„Mehr als ein Partner“

(ru) Wie schon zuvor die Spiegel­Redakteure haben wir Gazprom um eine Stellungnahme gebeten. Der Konzern bestätigte uns, dass ein Revisionsteam die Unterlagen in Russland auswerte und er bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse keine Stellungnahme abgeben könne. Umso lieber beantwortete der Pressesprecher von Gazprom Germania Burkhard Woelki unsere Fragen zur Zusammenarbeit mit Schalke.

SCHALKE UNSER:
Die Partnerschaft zwischen Schalke und Gazprom läuft nun knapp zwei Jahre. Welches Fazit ziehen Sie?

BURKHARD WOELKI:
Es ist eine sehr gut funktionierende Partnerschaft. Es hat sich für uns sehr positiv ausgewirkt, wie Studien des „Bundesliga-Monitoring“ zeigen. Die Imagewerte von Gazprom sind gerade innerhalb NRWs deutlich nach oben geklettert. Wir sind einer der erfolgreichsten Sponsoren. Auch wenn das im Rest Deutschlands verbesserungswürdig ist, so ist die Bekanntheit riesengroß. Das verdanken wir auch Schalke.

SCHALKE UNSER:
War das Sponsoring auch Teil des Programms, die Marke Gazprom besser zu positionieren? Es kam ja erst vor ein paar Jahren zur Umbenennung zu Gazprom Germania.

BURKHARD WOELKI:
Das ging Hand in Hand. Es hat wenig Sinn, mit unserem vorherigen Namen, den kein Mensch kennt, ein Sponsoring zu starten. Es hat sich in Deutschland in der Wahrnehmung gezeigt, dass hier ein verlässliches Unternehmen seit 35 Jahren am Werk ist. Von daher war auch die Umbenennung nur logisch.

SCHALKE UNSER:
Anfangs gab es bei vielen die Befürchtung, es könne zu einer Übernahme kommen.

BURKHARD WOELKI:
Es hat sich gezeigt, dass diese Befürchtung nicht berechtigt war. Wir beschränken uns aufs Sponsoring und nehmen keinen Einfluss auf die Vereinspolitik. Wir sind angekommen – auch bei den Fans, mit denen wir schon zahlreiche Projekte durchgeführt haben.

SCHALKE UNSER:
Herr Gornig soll als Hertha-Fan ein Engagement dort favorisiert haben. Wie kam es zur Entscheidung pro Schalke?

BURKHARD WOELKI:
Schalke ist ein extremer Traditionsverein, die Atmosphäre ist toll. Als Energieunternehmen passt die Verbindung einfach zu der Tradition dieser Region. Zudem hat der Aufsichtsratsvorsitzende des S04 eine wichtige Rolle gespielt …

SCHALKE UNSER:
… aber eine Loge mit sechsstelligen Kosten pro Jahr besitzt Gazprom doch auch bei der Hertha, wie man hört.

BURKHARD WOELKI:
Das stimmt. Wir sind ein Berliner Unternehmen, haben unseren Sitz in Berlin und daher auch gewisse Verpflichtungen. Wir sind mit dem Kopf in Berlin, mit dem Herzen aber auf Schalke. Gerade wegen der vielen Geschäftspartner begründet sich die Loge, die man wirklich nicht überbewerten sollte. Unser Hauptaugenmerk liegt zu 99,9 Prozent auf Schalke und wir lassen die Leute hier in Berlin auch wissen: Wir sind Schalker.

SCHALKE UNSER:
Bei vielen herrscht die Angst, dass sich Deutschland zu abhängig macht von russischem Gas. Da ist die Ansicht, dass Gazprom von der russischen Politik instrumentalisiert wird. Wie gehen Sie mit solchen Ängsten um bei der Platzierung ihrer Marke in Deutschland?

BURKHARD WOELKI:
Wir nehmen diese Ängste ernst. Viele setzen da Gazprom immer mit Russland gleich. Aber denen halten wir nüchterne Fakten entgegen. Seit 35 Jahren bestehen Lieferverbindungen zu Deutschland ohne einen einzigen Tag Unterbrechung. Auch Russland profitiert davon, es ist sicherlich eine gegenseitige Abhängigkeit, aber auch ein Nutzen für beide Seiten. Gerade Deutschland soll zur Erdgasdrehscheibe werden. Dann kann nicht die Rede davon sein, den Gashahn zuzudrehen.

SCHALKE UNSER:
Wie selbständig ist denn Ihr Unternehmen in Deutschland?

BURKHARD WOELKI:
Wir sind weitgehend eigenständig. Wir sind mit unserem Sitz in Berlin die Westeuropa-Zentrale. Im Aufsichtsrat sind zwar auch russische Kollegen, aber wir haben eigene Tochterunternehmen und agieren sehr selbständig. Das sieht man auch an unserer Reise nach Usbekistan mit Ihrem Präsidenten.

SCHALKE UNSER:
Seit dem Sponsoring von Gazprom besteht eine Partnerschaft zu Zenit St. Petersburg. Dort wurden kürzlich Manipulationsvorwürfe publik. In welchem Zusammenhang stehen die Vorgänge aus Russland?

BURKHARD WOELKI:
Ich bin kein großer Experte für russischen Fußball, aber wir haben, denke ich, alle bei der EM gesehen, wie erfolgreich der russische Fußball ist. Ich bin der Meinung, dass man so etwas nicht nötig hat. Gazprom ist zwar der größte Konzern in Russland, aber auf den Fußball hat das keinen Einfluss. Da sind so viele gute Mannschaften in Russland, deswegen sind diese Vorwürfe der Manipulationen in meinen Augen nicht tragbar.

SCHALKE UNSER:
Wie wird das Sponsoring weiterlaufen und gibt es gar schon Gedanken, den Kontrakt zu verlängern?

BURKHARD WOELKI:
Es ist noch früh, wir haben gerade einmal die Hälfte rum. Aber wenn die Partnerschaft so weiterbesteht, dann spricht von unserer Seite alles dafür. Peter Peters sagt ja auch immer, dass wir mehr als ein Partner wären. Das ist anders als bei anderen Sponsoren, ablesbar auch an den vielen gemeinsamen Reisen. Das ist auch für Schalke ein tolles Erlebnis. Wir wollen weiter dazu beitragen, dass gegenseitige Vorurteile abgebaut werden.

SCHALKE UNSER:
Vielen Dank für das Gespräch. Glückauf.