Und ab geht die Lutzie

SCHALKE UNSER-Reporter Rudi Grasraucher war bei der Disco-Affäre um Schalker Spieler live dabei. Mit Hilfe eines Ghostwriters enthüllt er jetzt exklusiv im SCHALKE UNSER wie es wirklich war.

Kurz vor dem Spiel in Frankfurt haben sie mich aus der WG mit Carlos rausgeschmissen und meinen Job als Dolmetscher gekündigt. Meinten, dass Uruguayisch gar keine Sprache wär. Schade, dabei hatte ich mich die letzten Wochen schön eingelebt – die Bude war optimal für Feten, man nannte mich schon den Hugh Hefner von Buer.

Beim Spiel war ich dann richtig am Arsch. Nicht, dass der Kasten Mariacron von der Hinfahrt langsam Wirkung zeigte, Carlos war auch noch sauer auf mich. Die Bude war total abgerockt und die Sechsmonatsration Mate-Tee weg. Ich hatte herausgefunden, dass man das Zeug kalt und mit Asbach gestreckt wunderbar trinken konnte, um sich vom Wochenendrausch zu erholen.

Calle meinte, der Gustavo könnte nicht schon wieder ’n Muskelfaserriss vortäuschen, um erneut was aus good old Uruguay anzukarren. Ich musste was tun. Als Fabe dann so einen Frankfurter umnietete, hab ich einfach zum Carlos geschrieen: „Der war das mit dem Mate-Tee!“. Calle hat’s geschluckt.

Und Schlucken war das Stichwort. Ich hatte ordentlich Brand und verdrückte mich zum Mannschaftsbus, um dort mal auszuloten, was der Busfahrer noch gepachtet hatte. Die erste Packung Feiglinge atmete ich quasi ein. Danach musste ich mich erstmal hinhauen. Neben den Trikottaschen fand ich dann einen Umschlag mit der Aufschrift „Handgeld A. Streit“ – hatte wohl einer vergessen. Na ja egal, die Scheinchen reichten, um die Rückfahrt nicht trocken zu verbringen.

In Gelsenkirchen angekommen machte mich der Spießer Müller an, was ich zwischen dem Gepäck verloren hätte. Ich hatte wohl so ’ne Fahne, die dachten schon, der Auspuff vom Bus wär nicht in Ordnung. Jetzt hatte ich Lust auf’n Sixpack. Ich lallte ihm etwas entgegen von wegen Träger. Müller verstand aber Trainer und meinte, dass das langsam ein bisschen viele wären.

Dann wurde ich zu den anderen Trainern geschickt. Techniktrainer, Taktiktrainer, Psychotrainer – die hatten natürlich auch wieder ordentlich die Lampen an. Die kamen mit dem Gehaltsversaufen schon gar nicht mehr nach. Egal, wir sollten uns um die Spieler kümmern. Bombig. Hatte nämlich noch was gut zu machen. Asa war noch sauer. Im letzten Jahr waren wir zusammen im Hibernia versackt, da hat er mir die ganze Zeit vorgeheult, wie schlimm der Slomka ist.

Na ja, und die Affen von der Bild haben mich dann mit drei Lkw-Ladungen feinstem Strohrum erpresst, da hab ich alles erzählt und es dem Halil in die Schuhe geschoben. War blöd. Aber ich hatte ja noch den Umschlag – heut geht alles auf mich. Alle rein mit zehn Mann ins Großraumtaxi, Rafinha auf dem Schoß, Fabe im Kofferraum, und dann ab die Lutzie.

In Duisburg angekommen machte Toni uns einen Riesenempfang. Ein paar Monate in Duisburg und schon der Disco-König. Ich war bester Stimmung, der Pitcher Sambuca auf Ex war genau richtig, Manuel und Zlatan blieben bei Whiskey-Cola – müssten ja Dienstag noch gegen Trondheim spielen. Mladen und Ivan lachten sich kaputt. Im Schuppen schnappte ich mir schnell das Mikro und versuchte, „Das rote Pferd“ zu singen. Karaoke war mein Gebiet. Konnte aber gar nicht mehr klar sprechen. Plötzlich meinten alle, ich würd’ auf serbisch singen.

Irgendwann rief dann noch Olli an, auf der Weihnachtsfeier wär’s so langweilig, ob wir nicht noch was starten im Pott. Ich sagte ihm, er soll den Otti alleine lassen und ’rumkommen mit mir ein’ heben – wie damals im P1. In dem Moment wurd’ ich geknipst von Fans, die mich wohl von irgendner Auswärtsfahrt kannten. Mladen, Jermaine und Ivan wollten unbedingt mit auf’s Foto. Die anderen waren schon zu voll. Haben aber gesagt, wenn die drei sie nicht verpfeifen, lassen sie sich nach dem Spiel gegen Rosenborg was einfallen. Vor allem Zlatan hatte Schuldgefühle.

Egal, ich griff in den Umschlag und ließ mich um 13 Uhr mittags mit der Limo zu Charlys Bummelzug fahren. Der Streit kommt doch sowieso.