Mondiali Antirazzisti – Antirassistische Fußballweltmeisterschaft 2004

(jc) Zum achten Mal fand im Sommer die antirassistische Fanweltmeisterschaft im italienischen Montecchio statt. Nach dem hervorragenden dritten Platz des Vorjahres (von 168 Teams) fuhr die Schalker Fan­Initiative in diesem Jahr ohne größere sportliche Ambitionen in den Süden. Dafür hatten wir Kühlschrank, Festzelt und Biergarnituren an Bord, was die Interessenlage gut dokumentiert: netten Fussek spielen, aber vor allem Spaß haben. Und so kamen wir nach 16 Stunden Busfahrt morgens an. Schnell bauten wir die Zelte im für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Regen auf. Kurz erfrischt und dann verschafften wir uns den ersten Überblick.

Am Nachmittag kam als erster Gegner Modena, von dem wir uns, nach gutem Spiel, unentschieden trennten. Abends dann die schon bekannten Gesangswettkämpfe, bei denen wir nicht immer gut aussahen.

Für uns ging es am nächsten Morgen mit einer Niederlage gegen eine sympathische kurdische Mannschaft weiter, wobei man sich die Frage stellt, wie es zu einer Spielansetzung um 9.30 Uhr kommen konnte. Ohne Ersatzspieler, die nicht aus den Zelten zu kriegen waren, dafür mit jeder Menge Restalkohol waren wir chancenlos. Einigermaßen ausgenüchtert wurden die folgenden zwei Spiele gegen Patkari Mazedonia und Libe Resistence gewonnen, und so fehlte nur noch ein Sieg zum Weiterkommen.

 

 

Unglücklicherweise fand dieses letzte Spiel gegen St. Pauli am folgenden Tag wieder um 9.30 Uhr statt. Diese Mannschaft war bis dato sieglos und die ersten drei Minuten sahen auch nach einem leichten Spiel aus, bis sich dann ein Schalker im eigenen Strafraum vertändelte (Lucio lässt grüßen), Gegentor, Hamburger Catenaccio und damit raus aus dem Turnier. Aber so konnten wir uns die letzten beiden Tage voll auf die Veranstaltung konzentrieren. Diese war gewohnt gut organisiert. 5000 Leute unterzubringen, zu verköstigen und gute hygienische Bedingungen aufrecht zu erhalten, forderte den vollen Einsatz von fast 200 ehrenamtlichen Helfern.

Jeder konnte sich bei Informationsveranstaltungen von Fare („Football against Racism in Europe“), Gesprächen mit Partisanen, Debatten über die Zukunft der Ultras oder auf der Ausstellungsfläche der Piazza Antirazzista über Fanarbeit und Antirassismus informieren. Vor allem aber die fünftägige Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, auf dem Platz und außerhalb, erfüllte den Zweck der Toleranz- und Akzeptanzerweiterung.

Auf dem Spielfeld klappte das durch die Bank gut, daneben kam es allerdings zwei Mal zu körperlichen Auseinandersetzungen, was zum Ausschluss von drei Teams führte. Den hohen Kosten der Mondiali in Höhe von 160.000 Euro mussten die Veranstalter diesmal bei der Auswahl der Bands Tribut zollen. Spielten in den letzten Jahren noch Hochkaräter wie „Gentleman“ oder „Chumbawamba“, so war dieses Jahr höchstens „Zion Train“ der Mehrzahl bekannt. Dies tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch. So bleibt allen nur zu wünschen, dass sich die Mondiale Antirazzisti weiter etabliert.