Und geht das SCHALKE UNSER auf die Reise – Briefe in die Diaspora

Schalke-Fan bin ich schon seit Mitte der 70er Jahre. Die eigenen balltretenden Fähigkeiten waren zu Schulzeiten unterdurchschnittlich und erlaubten außerhalb der Ersatzbank höchstens mal den Einsatz als Verteidiger. So wurde die spektakuläre Torgefahr des Duos Fischer – Abramczik zum Traum eines Fußballjungen, und über Jahre hinweg verfolgte ich die Taten der Schalker bei der WDR-Radio-Konferenz und im Fernsehen.

Die eigentliche Infektion mit dem blau-weißen Virus fand jedoch erst 1983 statt. Damals nutzte ich den gerade erworbenen Führerschein zum Besuch meines ersten Profi-Fußballspiels – selbstverständlich im Parkstadion. Sollte ich mal Enkel haben, so werde ich ihnen sicher mal erzählen, dass ich beim Jahrhundertspiel meiner Schalker gegen die Aufgeblasenen ohne Lederhosen dabei sein durfte: 6:6 beim David gegen Goliath – und Olaf gab tatsächlich den Thon an.

Von da an nahm ich jedes Jahr ein paar Mal die Reise in mein 200 Kilometer entferntes Mekka des Fußballs auf. Ein unvergessenes Highlight war das 4:1 gegen Blau-Weiß Berlin in der Saison 1988/89, mit dem der Abschied aus dem Profi-Fußball gerade noch mal abgewendet wurde und das mir einen Vorgeschmack auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft gab, auch wenn dieser weiter hartnäckig auf sich warten lässt.

Seit 1995 lebe ich in Hong Kong, das mir ein echtes Zuhause geworden ist. Ein großer Nachteil sind jedoch die mehr als 10.000 Kilometer, die mich von Schalke trennen. Schalke-Fans habe ich noch keine gefunden, dafür ein paar Anhänger der Großkopferten sowie einige Werder- und HSV-Fans, was zumindest eine gute Basis für manchmal hitzige Diskussionen über den Stand der Liga, das Schicksal der eigenen Vereine sowie die Lage im deutschen Fußball im allgemeinen ermöglicht.

In den ersten beiden Jahren nach meiner Ankunft habe ich selbst noch den Hajto gemacht und in einer deutschen Hobby-Mannschaft samstags das lederne Rund über den Rasen des Universitäts-Sportplatzes gekickt. Seit 1997 bin ich im fußballerischen Vorruhestand, obwohl ich auch heute noch nichts halbwegs Rundes einfach so herumliegen sehen kann.

Die Einheimischen (sprich: Chinesen) stehen hauptsächlich auf die Premier-League, die auch entsprechend im TV vertreten ist. Daneben wird auch regelmäßig über die spanische und italienische Liga sowie natürlich die Champions League berichtet. Live kann man hier Fußball einmal im Jahr beim Carlsberg-Cup erleben, bei dem eine Hong Kong-Auswahl ein Turnier mit drei weiteren Nationalteams spielt. Und natürlich waren auch Real Madrid und Manchester United schon zu Gastspielen hier, für die die Fans hier manchmal Tage lang um Karten anstehen.

Im allgemeinen ist Hong Kong jedoch eine Fußball-Diaspora. Hauptinformations-Quelle über Schalke ist für mich das Internet sowie das Kicker-Abo, beides allerdings nur ein schaler Ersatz für Schalke-Live, was mir besonders beim Gewinn des UEFA-Cups sowie der Vier-Minuten Meisterschaft bewusst wurde.

Seit ein paar Jahren wird am Samstagabend immerhin ein Bundesligaspiel live im Kabelkanal übertragen, womit für mich der Bundesliga-Samstag um 22.30 Uhr beginnt und erst nach Mitternacht endet.

Im Jahr 2000 bin ich bei der Eingabe von „Schalke“ in der Internet-Suchmaschine auf die Website des SCHALKE UNSER gestoßen und habe dann umgehend ein Abo bestellt. Der Erhalt des SCHALKE UNSER ist seitdem ein echtes Highlight, weil es von Schalkern geschrieben ist und mir mehr als nur eine sachliche Berichterstattung liefert.

Und daher möchte ich den Herausgebern für dieses Stück Schalke danken, das mir trotz elf Flugstunden Distanz und sechs bis sieben Stunden Zeitunterschied ein Leben im Schatten von Parkstadion und Donnerhalle ermöglicht hat. Macht weiter so! Wir sehen uns spätestens zur achten Deutschen Meisterschaft!