Alles Zufall

Tiere sind nun einmal keine Propheten

(axt) Tiere als Propheten – der Medienrummel hat so einige Blüten zur Weltmeisterschaft getrieben. Das war schon fast ein Stück weit Verzweiflung: Auch Tiere sind nicht schlauer als Fußballkommentatoren. Zumindest bei Vorhersagen.

Paul, der olle Krake, hat es ja zu einer weltweiten medialen Berühmtheit geschafft, die seine Artgenossen auf den Tellern der Welt wohl nie erreichen werden. Ein Wunder war nur seine mediale Präsenz, nicht aber die Vorhersagen.

Bemühen wir die Statistik: Paul musste nur sieben Mal richtig liegen – eigentlich sechs, denn nach dem Spiel hätte es auch keinen mehr interessiert. Also braucht es nur 26 Viecher, was 64 animalischen Auguren entspricht. Aber die Statistik ist noch einfacher, denn die ersten Rateratten werden es ja nicht ins Fernsehen geschafft haben, zumindest in den meisten Fällen. Wer also seine Bellos, Kläffis, Wauzis, Maunzis, Schnurris oder Kläffis nach Knochen oder Fischfilets mit Australien-Fähnchen hat beißen lassen und daneben lag, wird sich wohl wenig erfolgreich den medialen Verzweiflungstätern angebiedert haben. Bleiben 32 Viecher, auch nicht so schlimm mehr.

Aber einige haben es ja geschafft. Stachelschwein Leon schied schon in der ersten Runde aus und setzte auf Australien. Wurde aber zum Spanien-Spiel rehabilitiert und lag diesmal richtig. Auch Krallenäffchen Anton versagte schon beim ersten Spiel, und auch für das dritte Spiel setzte es gegen Deutschland – und seine Reputation als animalischer Prophet aufs Spiel. Flusspferd Petty versagte schon im zweiten Anlauf und sagte einen Sieg für Serbien voraus. Polarfuchs Lissy hielt bis zum England-Spiel durch, hatte aber den Schiri nicht auf der Rechnung und setzte darum gegen Deutschland. Lippenbärin Renate wurde ihre Vorliebe für Argentinien zum Verhängnis.

Guckt man sich das nun etwas genauer an, dann lagen sie in etwa der Hälfte der Fälle falsch – und das entspricht genau der Statistik. Oder anders formuliert: Wenn man acht Tiere einsetzt, werden vier schon richtig liegen. Von diesen vieren in der nächsten Runde zwei und danach noch eines. Krake Paul hat einfach Schwein gehabt.

Besonders witzlos waren die Argentinier, die vor ihrem Spiel gegen Deutschland gleich mehrere Tiere ins Rennen schickten: Papagei Paco, Seehund Macky, Delfin Sayko und Schildkröte Jorge. Alle lagen falsch, waren aber zum ersten Mal im Einsatz.

Übrigens: Paul hatte zur EM schon einmal falsch gelegen. Das hat aber eigentlich auch keinen aufgehalten, wieder eine Kamera auf sein Fischglas zu halten. Doch wir sind sicher: Für die kommende Meisterschaft werden hoffnungslos unterbeschäftigte Medienschaffende sich auf jedes Tier stürzen, das nicht bei drei auf den Bäumen oder in seinem Muschelzuhause ist.

Vielleicht fällt ja noch einem unterbeschäftigten Reporter ein, wie es die etruskischen Auguren im Alten Rom machten: Die schnitten die Viecher auf und guckten sich die Eingeweide an. Nicht doof, Wiederholungstäter sind so ausgeschlossen.