Attacke – Mal wieder auf dem Teppich landen

Allesfahrer soll in Zukunft nur noch sein, der nicht nur in der Bundesliga, sondern auch bei Pokal- und internationalen Spielen – bis auf zwei Mal – seine Präsenz zeigt. So wollen es die aktuellen Erwägungen des neuen und verbesserten Fanorganisationskartells.

Leidenschaft für den Verein – das prägt Allesfahrer. Und das FC-Schalke-04-e.V.-Kartenverteilungszentralkomitee muss unstrittig einen Mangel verwalten. Vorgaben wie mehr Kontrollen mögen lästig sein, aber die meisten echten Allesfahrer akzeptieren sie ohne weitere Probleme. Schließlich ist Allesfahrer nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen darf. Für sie ist jedes Match ein persönliches Pflichtspiel.

Natürlich hat jeder Vorschlag jedes Fans die Eigenschaft, dass er perfekt zu den eigenen Wünschen passt. Aber Kriterien sollen auch für den leidenschaftlichsten Fan erfüllbar sein.

Werfen wir doch einen Blick ins entsprechende Recht: Laut Bundesurlaubsgesetz hat jeder werktätige Bundesbürger das Recht auf 24 Werktage Urlaub – Werktage, wohlbemerkt, nicht Arbeitstage, Samstage zählen mit. Macht damit vier Wochen Urlaub, von denen per Gesetz zwei am Stück zu nehmen sind. Schlage man das auf internationale Spiele um, die in der Regel drei Tage ,,fressen”, wird das sehr, sehr schwer mit dem Urlaub.

Zumal die meisten Arbeitgeber komischerweise auch darauf bestehen, dass man seinen Urlaub zu Jahresbeginn anmeldet. Sätze wie ,,Ich bin dann in zwei Wochen mal für drei Tage wech” erfreuen sich bei den meisten Vorgesetzten nur eingeschränkter Beliebtheit.

Kaum zu stemmen für jemanden, der nicht auf geraden oder weniger geraden Wegen seinen Lebensunterhalt beim ruhmreichen FC Schalke 04 e.V. verdient.

Ungeachtet auch der Tatsache, dass so ein Auswärtstrip für gewöhnlich auch im Durchschnitt 400 Euro verschlingt – ob jetzt per Flieger oder per Bus mit Halts an nicht immer billigen Raststätten. Die Kartenpreise bei internationalen Spielen sind auch nicht gerade im Niedriglohnsektor angesiedelt.

Wie wäre es denn mit Kriterien, die an die Wirklichkeit angepasst sind: Quittungen über ruinierte Radlager. ADAC-Bescheinigungen über Reifenpannen auf der Autobahn. Nierensteine als Beleg für fünfstündige Touren mit abgesperrten Zugtoiletten. Das ist die Wirklichkeit, kein Miles-and-More-Rabatt für Wohlstandsfans.

Kurzum: Strenge Kontrollen für ,,echte” Allesfahrer gerne, Kriterien auch. Der Kartenausschuss hat sich damit noch nicht befassen können, die Heimpreise waren Aufreger genug.

Aber auch solche Auswärtskarten-Beschlüsse sollten nicht aus dem Elfenbeinturm herausgefällt werden, sondern man sollte dabei auf dem Teppich bleiben.

Egal, wohin der fliegt.