Brief aus dem Sponsorenland – Ihr seid ja nicht allein!

Liebe Schalke-Fans,

ach Leute, was waren das noch für Zeiten, als ich im letzten Sommer an Euch geschrieben habe. Wir schwebten hier in Russland nach UEFA-Cup-Sieg, Eishockeyweltmeisterschaft und dem Gewinn des „Eurovision Song Contests“ auf Wolke sieben und jetzt das: Die Restaurants in Moskau servieren „Anti-Krisen-Menüs“. Statt Austern und Hummer gibt’s jetzt wieder Borschtsch und Pelmeni. Das soll angeblich den erlahmenden „russischen Geist“ wieder in Schwung bringen. Und statt billiger gebrauchter Japaner sollen die Leute wieder mehr Ladas aus einheimischer Produktion fahren. Die Begeisterung kennt keine Grenzen, wie Ihr Euch vorstellen könnt! Aber auch Ihr hattet Euch ja für die laufende Saison nach meiner Erinnerung deutlich mehr vorgenommen als den Klassenerhalt, oder? Und aus der „Fahrt nach Berlin“, wo sich – wenn man dem Interview im SCHALKE UNSER Nr. 60 trauen kann – der Kopf Eures Sponsors ja schon befinden soll, ist ja auch nichts geworden.

Aber Ihr seid ja nicht allein. Bei Zenit ist’s in der letzten Saison auch nicht so gut gelaufen. Dafür hat sich doch sein höchstrangiger Fan, unser neuer Präsident Dmitri ganz gut gemacht, findet Ihr nicht? Obwohl ihn Eure Kanzlerin wegen des kleinen Ausflugs unserer Armee nach Georgien letztes Jahr ganz schön angemacht hatte. Inzwischen scheinen sich die beiden aber wieder vertragen zu haben. Und dass in unserer Hauptstadt weiterhin kritische Rechtsanwälte und Journalisten erschossen, die Täter aber nicht ermittelt werden, findet Dmitri selbst ja auch nicht gut. Er dürfe das aber öffentlich nicht sagen, damit die Justiz in Ruhe arbeiten kann, sagt er.

Und der alte Präsident Wladimir Putin? Langsam kriegen unsere Leute mit, dass das mit der Modernisierung unseres Landes wohl doch nicht so ganz geklappt hat. Und als Regierungschef ist der gute alte Wladimir Wladimirowitsch jetzt direkt verantwortlich. Aber keine Sorge, er ist jedenfalls technisch voll auf der Höhe der Zeit!

Nachdem wir mit „Laika“ den ersten Hund in den Kosmos geschossen haben, ist jetzt auch „Koni“, der Hund unseres Ex-Präsidenten, richtig berühmt geworden. Seit Oktober trägt sie ein GPS-Halsband. Da hat sie es zwar besser getroffen als die im Kosmos gebliebene Laika, kann aber jetzt überall geortet werden. Wenn auch nur mit Hilfe des US-Satelliten-Systems, Ihr habt ja Recht. Aber unserer eigenes System Glonass soll noch in diesem Jahr weltweit arbeiten können. Ganz bestimmt.

Und nun die Ärmel aufgekrempelt, Leute! Jammern füllt keine Kammern, wie man bei uns sagt. Unterstützt Eure Leute, damit nicht auch noch das Herz Eures Sponsors nach Berlin wandert! Zenit ist bei uns nach dem dritten Spieltag übrigens schon Spitzenreiter.

Doswidanje!

Euer Nikita Sergejewitsch