Nebelkerzen und Milchmädchen – Schalke erhöht die Preise für Dauerkarten teils massiv

(axt) Von 357 auf 627,50 Euro – es waren keine Nachrichten, die einen Schalker Dauerkartenbesitzer (Kategorie 3) erfreuen. Der Verein spricht von ,,moderater Anpassung”.

Je nach Kategorie sind das Sprünge, die nach fünf Jahren von 322 auf 451 Euro klettern oder von 544 auf 776. Besonders hart getroffen dabei sind die ,,Magath-Opfer”: Vor zwei Jahren wirbelte der Trainermanagerdiktator einfach mal alle Kategorien durcheinander. So kam es, dass man ohne aufzustehen auf einmal auf einen höherwertigen Sitz saß. Für den war zunächst Preisstabilität angesagt. Bis jetzt.

,,Bereits vor zwei Jahren hat der Verein mit Vertretern des SFCV und des Supporters Clubs Konsens erzielt, dass es künftig eine Anpassung der unterschiedlichen Dauerkartenpreise in ein oder derselben Kategorie über einen längeren Zeitraum geben soll”, sagt Schalkes Pressesprecher Thomas Spiegel auf Anfrage des SCHALKE UNSER. ,,Die genaue Jahreszahl wurde damals noch nicht festgelegt. Dieser Beschluss wurde anschließend im Sinne der langjährigen Dauerkartenbesitzer für zwei Jahre ausgesetzt. Jetzt haben Verein und SFCV gemeinsam beschlossen, diese Anpassung in einem Zeitraum von fünf Jahren Schritt für Schritt umzusetzen. Das bedeutet umgekehrt, dass die betroffenen langjährigen Dauerkartenbesitzer weitere vier Jahre lang deutlich weniger bezahlen als ihre Sitznachbarn, welche die Dauerkarte erst in jüngerer Zeit erworben haben.”

Ein Trost: Sollte eine Karte in einer günstigeren Kartenkategorie frei werden, plane der Verein Vorkaufsrecht. Und: ,,Sie werden in diesem Fall nicht als ,Neukartenkäufer’ behandelt, sondern zahlen ebenfalls die Preise gemäß der Anpassung über fünf Jahre bis 2017. Dafür ist natürlich erforderlich, dass Karten in den entsprechenden Kategorien frei werden. Ein solcher Modus hätte gleichzeitig den Effekt, dass ,Neukartenkäufer’ in der Regel in den höheren Kategorien einsteigen, die langjährige Dauerkartenbesitzer für ihre Treue belohnt werden.”

Wo wir gerade schon die Historie gestriffen haben, blicken wir doch einmal genauer dahin zurück: 2007 setzte sich der Kartenausschuss zusammen und diskutierte zwei Modelle. Bei Variante A sollten von der Saison 2007/08 die Preise die nächsten vier Jahre jede Saison um einen Euro steigen, bei Variante B ab 2007 um zwei Euro, dann Pause, noch zwei Euro, wieder Pause. Man entschied sich einhellig für Variante A. Es wurde dann Variante C: Gleich zwei Euro drauf, und im Folgejahr nochmal das Gleiche. Dafür sollten von da an aber die Preise stabil bleiben.

Und dann kam Magath. Es wurde noch einmal teuer. Da das Verhältnis zu den Fans ohnehin gerade im Argen lag, man die Preise erhöhen wollte aber das nicht noch jeder merken sollte, konnte man ja einfach den VRR-Zuschuss streichen. Das aber stieß auf erheblichen Protest, und so verkündete der Verein, dass die Fans weiter ,,kostenfrei” zur Arena kommen. Und genau diese neue Einigung mit dem VRR – Geld, das erst rein-, dann raus- und jetzt wieder mit Bonus, Aufschlag und Zinseszins reingerechnet wurde – ist jetzt einer der Gründe für die neue Preiserhöhung.

Thomas Spiegel stellt klar: ,,Kostenlos ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, vorwiegend mit dem VRR sowie die Nutzung der Parkplätze A bis E für die Fans insofern, dass nicht noch einmal am Spieltag Bezahlvorgänge notwendig werden. Für den Verein entstehen aber selbstverständlich Aufwendungen, die über die Eintrittspreise finanziert werden. Ein solches Arrangement war bekanntermaßen immer erklärter Wunsch der Fans und wurde jetzt in der Vereinbarung mit dem VRR und seinem außergewöhnlich großen Tarifgebiet für die kommenden sieben Jahre festgeschrieben. Übrigens gehen die für die Fans in Sachen ÖPNV und Parken nutzbaren Leistungen zum Teil deutlich über die vergleichbaren Angebote anderer Bundesligavereine hinaus. Die Alternative – kein kostenloser Nahverkehr wie bei Bayern München, keine Möglichkeit zum kostenlosen Parken auf öffentlichen Parkplätzen wie in nahezu allen anderen Erstligastadien – wäre für die Fans wesentlich teurer geworden. Auch deshalb lassen sich die Eintrittspreise mit anderen Bundesligaclubs nicht vergleichen, wenn man diesen Umstand nicht berücksichtigt.”

Überhaupt sei Schalke günstig. Um nicht zu sagen, günstiger geworden, meint Thomas und rechnet für die Kategorien 1 und 2 vor: ,,2008 betrugen diese 53 beziehungsweise 43 Euro. Dann wurden sie sogar auf 50 und 40 Euro gesenkt, ab der kommenden Spielzeit auf 52 bzw. 41,50 Euro wieder leicht erhöht. Also liegt der neue Preis sogar unter dem Niveau von 2008.”

Man habe erkannt, ,,dass wir bei internationalen Spielen – besonders deutliches Beispiel war das Spiel 2008 in der Europa League gegen Manchester City – die Preise zu hoch festgesetzt haben. Deswegen haben in der jüngeren Vergangenheit Dauerkartenbesitzer die Tickets für internationale Spiele teilweise sogar zu günstigeren Konditionen erhalten als bei Bundesligapartien, während Nicht-Mitglieder einen höheren Preis zahlen mussten. Dieses Verfahren halten wir für fair, daran wollen wir auch der Zukunft festhalten. Es führt nämlich dazu, dass der Durchschnittspreis für Besucher, die alle Heimspiele von Schalke 04 besuchen, überaus günstig bleibt.”

Das ist sicher richtig. Genauso richtig wie die Milchmädchenrechnung, dass nicht verkaufte Karten weniger zum Gewinn beitragen als verkaufte, aber günstigere Karten. So habe man immerhin auch jüngere ins Stadion locken können, für die die Tickets günstiger waren, sagt Frank Arndt vom Schalker Fanclubverband.

Und ergänzt zum Thema Preiserhöhung: ,,Der Verein wird das Geld wohl brauchen.” Schließlich habe die Magathsche Transferpolitik den Verein mit 93 Millionen an Gehaltszahlungen belastet. ,,Dass die Preise hoch sind – darüber müssen wir nicht reden. Die Preise werden fünf Jahre so bleiben – und dann gucken wir, wo wir dann stehen in der Preisspirale: Tickets werden überall teurer. Es ist ein Heidengeld, das für Auswärtsfahrten drauf geht.”

Der SFCV habe dem tatsächlich zugestimmt, sagt Frank, gibt aber zu Bedenken, dass es immer um Kompromisse gegangen sei: ,,Der Verein hatte ganz andere Vorstellungen.” Dass einige jetzt besonders drauflegen müssen, weil sie auf einem der Plätze sitzen, die vorher in einer anderen Kategorie gelegen haben, begeistert ihn nicht, doch: ,,Es war seinerzeit Tenor, dass die hochgehen, wenn das moderat geschieht.” Damals habe es den Protest gegeben, als aus sieben vier Kategorien wurden – jetzt handele es sich um die Auswirkungen.

Manche Fans sehen in dem Schweigen des SFCV einen Zusammenhang damit, dass der kommerzielle Arm des Dachverbands im Verein aufgehe. Frank: ,,Das ist Quatsch! Es sollte jedem klar sein, dass ich nicht sage, ,mach mal die Karten fünf Euro teurer’.” Man habe keine Unabhängigkeit aufgegeben, die man ohnehin nicht gehabt habe. ,,Wir waren immer davon abhängig, dass wir die Karten verkaufen können.”

Dass der Verkauf von Karten nun zurück an den Verein gehe, sei nur sinnvoll. Man habe 80 Prozent der Ressourcen da hinstecken müssen, um das Geld für das Finanzamt und die Gehälter der Mitarbeiter reinzuholen. ,,Das ist nicht Sinn der Sache bei einem Fanverband.” Zudem habe dem Verein eine eigene Fanabteilung gefehlt. ,,Dass der Fanclubverband als eigene Organisation nicht alle erreichen kann, hat man ja unter Magath gesehen, als ein Riss durch die Fans gegangen ist.”

Wie sich das Zusammenspiel in Zukunft gestalte, werde man abwarten müssen. ,,Schalke wird sich mehr öffnen”, ist Frank überzeugt. Der Vorstand des SFCV bleibe unabhängig, denn er werde von den Fanclubs getragen, die unabhängig sind: ,,Ich werde auch weiter meinen Mund aufmachen, wenn es sein muss. Aber das mache ich lieber intern.”

Frank will darauf drängen, dass es in Zukunft ein Kontingent an besonderen Tickets gebe – gerade für Jugendliche, günstig und an der Tageskassen zu bekommen: ,,Ich will, dass die so zu Schalke kommen, wie das bei mir war: indem sie am Tag eine Karte kaufen konnten.”