein Fußballverein grundsätzlich wenig interessant: Zu gering sei der Spielraum, der im Rahmen des DFB-Regelwerks bleibe. Übernahmen sind ausgeschlossen, da der Verein Hauptaktionär bleiben muss – und somit können auch keine Übernahme-Phantasien den Aktienkurs in die Höhe treiben – nur ein Beispiel dafür, dass ein Fußballverein eben nicht handeln kann wie ein Wirtschaftsunternehmen; die Interessen der Aktionäre müssen so wenig berücksichtigt bleiben. Auch die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte schränkt den Spielraum ein – und steht somit dem wirtschaftlichen Erfolg im Weg – keine attraktive Aktie insgesamt. Aus wirtschaftspolitischer Sicht, natürlich.