Terminal

(dr) Nein, es geht hier nicht um Oscars, Hollywood und Schauspielerei. Doch was sich rund um Schalkes UEFA-Cup­Auftritt bei den Hearts of Midlothian abspielte, liefert genug Stoff für eine Neuauflage des Films „Terminal“ oder auch „Fußball ist unser Leben, Teil II“. Wenn Schalke-Fans durch Europa reisen, erleben mehrere Gruppen – stets individuell reisend – ihre ganz persönlichen Abenteuer. Beleuchten wir doch mal die Erlebnisse von einigen Schalker Originalen.

Wir schreiben den 2.11.2004, als die User des Westline-Forums „Wuppi2“ und „Caipirinha“ sich früh morgens auf dem Weg zum Flughafen Haan entschließen, erst mal in Ruhe zu frühstücken, weil bis zum Hinflug „ja noch genug Zeit sei“.

Währenddessen werden unweit der verbotenen Stadt Abschiedsszenen von der Familie geprobt. Enatz, Jason, Guido und Raphael verabschieden sich von Kind und Kegel, um gemeinsam ein Schalke-Spiel auf der Insel zu sehen. Der Flug geht erst am anderen Morgen – natürlich kehrt man am Abend vorher bereits in einer zünftigen Gaststätte ein, um sich ordnungsgemäß auf die Tour einzustimmen.

In Altenberge packen die Mitglieder des ortsansässigen Fanclubs auch schon die Rucksäcke. Vom Flughafen Lüdenscheid geht es dann morgens, zusammen mit den Westlinern „Heo“, „youri“ und „Lofoten.de“ zunächst Richtung London. Wie sich schnell herausstellte, war es aber mit der Pünktlichkeit am Flughafen so eine Sache. Guido und Ele fanden den Weg aus der Kneipe leider nicht rechtzeitig, und auch „Wuppi 2“ und „Caipirinha“ waren zu spät in Haan. Die Anmerkung während des Frühstücks, „in einer Stunde sind wir in der Luft“ ließ die beiden zig Kilometer vor dem Eifelflughafen zwar schnell wach werden, doch Raynair hatte die Flüge eine Stunde vor Abflug bereits verkauft.

So ergab es sich dann, dass man auf harten Fliesen in der Abfertigungshalle schlafen musste. Guido und Raphael dagegen hatten Glück mit Easyjet. Man wurde einfach in die nächste Maschine gesetzt und war somit pünktlich auf der Insel.

Beim Zwischenstopp in Luton wurden allerdings drei weitere Schalker, deren Namen bis heute unbekannt sind, vor eine große Aufgabe gestellt. Aus „wait in lounge“ schlossen die drei, dass man nun die Wahl habe, am Gate zu warten oder noch mal essen zu gehen. Zitat: „Wait or Lunch!“ Ich muss jetzt nicht groß erwähnen, dass der eingelegte Lunch das Verpassen des Fliegers zur Folge hatte.

In Edinburgh angekommen, trafen dennoch alle besagten Personen recht schnell zusammen. Die Kneipen am Grass- und Haymarket waren recht schnell bevölkert und an Völkerverständigung ließ man es auch nicht fehlen. Nach dem Spiel tat sich hier besonders der Fanclub Altenberge/Buer hervor, der auf Grund seiner stimmungsvollen Einlagen von jedem Gast der Kneipe persönlich und per Handschlag verabschiedet wurde.

 

Auch der Royal Mail Service, der die Abrechnungen der täglichen Nachnahmesendungen gern bei vier bis fünf Pints in einer Kneipe macht, hatte Verständnis für die Souvenirsammelleidenschaft der Altenberger und schenkte den Jungs direkt ein paar rote Posttaschen, die kurzerhand auf dem Boden der Kneipe entleert worden waren. So trug es sich zu, dass die Jungs am Abflugtag natürlich völlig betrunken, in Heartstrikots und bewaffnet mit roten Posttaschen und abmontierten Parkverbotsschildern im Terminal eintrafen.

Raphael und der bissige Guido, die ja bereits den Hinflug verpasst hatten, wurden mit viel Beifall am Flughafen empfangen. Dass die beiden es geschafft hatten, pünktlich zum Flughafen zu kommen, grenzte eigentlich an ein Wunder. „Heo“ über die beiden: „Die zwei machen aus jeder Auswärtsfahrt einen Abenteuerurlaub. Die verlaufen sich auch in einer Telefonzelle. Der einzige Pluspunkt für die beiden ist ihr Organisationstalent. Kippen und Bier können die überall und in jeder Sprache schnorren.“

So wunderte es niemanden, als die beiden beim Zwischenstopp in Luton die versammelte Gruppe 15 Minuten vor Abflug fragte, ob man nicht mal langsam einchecken solle. Wieder hagelte es Beifall – nur kam diesmal noch Gelächter hinzu, denn alle anderen hatten bereits eingecheckt. Guido, dies zu seiner Entschuldigung, wollte seiner Tochter noch ein Souvenir kaufen. Erst als der Flieger abgehoben hatte, und die beiden nicht durch Anwesenheit glänzten, wurde den Kumpels Jason und Enatz bewusst, dass sie das gleich, in nicht wirklich nüchternem Zustand, den wartenden Frauen und Kindern am Flughafen in Lüdenscheid beizubringen hatten.

Und wenn es das nächste Mal heißt: „Wait in lounge“, nehmt besser keinen Imbiss. Ihr könntet etwas verpassen.