Lieber Franz-Josef Wagner

Lieber Franz-Josef Wagner,

es gibt Ereignisse, bei denen die Uhr stehen bleibt. 22.37 Uhr in ihrem Büro, sechs leere Schachteln Roth Händle, fünf Pullen Mariacron und immer noch keine Idee für einen Kommentar. Dann ein Blick auf den Monitor und der grandiose Einfall: Ein Verein namens Schalke – wo immer das liegen mag.

Wagner

Von diesem Kommentar wird man sich auf den Fluren des Axel-Springer-Verlags noch in 50 Jahren volllallen und mit diesem Stück Zeitung noch jahrelang beim Streichen den Boden abdecken.

Denn wir müssen wissen, wer Sie sind. Wie viele Kränkungen Sie erlebt haben, auch gesellschaftlich. Dabei wollten Sie doch immer Schriftsteller werden. Deshalb wollten Sie Schalke nun als Ort der Finsternis malen, und Sie untertreiben maßlos: Hinterhöfe, heruntergekommene Schulen – wenn es so schön wäre… Die Kinder spielen hier mit Bomben aus dem zweiten Weltkrieg, weil die Eltern wochenlang als Knechte der Gutsherren aus Rüttenscheid weg sind, die Luft ist so voll Ruß, dass niemand hier genau die Farbe weiß kennt, in der Nacht fressen Dämonen die restlich verbliebenen Tiere auf einer geteerten Weide, Vampire tanzen auf den Kadavern zu dem Krächzen der Hyänen und an den Scheiterhaufen entzünden die Riesen der Unterwelt ihre Fackeln.

Das alles wäre noch erträglich, aber es kommt noch schlimmer: Hier gibt es sogar an einigen Stellen, man mag es kaum aussprechen, die „Bild“-Zeitung zu kaufen.

Bitte erlösen Sie uns endlich,

Ihre Schalke Unser-Redaktion