„Ich will wieder nach Hause!“

(pr) Er ist ein Wandervogel und hat einmal im Jahr seinen großen Auftritt. Dann starren alle auf ihn, strecken die Hände nach ihm aus, wollen ihn anfassen und dem Volk präsentieren. Obwohl er seine eigenen Gesetze hat, verschwindet er nach seinem großen Auftritt wieder für etliche Monate in dunkle Kammern und erblickt erst im Mai des Folgejahres wieder das Licht der Öffentlichkeit. Er wurde 1965 geboren, wiegt nach wie vor zwölfeinhalb Pfund und besteht aus feuervergoldetem Sterlingsilber. Sein Körperschmuck besteht aus zwölf Turmalinen, zwölf Bergkristallen und 18 Nephriten. SCHALKE UNSER fuhr in die DFB-Zentrale nach Frankfurt und sprach mit dem Objekt der Begierde.

SCHALKE UNSER:
Hallo, lang nicht gesehen …

DFB-Pokal
(hüpft freudestrahlend hin und her) Schalker! Endlich! Ich werd‘ bekloppt! Sagt bloß, ihr steht endlich wieder im Pokalfinale? Mir sagt ja hier in meiner Abstellkammer niemand was. Wann? Gegen wen?

SCHALKE UNSER:
Hast du nichts mitgekriegt? Am 26. Mai spielen wir im Finale gegen Union Berlin…

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Niemand hat mir was gesagt, wie immer. Nur das Gefluche der Bayern letztes Jahr im November habe ich mitgekriegt. Da war ich noch mit einigen anderen Pokalen in einer Münchner Glasvitrine untergebracht und habe mitgekriegt, dass sich die Bayern aus dem Pokalwettbewerb verabschiedet haben. Gegen Magdeburg, wenn ich mich recht erinnere. Wir haben uns in der Vitrine die ganze Nacht kaputtgelacht und alle anderen haben mir gratuliert, dass ich bald heraus komme. Wenn ich nur an die Grabschpfoten von diesem Effenberg im letzten Jahr zurückdenke. Nee, danke. Bloß nicht nochmal.

SCHALKE UNSER:
Wir haben übrigens am gleichen Tag die Schwarzgelben vom Borsigplatz aus dem Pokal geworfen…

DFB-Pokal
Danke!

SCHALKE UNSER:
… und dann in der nächsten Runde in Magdeburg gewonnen.

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Nochmals vielen Dank!

SCHALKE UNSER:
Weisse Noch?! 1972…

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Na klar, obwohl ich damals erst sieben Jahre alt war, kenne ich

noch die gesamte Aufstellung: Norbert Nigbur stand im Tor. Hartmut Huhse, Rolf Rüssmann und Klaus Fichtel in der Abwehr, Helmut Kremers, Aki Lütkebohmert, Klaus Scheer und Heinz van Haaren im Mittelfeld. Und vorne stürmten Klaus Fischer, Erwin Kremers und natürlich Stan Libuda. 5:0 habt ihr Kaiserslautern aus dem Niedersachsen-Stadion in Hannover geschossen. 29 Jahre ist das her und ich kann mich noch daran erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre. 100.000 Menschen feierten in Gelsenkirchen und ich als Ehrengast habe jede Minute genossen. Die Glückauf-Kampfbahn, der Schalker Markt, die Innenstadt. Euer neues Stadion gefällt mir übrigens auch ganz gut, zweimal war ich schon dort, aber ihr ward leider nicht da. 1978 beim Pokalfinale zwischen Köln und Düsseldorf und zwei Jahre später gab es ja nochmal eine Neuauflage des Pokalendspiels mit den gleichen Mannschaften in eurem Stadion.

SCHALKE UNSER:
Neues Stadion? Ach so, du meinst das Parkstadion. Eine Woche vor dem Pokalfinale wird dort schon das letzte Spiel stattfinden. Wir haben nämlich schon wieder ein neues Stadion.

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Das geht aber schnell bei euch. Soll das heißen, dass ich dieses Parkstadion gar nicht mehr zu Gesicht kriege?

SCHALKE UNSER:
Das kriegen wir schon hin, dass im Parkstadion noch eine große Schlussfeier mit dir als Ehrengast stattfindet und dann kannst du dir auch direkt das neue Stadion, die „Arena auf Schalke“, angucken, das steht nur ein paar hundert Meter weiter.

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Na gut, da kann ich mit leben. Aber mal ganz was anderes. Ich war ja in den letzten Jahren in verschiedenen Glasvitrinen und überall erzählten sich die anwesenden Pokale und Schüsseln, dass 1997 der UEFA-Cup bei euch war und von zigtausenden Menschen gefeiert und umarmt wurde. Der hat sich seit 1997 nicht mehr gewaschen und sicherheitshalber eine Schutzschicht geschaffen, die alle Polituren und Reinigungsmittel abweist.

SCHALKE UNSER:
Stimmt, den UEFA-Cup haben wir damals gegen Inter Mailand gewonnen und dann durfte ihn jeder in der Geschäftsstelle besuchen.

DFB-Pokal
Das will ich auch…

MEISTERSCHALE:
(kommt plötzlich hereingeschlichen) Es ist also wahr, was man sich hier überall im Hause erzählt. Schalker sind da, ach ich wär auch mal wieder gerne in Gelsenkirchen.

SCHALKE UNSER:
Hallo Meisterschalke, äääh Meisterschale, kannst du haben. Im Moment ist alles an der Tabellenspitze noch dicht zusammen. Am 19. Mai spielen wir am letzten Spieltag im Parkstadion gegen Unterhaching, dann bist du vielleicht der Ehrengast.

MEISTERSCHALE:
Unterhaching? Da habe ich mich doch letztes Jahr kaputtgelacht, als dieser Werkclub vom Rhein, wie heißt er noch gleich, egal, mit einem herrlichen Eigentor die Meisterschaft verspielt hat.

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Das wär was, mit der Meisterschale zusammen die ganze Nacht in Gelsenkirchen durchzufeiern. Ich hätte übrigens noch eine ganz persönliche Bitte. Nach einem Pokalsieg schütten mir die meisten Leute Schampus in den Bauch. Und ich kriege davon immer fürchterliches Sodbrennen. Habt ihr ’ne Ahnung welche Wirkung so ein Mix aus Champagner, Reinigungsmittel, Schweiß und Politur hat?

SCHALKE UNSER:
Was hältst du von einigen Litern frisch gezapftem Pils?

DFB-Pokal
Geil, habe ich schon fast dreißig Jahre nicht mehr getrunken. Acht Liter sind übrigens eine Füllung.

SCHALKE UNSER:
Dann bis zum 26. Mai, wir können ja auf der Rückfahrt nach Gelsenkirchen noch zusammen quatschen. Glückauf.