Die Borussia-­Dortmund­-Fanprägung

(axt) „Sie sind bevorrechtigt, die offizielle Borussia­Dortmund­Fanprägung für nur 5,­ Euro zu erhalten*.“ Kotz. Nach deutschem Strafgesetz ist auch ein Selbstmord nicht strafbar und vermutlich auch besser für das Hirn als diese „Fan“­Prägung. Aber nur, weil ich dazu berechtigt bin, muss ich auch das nicht machen. (*Rechtschreibung und Zeichensetzung korrigiert ­ d. Red.)

Und so ein Scheiß (ich entschuldige mich für das Wort ­ es ist viel zu harmlos) flattert einem ins Haus. Liebevoll wird das umschrieben mit: „Auf der Basis unseres Auswahlverfahrens wurde Ihnen ein Coupon zugestellt.“ Dieses Auswahlverfahren besteht nun darin, in einer Stadt zu wohnen, die in der Nähe der verbotenen liegt ­ und zwar leider näher, als diese dem ominösen Ort, wo der Pfeffer wächst.

Rausgeschickt hat diese noble numismatische und pittoreske Raritätenwerbung ausgerechnet das „Bayerische Münzkontor“. Gut, jenseits der Grenzen Deutschlands ist eh alles ganz anders und südlich der Donau wurde ja auch der Schwachsinn erfunden, aber das ist doch ein gaaaanz kleines bisschen zu viel des Schlechten. Aber weiter im Text: „Dieser berechtigt Sie, die Borussia-Dortmund-Fanprägung zum Vorzugspreis von nur 5,- Euro zu erhalten.“ Das habe ich doch schon mal gelesen? Richtig, der Wisch wendet sich ja auch an die Fans von diesem Dingsbumsverein, und da sollte man das, was auf dem Coupon steht, sicherheitshalber noch mal im Anschreiben erwähnen. Aber nicht mehr, schließlich ist ja nicht sicher, ob der Empfänger bis drei zählen kann.

Und was bekommt man für fünf sauer-verdiente (entspricht einer knappen Stunde Frikadellenwenden in einem Fastfood-Restaurant) Euro? Ein Stück Blech. Nicht einmal eines, das Matthias Sammer höchstpersönlich geredet hätte, sondern einfach nur eine Münze. Und was soll der Durchschnittsfan dieses Dingbumsvereins damit? Erst spart er sein Taschengeld mühsam zusammen, um dann eine popelige Münze zu bekommen? Bisschen zu teuer, um das Ding hinterher über den Dortmund-Ems-Kanal oder eine stinkende Jauchegrube flitschen zu lassen.

Und die weniger durchschnittlichen und damit vielleicht volljährigen Fans dieses Dingsbumsvereins? Die betrachten fünf doch als „zwei und zwei und noch eins“, denn weiter können sie eh nicht zählen – siehe oben.

Gnädigerweise, so erfahren wir auch aus dem Coupon, entfallen Porto und Verpackungsentgelt: Na super, und? Wir wissen ja, dass die Post auch Bierdeckel transportiert, wenn sie nur ausreichend frankiert sind. Von daher dürfte sie auch Blech in Klopapier weiterbringen – aber für solcherlei adäquates Verpackungsmaterial wird man ja wohl kaum Geld verlangen dürfen.

Interessant ist auch der Passus „Der beliebte Ballspiel-Verein mit der aufregenden Gründungsgeschichte wird geehrt“. Beliebt ist auch die Kelly Family – bei einer entsprechend strukturierten Klientel. Aber lassen wir die Gründungsgeschichte doch noch mal Revue passieren: Ein paar Westfalen, frisch zu Preußen (mittelhochdeutsch: Pruzzen, latein: Borussia) gekommen, drehten die Pickelhaube auf links, setzten sie auf und stellten fest, dass das keinen besonderen Schaden anrichte. Darauf überlegten sie, dass Schweinepolo auf Dauer ein wenig langweilig war, und traten von da an lieber die Schweine selbst (also die tierischen, nicht die Spieler). Das war aber ein wenig schwierig.

Als dann ein aus der charmanten Provinz Buer Durchgereister vorbeikam, erläuterte er ihnen, dass man das weiter im Westen auch tue, man aber lieber das Schweinsleder nicht mit Schwein, sondern mit Luft füllte. Nach diesem Innovationsschub war der Ballspiel-Verein geboren.

Im Begleitschreiben zur Reklame liest sich das so: „Am 20. Dezember 1909 wurde dieser Verein unter Turbulenzen im Restaurant ,Zum Wildschütz´ gegründet. Hier trafen sich 40 Mitglieder einer katholischen Jugendgruppe, um den ,BVB´ (Anführungszeichen vom Bayerischen Münzkontor gesetzt – d. Red.) zu gründen. Doch der Kaplan persönlich erschien, um das zu verhindern. Es kam zu einem Handgemenge.“ Und was lehrt uns das? Man muss nicht immer bedauern, dass die Kirche seit dem Mittelalter in ihren Strafmaßnahmen nachgelassen hat. Die Hexenverbrennungen waren zwar nicht human, aber immerhin effektiv. Und eine angemessene Teufelsaustreibung hätte hier so manches verhindern können.

Nett auch, dass man den Borussen erklärt, was sie auf dem Bild sehen: „Die ,Borussen´ (Anführungszeichen vom Bayerischen Münzkontor gesetzt – d. Red.) in der ,Fan´kurve (Anführungszeichen nicht vom Bayerischen Münzkontor gesetzt – d. Red.)“. Ja, aber warum die Erklärung? Borussen können doch eh nicht lesen, also hilft die Erklärung nicht wirklich.

Interessant auch die Rückseite des Briefumschlags, in das dieses Pamphlet gesteckt wurde: Die Postwurfsendung hat ein wahnsinnig wichtiges und postalisches Aussehen – aber vorsichtshalber wurden Unterschrift, Anschrift und Zustellvermerke gleich mit aufgedruckt, denn das Ding hat ja keinen personifizierten Adressaten (wäre ja auch noch schöner, da ließe ich mich sofort auf die Robinson-Liste für mega-dämliche Werbung setzen). Und die Haken sitzen gleich auf „Anschrift ungenügend“ und „Sonstiges“. Ganz ehrlich: Ich hätte da das Feld „Verstorben“ angekreuzt – mit dem Kommentarfeld „Hirntod“, wenn schon das schlichte „Verweigert“ nicht geht.

Und was soll das Versprechen: „Sie gelangen damit in den Vorzug, eine aufwändig gearbeitete Farbprägung mit einer möglichen künftigen Chance auf Wertzuwachs zu besitzen.“ ­ „Mögliche künftige Chance“? Und ich Depp dachte immer, Chancen wären an sich „sicher“ und in die Vergangenheit gerichtet. Aber vielleicht hat das Bayerische Münzkontor den angedeuteten Hauch eines diffusen Schimmers einer vagen Ahnung, was die mich mit so einer absolut dämlichen Werbung mal können ­ und an welchen Körperteilen.

Zum Schluss muss noch einer den Passus „höchste Prägequalität ,polierte Platte“ erläutern. Sammers Haar ist zwar schütter, aber so schlimm ist das doch auch nicht.