Die schönsten Vereinsorgane des FC Schalke 04 – Schalker Fan-Club Verband und Schalker Fanabteilung

(rk) FC Schalke 04 Holding GmbH & Co KG, Arena Management GmbH, Rechteverwertungsgesellschaft mbH & Co KG, Wahlausschuss, Ehrenrat und Ehrenpräsidium. Mal ehrlich, wer blickt denn da noch durch? Welches Vereinsorgan hat welche Aufgabe und wer wählt eigentlich wen für wie lange? Die Welt auf Schalke ist komplexer geworden, doch das SCHALKE UNSER sorgt jetzt für den – durchaus kritischen – Durchblick. Die neue Serie startet mit der Umstrukturierung des Schalker Fan-Club Verbands (SFCV) und der Neugründung der Schalker Fanabteilung.

Wir schreiben das Jahr 1978. Johannes Paul II. wird zum Papst gewählt, in London wird das erste Retorten-Baby geboren und Vadder Abraham führt mit dem ,,Lied der Schlümpfe” wochenlang die deutschen Charts an.

Ein anderer Blau-Weißer namens Rolf Rojek hat zu der Zeit ganz andere Probleme. Er versucht Struktur in die Schalker Fanclubs zu bringen, und das quasi vom Wohnzimmer aus. Schnell ist die Idee geboren, einen übergeordneten Fanclub-Dachverband zu gründen.

Das ist auch wichtig, denn zu der Zeit als Schalke in der vorhergegangenen Saison gerade Vizemeister geworden ist, schießen die Fanclubs geradezu wie Pilze aus dem Boden. Und alle brauchen Tipps: Wie gründet man überhaupt einen Fanclub? Wie formuliert man eine Satzung? Auf was muss man alles achten? Rolf Rojek ist in den folgenden Jahren schlichtweg DER zentrale Ansprechpartner für alle Schalke-Fanclubs.

34 Jahre später hat sich auf Schalke ein Riesen-Kulturwandel vollzogen, der natürlich auch vor dem Schalker Fan­Club Verband nicht Halt gemacht hat. Schalke 1978 und Schalke 2012, das sind zwei verschiedene Welten. Der SFCV hat inzwischen bei über 1500 organisierten Fanclubs mehr als 95.000 Mitglieder, also fast so viel wie der FC Schalke 04 selbst (111.000 Mitglieder).

Vom Wohnzimmer aus ist das nicht mehr zu organisieren, erst recht nicht allein. Und so haben sich beim SFCV auch im Laufe der Zeit Infrastrukturen entwickelt: eigene Büroräume am Berni-Klodt-Weg, Fan-Busse, festangestellte Mitarbeiter.

Die Aufgaben des SFCV haben sich dabei in den letzten Jahren geradezu monokultiviert. Während man inzwischen alle Tipps zur Gründung eines Fanclubs und selbst hergestellten Fanclub-Artikeln per Download erhält (und dies auch nicht mehr als Kern-Serviceleistung des Verbands betrachtet wird), geht es im Prinzip fast nur noch darum, die Ticketverteilung für Auswärtsspiele zu organisieren.

Wer einmal einer Bezirksversammlung des SFCV beigewohnt hat, wird bestätigen können, dass hier mindestens 90 Prozent der Zeit über den Ticketmangel bei Heim- und Auswärtsspielen diskutiert wird. Und das, ohne auch nur einen einzigen Schritt nach vorne zu kommen.

Die Zeiten, als ein Rolf Rojek noch mit einem Koffer voller Bargeld nach Valencia gereist ist, um ein weiteres Ticketbudget für die UEFA-Cup-verrückten Schalke-Fans klarzumachen, sind auch vorbei. Der Ticketmangel ist nun einmal allgegenwärtig und die Arena kann auch nicht weiter ausgebaut werden.

Die Mangelverwaltung stellt die Verantwortlichen und Mitarbeiter des SFCV gerade bei den Top-Spielen mit extrem hoher Nachfrage wie DFB-Pokalfinale oder dem Derby in Lüdenscheid vor schier unlösbare Aufgaben: Jedes Kriterium, das für einen Verteilungsschlüssel herangezogen wird, löst bei denen, die diese Kriterien nicht erfüllen, Unverständnis und Ärger aus, die sich wiederum in Telefonaten auf die SFCV-Geschäftsstellenmitarbeiter ungefiltert entladen.

Die SFCV-Mitarbeiter müssen sich hier viel Kritik anhören, was sicher nicht immer angenehm ist und auch zu einer gehörigen Portion Frust führt. Keine Frage. Doch ein Stück weit wird hierbei außer Acht gelassen, dass ein Teil der Probleme ganz einfach hausgemacht und historisch gewachsen ist.

Familienbetrieb?

Der SFCV ist das ,,Kind” von Rolf Rojek. Mit der Zeit ist der SFCV so gewachsen, dass immer mehr ehrenamtliche Helfer, aber auch Mitglieder der Familie Rojek, mit angepackt haben. Die halbe Familie Rojek ist inzwischen in den SFCV integriert und verdient hier ihre Brötchen. Und Rolf Rojeks Ehefrau Gudrun war auch Geschäftsführerin der ,,SFCV Fanbetreuung GmbH”. Dazu unten mehr.

Dass da die Kritiker nicht ausbleiben und Rolf Rojek teilweise gar ,,Vetternwirtschaft” vorwerfen, dürfte nicht großartig verwundern. Klar ist aber auch, dass die (früher) wenig transparenten Vereinsstrukturen des Schalker Fan­Club Verbands und die Verquickung mit der Fanbetreuung GmbH nicht unbedingt dazu beigetragen haben, mit diesen Vorwürfen ein für alle Mal aufzuräumen.

Intransparenz bei der Ticketvergabe

Viele Kriterien wurden schon zur Ticketverteilung ausprobiert: S04-Mitgliedschaft, S04-Dauerkarte, 1000-Freunde-Mauer-Baustein, Nachweis der Auswärtsfahrten von ,,Allesfahrern”. Und die ominöse ,,SFCV-Fancard”. Nur wer eine Fancard sein eigen nennt, so teilte der FC Schalke 04 zum Ende der Saison 2001/02 mit, erhalte ein Ticket für das anstehende Pokalfinale in Berlin gegen Bayer Leverkusen.

,,Fancard, was ist das denn?”, fragten sich damals viele zu Recht. Die organisierten Fanclubs und deren Mitglieder waren automatisch im Besitz der Fancard, alle anderen nicht-organisierten Fans schauten erst mal in die Röhre bzw. konnten eine Fancard zusätzlich beim SFCV kaufen und sich damit berechtigte Hoffnung auf eine Finalkarte machen. Gleichzeitig sollte man mit der Fancard in den Genuss der bevorzugten Bestellung weiterer Heimtickets kommen. Einen anderen tieferen Sinn, als sich eine Bevorzugung bei der Kartenvergabe zu erkaufen, hatte die Fancard nicht. Alles in allem war sie also eine äußerst wirksame ,,Erfindung” des SFCV, um die eigene Vereinskasse aufzufüllen.

Kriterien zur Ticketvergabe festzulegen, ist sicher nicht so einfach, sie ist natürlich auch immer abhängig von Angebot und Nachfrage. Der SFCV hat die Kriterien zwar immer rechtzeitig bekannt gegeben und auch begründet, ob die Ticketvergabe jedoch tatsächlich auch nach diesen Kriterien erfolgt ist, bleibt unbelegt. Viele Fans und selbst frühere SFCV-Ehrenamtliche kritisieren, dass es immer wieder ,,dunkle Kanäle” mit ,,Sonderbudgets” für ,,die eigene Clique” gegeben haben soll.

Abhängigkeit

Der Schalker Fan-Club Verband ist ein eingetragener Verein, seine Mitglieder sind die im SFCV organisierten Schalke-Fanclubs, auch Einzelpersonen können Mitglied im SFCV werden.

SFCV-Fanbetreuung GmbH

Neben dem SFCV e.V. gibt es die bereits oben erwähnte SFCV-­Fanbetreuung GmbH, deren Geschäftsführerin Gudrun Rojek ist. Zum Hintergrund: Seit 1980 unterstützte Gudrun mit ihrem 1977 gegründeten Geschäft den Schalker Fan-Club Verband e. V., 1996 gründete sie eine Gesellschaft bürrgerlichen Rechts (Verkauf von Sport- und Fanartikeln) und sponserte dem SFCV e. V. die ersten Büroräume.

Im Jahr 2003 wurde aus der GbR eine GmbH mit über 20 Mitarbeitern. Seitdem wurden außer den Büroräumen des SFCV e. V. auch kostenlose Mitarbeiter zur Erledigung des Tagesgeschäfts von der SFCV Fanbetreuung GmbH zur Verfügung gestellt.

Website, Newsletter, Verkauf von Eintrittskarten, Herstellung von Fanartikeln, Fan-Shop, alles lag in der Hand der GbR.

Also nicht nur aufgrund der Namensähnlichkeit kam es zu einer von außen kaum mehr durchschaubaren Verflechtung zwischen kommerzieller SFCV Fanbetreuung GmbH und SFCV e.V., was dann auch das Gelsenkirchener Finanzamt auf den Plan rief, das eine klare Trennung der Geschäftsbereiche forderte.

Nach langen Sitzungen hatte man sich im Jahr 2007 für eine Lösung entschieden. Aufgelöst werden sollte die Fanbetreuung GmbH. Alle Tätigkeitsfelder dieser GmbH sollten durch den SFCV e.V. übernommen werden. Da die Fanbetreuung GmbH aber für Rojeks Mitarbeiter die Haupt- einnahmequelle war – die Entsendung in den SFCV erfolgte unentgeltlich – musste ein Ausgleich geschaffen werden. Eine außerordentliche JHV am 11.11.2007 brachte deshalb eine Satzungsänderung nach dem ,,Schalker Modell”: Es wurde ein hauptamtlicher Vorstand installiert, der durch einen Aufsichtsrat kontrolliert wird.

Die SFCV-Fanbetreuung GmbH sollte mit diesem Beschluss eigentlich der Vergangenheit angehören, im Bundesanzeiger finden sich aber noch weitere Geschäftsberichte. Im Bilanzjahr 2010 belief sich der Posten ,,nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag” auf knapp 710.000 Euro, die gesamten Verbindlichkeiten auf fast 1,7 Millionen Euro, davon fast 1,5 Millionen Euro mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr. Nach neuesten Informationen befindet sich die SFCV-Fanbetreuung GmbH ,,in Abwicklung”.

Die neue Struktur

Seit Juli 2012 hat der FC Schalke 04 eine eigene Fanabteilung. Alle SFCV-Mitarbeiter aus dem operativen Geschäft sind seitdem bei Schalke 04 angestellt, lediglich der dreiköpfige hauptamtliche Vorstand ist weiterhin beim SFCV unter Vertrag. Als gleichberechtigte Partner sind Frank Arndt als SFCV-Vertreter und Patrick Arnold von Vereinsseite für die Belange der Fanabteilung verantwortlich.

Mit dieser Umstrukturierung gehen auch sämtliche Serviceleistungen wie Fanfahrten, Arena-Führungen oder auch die Vergabe und Verwaltung der Auswärtskarten des FC Schalke 04 auf die FC Schalke 04 Fanabteilung über. Dies hat für den SFCV zunächst einmal den großen Vorteil, dass der Personalkostenblock stark nach unten gefahren und auch das ehrenamtliche Kontrollgremium ,,SFCV-Aufsichtsrat” mit seinem neuen Vorsitzenden Rainer Vollmer deutlich entlastet wird.

Daneben wird der SFCV selbst aus der Schusslinie genommen, wenn es um die Festlegung der Kriterien zur Ticketvergabe geht. Weiterer Vorteil: Die Einzelmitgliedschaft (ehemals Fancard) im Fan-Club Verband fällt komplett weg und es zählt nur eine einzige Mitgliedschaft – nämlich die beim FC Schalke 04.

Was verbleibt dann noch beim SFCV? Nicht mehr wirklich viel, mag man meinen. Schalke Fan-Clubs werden weiterhin noch Mitglied im SFCV sein und von den (hauptamtlichen) Vorstandsmitgliedern und (ehrenamtlichen) Bezirksleitern verwaltet und betreut. Finanzieren wird sich der Vorstand durch die Mitgliedsbeiträge der Fanclubs und Sponsorengelder. Laut eigener Aussage des SFCV-Vorstands soll dieses Konstrukt die Unabhängigkeit des SFCV gegenüber dem Verein FC Schalke 04 sicher stellen. Frank Arndt meint dazu: ,,Diese Entscheidung war uns wichtig, so behalten wir die nötige Distanz zum Mutterverein, um uns auch mal kritisch zu äußern, sollte es denn nötig sein.”

Ob der SFCV allerdings wirklich unabhängig ist, je war oder je sein wird, darüber streiten sich die Geister. Und damit stellt sich natürlich auch die Frage, ob es nicht auch ein sinnvolles Modell gewesen wäre, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen, den SFCV in der neuen Schalker Fanabteilung aufgehen zu lassen und die verbleibenden drei Vorstandsmitglieder auch bei Schalke 04 anzustellen. Der SFCV würde damit vielleicht nur eine Scheinunabhängigkeit aufgeben und nicht mehr Gefahr laufen, sich bei dem Spagat zwischen der Wahrung der Vereins- und Faninteressen alle Knochen zu brechen.

Vielleicht ist dieser Schritt bislang auch nur unterblieben, weil Rolf Rojek als Aufsichtsratsmitglied sowie Frank Arndt und Arthur Saager als Mitglieder des Wahlausschusses des FC Schalke 04 nicht beim Verein angestellt werden dürfen. Vielleicht wäre ein solcher Schritt aber auch einer Palastrevolution gleichgekommen, denn ,,alteingesessene” Fan- clubs hätten damit deutlich an Einfluss verloren. Das wollten die Fanclubs nicht und das wollte Schalke nicht. Man darf gespannt sein, wie es hier weiter geht.

Geführt wird der SFCV von einem hauptamtlichen Vorstand, bestehend aus drei Personen. Dies sind aktuell Frank Arndt (1. Vorsitzender), Rolf Rojek und Arthur Saager (beide stellvertretende Vorsitzende). Der Verein finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen sowie weiteren Service-Dienstleistungen wie Vorverkaufsgebühren, Arena-Führungen und Fanfahrten.

Als eingetragener Verein ist der SFCV nominell unabhängig vom ,,Verein” FC Schalke 04. Ob diese Unabhängigkeit jedoch in allen Belangen so gegeben ist, wird von vielen Seiten bezweifelt.

Der hauptamtliche Vorstand des SFCV wird bestellt und kontrolliert durch den aktuell sechsköpfigen SFCV-Aufsichtsrat, wobei ein Aufsichtsratsmitglied aus dem Vorstand des FC Schalke 04 kooptiert wird (aktuell S04-Geschäftsführer Peter Peters). Ein Vorstandsmitglied des SFCV (aktuell Rolf Rojek) hat umgekehrt einen Platz im Aufsichtsrat des FC Schalke 04.

Eine Unabhängigkeit des SFCV von dem ,,Verein” FC Schalke 04 ist also auf dem Papier schon fraglich, personell ist aber eine deutliche Verquickung erkennbar und offensichtlich hängt auch die berufliche Existenz des hauptamtlichen Vorstands am ,,Tropf” des FC Schalke 04. Der alte Spruch ,,Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing” dürfte auch beim SFCV nicht immer von der Hand zu weisen sein.

Und wie kommt man nun in den SFCV-Aufsichtsrat? Man kann sich unter gewissen Voraussetzungen (mindestens drei Jahre ein Amt in einem Vereinsorgan des SFCV oder mindestens fünf Jahre Mitglied im Vorstand eines im SFCV eingetragenen Fan-Clubs) als SFCV-Mitglied ganz normal zur Wahl stellen, muss dazu allerdings erst einmal den Wahlausschuss passieren, der die Kandidaten auf Eignung prüfen soll. Das ist sinnvoll, denn es soll sich in der Vergangenheit schon so mancher Tontilon vorgestellt haben, der sich für dieses Amt partout nicht eignet.

Daneben wird wie erwähnt ein Vorstandsmitglied des FC Schalke 04 in den Aufsichtsrat entsandt. Der Aufsichtsrat kann ein zusätzliches Mitglied bestimmen. Dessen Bestellung erfolgt für zwei Jahre und ist jederzeit widerruflich.

Die Mitglieder des Wahlausschusses werden von der Mitgliederversammlung gewählt, genauso wie die Aufsichtsräte. Soweit alles demokratisch, wenngleich so manchem die Meinungen im Wahlausschuss etwas ,,gleichgeschaltet” vorkommen. Aber wie gesagt, alles demokratisch, daran ist im Prinzip nichts einzuwenden.