Tschakka

FIFA-Schiedsrichter Dr. Markus Merk hängt den Zahnarztkittel an den Nagel und gibt seine Praxis in Kaiserslautern zum Jahresende auf. Gleichzeitig teilte er mit, dass dieser Entschluss nichts mit der in letzter Zeit an ihm laut gewordenen Kritik (beispielsweise auf Grund der bestehenden Freundschaft zu Griechenlands Trainer Otto Rehagel, dessen Team das von Merk geleitete EM-Finale bestritt) zu tun habe.

Der 42-Jährige, der seit mehr als dreieinhalb Jahren auf eigenen Wunsch kein Spiel des FC Schalke 04 mehr geleitet hat, begibt sich nun auf neue berufliche Wege. Ihm lägen interessante Angebote als Motivationstrainer oder Buchautor vor, ließ er verlautbaren. Dass heutzutage jeder C-Promi seine Biographie zwischen zwei Buchdeckel presst, ist nun wirklich nichts ungewöhnliches mehr. Doch Dr. Markus Merk als Motivationsguru – kann das außerhalb Bayerns funktionieren?

Motivationstrainer arbeiten mit dem Versprechen, dass positive Gedanken sich materialisieren, so man denn nur fest genug an sie glaube. Ein Konzept, an dem anscheinend wirklich etwas dran ist. Man erinnere sich nur einmal an den legendären Emil („Tschakka!“) Ratelband, der sich in den 90ern sogar positiv ins deutsche Fernsehen hineindachte. Unvergessen auch Jürgen Höller, der sich in der frühen 2000ern zunächst erfolgreich an die Spitze einer selbstverliebt kreischenden „Ich bin das Allergrößte“-Bewegung setzte, um sich kurz darauf in ein „Stipendium der Staatsanwaltschaft zum ungestörten Eigenmotivationstraining“ (böse Menschen würden das auch Haftstrafe nennen) hineinzudenken.

Auf dem Gebiet der selbsterfüllenden Suggestion hat Merk bewiesenermaßen beste Referenzen. Was die Kraft seiner ureigenen Gedanken so alles bewirken kann, durften wir Schalker zuletzt beim Finale der Saison 2000/2001 live an der Videowand erleben.