Danke statt Attacke

Aus, aus, aus – das Spiel ist aus. Zumindest für das Parkstadion, das mit seinen knapp 28 Jahren sogar noch einen Tag jünger als Ünal Alpugan ist. 28 Jahre sind für ein Fußballstadion kein Alter, selbst wenn es oft kalt und zugig war. Man war weit weg vom Spielgeschehen und häufig sorgten ein kräftiger Regenguss oder ein Fallschirmspringer für zusätzliches Unwohlsein. In ein paar Jahren werden wir dies verdrängt haben, in Erinnerung werden andere Szenen bleiben.

Einige werden an die Uefa-Cup-Spiele in den 70ern gegen Molenbeek, Florenz und Sportul Bukarest zurückdenken, ebenso unvergessen bleibt das Herzschlagfinale in der Saison 1976/1977 und die damit verbundene Vize-Meisterschaft. Natürlich auch die Rückkehr von Klaus Fischer beim 4:2 gegen den Wuppertaler SV nach seiner Sperre im Bundesliga-Skandal und das dramatische 5:5 gegen die Bayern.

An die Szenen nach dem ersten Abstieg im Sommer 1981 werden wir sich einige mehr in ein paar Jahren zurückerinnern. Genauso an Olaf Thons Sternstunde beim legendären 6:6 im Pokalhalbfinale 1984 gegen die Münchner Bayern. Aber auch der graue Zweitligaalltag gegen Charlottenburg, Lüttringhausen und Meppen gehörte zu den Achtzigern, natürlich auch die Zweitliga-Nichtabstiegsfeier am 11.6.1989 nach dem 4:1-Heimsieg gegen Blau-Weiß 90 Berlin und der Kultstatus von Didi Schacht, Peter Sendscheid, Jochen Abel und Magic Prus.

Der Wiederaufstieg in die erste Liga 1991, das Erreichen des Uefa-Cups durch Andi Müllers Kopfballtor zum 2:1 in der letzten Minute des Spiels gegen Bayern am 11.5.1996, das erste internationale Spiel nach 19 Jahren gegen Roda Kerkrade, die Geburtsstunde von „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ in der Verlängerung des Halbfinales gegen CD Teneriffa – auch das gehörte zum Parkstadion. Genauso wie Marc Wilmots‘ 25-Meter-Schuss zum 1:0 im Finale gegen Inter Mailand und die 30.000 Zuschauer, die zusätzlich zu den 20.000 Königsblauen im San-Siro-Stadion, am 21.5.1997 das Rückspiel und den Cupgewinn auf einer Großleinwand verfolgten.

Unvergessen Michael Goossens Kracher zum 1:0 in der 94. Minute des 1998er Uefa-Cup-Spiels gegen Inter Mailand, Yves Eigenrauchs Weltklasseauftritt gegen den am Ende völlig entnervten Ronaldo im gleichen Spiel, die Gänsehautszenen beim Abschied von René Eijkelkamp 1999 – diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird im Laufe des Monats Mai hoffentlich noch gnadenlos verlängert.

Die Tradition bekommt mit der „Arena auf Schalke“ endlich ein neues Zuhause. Aber genauso wie die älteren unter uns heute die Spiele in der Glückauf-Kampfbahn verklären, werden in den nächsten Jahren wir von unseren Plätzen auf der Nordtribüne der Arena auf das Parkstadion blicken und mit etwas Gänsehaut, einiger künstlerischer Freiheit und einem langgezogenen „Weisse Noch?!“ die Erzählungen von früher beginnen.

Danke.