Die Randgruppenecke – diesmal: Die Kommunikationsprofis der Polizei “Anders gesprächsbereit”

,,Wir als Polizei Dortmund haben unsere Gesprächsbereitschaft gegenüber den Fangruppierungen schon im Vorfeld des Derbys über die Vereine signalisiert. Dieses Angebot wurde konsequent abgelehnt. Trotz allem bleiben wir weiterhin jederzeit gesprächbereit. Zu einem Dialog bedarf es eines gesprächsbereiten Partners.” Na, auf dieses Angebot kamen wir vom SCHALKE UNSER doch nur allzu gerne zurück.

Nur: Ganz so einfach war das mit der Gesprächsbereitschaftschaft doch nicht. Mit ,,anonymen” Stellungnahmen im Internet gibt sich die Polizei Dortmund nicht ab, beispielsweise auch nicht mit der von ,,schwatzgelb.de”: ,,Aus unserer Sicht sind anonymisierte Berichte und Stellungnahmen im Internet nicht geeignet, um vernünftig miteinander ins Gespräch zu kommen.”

Hatten wir uns zunächst noch gewundert, dass den ,,szenekundigen” Beamten die Autoren doch sicher namentlich bekannt gewesen sein müssten, wunderte uns bald gar nichts mehr. Auch das SCHALKE UNSER der Schalker Fan-Initiative e.V. war nicht bekannt. Dabei hatte die Fan-Ini sogar schon einmal Auszeichnungen von Land- und Bundestag erhalten. Naja, man kann nicht alles wissen.

Auf unseren Brief (SCHALKE UNSER 76) gab es immerhin doch eine Antwort: Man brauche zunächst einmal einen Ansprechpartner, bevor man eine Replik erwäge. Laut Landespressegesetz ist zwar weniger der, als allenfalls die Angabe des ,,Verantwortlichen im Sinne des Presserechts”, notwendig, damit eine Behörde eine Antwort gibt, aber man ist ja nicht so. Und was man überhaupt mit der Antwort wolle – abdrucken? Das kommt tatsächlich bei einem Presseorgan vor, ja. Und man brauche auch noch eine Telefonnummer. Die allerdings ist laut Pressegesetz tatsächlich überhaupt nicht nötig. Aber wenn es der Wahrheitsfindung dient.

Nun ist unser Redakteur auch hauptberuflich Journalist, und zwar bei einem großen, renommierten deutschen Medienunternehmen. Das sorgte für eine längere Gesprächspause im Telefonat. Gefolgt von der Klarstellung, dass wir hier tatsächlich für das SCHALKE UNSER recherchieren, aber während normaler Behördenarbeitszeiten nur an unserer Arbeitsstelle erreichbar sind. Nun, in jedem Falle melde sich die Polizei später, sie müsse erst intern klären, wie man auf unsere Anfrage reagiere. Eine Pressestelle. Auf eine Presseanfrage.

Reagiert hat die Polizei in Dortmund dann, und zwar eine Woche später mit der Einladung zu einer Pressekonferenz. Wie sich später herausstellte, das erste Mal, dass man eine solche überhaupt zur Hinrundenbilanz machte. Dort seien wir herzlich willkommen und man wolle dort auch alle Fragen beantworten. Da sich nach der Stellungnahme der ,,Hugos” noch weitere ergeben hatten, mögen wir doch auch diese vorab einschicken, damit sie berücksichtigt werden könnten. Machen wir doch gerne.

Nein, Zeit für Fragen sei hinterher nicht, man habe einen engen Terminplan. Und hinterher würde man sie auch nur sehr ungern noch schriftlich beantworten, man wolle das Thema abschließen.

So zogen wir dann mit insgesamt 17 Fragen in die Pressekonferenz, von denen zwei im Einführungsstatement beantwortet wurden; zwei weitere direkt auf Hinweis eines Pressesprechers auch noch. Blieben 13. Während die Kollegen anderer Medien eigentlich nur Interesse an den ,,baulichen Maßnahmen” am Westfalenstadion hatten und sie ,,freiheitsentziehende Maßnahmen” an Fans oder offensichtliche Diskrepanzen zwischen ,,Ingewahrsamnahmen” und tatsächlich eingeleiteten Strafverfahren nicht interessierten, arbeiteten wir also unseren Katalog ab.

,,Haben Sie eine Liste?”, fragte dann auch einer der Herren Polizeibeamten. ,,Ja, und diese lag Ihnen auch vor.” Es dauerte damit etwas länger und kostete so manchen Zentimeter Bleistiftmine, aber unsere Antwort hatten wir dann doch noch bekommen. Nur nicht ganz so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten bei der Polizei, die ,,weiter im Dialog mit den Fans” bleiben will.