Harmlose Winterjacke oder politisches Statement?

(atb) In den letzten Monaten sieht man immer öfter Fans in der eigenen Kurve mit einer „schicken“ Jacke der Marke „Thor Steinar“. Doch Firmenname, Produktnamen und auch die Logos sollten zum Nachdenken anregen.

Registriert wurde die Marke im brandenburgischen Königs Wusterhausen, seit 2003 tritt für die Marke die Firma Mediatex GmbH aus selbigem Ort auf. Die Firma vertreibt Bekleidung, die meist dadurch zu erkennen ist, dass sie den Aufdruck „Thor Steinar“ in Kombination mit dem neuen oder alten Logo der Firma hat.

Vom Design her könnte man die Kleidung als „Casual“ oder „Military-Look“ beschreiben, der sich jedoch deutlich vom Aussehen bisher bekannter „Nazi-Mode“ abhebt. Mit Bomberjacke und Springerstiefeln hat die Marke eher weniger zu tun, stattdessen finden sich im Sortiment Outdoorjacken, modische Polohemden, Pullover, Taschen und sonstige lässige Freizeitmode.

Von all diesem würde man nicht direkt auf einen faschistischen Hintergrund schließen. Alles sehr modisch gehalten, die Jacken haben teils einen Fellkragen oder momentan sehr beliebte Flecktarn-Muster in verschiedenen Farbabstufungen.

Im Firmennamen lässt sich eine Parallele zum Namen von Felix Steiner erkennen, einem ehemaligen General der Waffen-SS, der nach Kriegsende Verbrechen der Waffen-SS verleugnete sowie versuchte, in zahlreichen Veröffentlichungen über die SS sowie den Zweiten Weltkrieg die Waffen-SS im Nachhinein als gewöhnliche Armee (die „Armee der Geächteten“) darzustellen. Diese Auffassung teilte das Landgericht Neuruppin in einer Rechtssprechung vom November 2004.

Nicht nur der Markenname „Thor“, sondern auch die Modellbezeichnungen für Kleidungsstücke wie „Asgard“, „Volmar“ oder „Munin“ entstammen aus der nordischen Mythologie und germanischen Göttersagen, die in rechten Kreisen sehr beliebt sind, und tragen so zu einem nordisch-martialischen Image bei.

Für Aufsehen und Beschäftigung mehrerer Gerichte sorgte hingegen das alte Logo der Firma: Es bestand aus einer Kombination aus zwei nordischen Runen, der Tiwaz- und der Sowilo-Rune.

Dieses Logo wird in nahezu gleicher Form vom rechtsextremen „Thule-Seminar“ verwendet. Von daher kam es im November 2004 zur bundesweiten Beschlagnahmung der Kleidung mit dem alten Logo, da das Logo dem Symbol einer verfassungsfeindlichen Organisation zum Verwechseln ähnlich sehe.

Diese Beschlagname wurde im September 2005 durch das Oberlandesgericht in Brandenburg an der Havel jedoch wieder aufgehoben. Das Gericht kam zu der Auffassung, das Logo sehe eben nicht zum Verwechseln ähnlich aus.

Jedoch bekräftigte das Gericht, dass „die Textilien der Marke Thor Steinar durch ihre farbliche Gestaltung und verwendete Aufschrift gerade Personen der Neonaziszene ansprechen und dies mutmaßlich auch so vom Hersteller beabsichtigt ist.“ Dieses Urteil ist jedoch nur für Brandenburg bindend.

Im Zuge dieser Ermittlungen änderte die Firma ihr Logo, das nun aus einer Gebo-Rune mit zwei Punkten besteht. Vereinfacht kann man es als „X“ mit jeweils einem Punkt links und rechts beschreiben.

Dieses neue Logo wurde von der Staatsanwaltschaft als „absolut unbedenklich“ bezeichnet. Zudem bedient sich die Marke gerne der norwegischen Flagge (Blaues skandinavisches Kreuz mit weißen Rand auf roten Grund).

Einige Indizien sprechen dafür, dass sich diese Marke nicht nur der rechten Szene bedient, sondern sie aktiv unterstützt. Interessant ist beispielsweise zu beobachten, dass Marken, die in den letzten Jahren von der rechten Szene vereinnahmt wurden, aktiv gegen dieses Image angehen.

So betreibt die Boxmarke „Lonsdale“ beispielsweise eine Imagekampagne unter dem Motto „Lonsdale loves all Colours“. Bei „Thor Steinar“ wird ein solches Engagement vermisst, offenbar wartet die Firma immer erst auf Post von der Staatsanwaltschaft, bevor sie aktiv wird.

Mag es damit zusammenhängen, dass die Inhaber der „Mediatex GmbH“ der rechten Szene zugerechnet werden? So bestätigt selbst der Brandenburger Verfassungsschutz, dass dem engeren und weiteren Umfeld der Firma Rechtsextremisten angehören.

Laut Berichten aus der antifaschistischen Szene soll einer der Betreiber der Firma bei Sonnenwendfeiern, einem Liederabend mit einschlägig bekannten Nazi-Liedermachern sowie einer NPD-Reichsgründungsfeier gesehen worden sein. Einige Mitarbeiter seien bekannte Neonazis, die sich auch anderweitig in der Szene engagieren.

Einige Kleidungsstücke der Firma werben unverhohlen für das schwedische Rechtsrock-Label „Ultima Thule“, das die gleichnamige Band vertreibt. Auch im Rechtsrock-Magazin „Rock Nord“ wurde die Kleidung als „patriotische Kleidung mit nordischer Attitüde“ bezeichnet.

Die Firma selber hat bisher kein offizielles Statement für ihre angebliche rechtsradikale Gesinnung abgegeben, sie tut auch besser daran, dies nicht zu tun. Zu den Vorwürfen, insbesondere der Verwendung von germanischen Runen, wurde lediglich mit „geschichtlicher Unkenntnis“ geantwortet und die Vorwürfe somit dementiert.

Jedoch lassen die Verbindungen, das äußere Auftreten der Firma sowie die martialisch-germanische Gestaltung der Produkte eine Verbindung zum rechten Lager klar erkennen. Zudem ist die Marke ausschließlich in rechten Kreisen eine „Kultmarke“. Auch im Ruhrgebiet haben in den letzten Jahren mehr und mehr Läden eröffnet, die diese Marke in ihr Programm aufgenommen haben.