Gelb allein macht auch nicht glücklich

(dsf) An Glücksbringer habe ich schon als Kröte nicht so recht glauben können. Immer, wenn ein Gegenstand magisch zu werden schien und ich fast überzeugt war, begann er zu versagen. An Rituale konnte ich eher glauben; am ehesten aber an Opfer, die das Schicksal bestechen sollten. So etwas wie „Wenn ich diese widerlichen Bohnen jetzt aufesse, darf ich morgen bestimmt ins Kino. Und bekomme sogar die Kohle dafür.“ Das hat zwar auch nicht immer geklappt, ließ mir aber immerhin die Genugtuung, ich hätte ja wohl alles für das Ziel getan.

Das ist als (ähh weitgehend) erwachsener Schalke-Fan nicht besser geworden. Scheinbare Glücksbringer – vom T-Shirt über das Schweißband, von der heiligen Mütze über Pins und faszinierend geschmacklosen Schmuck – werden zwar getragen, haben aber keine magische Kraft. Oder höchstens drei Spiele lang. Manchmal, ganz heimlich, meine ich dann, auf Auswärtsfahrten ein Opfer bringen zu müssen.

Es gibt da so ein Schalker Auswärtstrikot. Original, langärmlig, glänzend und gelb – sehr gelb. Mit einem verschämten bisschen dunkelblau. Von Thomas Linke.

Ich sah es zum ersten Mal, als ich am 10.4.1999 mit ein paar Jungs, die ich bei der Abfahrt noch nicht einmal gut kannte, zum Auswärtsspiel nach München fuhr.

Einer von ihnen trug dieses Teil, und zeigte stolz auf einen kleinen blauen Punkt: Die Stelle, die Linke mit dem Edding berührt haben soll, bevor es ihm entrissen wurde und irgendwie beim Träger landete. Die Geschichte machte was her – aber die Farbe, die ist schon gewöhnungsbedürftig und fast jeder wundert sich darüber.

Alle Schalker hatten wohl verdrängt, dass wir diese Trikots mal hatten, und man musste ständig leseunfähigen Besoffenen erklären, dass der Mann in dem Leibchen wirklich Schalker war – und nicht sonst etwas merkwürdiges aus dem Ruhrpott.

Schnell war klar, dass man sich mit diesem Stoffkunstwerk keine Freunde macht. Nun denn, wir fuhren, tranken, spielten Karten und waren zwar guter Laune, aber nicht richtig vorfreudig.

Die Situation bot auch keinen Anlass zur Hoffnung: Bayern München führte die Tabelle mit 15 Punkten Vorsprung auf den zweiten Platz an, wir dümpelten auf Platz 12 mit 33 ganzen Punkten Unterschied zur Spitze.

Als wir in München ankamen, schien die Sonne, wir planschten durch einen Brunnen, waren angetrunken, aber nicht blau.

Worauf ich verkündete, dass wir dieses Spiel nicht verlieren würden. Das sei sicher.

Wilde Diskussionen – kein Schwein teilte meine Überzeugung. Auf dem Weg zum Stadion wettete der stolze Besitzer des Trikots mit mir um das Leibchen auf die Nicht-Niederlage.

Und was soll ich sagen? Ich habe gewonnen. Kein großes Spiel, kein großer Kampf – aber ein fast unglaubliches 1:1!

Das Trikot ist seitdem meines. Es ist wirklich schön warm. Es glänzt fast wie neu. Es erinnert mich an eine wunderbare Fahrt und die Wette.

Und es ist noch immer sehr, sehr gelb. Wenn ich es trage, werde ich immer mindestens einmal blöd angequatscht. Nicht immer nur von leseunfähigen Betrunkenen.

Ich trage es trotzdem manchmal auf Auswärtsfahrten. Wenn es wenig Anlass zur Hoffnung auf einen Sieg gibt, ich aber dennoch dran glaube.

Ich bin stolz auf das Teil, und lasse alle dämlichen Kommentare an mir abgleiten. Und wenn es dann trotzdem nichts wird mit den drei Punkten – ich zumindest habe alles gegeben, was möglich war.

Gibt es ein Kleidungsstück, das unbedingt mit, ein Zaun, der unbedingt angepinkelt, ein Bier, das ausgekippt werden muss? Schreibt uns die Geschichte über Euren Glücksbringer auf und schickt sie uns und ein Foto des Teils an: schalke-unser@fan-ini.de.