Attacke – Öl ins Feuer gießen

In den letzten Wochen und Monaten hat die Diskussion um Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien obskure Formen angenommen. Telegene Auftritte wie die von Dynamo Dresden in Lüdenscheid haben noch weiter dazu geführt, dass gerade auch die TV-Berichterstattung von einer undifferenzierten Betrachtung dominiert wurde. Und dass man dadurch Meinungen im Volke manipulieren kann, ist keine neue Erkenntnis. 

Zudem wurde die Pyrotechnik-Debatte in der öffentlichen Wahrnehmung fälschlicherweise verquickt mit einer Gewalt-Debatte. Hooligans wurden gleichgesetzt mit Ultras, die mit Hilfe von Bengalos eine gewisse Stimmung erzeugen möchten. Zusammen sind das dann die sogenannten „Chaoten“. Diesem Fehler ist anscheinend nun auch der DFB auf dem Leim gegangen. Anders ist es eigentlich nicht zu erklären, dass der DFB den Dialog mit den Fangruppen abgebrochen hat.

Sicher auch ein personelles Problem des DFB. Die Verhandlungen führte der ehemalige DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn, der sich durchaus aufgeschlossen zeigte: „Auf der Basis eines solchen Konzeptes der Fanorganisationen werden wir definitiv in den Dialog treten. Bei allen Diskussionen muss natürlich auch klar sein, dass die Sicherheit aller Zuschauer absolute Priorität haben muss. Diese Initiative hat den positiven Nebeneffekt, dass sich Fanorganisationen seriös und intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.“

Gerade letzteres wurde in der Diskussion auch von den Fan-Vertretern immer betont: „Wir stehen dafür ein, dass weder Böller noch sonstige Knallkörper in unseren Reihen gezündet werden und distanzieren uns auch vom Werfen von Pyrotechnik.“, so Martin Schwaak von der HSV-Ultra-Gruppe Chosen Few Hamburg.

Und dass die Diskussionen schon sehr weit gediehen waren, zeigt ein Schreiben des DFB an die Vereine, das sich bereits in Vorbereitung befunden haben soll. Darin werde erklärt, dass „sie den Abbrand durch die Szene beantragen können, unter welchen Bedingungen das möglich ist und dass bei einem Abbrand keine Strafen drohen“. Doch Helmut Spahn wechselte inzwischen nach Katar, dort ist er für das Sicherheitskonzept der WM 2022 verantwortlich. Unter Spahns Nachfolger Hendrik Große Lefert, ein früherer Polizist, verabschiedete sich der DFB von seinem moderaten Kurs. Am 1. September wurde den Fanvertretern unmissverständlich mitgeteilt, dass Pyrotechnik in den deutschen Fußballstadien verboten sei. Punkt. Aus. Basta.

Was bei all der Hysterie leider vergessen wird, ist die Tatsache, dass das momentane Abbrennen – Betonung auf Abbrennen – von Pyrotechnik auch eine bewusste Reaktion auf die plötzliche Beendigung des Dialogs seitens des DFB ist. Gleichzeitig wird die Pyrotechnikdebatte gerne auch von interessierter Seite zum Anlass genommen, ihre Interessen durchzusetzen: Ticketpreise erhöhen, Stehplätze abschaffen, Alkoholverbot in Stadien und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was das noch mit Bengalischen Fackeln zu tun hat? Urteilt selbst.