„Ich wollte nie ein Kind von einem Wattenscheider haben. Jetzt schon.“

(rk) Neben Papst Johannes Paul dem II., von dem man nicht wirklich weiß, ob er bei den Spielen der Königsblauen mitfiebert, gibt es nicht allzu viele prominente Schalke-Fans. Einen von ihnen hat der Schalke-Virus allerdings voll erwischt. SCHALKE UNSER sprach mit dem Schauspieler und Schalker Fan-Initiativen-Mitglied Peter Lohmeyer über seinen neuen Film „Das Wunder von Bern“.

SCHALKE UNSER:
Peter, dein neuer Film kommt am 16. Oktober in die Kinos. In „Das Wunder von Bern“ spielst du die Hauptrolle. Wie ist es dazu gekommen?

PETER LOHMEYER:
Regisseur Sönke Wortmann hatte schon immer einen Faible für Helmut Rahn. Er war aber auch der Meinung, dass es in Deutschland nicht möglich sei, einen Fußballfilm zu drehen, da die deutschen Schauspieler einfach nicht kicken können. Ich musste ihn da erst einmal aufklären, denn es gibt sehr wohl kickende Schauspieler. Ich etwa habe in der C-Jugend vom VfB Stuttgart gespielt. Gestern haben wir erst wieder mit unserer Hobbytruppe gespielt ­ da hab wieder vier Dinger sowas von versenkt. Sönke Wortmann hat bekanntlich bei der Spvgg Oer-Erkenschwick gespielt, bei einem Benefiz-Spiel dort habe ich einmal den Frank Mill total blass aussehen lassen. Nachdem ich das 1:0 und das 2:0 gemacht hatte, war der Frank Mill irgendwie konsterniert.

SCHALKE UNSER:
„Das Wunder von Bern“ verfilmt die Geschichte der Walter-Elf beim großen WM-Triumph 1954 im Berner Wankdorfstadion. Was ist genau deine Rolle in dem Film?

PETER LOHMEYER:
Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war für mich klar, dass ich den Helmut Rahn nicht spielen würde. Helmut Rahn wird übrigens von Sascha Göpel gespielt, ein Schauspielschul-Absolvent, der auch in der A-Jugend von Rot-Weiß Essen gespielt hat. Mich interessierte vielmehr die Rolle des Spätheimkehrers Richard Lubanski, der 1954 aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kommt und seiner eigenen Familie fremd geworden ist. Seinen Sohn Matthias hat er über zehn Jahre lang nicht gesehen, er ist heimatverloren und hat große Schwierigkeiten sich zurecht zu finden. Matthias ist der allergrößte Fan der Nationalelf, als Taschenträger von Helmut Rahn verdient er sich ein paar Groschen hinzu. Rahn versichert ihm, dass, wenn Matthias als „Maskottchen“ mit zum Endspiel kommt, sie die WM auch gewinnen. Matthias größter Wunsch ist es dann natürlich, in die Schweiz zum Finale zu fahren. Der Matthias wird übrigens von meinem eigenen Sohn Louis gespielt. Louis war zur Drehzeit zwölf Jahre alt. Das musste dann mit den Drehzeiten immer so passen, dass wir die in die Ferien gelegt haben.

SCHALKE UNSER:
Hatte denn der Sönke Wortmann bei den Dreharbeiten seine BVB-Kappe auf?

PETER LOHMEYER:
Nein, das würde er auch in meiner Gegenwart nie wagen. Im Film kommt übrigens auch heraus, warum Deutschland das Finale in Bern mit 3:2 gewonnen hat. Eigentlich haben wir das einem Schalker zu verdanken. Wenn nämlich Bernie Klodt damals nicht so generös seinen Platz dem Helmut Rahn überlassen hätte, wäre es vermutlich gar nicht soweit gekommen.

SCHALKE UNSER:
Aber selbst miterlebt hast du die WM damals nicht.

PETER LOHMEYER:
Nein, ich bin Jahrgang 1962, hätte also frühestens zur WM nach Chile mitfahren können. Aber die Szenen der Walter-Elf sind jedem Fußball-Fan eingeprägt. Das „Aus, aus, das Spiel ist aus“ von Herbert Zimmermann ist wohl das bedeutendste Erlebnis der deutschen Fußball-Geschichte.

SCHALKE UNSER:

Du hast schon in über siebzig Filmen mitgespielt, dabei auch zusammen mit Joachim Krol in „Zugvögel – einmal nach Inari“. Wie ist das denn mit einem Borussen zusammenzuarbeiten?

PETER LOHMEYER:
Da gibt’s keine Probleme. Ich hab auch schon mit dem Dietmar Bär in „Nie mehr 2. Liga“ zusammen gespielt. Er im BVB-Trikot, ich im Schalke-Trikot, das war schon lustig. Der Humor darf natürlich nicht auf der Strecke bleiben, Sarkasmus und Sticheleien müssen einfach sein. Solange das nicht in Schlägereien ausartet, ist Fan-Rivalität eine tolle Angelegenheit.

SCHALKE UNSER:
Du bist auch sonst dem Fußball sehr verbunden und hältst Lesungen aus Fußball-Büchern.

PETER LOHMEYER:
Ja, das macht einen Riesenspaß, Nick Hornbys „Fever Pitch“ habe ich schon ein paar mal vorgetragen, unter anderem zusammen mit St. Pauli-Präsident und Theater-Leiter Corny Littmann in St. Pauli. „Am Sonntag, als ich Weltmeister wurde“ von Friedrich Christian Delius habe ich erst neulich in der Dorfkirche von Bochum-Stiepel vorgelesen. Ich bin Pfarrerssohn und mein Großvater war auch Pfarrer in eben dieser Dorfkirche. Wenn ein Schalker mal beten will, ist das mit Sicherheit ein schöner Ort dafür.

SCHALKE UNSER:
Du bist auch Mitglied in der Schalker Fan-Initiative.

PETER LOHMEYER:
Ja, vor ein paar Jahren fiel mir Euer Heft in die Hände. Neben dem „Viertel nach Fünf“ aus St. Pauli, das es nun leider nicht mehr gibt, sicher eine der Fan-Zeitungen, die mir am besten gefallen. Aufgewachsen bin ich in Hagen. Mit sechs Jahren ist man in dem Alter, in dem man sich für einen Verein entscheiden muss. Und mein Verein war Schalke 04. Als wir nach Stuttgart umgezogen sind, habe ich die Leute dort mit ihrem „Schwäbisch“ so schlecht verstanden. Ich konnte mich kaum verständigen, und beim Bolzen in der ersten Sportstunde hatte ich ein Schalke-Shirt an. Meine Mitschüler, die meinen Namen noch nicht kannten, nannten mich von da ab einfach nur noch „Schalke“. So etwas prägt.

SCHALKE UNSER:
Der Film „Fußball ist unser Leben“ spielt im Schalke-Milieu, die Hauptrollen waren besetzt mit Uwe Ochsenknecht und Ralf Richter. Hatte man bei dir gar nicht angefragt?

PETER LOHMEYER:
Doch, erst waren Joachim Krol und ich dafür vorgesehen. Doch ich hab mich mit dem Regisseur unterhalten, und der sprach auch schon wieder so ein schwer verständliches Schwäbisch. Ich fragte ihn, ob er selbst auch Fußball spielt, und er antwortete „Jo, isch häb och scho gekickt als Kind ­ danach nicht mehr.“ Da war für mich klar, dass ich das nicht machen werde. Man muss schon zu hundert Prozent dahinter stehen.

SCHALKE UNSER:
Und was sagst du zur aktuellen Schalker Mannschaft?

PETER LOHMEYER:
Wollen wir hoffen, dass es bergauf geht. Ich hab den Hamit Altintop live beim Derby gegen den BVB gesehen, und sage nur eins: „Ich wollte nie ein Kind von einem Wattenscheider haben. Jetzt schon.“

SCHALKE UNSER:
Peter, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für „Das Wunder von Bern“. Glückauf.