Attacke – Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Der DFB macht mal wieder eine Kampagne. Wie immer, wenn er durch irgendwas Symbolhaftes signalisieren will, dass er eigentlich nicht mehr weiter weiß.

Diesmal sollte gemeinsam mit dem Dekra und mit Unterstützung der Medienpartner ARD und ZDF eine grüne Karte sein, mit der alle Fans ihre Solidarität signalisieren sollten. Dazu noch schnell eine eigene Homepage im Internet eingerichtet, auf der man sich sogar eine „grüne Karte“ downloaden konnte.

Aus Zeitgründen hat man da wohl eine alte Idee recycelt. Vor Jahren hat der DFB schon mal eine „grüne Karte“ im Jugend­ und Amateurbereich präsentiert. Damals allerdings, um beim Jugend­ und Amateurfußball eine Zeitstrafe zu signalisieren. Beim Hockey steht sie übrigens für die Verwarnung der gesamten Mannschaft.

„Ohne Schiri geht es nicht“ heucheln auch die selbsternannten Sportexperten in den Sendeanstalten und geilen sich nach der folgenden Werbepausen in diversen Superzeitlupen (Wer hat sich eigentlich diesen unsinnigen Begriff ausgedacht?) an den heutigen Fehlentscheidungen der Männer, die früher mal in schwarz rumliefen, auf.

Dann wird schnell die Betroffenheitsmiene aufgesetzt und darauf hingewiesen, dass das menschliche Auge die Abseitsposition eigentlich kaum hätte erkennen können und dem Schiri und dem Liri gar kein Vorwurf zu machen sei. Und die nächste Superzeitlupe mit der nächsten strittigen Entscheidung wird garantiert innerhalb der nächsten 120 Sekunden hinterhergeschoben.

Beim Pokal­Viertelfinale gegen Hannover 96 strahlte mich die große grüne Karte, die ich beim Einlaufen der Mannschaften hochhalten sollte, erwartungsvoll an. Der nicht vorhandene gute Wille verschwand vollends, als man mich per Flyer darauf hinwies, dass ich mich noch mehr prostituieren könnte, wenn ich an einem Preisausschreiben teilnehmen würde, bei dem ausgerechnet „Markus Merk“ die richtige Lösung gewesen wäre.

Lieber dankte ich den Ultras für ihre Choreografie mit tausenden von roten Karten zu Spielbeginn. Und natürlich dem Menschen drei Reihen vor mir, der beim Einlaufen des Gespanns in schwarzgelb einen ausgefüllten Oddset-Schein hochhielt.

In der Halbzeitpause habe ich mir noch mal den Flyer durchgelesen: „Der DFB verfügt über neutrale, verantwortungsbewusste und kompetente Schiedsrichter, die jedes Wochenende einen tollen Job machen.“ Stimmt, vielleicht sollte jemand davon auch mal ein Schalke-Spiel pfeifen dürfen.