Die schönsten Trainerrausschmisse des FC Schalke 04 – Felix Magath

(rk) Unter Trainer und Manager Felix Magath gelang gleich in der ersten Saison der Sprung auf den zweiten Tabellenplatz. Vizemeister und direkte Qualifikation für die Champions League, damit hatte nun wahrlich niemand gerechnet. Doch der allmächtige Felix Magath wollte noch mehr Macht. Die Mitglieder des FC Schalke 04 stoppten ihn. Als Felix Magath am Abend des 10. Mai 2010 nach der Jahreshauptversammlung in sein Auto stieg, brodelte er nur noch vor Wut.

Lex Magath

Sicher kam der Bruch zwischen Schalke und Felix Magath nicht von heute auf morgen. Wenn es aber ein Ereignis war, das einen Keil zwischen Fans und Trainager schob, dann war es die Jahreshauptversammlung im Mai 2010. Der Trainer und Manager hatte eine als „Lex Magath“ titulierte Satzungsänderung eingereicht. Bisher musste der Vorstand das Einverständnis des Aufsichtsrates unter anderem beim Abschluss von Rechtsgeschäften jeder Art einholen, „deren Laufzeit entweder zwei Jahre überschreitet oder die einen einmaligen oder einen jährlichen Gegenstandswert von mehr als 300.000 Euro habe“. Somit war fast jeder Transfer genehmigungspflichtig. Magath wollte diesen Passus streichen. Die Abstimmung schien eine Formsache zu sein, doch die Mitglieder verweigerten sich dem Antrag.

Trainerrausschmiss Magath

Wie schon sooft in der Vergangenheit bewiesen die Mitglieder wieder mal ein feines Gespür dafür, wenn der Ball in die falsche Richtung lief. Inzwischen war nämlich schon lange nicht mehr klar, wer überhaupt Herr im Hause war. Felix Magath hatte nahezu alle operativen Bereiche an sich gerissen. Er brachte seinen Pressesprecher Rolf Dittrich aus Wolfsburg mit, engagierte auch den Sprecher von Energie Cottbus als „Assistenten für die Administration“. An einem einzigen Tag ließ er die Trennung von gleich sechs Betreuern aus dem alten Trainerstab verkünden. Allein dem Physiotherapeuten Christos Papadopoulos musste Schalke 130.000 Euro Abfindung zahlen. Gleichzeitig verkündete Magath ständig, dass er den Verein konsolidiert und Gehälter einspart. Das konnte logisch nicht zusammen passen. Es war etwas faul im Staate Schalke.

Kein Wunder, dass sich langjährige Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle so ihre Gedanken machten. Von einer „Besatzungsmacht“ war die Rede, von einem „Staat im Staate“, und davon, dass nun Leute den Takt vorgaben, die Schalke nicht kannten und den Verein wie jeden anderen beliebigen behandelten. Und jedem war auch klar: Magath wird nicht ewig bleiben. Was passiert danach? Wer füllt das Vakuum? Kann sich Schalke überhaupt einen Rausschmiss Magaths und seines aufgetürmten Personalbestands leisten?

Rivalen unter blauer Sonne

Magath war stinksauer, er witterte einen Komplott und wurde in der Folge mehr und mehr bockig, ja geradezu paranoid. Die Fans wären nun seiner Meinung nach schuld, wenn sein Vierjahresplan zur Meisterschaft nicht mehr aufginge. Und genau das ließ Rolf Dittrich auch direkt nach der Verlautbarung des Abstimmungsergebnisses in Richtung des Fan-Betreuers Rolf Rojek, Vorsitzender des Schalker Fanclubverbandes (SFCV), verlautbaren: „So werdet Ihr nie Deutscher Meister.“ Man beachte bitte die Anrede „Ihr“ und nicht „Wir“, was von dem totalen Defizit an Identifikation zeugte.

Und so wurde nun auch Rolf Rojek die Zielscheibe von Felix Magath, denn in ihm vermutete Magath den Drahtzieher des Mitgliedervotums vom 10. Mai. Noch heute bestreitet Rolf Rojek dies vehement. Am Donnerstag, den 12.08.2010, ließ Magath Rolf Dittrich dem Vorstand des SFCV in einem telefonischen Gespräch mitteilen, dass Rolf Rojek ab sofort nicht mehr der Fanbeauftragte des Vereines sein könne. Ausschlaggebend dafür sei gewesen, dass Rojek in der Rolle des Fanbeauftragten, des Vorsitzenden des Dachverbands und als Aufsichtsratsmitglied einen Interessenkonflikt hätte. Ob Magath auch einen Interessenkonflikt als Trainer, Manager und Vorstand hatte, wurde dabei nicht hintergefragt.

Des Weiteren teilte Dittrich Rolf Rojek mit, dass dieser als Fanbeauftragter des S04 „keine Kritik in den Medien am Verein äußern solle“. Zum Abschluss des Gespräches bat der Pressesprecher des S04 den SFCV-Vorstand dann noch darum, einen geeigneten Nachfolger für das Amt des Fanbeauftragten zu benennen. Dieser wäre dann ab sofort auch direkt beim S04 angestellt und solle zukünftig die Interessen und Meinungen des Vereines vertreten.

Eine absolut fadenscheinige Begründung, die taktloser nicht hätte übermittelt werden können. Seit 1988 war Rolf Rojek nun Fanbeauftragter des Vereins, ein positiv-verrückter Blau-Weißer wie er im Buche steht: Jeden morgen steht er um 5:04 Uhr auf, da die digitale Weckeranzeige dann aussieht wie „S04“, und ihm, der so für Schalke lebt, wurde nun per Telefon mitgeteilt, dass das jetzt alles Vergangenheit sein soll. Peinlich, und die Kommunikationsdefizite wurden immer offensichtlicher. Felix Magath wollte sich anscheinend einen „Rivalen“ vom Hals schaffen, mit dem anschließenden Echo hatte er aber wohl nicht gerechnet.

Eine kleine Gruppe

Schon länger war das Verhältnis zwischen Magath und dem SFCV zerrüttet. Magath lehnte gemeinsame Gespräche weiterhin ab, selbst die ureigensten Veranstaltungen wie die Fan-Abende im Trainingslager wurden dem SFCV aus der Hand gerissen und stattdessen einer Agentur anvertraut. Das war nicht nur stillos, sondern auch noch kostspielig.

Auf diese Umstände hatte Rojek in einem Interview mit dem RevierSport freundlich hingewiesen und appelliert, dass der Verein die Fans wieder mit ins Boot holen müsste. Nur die leiseste Kritik ließ Magath aber weiter aufrüsten in seiner Paranoia. Nachdem Magath die Kritiker als „kleine Gruppe“ bezeichnet hatte („Das sind nicht die Schalker Fans insgesamt, sondern es gibt eine Gruppierung bei den Fans, die auch in den letzten Monaten nicht immer mitgezogen hat.“), ließ der SFCV nun ebenfalls seine Muskeln spielen. Vertreter der verschiedenen Fangruppierungen setzen sich zusammen und verfassten unter dem Namen „Kleine Gruppe“ einen Text mit dem Titel „Unser Verein beugt sich nicht – Ein Bekenntnis zu Demokratie und Nachhaltigkeit“. Sie kritisierten die Führung in dem Offenen Brief: „Will man auf die Seele des Vereins verzichten und setzt dauerhaft auf Kunden und Zuschauer?“

Im ersten Saisonspiel beim Hamburger SV wurden dutzendweise T-Shirts gegen eine freiwillige Spende vor dem Stadion verteilt. Die gesamte Schalker Kurve hatte diese T-Shirts an, selbst Teile der Mannschaft zogen nach dem Spiel die T-Shirts über. Und spätestens da hätte Magath bewusst werden sollen, dass er sich mit einer ganz schön großen „Kleinen Gruppe“ angelegt hat. Vielleicht war es ihm sogar bewusst, es lag aber nicht in seiner Natur, klein beizugeben. Er kannte nur einen Weg: seinen Weg.

Aussage gegen Aussage

Auch die Beziehung zu Clemens Tönnies war lange nicht mehr diejenige, die es zu Beginn der Verpflichtung war. Der Aufsichtsratschef hatte den „Fehler“ gemacht, öffentlich bekannt zu geben, dass Schalke nach dem Vizemeistertitel und dem Erreichen der Champions League nur bereit war, weitere zehn Millionen Euro in die Mannschaft zu investieren, der restliche Überschuss sollte der Konsolidierung zugute kommen. Magath fand das unangemessen, vor allem taktisch „unglücklich“. Hätte er Raúl ködern können mit der Ansage, dass Schalke knausern muss? Hätte er Rafinha für acht Millionen Euro veräußern können, wenn im Raum gestanden hätte, dass Schalke dringend Kapital benötigt? Da kam in Magath sicher wieder der alte Schachspieler durch, der strategisch seinen Gegnern oft um einiges voraus war.

Und als Schachspieler verstand er sich auch auf die eine oder andere Finte. So kokettierte Magath unverhohlen mit dem Aufsichtsratschef des Hamburger SV und in Salzburg traf er den Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, der den Retortenclub RB Leipzig nach dem Vorbild von Hoffenheim aus der Regionalliga in die Bundesliga katapultieren will. Waren das alles Abwerbe- oder Anbiederversuche? Wollte Magath Schalke wirklich verlassen oder nur Druck auf Tönnies aufbauen?

Am Ende gab Tönnies tatsächlich ein letztes Mal nach. Nun war auf einmal ständig die Rede von 30 oder sogar 35 Millionen Euro, die für neue Spieler ausgegeben werden könnten. Und da ließ sich Magath nicht ein zweites Mal bitten. Budgets sind schließlich dazu da, ausgegeben zu werden. Und es wurde kräftig investiert: Raúl kam ablösefrei aus Real Madrid, Klaas-Jan Huntelaar für 13 Millionen Euro vom AC Mailand. Der neue Sturm dürfte ein ordentliches Monatssalär erhalten.

Nachdem aber der Markt nicht mehr so recht etwas hergab, kam nach dem Weltstar Raúl González Blanco und Escudero mit Jurado der dritte Spanier, für eine kolportierte Ablösesumme in Höhe von etwa 13 Millionen Euro. Magath war wie im Kaufrausch, die Kasse aber auch nun ratzeputz leer. Trotzdem wurde noch eine Verpflichtung getätigt, bei der lange offiziell die Federführung nicht klar war. Der Stuttgarter Manager Horst Heldt wurde unter Vertrag genommen. Magath sagte, er sei die treibende Kraft gewesen. Tönnies sagte, er selbst habe Heldt unbedingt haben wollen. Es stand Aussage gegen Aussage. Aus sicherer Quelle wissen wir, dass Magath hier nicht die Wahrheit behauptete. Trotzdem fragten sich viele damals, was Heldts Aufgaben sein sollten. Lange war das Aufgabengebiet von Horst Heldt tatsächlich nicht klar umrissen, doch seine Stunde sollte später noch schlagen, denn Heldt wurde in der Tat von Tönnies bereits früh perspektivisch als „Backup“-Lösung für Felix Magath verpflichtet.

Kompletter Umbruch

Magath hatte inzwischen die Mannschaft komplett auf den Kopf gestellt. Publikumsliebling Gerald Asamoah war weg, Kevin Kuranyi lockte das große Geld nach Russland, und auch die gesamte Verteidigung mit Rafinha, Kapitän Heiko Westermann und dessen Vorgänger Marcelo Bordon wurde abgeschoben.

Im Gegenzug kam aus Madrid mit Christoph Metzelder ein langjähriges Feindbild. Die persönliche Bereicherung mittels kommerzialisierter Häme auf Kosten des FC Schalke 04 werden ihm viele in der Kurve niemals vergessen. Und auch der Rest seiner Bewerbungsmappe las sich nicht gerade erfolgversprechend:

Mai 2010 Knieprobleme
13.10.2009 Knöchelverletzung
17.09.2009 Wadenprobleme
20.12.2008 Nasenbeinbruch
30.01.2008 Bänderriss
04.11.2007 Fußbruch

Man sollte daher nicht erwarten, dass ein solcher Spieler frei jeder Skepsis empfangen wird. Böse Zungen behaupteten, dass „Metze“ jedoch nur als Dolmetscher für den neuen Superstar Raúl fungierte.

Magath sagte, er wolle jetzt eine neue Ausrichtung des Spiels. Offensiver und schöner sollte Schalke spielen, und daher mussten die Altstars weichen. Aber nicht nur die, der Umbruch traf auch die jungen Perspektivspieler, die in der vergangenen Saison noch so wesentlich zum Erfolg beigetragen hatten. Magath war das alles gleich, er ordnete alles seinem Rezept für den Erfolg unter, Kontinuität hatte da keinen Platz.

Felix, schmeiß den Magath raus

Sportlich verliefen die ersten Bundesligaspiele äußerst holprig, man musste sich teilweise sogar ernsthafte Sorgen machen, nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Nur ein Sieg in zehn Bundesliga-Spielen, aber schon sechs Niederlagen. Nur sechs von 30 möglichen Punkten auf dem Konto. Nur Platz 17 in der Tabelle. Nur das Torverhältnis trennte Schalke noch von der Roten Laterne des Tabellenletzten. Fast ein Drittel der Saison war gespielt, und Schalke steckte ganz tief im Schlamassel. Wochenlang war man von Spiel zu Spiel davon ausgegangen, dass irgendwann schon der Knoten platzen wird und die Aufholjagd beginnt. Aber der Erfolg in der Liga ließ auf sich warten. Auch das machte Magaths Position nicht besser. Möglicherweise wäre ein anderer Trainer auch schon längst entlassen gewesen, doch Magath konnte sich nur schwerlich selbst entlassen. Der geflügelte Spruch „Felix, schmeiß den Magath raus“ machte die Runde.

Mit den Transfers im Winter (Charisteas, Karimi) sorgte Magath im Verein wiederum nur für Kopfschütteln. Zwei abgehalfterte Profis, beide völlig außer Form, sollten nun Schalke wieder nach vorne bringen? Ali Karimi kam beim ersten Waldlauf eine halbe Stunde nach der Mannschaft am Parkstadion an, angeblich hatte er sich im Berger Feld „verlaufen“.

Felix Magath schien die 50+1-Regel völlig neu zu interpretieren und nicht wenige behaupten noch heute, dass Felix Magath bei dem ein oder anderen Transfer auch das persönliche Bankkonto auffüllte. Das würde jedenfalls die massenhaften Verpflichtungen logisch erklären, beweisen können wir das nicht. Die Zweifel wurden lauter und lauter, doch es gab ja auch noch Hoffnung: In den Pokalwettbewerben war Schalke immer noch vertreten, überstand auch die Gruppenphase der Champions-League.

Der Tyrann

Die Trainingsmethoden von Felix Magath sind bekanntlich berühmt berüchtigt: Zirkeltraining, Kopfballpendel mit dem Medizinball, Laufen bis der Arzt kommt. Doch Magaths Methoden scheinen bei Erfolglosigkeit noch extremer zu werden. Den Spielern hatte er sogar zwischenzeitlich verboten, während des Trainings Wasser zu trinken. Sie seien schließlich keine Ausdauer- oder Extremsportler, die so viel Flüssigkeit verlören. Das dauernde Trinken sei bloß Angewohnheit und störe den Übungsablauf. Es ging ihm auf die Nerven.

Kaum zu glauben, aber wahr: Magath ließ am Ende sogar den Mannschaftsarzt nicht mehr in die Kabine. Er sah anscheinend keinen großen Nutzen darin, verletzte Spieler adäquat behandeln zu lassen. Kein Wunder, dass Klaas-Jan Huntelaar nach seiner Verletzung auch nicht mehr auf die Beine kam und erst unter Ralf Rangnick wieder richtig durchstarten konnte.

Einen jungen Spieler hatte Magath vor versammelter Mannschaft in der Kabine einmal so fertig gemacht, dass dieser in Tränen zusammen brach. Nun kann man die Auffassung haben, dass diese Spieler so viel Geld verdienen, dass damit auch das Schmerzensgeld abgegolten ist, dennoch handelt es sich um durchaus zweifelhafte Methoden, mit immer mehr Druck auch immer mehr Leistung erwarten zu können. Die willkürliche Gangart des Coaches mit Suspendierungen und Versetzungen in die zweite Mannschaft konnte im Team nicht gut angekommen. Magath verlor mit der Zeit nun nicht nur die Fans, sondern auch noch seine Spieler. Spätestens nach der 1:2-Niederlage gegen Gladbach als Manuel Neuer vor laufender Kamera erklärte, die Mannschaft habe keinen Plan gehabt, dürfte der Magath’sche Vertrautenkreis um Raúl und Metzelder immer kleiner geworden sein.

Fuck you

Seltsamerweise lief es im Gegensatz zur Bundesliga auf internationalem Pflaster hervorragend. Schalke zeigte dort sein zweites Gesicht. In der Champions-League schlug Schalke sogar den „alten Bekannten“ CF Valencia und stand plötzlich im Viertelfinale gegen einen weiteren „alten Bekannten“: Inter Mailand.

Im DFB-Pokalhalbfinale musste Schalke bei Bayern München ran und schaffte die absolute Sensation. Wieder machte Raúl den Unterschied und die Königsblauen zogen nach großem Kampf tatsächlich ins Finale nach Berlin ein. Manche meinten, dass Magath die Mannschaft ins Finale führte, andere behaupteten bereits, dass die Mannschaft für sich selbst gekämpft habe und Magath bereits „abgeschrieben“ hatte.

Das Misstrauen von Magath wuchs jedenfalls von Tag zu Tag, hinter jeder Ecke witterte er einen Gegner. Die interne Kommunikation mit den Mitarbeitern im Verein war verheerend. Magath und sein Stab vermittelten im Arbeitsalltag den Menschen auf Schalke den Eindruck, ihre Arbeit sei vor seiner Amtszeit nur Mist gewesen. Das ist demotivierend und abwertend, klar, dass sich hier mehr und mehr Frust aufbaute. Mitarbeiter der Geschäftsstelle waren inzwischen sogar in psychotherapeutischer Behandlung.

Clemens Tönnies versuchte mehrfach, Felix Magath zum Einlenken zu bewegen, dass dieser sich jedoch nicht reinreden ließ, dürfte spätestens jetzt jedem bekannt sein. Doch nicht Felix Magath musste als erster gehen, sondern sein Sprecher Rolf Dittrich, einer der engsten Vertrauten von Magath, der den 42-Jährigen seinerzeit bereits vom 1. FC Köln zum VfL Wolfsburg geholt und anschließend auch mit nach Schalke genommen hatte.

Dittrich, der auf der Schalker Geschäftsstelle nichts als verbrannte Erde hinterließ, soll Initiator einer Facebook-Seite gewesen sein, die T-Shirts mit dem Aufdruck „Clemens, du Wurst“ anbot. Ein Affront gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden, der keinen großen Spielraum bei der fristlosen Entlassung ließ. Im Vorprogramm des darauffolgenden Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt soll der Song „Fuck you“ von Lily Allen nicht ganz zufällig durch die Lautsprecher gekommen sein.

Zerreißprobe

Felix Magath indes war immer noch in Amt und Würden. Das ging auch nicht anders, denn Magath war schließlich auch Vorstand und als solcher musste er die Gelegenheit erhalten, sich vor dem Aufsichtsrat zu äußern. Trotz Ankündigung erschien Magath jedoch nicht zur einberufenen Aufsichtsratssitzung.

Sein Medienanwalt Ralf Höcker hatte mitgeteilt, eine Teilnahme sei sinnlos. „Der Verein hat Herrn Magath gestern nur eine unvollständige, stichwortartige Tagesordnung des Treffens geschickt. Das genügt nicht.“ Er habe Schalke daher aufgefordert, die konkreten Vorwürfe zu kommunizieren und die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug kündigte Magath nun selbst seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung. Ralf Höcker: „Herr Magath hat die unberechtigte und unwirksame Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Herr Magath hat dem Verein die Kündigung bereits schriftlich erklärt.“
Ein Schachzug, der nun den schwarzen Peter wieder Tönnies zuschob. Und Magath – wie immer ein gewiefter Taktikfuchs – baute weiter an dem Denkmal „Märtyrer“ und stellte damit die gesamte Schalker Fan-Szene vor eine Zerreißprobe, die ihresgleichen sucht. Tagelang ging es an den Stammtischen, in den Internet-Foren und auf Facebook hoch her. Grabenkämpfe und Beleidigungen zwischen den Magath-Anhängern und Magath-Kritikern. Hat Magath mit seiner Kündigung nicht vielleicht sogar ein Schuldeingeständnis abgegeben? Hat er sich tatsächlich wie von der Presse kolportiert über die Aufsichtsrats-Richtlinien hinweg gesetzt und weitere Spieler ohne Genehmigung verpflichtet und somit ein noch größeres Loch in den Etat gerissen?

Es schien alles eine ziemlich dreckige Schlammschlacht zu werden, doch Tönnies und Magath rissen sich schnell zusammen. Die Tatsache, dass Magath direkt im Anschluss wieder den Trainer- und Managerjob bei seinem alten Verein VfL Wolfsburg antrat, hat sicher zu der gütigen Einigung beigetragen. „Sofern Herr Magath zustimmungspflichtige Geschäfte ohne vorherige Zustimmung des Aufsichtsrates getätigt haben sollte, sind diese durch den Aufsichtsrat nachträglich genehmigt worden“, hieß es nun in der Erklärung. Magath soll noch einmal eine „Abfindung“ in Höhe von etwa zwei Millionen Euro erhalten haben, quasi als Dankeschön für das Erreichen des DFB-Pokalfinales und des Viertelfinales in der Champions League unter seiner Ägide. Über den Rest wurde sich ausgeschwiegen.

Zumindest bis zur Jahreshauptversammlung im Juni 2011. „Es hat einen Riss durch unseren Verein gegeben. Das darf nie wieder vorkommen. Wir alle sind ein Einig-Schalke“, sagte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies in seiner Rede. Als ein Zeitungsartikel mit der Überschrift „Magath muss gehen!“ in der Emscher-Lippe-Halle von Gelsenkirchen eingeblendet wurde, brandete großer Applaus auf. Die Zerreißprobe hatte damit ein Ende gefunden.

Die Einkaufstour geht weiter 

Felix Magath hat das Shoppen weiterhin nicht verlernt. Ochs, Salihamidzic, Hitzlsperger oder Kyrgiakos: Obwohl die A-Junioren des VfL Wolfsburg gerade Deutscher Meister geworden sind, bedient sich Magath der Resterampe. Alles Spieler, die es vor der Rente noch mal so richtig wissen wollen. Es ist ein einsamer Weg geworden, auf dem Magath unterwegs ist. Denn dort, wo Magath einkauft, schaut kein Zweiter mehr in die Schaufenster.

Und so schreibt die Süddeutsche: „Magaths Teams waren stets Rückrunden-Mannschaften. Sie kamen ins Laufen, wenn sich aus seinen Riesenkadern jene herausschälten, die den gewaltigen Druck ertragen konnten, den der Trainer immerzu entwickelt. Eine exzessive Personalpolitik, wie sie nur Magath betreibt, zeigt jedoch gefährliche Streueffekte.“

Bei Wolfsburg scheint Magath besser aufgehoben zu sein. Da kann er nicht so viel kaputt machen wie auf Schalke.