Seht ihr, Castrop-Rauxel, so wird das gemacht!

(ru) In der letzten Ausgabe des SCHALKE UNSER berichteten wir über die Stadtverwaltung in Castrop-Rauxel, die einem Schalke-Fan untersagte, sein Haus in blau und weiß zu streichen. Dass es auch anders gehen kann, zeigen die folgenden zwei Beispiele. Im Saarland steht ein riesiges Schalke-Haus an einer Hauptstraße und in der Nähe von Magdeburg gibt es nun die „Rudi-Assauer-Allee“.40 Kilometer entfernt von Saarbrücken erwartet man eigentlich alles, nur nicht ein Schalke-Haus. Doch wenn man auf einer Hauptstraße am Ort Scheuern entlang fährt, stellt sich einem ein doppelstöckiges Haus an einem Hang in die Sicht – mit Schalke-Emblem und ganz in blau-weiß. 

Hier wohnt Klaudia Warken mit ihrem Mann Jürgen und wer sich in ihrem Haus umsieht, der meint, er stünde im Schalke-Museum in Gelsenkirchen und nicht irgendwo im Saarland. Im Flur gibt es eine Schalke-Galerie und im Badezimmer gibt es nichts, was nicht schalketypisch ist. Ein Schalke-Haus eines Schalkepaares mitten im Saarland, da schütteln viele doch mit dem Kopf, oder? „Ach, alle unseren Bekannten haben sich damit abgefunden, dass wir Schalke-verrückt sind“, sagt Klaudia Warken.

Dass sie mit dem Schalke-Virus infiziert wurde, hängt mit einem Zufall zusammen. Als Kind sammelte sie Hanuta-Bildchen, plötzlich hatte sie eben solche von Rüdiger Abramczik und den Kremers-Brüdern in der Hand. Tja, dein Verein wird dir gegeben – und wenn es durch Hanuta-Bildchen ist. Seitdem ist die Leidenschaft entfacht: Dauerkarte, Fanclub und eben seit 2007 ein blau-weißes Haus künden davon.

Wie schön, wenn man seine Leidenschaft mit dem Ehepartner teilt. Als Amor Klaudia und ihren Mann Jürgen 1997 auf einer Kirmes im Nachbarort zusammenführte, trafen sich zwei verlorene Schalker Seelen in der saarländischen Fußballdiaspora. Dass die Hochzeit in blau und weiß abgehalten wurde und die Hochzeitstorte als Fußballfeld verziert war, ist eigentlich unnötig zu erwähnen. „Wir sind hier nur als die ‚Schalker’ bekannt“, meint Klaudia Warken. Und die 330 Kilometer zum Heimspiel führen zur blau-weißen Arena, die 330 Kilometer zurück zum blau-weißen Haus.

Circa 50 Kilometer mehr pro Fahrt muss Holger Constabel von seinem Wohnort Hohendodeleben (in der Nähe von Magdeburg) nach Gelsenkirchen zurücklegen. Doch wenn Schalke so weit weg ist, muss man sich Schalke nun einmal nach Hause holen. Da hatte Constabel eine Idee: Neben seinem Haus wurde ein Grundstück frei, ein Kumpel von Constabel zog ein – auch Schalke-Fan. 16 Meter misst die Zufahrt zu beiden Häusern, doch in den Plänen der beiden wurde daraus die „Rudi-Assauer-Allee“. „Assauer ist und bleibt für uns das größte Idol, deswegen sind wir darauf gekommen“, erzählt Constabel.

Schon vor einem Jahr schrieb man deshalb den ehemaligen Schalke-Manager an und bat um die Genehmigung. Doch diese ließ länger auf sich warten als der Segen vom Bürgermeister. Dieser hatte nichts dagegen einzuwenden, dass hier die „Rudi-Assauer-Allee“ als inoffizielle Straße geführt wird. Die Gemeinde will sich aber nun dafür einsetzen, dass die Straße offiziell ins Register aufgenommen wird. Assauer allerdings reagierte erst einmal nicht, bis das DSF schließlich von der Geschichte erfuhr und Assauer nach Hohendodeleben lotste. Mit im Schlepptau: Eurofighter Thomas Linke.

Am 30. März wurde Holger Constabel dann vor seinem Haus überrascht von geladenen Partygästen und den beiden prominenten Gästen. Die Straße wurde tatsächlich eingeweiht. „Das halbe Dorf war da. Linke und Assauer waren super nett, sie blieben vier Stunden. Am Ende hat Assauer mir noch eine Zigarrenschachtel geschenkt. Ich bin zwar Nichtraucher, aber das ist egal“, erzählt Constabel. Der Lokführer ist seit dem Schalker Europapokalspiel 1977 in Magdeburg glühender Anhänger der Königsblauen, natürlich hat er eine Dauerkarte. Und die 380 Kilometer zum Heimspiel führen zum Ernst-Kuzorra-Weg, die 380 Kilometer zurück zur Rudi-Assauer-Allee.